Convivência – Mit der Natur zusammenleben (Brasilien)
Der Nordosten Brasiliens ist durch semiaride Gebiete gekennzeichnet - Regionen mit ausgeprägter Trockenzeit. Durch die langen Trockenperioden, gefolgt von einigen niederschlagsreichen Monaten, entstehen Halbwüsten, die das landwirtschaftliche Leben und die Bewirtschaftung herausfordern. Das Institut IRPAA will dafür Strategien eines guten Lebens für die Bewohner*innen im Zusammenspiel mit der Natur entwickeln.
IRPAA (Instituto Regional da Pequena Agropecuária Apropriada) ist ein regionales Institut zur angepassten Land- und Viehwirtschaft. IRPAA setzt sich für eine Sicherung der Grundrechte und des zu bewirtschaftenden Landes ein, um den Menschen der Region ein nachhaltiges, gutes Leben zu ermöglichen. Das Zusammenleben mit der Natur, das Verstehen und angepasste Wirtschaften, wird in der Idee des Convivência (Koexistenz) als Voraussetzung dafür gesehen.
Dafür braucht es politische Maßnahmen, die den Schutz von natürlichen Ressourcen und Land garantieren sowie eine geeignete Vertretung der Gemeinden auf politischer Ebene. Weiters braucht es Wissen und Vernetzung, um die klimatischen Bedingungen der Region zu erforschen und zu verstehen. Für einen nachhaltigen Schutz des Lebensraums muss die junge Generation miteinbezogen und aktiv an Entscheidungen beteiligt werden.
Durch den öffentlichen Einsatz der jungen Menschen wird die Convivência auch zu einem politischen Gegenmodell im menschlichen Umgang mit der Natur und der Klimakrise.
Politische Sichtbarkeit
Das Institut betreibt politische Lobbyarbeit bis in die bundesstaatlichen Gremien, um den Anliegen von Kleinbauern*- und Bäuer*innen Gehör zu verschaffen. Das soll politische Maßnahmen fördern um das Land und die Einkommensgrundlage durch Land- und Viehwirtschaft zu schützen. Diese politische Sichtbarkeit hat auch soziale Auswirkungen. Die Stärkung der traditionellen Werte der Convivência, des Interagierens und Zusammenlebens mit der Natur, verteidigt die Lebensweisen und Rechte traditioneller Gemeinschaften, die damit ebenso in der Politik vertreten werden.
Durch öffentlichkeitswirksame Initiativen soll Bewusstsein für die Besonderheiten der semiariden Region und die bedeutende Fortbestehung des Lebensraums für viele traditionelle Gemeinschaften geschaffen werden.
Nachhaltige Bildung lokal ermöglichen
Eine der zentralen Anliegen von IRPAA ist es, die junge Bevölkerung in die Projekte einzubinden und ihnen durch Bildung Zukunftsperspektiven in der Region zu ermöglichen. Junge Menschen werden gestärkt, sich für ihre eigenen Anliegen in der Politik einzusetzen und für das Zusammenleben und Landwirtschaften in dem semiariden Gebiet geschult. Es gibt Kurse für junge Führungskräfte, die sie ermächtigen, Gelerntes in ihre Gemeinden mitzunehmen und anzuwenden. Damit können sie selbst Einfluss auf ihre Zukunft üben und die Entwicklung der Region aktiv mitgestalten.Parallel dazu werden landwirtschaftliche Familienbetriebe und das Wirtschaften mit lokalen Produkten unterstützt. IRPAA organisiert Gesprächsrunden, Debatten und Schulungen, die sich mit Themen der nachhaltigen Landwirtschaft und den Landrechten traditioneller Gemeinden beschäftigen.
Wissen vernetzen und vermitteln
Ebenso werden Strategien des ökologischen und landwirtschaftlichen Arbeitens weitergegeben. Traditionelle Wissen wird in Kombination mit neuen Erkenntnissen in Workshops, Schulungen und wissenschaftlichen Studien vermittelt. Ein eigenes Ausbildungszentrum mit 32 Hektar Fläche für biologische Landwirtschaft und für die Erforschung des biodiversen Lebensraums wurde gegründet, das Raum zum gemeinsamen Lernen und Arbeiten bietet. Die Zusammenarbeit wird dabei über die Gemeindegrenzen hinaus gestärkt, sodass Probleme und Lösungen regional angegangen und auch in politische Gremien getragen werden können
