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NOI… im Blick

Ein Hintergrundartikel zu Nord-Ost-Indien

Bollywood, Tee, Gewürze, bunte Farben, Saris, Elefanten, Hinduismus – sind Bilder, die wir mit Indien verbinden. Oft entsprechen solche Bilder nicht der Realität. Im Sommer werden junge Erwachsene aus dem Nordosten Indiens in Österreich an einem LernEinsatz teilnehmen: Vier Wochen lang werden sie einerseits in unsere Lebensrealität hinein schnuppern und andererseits uns Österreicher/innen einen Einblick in die Realität Nord-Ost-Indiens geben. Dieser Artikel gibt einige Hintergrundinfos abseits unserer gängigen Indienbilder.



Indien hat besonders in den letzten Jahren durch Bollywoodfilme und seine lebhafte Musik mehr Bekanntheit gewonnen. Berichterstattungen über Indien reduzieren dieses vielfältige Land, das mit 1,15 Milliarden Menschen die größte Demokratie der Welt ist, jedoch oft auf die Filmindustrie, große Städte, wie Delhi und Mumbai, vermehrt leider auch auf Bombenanschläge.

Der Bundesstaat Assam im Nordosten des Landes, der in etwa so groß ist wie Österreich, und seine „Schwesternstaaten“ (Arunachal Pradesh, Nagaland, Mizoram, Tripura, Meghalaya und Manipur) sind bei uns weitgehend unbekannt. Meistens verbinden wir mit dieser Region nur den Tee, der uns besonders im Winter mit indischen Gewürzen wärmt. In Assam sind weite Teile vom Teeanbau abhängig und er stellt wirtschaftlich einen wichtigen Faktor dar.

Vielfalt an ethnischen Gruppen

Der Nordosten von Indien bietet aufgrund seiner rund 200 verschiedenen ethnischen Gruppen interessante und vielschichtige Aspekte. Gewaltvolle Konflikte prägen den Alltag der Bevölkerung und drehen sich um die gewollte Unabhängigkeit der Region von Indien und um die Vernachlässigung der Bundesregierung in deren Entwicklung.

Einige Rebellengruppen begründen ihre Ideologien, ihre politischen Ideen und Ziele, mit kulturellen und ethnischen Unterschieden zwischen der Bevölkerung des Nordostens und derjenigen des indischen Kernlands, andere betonen die Unterschiede innerhalb der Region. Der indische Staat geht seit Jahren mit Waffengewalt gegen die bewaffneten Rebellengruppen vor. Über Jahrzehnte entstand so ein Teufelskreis der Gewalt, der die Entwicklung der Region nach wie vor beeinträchtigt. In den letzten Jahren änderte der Staat seine Politik dahingehend, dass er den Rebellengruppen gegenüber vermehrt Gesprächsbereitschaft durchblicken ließ, was in einigen Fällen bereits Erfolge mit sich gebracht hat.

Land, Landwirtschaft, Bildung

Nach den Assamesen und Bodos sind die Misings mit 1.25 Millionen Menschen die größte ethnische Minderheit in der Region. Sie leben im oberen Brahmaputratal in Assam und in den angrenzenden Regionen des nördlich gelegenen Arunachal Pradesh. Vor vielen Jahrhunderten sind die Misings aus der Himalayaregion in das Tal des Brahmaputras gezogen. Entlang des Flusses entstanden Dörfer, die vor allem durch ihre typische Pfahlbauweise, auffallen. Diese Bauweise soll die Misings vor Überschwemmungen in der Regenzeit schützen.

In den letzten Jahren jedoch ist der Regen oft ausgeblieben, worunter die Menschen besonders leiden, da 98% von ihnen von der Landwirtschaft abhängig sind. Viele Misings haben ihr Land durch Naturkatastrophen wie Überschwemmungen oder Erosion verloren. Sie haben zwar von der Regierung anderes Land für die Neuerrichtung ihrer Dörfer erhalten, aber meist ohne die nötigen Papiere. Daher sind sehr viele Misings inzwischen ohne Landbesitz und müssen sich ihren Lebensunterhalt als Tagelöhner/innen verdienen.

Aufgrund der schlechten Infrastruktur, das Fehlen von Straßen, Schulen,… in den Siedlungsgebieten der Misings ist das Bildungsniveau sehr gering: Nur rund 35% der Männer können lesen und schreiben. Bei den Frauen sind es nur rund 15%.

NOI… create initiatives!

I-CARD (Institute for Culture and Rural Development) und NERYC (North Eastern Regional Youth Commission), lokale Projektpartnerorganisationen der Dreikönigsaktion, haben sich besonders der Situation und Bedürfnissen Jugendlicher dieser Region angenommen und bieten ihnen Möglichkeiten, ihre Zukunft (besser) zu gestalten. Unsere Gäste engagieren sich unter anderem in diesen Projekten.

Diese Menschen haben wir bei der NOI Woche auf der Burg Wildegg getroffen: Eine Woche haben wir gemeinsam auf unserer Jungscharburg mit jungen Erwachsenen aus dem Nordosten Indiens gelebt, uns kennengelernt und Erfahrungen ausgetauscht. Wir haben unterschiedliche Methoden ausprobiert und uns mit Themen wie Jugend, Frieden, gesellschaftliche Veränderung und Spiritualität auseinandergesetzt. Außerdem hat es Raum für Diskussionen, gemeinsame Ausflüge, Bewegung, Entspannung, Spiel, Spaß und Musik gegeben! Den Bericht davon findest du hier.

Julia Günther

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