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Gottesbilder in der Bibel

Kennst du den rachsüchtigen, brutalen Gott aus der Bibel?
Kennst du den liebenden, sanften Gott aus der Bibel?
Kennst du den nachdenklichen Gott, der auch mal seine Entscheidungen ändert?

1460 Seiten hat die Bibelausgabe, die beim Schreiben dieses Beitrags auf meinem Tisch liegt. Die Texte der Bibel wurden in einem Jahrtausende dauerndem Prozess zusammengetragen, von unzähligen unterschiedlichen Menschen geschrieben, umgeschrieben, neugeschrieben. So unterschiedlich die Bücher und Geschichten der Bibel sind, so unterschiedlich sind auch die darin vorkommenden Beschreibungen Gottes – einige davon werden hier kurz vorgestellt.

Gott, die Actionfigur

Der Herr ist mein Krieger, Jahwe ist sein Name. (Ex 15,3)
Mose singt gemeinsam mit den befreiten Israelit/innen nach der geglückten Flucht vor den Ägyptern ein Lied, in dem er Gott preist und rühmt. Gott wird wie ein Actionheld beschrieben, seine „Rechte ist herrlich an Stärke“. Die Israelit/innen erlebten Gott als Kämpfer für ihre Sache – auf der einen Seite die riesige Armee des Pharao, auf der anderen Seite „Rambo Gott“. Seine Feinde wirft er zu Boden, er schnaubt vor Zorn und zückt sein Schwert.

Gott, der Hirte

Jetzt will ich meine Schafe selber suchen und mich selber um sie kümmern. (Ez 34,11b)
Der Beruf des Hirten war ein weit verbreiteter zur Zeit des Propheten Ezechiel. In dieser Erzählung beschreibt Gott selbst seine Rolle als sorgender und aufmerksamer Hirte. Die Verirrten holt er zurück und führt alle auf die besten Weideplätze. Die Schwachen werden gekräftigt, die Verletzten verbunden. In dieser Erzählung ist das Gottesbild als Gegensatz zu schlechten Herrschern und Königen gewählt, denn sie sind die schlechten Hirten.

Gott, der Richter

Dort werden die Bösen heulen und mit den Zähnen knirschen. (Mt 13,50b)
Im Gleichnis vom Fischernetz beschreibt Matthäus einen sehr emotionslos agierenden Gott. Gottes Helfer, die Engel, werden am jüngsten Tag kommen und die Bösen von den Gerechten trennen. Keine Diskussionen mehr, keine Halbherzigkeiten, klare Eindeutige Verhältnisse. Ein Gott, der wie ein Rechnungsprüfer am Schluss einen Strich zieht und ganz rational entscheidet.

Gott, der Zerstörer

Er vernichtete von Grund auf jene Städte und die ganze Gegend, auch alle Einwohner der Städte und alles, was auf den Feldern wuchs. (Gen 19,25)
Die Städte, die Gott in dieser Geschichte dem Erdboden gleichmacht, sind Sodom und Gomorrha. Diese berühmt gewordenen Städte gelten bis heute als Sinnbild für sündhaftes und gotteslästerliches Verhalten. Abraham erfährt von Gott, dass dieser plant, die Stadt zu vernichten und versucht, dieses Schicksal durch kluge Verhandlungen doch noch abzuwenden. Nachdem die Bewohner/innen jedoch sogar über die Engel herfallen wollen, die Gott geschickt hat, folgt die Strafe unmittelbar: Die Gerechten werden von Gott aus der Stadt geführt, die kurz darauf vernichtet wird.

Gott, der Lästige

Jona freute sich sehr über den Rizinusstrauch. Als am nächsten Tag die Morgenröte aufzog, schickte Gott einen Wurm, der den Rizinusstrauch annagte, sodass er verdorrte. (Jona 4,6b-7)
Dass Gott sehr hartnäckig, fast schon lästig sein kann, erfährt Jona. Gott will, dass er in eine fremde Stadt geht, um den Menschen dort ins Gewissen zu reden. Jona will diese Aufgabe nicht annehmen und es geht los: Jona flüchtet auf ein Schiff – Gott schickt einen Sturm. Jona opfert sich und wird ins Meer geworfen – Gott schickt einen Fisch, der ihn rettet. Jona erfüllt schließlich den Auftrag – Gott vergibt den Menschen in der Stadt einfach! Das macht Jona erst so richtig sauer, die ganze Arbeit und dann schickt Gott nicht mal ein kleines Erdbeben oder so! Der meckernde Jona setzt sich schließlich unter einen Strauch und selbst jetzt gibt Gott keine Ruhe und läßt den Strauch verdorren, sodass Jona von der Sonne ganz schlecht wird. Gott ist lästig, er lässt Jona nicht in Ruhe weil ihm wichtig ist, dass Jona Gottes Handeln versteht und er sich nicht hinter seinem Ärger versteckt.

Gott, der Zarte

Nach dem Beben kam ein Feuer. Doch der Herr war nicht im Feuer. Nach dem Feuer kam ein sanftes, leises Säusel. (1Kön 19,12b)
Der Prophet Elija ist auf der Flucht. Man könnte sagen, er hat sich ein bisschen zu viel geleistet und die Königin Isebel will seinen Kopf. Elija flüchtet in die Wüste, hat Angst und ist verzweifelt. Doch Gott lässt ihn nicht los und will, dass Elija wieder neuen Mut fasst. Elija erlebt einen Sturm, ein Feuer, sogar ein Erdbeben – alles eigentlich Zeichen der Macht Gottes. Doch Gott begegnet Elija nicht als mächtiger, brutaler Gott, der ihn herausreißen will – Gott kommt zu Elija wie ein sanftes, leises Säuseln.

Bei all diesen Gottesbildern war keines dabei, das dich anspricht? Wundert mich nicht, schließlich soll die Bibel auch kein Kochbuch sein, aus dem man ohne viel nachzudenken fertige Rezepte herausnimmt. Die Bibel ist eine Sammlung von vielfältigen Gottesbildern verschiedenster Menschen. Diese Bilder sind ebenso dynamisch wie die Situationen, in denen sich die Erzähler/innen befinden – ein fertiges, abgeschlossenes Gottesbild kann es also nie geben. Unser persönliches Gottesbild finden wir nur in uns selbst. Die Bibel engt nicht ein, sie macht weites Bild von Gott auf, in dem hoffentlich jede/r Impulse für sein/ihr persönliches Gottesbild finden kann.

Dominik Mach

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