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Das hast du aber ... gemacht!

Wie geht wertschätzendes Feedback?

Zwei unterschiedliche Seiten der Rückmeldung gibt es: Die positive (z.B. Lob) und die negative (zumeist Kritik genannt). Als Gruppenleiter/in ist es leicht möglich, dass du in eine der beiden Situationen kommst – anderen Gruppenleiter/innen aber auch deinen Kindern gegenüber. Positives Feedback zu geben, fällt uns meist leicht, oft wissen wir aber nicht so recht, wie wir negatives Feedback geben können, ohne lange um den heißen Brei herumzureden oder verletzend zu sein.

Für eine gelungene Rückmeldung gibt es keine Kochrezepte. Kritik zu üben und Feedback zu geben heißt immer, deine persönliche Wahrnehmung einer Situation zu formulieren. Wie du das machst, hängt sehr von deiner Persönlichkeit und der momentanen Beziehung zur jeweiligen Person ab. Ein paar Punkte, die dir weiterhelfen können, gibt es trotzdem.

Bleib bei dir!

Ein weiterer Punkt, den du beim Feedback-Geben beachten solltest, ist das Verwenden sogenannter Ich-Botschaften. Unter einer Ich-Botschaft versteht man jede Botschaft, die von dir ausgeht und auch als deine erkennbar ist. Wenn du von deinen Gefühlen und Wünschen redest oder wenn du etwas von einem Kind forderst oder ihm/ihr etwas verständlich machen willst, dann meide schwammige Ausdrücke wie "wir" oder "man". Versuch, dich auf deine Wahrnehmung zu beziehen und zu erklären, warum du etwas (nicht) möchtest.

Trenne zwischen Person und Sache!

Du kennst sicher Momente, in denen du am liebsten – reflexartig – „Seid’s ihr deppert? Wie könnts ihr nur…!“ schreien willst. Doch auch in solchen Stress-Situationen ist es wichtig, wertschätzend zu bleiben. Nur weil sich jemand in einer bestimmten Situation unüberlegt verhält, heißt das nicht automatisch, dass diese Person als Ganzes unüberlegt und dumm ist. Es ist wichtig, den Kindern zu signalisieren, dass du sie auch dann noch magst, wenn sie sich nicht so verhalten wie du das gerne möchtest. Versuche, nicht die Person anzugreifen, sondern deutlich zu machen, was dir nicht gefällt – also zwischen der Person und der Sache zu trennen.

Soweit einige Empfehlungen, wie man Rückmeldungen geben kann und worauf du dabei achten kannst. Wie schon anfangs erwähnt hängt das Gelingen von Rückmeldungen wohl auch sehr stark von der Art der Beziehung zwischen dir und der jeweiligen Person ab.

Sei Konkret!

Konkret sein ist einer der wichtigsten Punkte beim Feedback geben oder Kritik üben. Gut ist es, wenn du dich in deiner Rückmeldung auf konkrete Situationen und Verhaltensweisen beziehst und dich nicht in allgemeinen Aussagen wie "du tust immer" oder "jedes Mal" verlierst. Möchtest du einem Kind beispielsweise während einer Diskussion sagen, dass er/sie die anderen ausreden lassen soll, ist es nicht ok, zu sagen "Halt doch einmal den Mund.“ oder „Immer redest du dazwischen" Das ist weder wertschätzend noch zielführend! Beschreibe das, was ist und versuche, dabei weder zu viel zu interpretieren noch zu werten. Viel besser wäre hier die Variante „Du hast die Susi jetzt schon zwei Mal unterbrochen. Ich wüsste aber gern, was sie sagen will.“ An dieser konkreten Situation kann das betreffende Kind besser etwas ändern als an allgemeinen „Vorwürfen“.

Feedback von den Kindern

Allerdings bist du wohl nicht immer selber der-/diejenige, der/die Feedback gibt, sondern du wirst auch in umgekehrte Situationen kommen. Dass du diese Situationen auch ermöglichst und zulässt, ist ein Zeichen, dass dir die Kinder und ihre Meinung wichtig sind und du sie ernst nimmst. In der Jungschar hast du viele Möglichkeiten, Kinder in ihrer Mitbestimmung zu unterstützen.

Unterm Jahr

Im Rahmen deiner Gruppenstunde kommst du sicher immer wieder in Situationen, in denen die Kinder ihr Recht auf Mitbestimmung einfordern, zum Beispiel wenn es darum geht, welches Spiel als nächstes gespielt wird. Es gibt aber auch einige Gelegenheiten, in denen du ganz konkret selbst Feedback der Kinder einholen kannst. Am Beginn eines neuen Jungscharjahres oder Semesters beispielsweise. Eine konkrete Vorlage, wie so eine gemeinsame Planungs-Gruppenstunde aussehen kann, findest du in in der Gruppenstunden: „Mit dem Zug durchs Jungscharjahr".

