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Warum geht da nichts weiter?

Church in progress?

Manchmal könnte man ja wirklich auszucken, wenn so gar nichts weiter geht in der Kirche, wenn alles so starr und unverrückbar erscheint: seien es manche Gottesdienste oder kirchliche Strukturen, seien es Moralansichten oder aber Pfarr-Gewohnheiten. Wie soll das in die heutige Zeit passen, geschweige denn den Herausforderungen von Gegenwart und Zukunft gerecht werden. Und das in einer Zeit, wo „Flexibilität“ oder „Anpassungsfähigkeit“ hoch im Kurs stehen. Die Annahme, dass die Kirche also doch ein verstaubter, überholter Verein ist, liegt sehr nahe – berechtigt?

Gerne erinnere ich mich – zugegebenermaßen etwas schadenfroh – an eine Schulsportwoche. Der höchst vorlaute Rudi fuhr per Rad gleich hinter mir – bis es plötzlich ein leises „blubb“ machte und die Stimme angenehmer Stille den Platz überließ. Eine noch recht kleine Pflanze hat den betonierten Radweg aufgebrochen und Rudi war samt Rad (Gott sei Dank – bis auf seinen Stolz – völlig unverletzt) im benachbarten Sumpf-Morast gelandet. Mitgenommen habe ich mir von diesem Ereignis den tiefen Eindruck, welch gewaltige Kräfte die so langsam wachsende Natur entwickeln kann: Eine kleine Pflanze sprengt Beton.

Ähnliches erlebe ich in unserer Kirche immer wieder. Zumeist ist „mit freiem Auge“ keine „Veränderung“ zu sehen: Es geht nichts weiter – so wie auch das Größer-Werden von Blumen nicht gut sichtbar ist! Und doch gibt’s im Rückblick Momente, wo das kräftige Wachsen und Werden mehr erreicht hat, als manch überschnelle Revolution. Ein Beispiel? Kann sich heute noch jemand vorstellen, dass die Messe in Latein gefeiert wird? In der Generation unserer Großeltern war dies noch Alltag. Und die Veränderung zur Muttersprache kam keineswegs als überraschende Revolution: Jahrzehntelang gab es die liturgische Bewegung, die – mit sanfter Zähigkeit, oft an den Grenzen des kirchlich Legalen kratzend und diese auch überschreitend – mehr und mehr in diese Richtung drängte. Eine Sofortumstellung innerhalb von Monaten wäre sicherlich auch möglich gewesen – aber wie viele wären enttäuscht übrig geblieben, hätten es nicht verstanden oder ihre eigenen Süppchen gekocht.

Natürlich wünsche ich mir oft, dass „endlich etwas weiter geht“. Ich hätte da durchaus eine ganze Liste, wo ich mir viel mehr Schwung und Bewegung wünschen würde. Und doch weiß ich aus der Geschichte, wie kurzlebig oft überschäumende Revolutionen sind und wie tief im Gegensatz dazu langsame Veränderungen und Entwicklungen sitzen und von Dauer sind – unumkehrbar.

Nicht, dass das „Abwarten“, „Geduld haben“ oder „Zeit lassen“ immer toll und gemütlich wäre. Auf der anderen Seite: Gott sei Dank gibt es auch jene, die Bewegung rein bringen, ein bisschen Zunder unterlegen oder oft auch ganz massiv auf Veränderung drängen. Ohne sie ginge gar nichts weiter. „Steter Tropfen höhlt den Stein.“ – so heißt es. Und stetig „nur“ zu tröpfeln – das klingt fad. Doch ist ein Stein-Höhlen mit der Brechstange auch nicht gerade effek­tiv. So bin ich glücklich über die vielen, denen Kirche oder Pfarre derart viel wert ist, dass sie sich auch dem Frust der langsamen Veränderung aussetzen. Denn nur durch sie geht wirklich etwas weiter – das aber dafür ordentlich & nachhaltig. So wie bei meinem grünen Spielzeugauto als Kind: Es war schwer in Bewegung zu bringen, wenn es aber erst einmal unterwegs war, dann war es kaum mehr zu bremsen…

Schön, dass Gott einen langen Atem hat – manchmal gelingt es mir in meinem Leben, mich seinem Rhythmus ein kleines bisschen anzunähern…

Gerald Gump
Pfarrer & Dechant,
ehem. Jungscharseelsorger

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