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Wie im Himmel, so auch auf Erden!

Ich glaube, dass die Welt sich noch mal ändern wird
und dann Gut über Böse siegt,
dass irgendjemand uns auf unseren Wegen lenkt
und unser Schicksal in die Hände nimmt.
Ja, ich glaube an die Ewigkeit
und dass jeder jedem mal vergibt.
Alle werden wieder voreinander gleich,
jeder kriegt, was er verdient.

Ich glaube, dass die Welt einmal in Frieden leb
und es wahre Freundschaft gibt.
Und der Planet der Liebe wird die Erde sein
und die Sonne wird sich um uns drehn.    
(Auszug aus “Wünsch dir was” von den Toten Hosen)

Die Toten Hosen haben in ihrem Lied “Wünsch dir was” eine schöne Welt skizziert. Eine perfekte Welt, in der wir alle gleichwertig sind, in der niemand Hunger leidet, in der das Gute über das Böse siegt. Und irgendwie hört sich diese Vorstellung von einer so viel besseren Welt doch ganz verlockend an. In meinem Artikel möchte ich der Frage nachspüren, wie sich der Wunsch nach einer heilen Welt, den vielleicht der/die eine oder andere von euch auch schon mal in sich gespürt hat, im Christentum darstellt und was der Unterschied zwischen dem alttestamentarischen Reich Gottes ist und dem, von dem Jesus uns erzählt.

Von Anfang an

Am Anfang hatten Adam und Eva es wunderbar im Paradies. Sie lebten eine Zeit lang in einer Welt, so wie wir sie uns alle manchmal wünschen. Ohne Hass, Neid und Angst. Sie hatten alles, was sie zum Leben brauchten – doch sie haben es “verschissen” –  durch ihre Neugier und ihren freien Willen haben sie es verloren. Sie gaben der Versuchung nach und haben diesen perfekten Zustand für uns Menschen ein für alle Mal verspielt.

Lange Zeit wurde im Christentum die Auffassung vertreten, dass unser irdisches Leben nicht wichtig ist und dass alles, was wir hier auf der Erde tun, nur dazu beiträgt, uns in den Himmel zu bringen. Es gab/gibt die Vorstellung von Fegefeuer, Himmel und Hölle. Vom Teufel, der uns in Versuchung führt und von unendlichen Qualen, wenn wir es nicht schaffen, für unsere Sünden zu büßen.

In einem Denkmodell dieser Weise stellt sich die Frage, wozu wir dann eigentlich leben und was für einen Sinn ein Leben auf dieser Erde hat. Wenn alles nur auf das Leben nach dem Tod ausgerichtet ist, wenn der paradiesische Zustand nur durch den Tod erreicht werden kann, wozu dann überhaupt leben? Wozu sich anstrengen und sich bemühen, das Gute in die Welt zu tragen? Es ist also ein deprimierendes, kleinmachendes, niederdrückendes Modell, dass uns da vorgesetzt wird und das als gegeben hinzunehmen wäre.

Zweiter Akt, erste Szene: Auftritt Jesu

Doch eines Tages kam einer, der hat dieses Denkmodell gehörig auf den Kopf gestellt. Jesus hat sich schon zu seiner Zeit mit den Pharisäern, einer Schar von Männern, die theologisch und philosophisch die Zeit Jesu geprägt haben, angelegt, weil er ihnen erklärt hat, dass das Reich Gottes in jeder/jedem von uns steckt – weil jeder Mensch dafür verantwortlich ist, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Er selbst hat es vorgelebt. Wenn Jesus auftrat, hörten die Menschen zu. Ergriffen. Verwundert. Verwirrt. “So wie dieser hat noch keiner gesprochen”, hieß es. Jesus redete nicht um den heißen Brei herum. Klipp und klar sagte er denen, die es hören wollten, was Sache ist. Er fuhr den selbstverliebten Frommen an den Karren, er gab den Armen eine Perspektive, er richtete die Leidenden auf – und er kam immer wieder auf sein Lieblingsthema zu sprechen: Das Reich Gottes.

“Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe! Kehrt um und glaubt diese gute Botschaft!” (Mk 1,15) hat Jesus gesagt und damit einen Hoffnungssamen ausgesät in einer Zeit, in der die Menschen von Krieg, Hunger und Not bedroht waren. Aber plötzlich macht das Leben auf der Erde wieder einen Sinn. Jesus schenkt uns durch seinen Tod nicht nur das ewige Leben bei Gott, sondern er zeigt uns durch sein eigenes Leben und seine Hingabe, dass wir es in der Hand haben, ob Gottes Reich erst im Himmel beginnt oder schon hier auf Erden. Immer wieder zweifeln die Menschen an ihm und seiner Idee vom Reich Gottes. “Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es an äußeren Anzeichen erkennen kann. Man wird auch nicht sagen können: ‘Seht, hier ist es!’ oder: ‘Es ist dort!’ Nein, das Reich Gottes ist mitten unter euch” (Lukas 17,20-21) Jesus fordert uns heraus und er fordert uns auf, nicht mit weniger zufrieden zu sein als mit dem Besten: mit dem Reich Gottes – mit der Vollkommenheit. Er fordert uns auf zu glauben und zu handeln aus diesem Glauben heraus. Jesus schenkt uns ein aufmunterndes, aufbauendes, großmachendes Denkmodell.

Be Nice!

Wie wir leben, was wir sagen, wie wir handeln und woran wir glauben macht also den Unterschied. Jesus hat es schon vor über 2000 Jahren gesagt und doch hat sich dieses Denken noch nicht ganz durchgesetzt. In dem Buch “The second coming” vom amerikanischen Autor John Niven wird das menschliche Versagen was das Reich Gottes angeht auf humoristische Weise aufgearbeitet. Nivens Gott wollte eigentlich nur, dass wir ein Gebot befolgen: “Be nice!” – und er ärgert sich schon ein wenig über Mose, der alles so verkompliziert hat und aus diesem einfachen Wunsch Gottes die 10 Gebote gemacht hat. Alles ist zur Interpretationsfrage geworden und jede/r rechtfertigt sein Tun mit einem aus dem Zusammenhang gerissenen Satz in der Bibel. Und so humorvoll und blasphemisch dieser Roman auch sein mag, der Grundgedanke ist doch ein entzückender: “Be Nice!” So einfach wäre doch das Leben, wenn jede/r von uns dieses Gebot zu jeder Zeit befolgen würde. Da würde plötzlich der Kinderwagen von drei Freiwilligen in die Straßenbahn gehievt. Da wäre die Schule plötzlich kein Ort mehr, wo Mobbing etabliert ist. Auf einmal könnte man seine Haustür des Nächtens offen stehen lassen und man würde eine Hand voll Obdachloser einfach mal auf nen Burger im Fastfood-Schuppen einladen. Man hätte die Möglichkeit mit der netten älteren Dame in der U-Bahn ein freundliches Gespräch zu führen und könnte Vorurteile einfach in eine Schublade stecken und den Schlüssel nach dem Versperren einschmelzen lassen.

Auf die Plätze, fertig, los!

Ein bisschen utopisch, würdest du sagen? Na dann probier es doch mal einen Tag lang aus. Bestimmt gibt es auch in deinem Leben etwas oder jemanden, der/dem gegenüber sich etwas Kleinmachendes, Deprimierendes und Niederdrückendes in dir meldet. Ist es Neid? Ist es Angst? Ist es Hass? “Be Nice!” und spring über deinen Schatten – und du wirst das Reich Gottes in dir spüren. Wooooow!

Theatralisch!!! – denkst du dir jetzt vielleicht… aber du wirst sehen, wenn du dem Ganzen eine Chance gibst, eine echte Alternative. Dann wirst du auf jeden Fall eine Veränderung in dir spüren.

Nika Fürhapter mit Gedanken von www.jesus.ch, John Niven und den Toten Hosen ;-)

kumquat "Utopia" 2/2012

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