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Gemeinschaft – leere Worthülse oder doch mehr...?

Oft gehört - oft gesagt: Gerade auch bei der Jungschar und den Ministrant/innen ist oft von Gemeinschaft die Rede. Manchmal habe ich den Eindruck, das Wort „Gemeinschaft“ wird sehr überstrapaziert. Aber was genau ist denn jetzt eine Gemeinschaft?

„Gemeinschaft ist, wenn man nicht streitet?“
Was zeichnet eine Gemeinschaft aus? Ist es die Tatsache, dass man sich gut verträgt und nicht miteinander streitet? Wohl kaum, weil das ja bedeuten würde, dass eine Gemeinschaft nur so lange besteht, bis eine Meinungsverschiedenheit entsteht - und dies ist hoffentlich nicht der Fall, weil ein Streit ja hoffentlich nicht das Ende einer Gruppe bedeutet. Konflikte und Meinungsverschiedenheiten gibt es faktisch immer, wenn Menschen miteinander zu tun haben, und diese können durchaus auch produktiv sein. Wichtig ist hierbei, wie die Konflikte gelöst werden, denn ganz ohne wird es nicht gehen. Interesse aneinander, Zusammenhalt und einander verstehen sind sicherlich wesentliche Merkmale einer Gemeinschaft – genauso gehört aber eben dazu, dass man streiten kann und die Gruppe dadurch aber nicht zerfällt, sondern weiter besteht.

„Gemeinschaft ist, wenn alle gleich sind?“
„Gleich“ oder ähnlich zu sein, kann manchmal helfen, schneller Gemeinsamkeiten zu finden. Und Gemeinsamkeit & Gemeinschaft klingen nicht nur zufällig ähnlich, sondern hängen stark zusammen. Das bedeutet aber nicht, dass deswegen in einer Gemeinschaft alle „gleich“ sein müssen. Im Gegenteil: Eine Gemeinschaft zeichnet sich oft dadurch aus, dass die, die sie bilden, unterschiedlich sind, aber trotzdem einen oder mehrere gemeinsame Anknüpfungspunkte haben, die sie zusammenschweißen. Und außerdem soll eine Gemeinschaft auch den Raum für unterschiedliche Menschen und ihre unterschiedlichen Seiten bieten. Vielleicht wünscht man sich manchmal, dass die Kinder einer Jungschar- oder Ministrant/innengruppe „gleicher“ wären, denn das würde natürlich auch einiges leichter machen, wie z.B. die Programmgestaltung. Dies ist aber nur selten der Fall - aber mal ehrlich, wenn alle „gleich“ wären, wär’s vermutlich auch nur halb so lustig. Wichtig ist, die Kinder mit ihren unterschiedlichen Interessen, Vorlieben und Stärken zu akzeptieren und sie in ihrer Individualität ernst zu nehmen.

„Gemeinschaft ist, wenn alle das Gleiche tun?“
Wenn man an die Gemeinschaften denkt, die man selber erlebt hat, fallen einem oft gemeinsame Aktivitäten ein: Der Jungscharausflug, das Klassenprojekt, das Volleyballspiel, etc. Gemeinsam Dinge, die allen Spaß machen, zu tun und zu unternehmen, trägt zum Bestehen und zur Herausbildung einer Gemeinschaft bei.
Es werden aber nicht immer alle überall mitmachen können und wollen. Es ist wichtig, in einer Gemeinschaft auch Freiräume zu haben und nicht überall mitmachen zu müssen. Wenn z.B. am Jungschar- oder Ministrant/innenlager ein, zwei Kinder nicht beim Geländespiel mitmachen wollen, ist das völlig in Ordnung – eine Gemeinschaft sollte das aushalten – wenn nicht, dann ist es eher eine „Zwangsgemeinschaft“.

„Gemeinschaft ist, wenn alle dasselbe mögen?“
Gemeinsame Interessen sind oft die ersten Anknüpfungspunkte, für Freundschaften wie für Gemeinschaften. Man hat etwas, was man teilt und worüber man sich unterhalten kann. So wie man bei Freundschaften aber auf Interessen kommt, die man nicht teilt, und die Freundschaft dadurch nicht schwindet, sondern im Gegenteil vielleicht sogar um eine Facette reicher wird, so ist das auch bei Gemeinschaften. Hier sollen verschiedene Interessen und Vorlieben Platz haben, da diese eine Gemeinschaft bereichern und vielfältiger machen und man in ihr auch mit verschiedenen Interessen akzeptiert werden soll. In der Jungschar und bei den Ministrant/innen ist es uns wichtig, Kinder auch darin zu bestärken, ihre Interessen einzubringen oder eine eigene Meinung zu vertreten, auch wenn diese von der der anderen abweichen mag.

In diesem Artikel habe ich jetzt 23 Mal den Begriff „Gemeinschaft“ verwendet, aber mindestens ebenso viele Dinge erwähnt, die in so einer vorkommen und sie beschreiben. Man kommt also auch ohne das Wort selber aus und man könnte sich auch überlegen, es vielleicht weniger oft zu benutzen. Denn viel wichtiger als das Wort ist das, was dahinter steht, wie miteinander gelebt und getan wird, was Kinder in der Jungschar und bei den Minis erleben. Und genauso vielseitig wie diese Dinge sein können, ist auch das, was hinter diesem Wort steht. Und das ist gut so.

Clemens Huber

[aus dem kumquat "Himmel" 2007]

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