Es ist wichtig, Kindern die Möglichkeit zu geben, nicht nur dann gehört zu werden und ihre Meinung sagen zu dürfen, wenn sie gefragt werden, sondern eben auch dann, wenn ihnen was am Herzen liegt, aber grad keine Zeit ist. Das kann z. B. durch einen „Beschwerdebriefkasten“ gewährleistet werden. Der wird dann alle zwei bis drei Wochen ausgeleert und die Fragen werden anonymisiert beantwortet bzw. es wird auf Beschwerden eingegangen.

Am Lager

Auch auf einem Lager können und sollen Kinder partizipieren dürfen. Überlegt euch, wie die Kommunikation auf euerm Lager geschieht, wo und wie die Kinder mitreden können. Gibt es zum Beispiel eine Feedback-Wand, wo man jederzeit drauf schreiben kann, was einem gefallen hat oder nicht - z.B. ein Jö-Pfui-Plakat (auf dem allerdings keine Namen stehen dürfen)?

Eine Möglichkeit für Meinungsäußerung und Mitbestimmung am Lager bietet das Lagerparlament, wo die Kinder Raum und Zeit haben, kundzutun, wie ihnen das abgelaufene Programm gefallen hat und wie begeistert sie von den Vorschlägen für die nächsten Tage sind. Hier sollten die Kinder auch die Möglichkeit haben, Wünsche und Beschwerden einzubringen. Empfehlenswert ist dabei, das Lagerparlament an einem fixen Ort und zu einer fixen Zeit abzuhalten. Schüchterne Kinder werden vielleicht ihre Sorgen nicht gerade in diesem Plenum verkünden, achte daher, dass es für diese Kinder auch andere Möglichkeiten gibt (internes Briefsystem, Sprechstunden,...).

Am Beginn des Lagers könnt ihr euch auch die Lager-Regeln mit den Kindern gemeinsam ausmachen und sie nicht einfach vorgeben. Das ist auch meist viel sinnvoller, da sie hier einen persönlichen Bezug zu den Regeln haben und ihnen klarer ist, warum sie sich daran halten sollten. So kannst du den Kindern auch viel besser erklären, welche Verantwortung du trägst und warum du es nicht für sinnvoll erachtest, dass sie z.B. alleine in den Wald gehen.

Methodensammlung

Um sich einen Überblick darüber zu verschaffen, wie die Stimmungslage ist oder wie z.B. das letzte Plakat oder das Geländespiel vom Vortag bei den Kindern angekommen ist, braucht man nicht unbedingt eine lange Austauschrunde zu machen. Viel schneller und lustiger ist es, Methoden parat zu haben, bei denen alle Kinder gleichzeitig – nonverbal – verdeutlichen können, „wie es war". Hier einige Ideen, wie das ausschauen kann:

  • Messen der Klatschlautstärke
  • Aufstehen und Niederhockerln (je größer man sich macht, desto besser hat es gefallen) 
  • das Einwerfen verschiedenfarbiger Papierknödel (z.B. grün und rot) in einen großen, durchsichtigen Behälter
  • Kärtchen mit halbfertigen Gesichtern, die noch ergänzt werden
  • jede/r nimmt eine Körperhaltung ein, die ausdrückt, was er/sie meint 
  • jede/r bekommt Kärtchen zum Hochhalten in den Ampelfarben (grün bedeutet Zustimmung, rot Ablehnung)
  • Eine Ecke des Raumes steht für „das hat mir gar nicht gefallen„, eine andere Ecke für „das war unübertrefflich". Jede/r positioniert sich oder einen einer/ihrer Schuhe zwischen diesen beiden Polen.

Kinder mitbestimmen zu lassen heißt nicht, dass ihr Verantwortung abgebt – ihr seid und bleibt letztverantwortlich für die Kinder. Es liegt an euch wie der Rahmen ausschaut, innerhalb welchem die Kinder eine Mitbestimmungsmöglichkeit haben. Dass Kinder ihre Meinung sagen dürfen und auch in Angelegenheiten, die sie betreffen, mitbestimmen dürfen, ist übrigens nicht nur ein wichtiges Anliegen der Jungschar und der Minis – dieses Anliegen ist auch in der Kinderrechtskonvention verankert. Gebt auch ihr euren Kindern die Möglichkeit, dieses Recht zu Nutzen. Nur Mut!

Sandra Fiedler

[aus dem kumquat "vernetzt" 1/2011]

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