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„Du sollst dir nicht die Finger verbrennen!“

Sollen Kinder ihre Fehler selber machen?

Wenn wir in der Jungschar oder auch im privaten Bereich mit Kindern zu tun haben, stellt sich uns oft die Frage, wie viel wir den Kindern erlauben sollen – und wie sehr wir sie davor schützen sollen, ihre eigenen Fehler zu machen. Dürfen sie vom Klettergerüst hüpfen obwohl ich weiß, dass ich mich bei so einer Situation schon verletzt habe? Lasse ich sie ihre Bastelarbeit alleine machen, obwohl ich schon sehe, dass der Turm so nie und nimmer von selbst stehen kann?

Es reizt uns natürlich, in solchen Zusammenhängen Grenzen zu setzen oder den Kindern zu zeigen, wie sie es besser machen können oder sollten. Wenn ich schon vorausahnen kann, dass eine Situation unangenehm für die Kinder enden wird, habe ich das Bedürfnis, das zu verhindern – weil ich will, dass Kinder (in der Jungschar) möglichst viele angenehme Erfahrungen machen.

Gleichzeitig wissen wir aber, dass Kinder viel mehr durch Erleben als durch Hören lernen. Dort, wo ich mir selbst einmal die Finger verbrannt habe, fällt es mir immer leichter, vorsichtig zu sein als dort, wo mir nur gesagt wird, dass es gefährlich sein könnte. Wenn es uns so viel leichter fällt, das zu glauben, was wir selbst erlebt haben, ist es vielleicht doch sinnvoll, die Kinder selbst Fehler machen zu lassen?

Gerade in der Jungschar hat die Freiheit, die wir den Kindern hier geben können, aber eine eindeutige Grenze, und die ist dort, wo die Fehler auch Auswirkungen auf andere Beteiligte haben. Ich werde meine Kinder wahrscheinlich zur Eile antreiben, auch wenn ich weiß, dass sie sich besser merken, dass es blöd ist, den Bus zu verpassen, wenn es ihnen einmal passiert ist. Hier geht das Bedürfnis der anderen, die dann auch auf uns warten müssten, klar vor. Auch wenn ein bestimmter Fehler extreme Konsequenzen hätte – schwere körperliche Verletzungen oder ähnliches – fällt mir die Entscheidung recht leicht, die Kinder davon abzuhalten, diesen Fehler zu machen.

Die vielen Grenzen, die wir Kindern so oft setzen müssen (weil es leider oftmals gefühlte Millionen furchtbar gefährlicher Dinge im Umfeld gibt), machen uns das Leben manchmal recht schwer, und können auch unsere Beziehung zu den Kindern belasten, wenn wir uns selbst nur noch als „bad cop“ hören. Deswegen kann es oft gut sein, genau hinzuschauen, und den Kindern einmal bewusst Möglichkeiten zu lassen, kleine und ungefährliche Fehler selbst zu machen. Manchmal wird uns dann vielleicht auffallen, dass Dinge, die wir für unmöglich gehalten hätten, auch ganz gut funktionieren können. Oder dass etwas, was bei mir definitiv ein Fehler gewesen wäre, bei den Kindern gut klappt – weil sie zum Beispiel tatsächlich von irgendwo runter hüpfen können, ohne sich zu verletzen.

Oft wird hier das Argument gebracht, dass Kinder keine Grenzen kennenlernen, wenn man sie Dinge selber ausprobieren lässt und sie nicht bewusst beschränkt. Das halte ich, mit Blick auf die Lebensrealität von Kindern, für einen klaren Trugschluss – es gibt genug Dinge in ihrem Leben, die nicht gehen oder die ihnen nicht erlaubt werden, da müssen wir nicht aufpassen, dass sie genug Grenzen sehen. Viel wichtiger erscheint mir in diesem Zusammenhang, dass Kinder lernen, Größenordnungen von Gefahr einschätzen lernen. Wenn sie probieren dürfen, von einem kleinen Mäuerchen herunter zuhüpfen, und dabei merken, wie gut sie landen können, werden sie später hoffentlich keinen Erwachsenen brauchen, der ihnen sagt, ob sie von der 2-Meter-Mauer hüpfen sollen oder vielleicht doch liebe die Leiter nehmen. So können wir ihnen vielleicht Chancen geben, ihre eigenen Grenzen zu erkennen und ihnen spätere große Fehler ersparen.

Um die oben erwähnten richtig gefährlichen Fehler zu vermeiden, ist es wichtig, dass Kinder lernen, den Erwachsenen in ihrer Umgebung zu glauben (damit sie z.B. im Ernstfall vor der Bundesstraße wirklich stehen bleiben, wenn wir das sagen). Dazu müssen wir natürlich mit ihnen über Gefahren sprechen. Wir sollten aber aufpassen, bei Erklärungen von Gefahren nicht zu übertreiben. Das kann einerseits dazu führen, dass die Kinder recht bald draufkommen, dass das wovon wir sie abhalten wollten, in Wirklichkeit gar nicht so arg ist, und das stärkt ihr Vertrauen in unsere Einschätzungen sicher nicht.

Andererseits gibt es auch Kinder, die uns das voll und ganz glauben, was wiederum dazu führen kann, dass sie besonders ängstlich reagieren und sich gar nicht mehr trauen, etwas auszuprobieren. Wenn ich mir nie irgendwo was anhaue, dann ist es recht naheliegend, dass ich irgendwann große Angst vor jedem blauen Fleck haben werde – weil ich eben einfach nicht weiß, wie das ist, wenn einem was wehtut.

Wenn wir unseren Kindern helfen wollen, Vertrauen in die Welt zu entwickeln, ist es also wichtig, sie Dinge selbst ausprobieren zu lassen. Dabei müssen wir sie aber natürlich immer begleiten. Im Jungschar-Kontext ist es auch oft wichtig, zwischen den verschiedenen Interessen (etwas ausprobieren wollen vs dauernd Abschürfungen verarzten) abzuwägen.

Nani Ferstl

kumquat "BrandNeu!" 2/2014

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