Grassroot Peacebuilding, Friedensförderung in Mindanao (Philippinen)
Mindanao ist die zweitgrößte und die südlichste Inselgruppe der Philippinen. Gemeinsam mit den beiden nördlicher gelegenen Inselgruppen Visayas und Luzon bildet Mindanao den Inselstaat der Philippinen. Die Region ist von tiefgreifenden, historischen Konflikten geprägt, die trotz langjähriger Friedensverhandlungen immer wieder aufzuflammen drohen. Das MindanaoPeacebuilding Institute (MPI) setzt an der Basis an und unterstützt Institutionen und Gemeinschaften durch Bildung zu Friedensförderung.
In den späten 1960ern eskalierte der Konflikt im Süden Mindanaos, wegen der staatlich geförderten Ansiedlung christlicher Siedler aus dem Norden auf die mehrheitlich von der muslimischen Minderheit (Moros) bewohnte Südinsel der Philippinen. Seine historischen Wurzeln hat er in der Kolonialzeit. Die Kolonialisierung des Landes durch Spanien im 16. Jahrhundert bedeutete kulturelle Unterdrückung und christliche Missionierung der philippinischen Bevölkerung, die damals mehrheitlich muslimisch war. Besonders im Süden schaffte es die muslimische Bevölkerung sich der Christianisierung zu entziehen. Dies prägt bis heute die religiöse Aufteilung der Gebiete und wurde durch Siedlungspolitik noch verstärkt. Seit den 1960ern kämpfen bewaffnete muslimische Gruppierungen gegen die Ungleichheit und die Gewalt der Regierung. In den letzten Jahren haben mehrere Friedensverhandlungen zu einem instabilen Frieden geführt, der Rückhalt in der Bevölkerung und gesellschaftlichen Institutionen braucht.
Die NGO Mindanao Peacebuilding Institute (MPI) setzt bei der Unterstützung der Bevölkerung für einen nachhaltigen Frieden an. MPI versteht sich als ein unabhängiges Institut für Friedenserziehung und -bildung für den asiatischen Raum. Seine Arbeit reicht über die Ländergrenzen der Philippinen hinaus und verbindet gezielt Friedensaktivist*innen unterschiedlicher Herkunft. Somit wird aus der Konfliktregion Mindanao auch ein Begegnungsort für Menschen, die zusammen an einer friedlichen Zukunft arbeiten wollen.
Friedensmentor*innen geben Wissen in ihren Organisationen weiter
In den von MPI angebotenen Kursen und Beratungen werden Personen zu Friedensmentor*innen ausgebildet und über 3 Jahre hinweg begleitet. Bei diesen Personen handelt es sich großteils um junge NGO-Mitarbeiter*innen, die in Bereichen regionaler Entwicklung in konfliktbetroffenen Gebieten tätig sind. Um eine erweiterte Zielgruppe zu erreichen, bekommen diese Mentor*innen weitere Personen ihrer Organisation als Mentees, Lernende, zugeteilt. Somit wirkt das erlernte Wissen und die Strategien der Friedensförderung auf mehreren Ebenen einer Organisation und auch in unterschiedlichen Gemeinschaften weiter. Durch die Möglichkeiten des Austausch und der Begegnung unterschiedlicher Vertreter*innen, wird außerdem ein nachhaltiges Netzwerk zwischen den beteiligten Organisationen geschaffen.
Der Mehrwert für die Organisationen besteht in einer langfristigen positiven Wirkung auf ihre Managementebene und Organisationsstruktur sowie auf die Mitarbeitenden und die Gemeinschaften, in denen sie tätig ist. Bei den teilhabenden Organisationen handelt es sich um Vereine interreligiösen Dialogs, um muslimische Gemeindeorganisationen, Vereine zur Verteidigung indigener Rechte sowie Schulen und Universitäten. Ziel ist es, dass diese Organisationen die Programme in ihre eigene Arbeitsweise integrieren und die Mentor*innen damit zu Multiplikator*innen werden.
Grassroots Peacebuilding
Die praxisnahe Arbeit des Instituts wird in dem Ausbildungsprogramm auch als Grassroots Peacebuilding, also „Graswurzel Friedensförderung“ genannt. Dies bedeutet, dass Friedensförderung „von unten“ organisiert wird, von der Bevölkerung und junger Menschen vor Ort, die die langfristige Friedenserhaltung herbeiführen und stärken können. Für die vielen niederschwelligen Konflikte ist eben diese basisnahe Arbeit von Personen, die selbst aus den Regionen kommen, von zentraler Bedeutung.
MPI leistet seit dem Jahr 2000 bedeutende Bildungs- und Vernetzungsarbeit und wird seit 2010 von der DKA unterstützt. Sie stellt Angebote und Ressourcen zur Verfügung, Friedensförderung und Friedenserhaltung zu erlernen und Konfliktprozesse zu verstehen. Ziele für die Zukunft sind es, die Ausbildungsprojekte weiter auszubauen und eine nachhaltige Gemeinschaft an Friedensmultiplikator*innen aufzubauen, die einen positiven Wandel in der Region und in ganz Südostasien bewirken können.
