• Jungschar vor Ort
  • Corona
  • Über uns
  • Angebote
  • Modelle
  • Gruppe
  • Pfarre
  • Gott & die Welt
  • Wildegg

Immer schön lieb sein!

Von wilden Mädchen und braven Buben

Mädchen sind lieb, fleißig und interessiert daran, wie es den anderen geht. Buben sind aufgeweckt, wild und unempfindlich gegenüber emotionalen Verletzungen.

Buben spielen mit Autos, laufen gern herum und mögen keine Tätigkeiten, bei denen man herumsitzt – kein Zeichnen, und schon gar kein Handarbeiten! Mädchen sitzen stundenlang herum und plaudern, beschäftigen sich mit Puppen, und mögen Ballspiele wie Fußball gar nicht.

Stereotype und Tradition

Das sind Stereotype, die wir wohl alle kennen. Sie beschreiben Eigenschaften und Beschäftigungen, die in unserer Kultur traditionell ganz eindeutig einem Geschlecht zugeordnet sind. Für viele Kinder stimmen diese Zuschreibungen wohl. Was ist also das Problem daran, es auch so zu formulieren? Wieso sollte ich nicht sagen, dass das eine Mädchen „wie ein Bub“ fechten kann während das andere „lieb“ die Babypuppe wickelt?

Der springende Punkt in dieser Geschichte ist wohl die Bedeutung dieser Zuschreibungen: All diese Vorstellungen, die wir von Geschlechterrollen haben, sind ganz stark von unserer sozialen Umwelt geprägt. Jede/r von uns hat bestimmte Geschlechterrollenbilder, die er/sie aus seiner/ihrer eigenen Wahrnehmung kennt. Diese Vorstellungen beeinflussen dann das eigene Leben – und auch das Leben der nächsten Generation, und so entsteht  deren Bild von der Welt. Man könnte also sagen, die Vorstellungen kommen von den Vorstellungen, Rollenbilder werden von einer Generation an die nächste weitergegeben.

Natürliche Rollenbilder?

Auch wenn diese Rollenbilder – „liebe“ Mädchen und „freche“ Buben – sich für uns oft ganz natürlich anfühlen, ist also klar, dass die Sache nicht so einfach sein kann: Keine der Eigenschaften und Beschäftigungen, die wir gewohnheitsmäßig einem Geschlecht zuordnen, ist grundsätzlich männlicher oder weiblicher als die andere.

Das große Problem, das sich aus diesen stereotypen Rollenbildern ergibt ist, dass Kinder vorzeitig in Schubladen gesteckt werden. So haben die Kinder nicht mehr die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, welche Tätigkeiten sie persönlich bevorzugen und wie sie sein wollen. Aussagen wie „das macht sie ja wie ein Bub“ werden einem Mädchen wohl nahelegen, dass ihr Verhalten irgendwie unpassend ist, während ein Bub wohl nicht so lange Spaß an einer „Mädchen-Bastelei“ haben wird.

Erwachsene Vorbilder

Die Erwachsenen, mit denen Kinder leben, haben also einen unglaublich großen Einfluss auf ihre Wahrnehmung von Geschlechterrollen und vor allem auf das, was die Kinder als ihre eigenen Handlungsmöglichkeiten sehen. Diese Aussicht auf die eigene Verantwortung kann einen schon mal ins Schwitzen bringen, deshalb hier noch ein paar Ideen, was man im Leben und Tun mit Kindern beachten kann.

Dazu soll erst einmal gesagt sein: Keine/r von uns braucht sich zu schämen für die Bilder, die in unseren Köpfen miteinander verbunden sind. Wir sind selbst geprägt von unzählbar vielen Einflüssen, von Familie über Schule, Freundeskreis, und schließlich auch die Medien. Wir können die Arbeit mit Kindern aber als Denkanstoß nehmen, um uns mit unseren eigenen Vorstellungen zu beschäftigen.

In der Kindergruppe

Die Jungscharstunden, und natürlich auch Lager, bieten eine tolle Möglichkeit, gemeinsam Vorstellungen, die in der Gesellschaft wohl doch noch recht fest sitzen, ein bisschen aufzuweichen. Wir können uns einerseits selbst ein bisschen auf die Finger schauen und versuchen, Dinge, die die Kinder tun, oder Eigenschaften, die sie zeigen, nicht gleich einem Geschlecht zuzuordnen. So können wir unserem Grundsatz, dass Jungschar für alle Kinder da ist, gerecht werden und jedes Kind so annehmen, wie es ist.

Andererseits können wir auch aktiv neue Dinge mit den Kindern ausprobieren. Wir können unsere Handlungsspielräume und die der Kinder erweitern, indem wir den Kindern zeigen, dass manche Dinge auch für uns neu und ungewohnt sind. Wenn wir uns darauf trotzdem einlassen und ihnen den Raum geben, ohne dass sie Angst haben müssen davor, bei neuen Spielen und Tätigkeiten nicht gut zu sein. Wir können uns auch mal von den Kindern zu „geschlechtsuntypischen“ Aktivitäten inspirieren lassen, dann lernen wir für uns selbst auch gleich noch was dazu. Ich bin meinen Jungscharkindern heute noch sehr dankbar, dass sie mir am Lager gezeigt haben, dass Fußball gar nicht so langweilig ist, wie es manchmal aussieht – und sicher keine reine Männersache ist.

Nani Ferstl

kumquat "Liebe" 3/2013

Share |