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Kawusch! Boing! Zack!

Die Sache mit der Lautstärke in der Kindergruppe

laut – still
wild – ruhig
aktiv – passiv
introvertiert – extrovertiert
schlimm – brav

Das sind Eigenschaften, die wir unseren Kindern in der Gruppe gerne zuschreiben. Auf der einen Seite haben wir die Lauten und Wilden, auf der anderen Seite haben wir die Ruhigen und Braven. Gerne kategorisieren wir mithilfe dieser Eigenschaften die Kinder in unserer Kindergruppe, aber so einfach dürfen wir es uns nicht machen. Jedes Kind ist anders und es auf diverse Stereotype zu reduzieren, wäre nicht das Ziel, wie wir mit unseren Kindern in der Jungschar umgehen wollen.

Die, die lauter schreien als die anderen, werden meist eher gehört. Sie sind es auch gewöhnt, dass ihre Lautstärke wirksam ist. Dieses Phänomen ist wohl schon jedem/r begegnet – von der einen oder anderen Seite. Es ist ja auch nicht unpraktisch: Man muss nur ein, zwei „Verbündete“ finden, die der gleichen Meinung sind wie man selbst und laut vertreten, was man möchte. Argumente sind nicht nötig, denn man kommt auch ohne meist verlässlich ans Ziel. Die anderen waren dann nicht schnell oder laut genug, aber wen stört das schon?

Das ist vielleicht ein bisschen überspitzt formuliert, aber ich denke, diese Dynamik tritt gar nicht so selten auf. Vielleicht kennst du sie vom Spielen mit den Kindern, wenn z.B. ein/e Fänger/in gebraucht wird und mehrere Kinder es gern sein wollen. Oder vielleicht auch von Sitzungen der Gruppenleiter/innenrunde?

Natürlich liegt es in der Natur der individuellen Menschen, wie laut oder wie leise sie tendenziell sind, und beides hat seine Vor- und Nachteile. Nur: Wenn es um Entscheidungen geht, die alle betreffen, ist es problematisch, wenn sich automatisch die Lauteren durchsetzen. Denn meist werden andere Meinungen dabei nicht einmal gehört. Es kommt zu keiner Auseinandersetzung mit dem Thema der Diskussion, zu keiner Abwägung der Vor- und Nachteile der verschiedenen Optionen. Daher ist überhaupt nicht sichergestellt, dass die Entscheidung auch objektiv betrachtet die bessere ist. Und außerdem bedeutet es, dass sich meistens dieselben durchsetzen, eben die, die sich schnell entscheiden und dann laut dahinter-stehen.

Laut und leise in der Kindergruppe

Besonders in Jungschargruppen ist es meiner Meinung nach wichtig, darauf zu achten, dass sich – etwa beim Vorschlagen von Spielen oder wenn es darum geht, seine Meinung zu einem Thema zu äußeren – nicht immer die lauten Kinder durchsetzen, sondern auch die leiseren Kinder etwas zu sagen haben. Es könnte sonst durchaus passieren, dass die interessantesten, originellsten, lustigsten, besten,… Ideen nie Gehör finden - und man würde es nicht einmal bemerken! Außerdem sind die Meinungen aller Kinder wichtig und es ist wichtig, den lauteren und leiseren auch von Beginn an zu vermitteln, dass in der Jungschar alle Kinder wertgeschätzt werden.

Der erste Schritt ist, zu beobachten und sich bewusst zu machen, ob ein solcher Trend in der Gruppe zu finden ist. Allein sich der Tatsache bewusst zu sein, kann schon deine Handlungsweisen beeinflussen. Es gibt aber auch Methoden, die dabei helfen, dass sich alle gut einbringen können – egal, ob die Kinder gerade leise oder laut sind. Z.B. Zu einem Thema sagt jede/r in der Runde zuerst seine/ihre Meinung (ein Anfangsstatement), dann erst beginnt die gemeinsame Diskussion; während der Diskussion gibt es eine Stimmungsrunde, in der jede/r sagt oder zeigt (Daumen hoch – Mitte – nach unten) wie er/sie zu dem Thema im Moment steht.

Lautere und leisere Kinder haben ein Recht darauf, gehört zu werden.

  • Daher: Sei wachsam in Situationen, wo ein paar Kinder laut ihre Meinung durchsetzen und achte darauf, dass alle Kinder die Möglichkeit bekommen, sich einzubringen, wenn sie das wollen.

  • Bremse „die Lauten“ und sag, dass du auch wissen willst, was die anderen darüber denken.

  • Frag nach und lass deine Kinder begründen, warum sie dafür oder dagegen sind. Welche Argumente gibt es? Das hat den Vorteil, dass der Lärmpegel sinken wird, denn argumentieren kann man besser, wenn man normal spricht. Und so kommt auch eher ein Gespräch unter allen Kindern in Gang.

  • Wenn du es konsequent einhalten kannst, dass Entscheidungen nicht automatisch von denen gefällt werden, die lauter sind als die anderen, werden sich die Kinder daran gewöhnen und mit der Zeit auch seltener die laute Strategie wählen.

  • Hilf „den Leisen“, sich einzubringen, indem du bei ihnen nachfragst, was ihnen wichtig ist, und sie wenn nötig dabei unterstützt, ihre Argumente zu formulieren.

Wichtig! Es geht nicht darum, die lauteren Kinder zu schwächen oder ihnen böse zu sein, sondern darum, die leiseren zu stärken und ein Gleichgewicht herzustellen, damit sich alle gut einbringen können und sich in ihrer Meinung wertgeschätzt fühlen. Wie? Beispielsweise durch „spielerisches Training“:

Spielerische Übungen

Es gibt Spiele, bei denen man üben kann, vor den anderen Kindern der Gruppe zu reden, um die Scheu vor dieser Situation ein bisschen abzulegen. Außerdem kann hier das Zuhören geübt werden bzw. können die Kinder bei manchen der Spiele ebenfalls üben, Argumente vorzubringen und zu formulieren. In der Spielemappe (erhältlich im Jungscharbüro) oder der Spiele-App oder unter Modelle gibt es einige Spiele, die dabei helfen können, das zu üben – z.B.: Löffelei: Alle Kinder sitzen im Kreis. In der Mitte am Boden liegen Löffel, und zwar genau um einen weniger als Mitspieler/innen. Du beginnst, eine Geschichte zu erzählen (z.B. von einem Familienfest). Wenn das Wort „Löffel“ fällt, versucht jedes Kind, einen Löffel zu erwischen. Wer keinen bekommen hat oder sich keinen genommen hat, erzählt die Geschichte weiter und streut wieder das Wort „Löffel“ ein.

Oder probiert doch mal Wortsalat, Sag’s anders oder Stille Post aus.

Für ältere Kids ist die „Stellvertreterdiskussion“ eine ganz lustige Methode, zu üben, eine Meinung zu formulieren und genau zuzuhören, auch wenn es nicht die eigene ist:
Die Kids bilden Zweiergruppen und sitzen im Kreis. Ein/e Spieler/in versucht nun, die Meinung des/der Partners/Partnerin zu einem vorgegebenen Thema zu sagen, wobei der/die Partnerin nur durch Gesten und Mimik zeigen darf, ob er/sie einverstanden ist. Auf die Körpersprache des Partners achtend führen also die Stellvertreter/innen eine Diskussion. (Tipp: Wenn sich die beiden im Kreis ungefähr gegenüber sitzen, geht das leichter.) Themen dafür könnten sein: „Sind Menschen den Tieren überlegen?“, „Sollten Eltern verpflichtet sein, ihren Kindern Taschengeld zu zahlen – und wenn ja, wie viel?“, „Soll man sich in der Schule aussuchen können, welche Fächer man belegen mag?“, „Haben Engel Flügel?“ Nach einem Durchgang können die Rollen getauscht werden und eine neue Diskussion zu einem anderen Thema beginnt.

Oder eine andere spielerische Methode für Ältere:
In der Mitte des Kreises stehen zwei Stühle. Auf einem hängt ein Kärtchen mit der Aufschrift „Dagegen“ – hier können nur Argumente dagegen eingebracht werden. Auf dem anderen Stuhl hängt ein Kärtchen mit dem Wort „Dafür“ – hier wird nur dafür argumentiert. Die Kinder können nun – zu einem beliebigen Thema – zu diskutieren beginnen, indem sie sich auf einen der beiden Stühle setzen. Aber: Bei der Diskussion muss auf ein Pro-Argument immer ein Contra folgen (bzw. umgekehrt)!

Und zum Schluss noch ein wichtiger Tipp: Kinder lernen sehr viel dadurch, dass sie sich Dinge von anderen abschauen – also auch von dir. Durch deine Vorbildwirkung kannst du durchaus beeinflussen, wie das Klima in deiner Gruppe ist. Wenn du dich selbst dafür interessierst, was die „leisen“ Kinder zu sagen haben, dann werden sie sicherlich auch von den anderen Kindern eher gehört werden!

Sandra Fiedler und Kathi Bereis

kumquat "Pssst!" 4/2012

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