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Sollen wir? Sollen wir nicht?

Wie Gruppenleiter/innen mitbestimmen können

Nicht nur Pfarrverantwortliche, sondern auch alle Gruppenleiter/innen müssen in der Jungschar immer wieder Entscheidungen treffen. Aus diesem Grund ist es hilfreich, sich Gedanken zu machen, wie man einerseits die Mitbestimmung anderer (seien es die Gruppenleiter/innen oder die Kinder) fördern kann und andererseits wie man selbst Entscheidungen (am besten) trifft.

Kleine und größere Entscheidungen
Es kann einerseits für dich und manchmal auch für die Gruppenleiter/innen angenehm sein, wenn du etwas alleine entscheidest, ohne vorher alle gefragt zu haben, z.B. welchen Kuchen du für das Pfarrcafe am Sonntag bäckst, etc.
Bei vielen anderen Entscheidungen, deren Konsequenzen von allen Gruppenleiter/innen getragen werden müssen, ist es wichtig, dass alle die Möglichkeit haben, sich einzubringen. Hier werden nun einige Methoden vorgestellt, wie es vielleicht allen leichter gemacht werden kann, sich einzubringen um dann auch gemeinsam entscheiden zu können.

Vor einer Besprechung
Zu allererst: Wenn du über ein Thema in der Gruppenleiter/innen-Runde sprechen möchtest oder es um eine Entscheidung geht, dann hast du dir wahrscheinlich schon vorher Gedanken dazu gemacht, dir eine Meinung gebildet und vielleicht auch schon mit anderen darüber gesprochen. Andere Gruppenleiter/innen hatten vielleicht weniger Gelegenheiten dazu und wissen möglicherweise auch gar nicht, worum es gehen soll. Du könntest eine „Tagesordnung“, in der die einzelnen Themen kurz erläutert werden, entweder per Mail an die anderen Gruppenleiter/innen verschicken oder an einen bestimmten Ort z.B. in einen Kasten in den Gruppenraum legen, damit auch die anderen die Möglichkeit haben, wenn sie wollen, sich vorzubereiten.

Während einer Besprechung
Am Beginn der Besprechung kannst du fragen, ob es noch ein Thema gibt, über das jemand sprechen möchte, das aber noch nicht auf der Tagesordnung steht.
Für Besprechungen selbst gibt es auch ein paar Tipps, wie du Mitbestimmung und Mitdiskussion fördern kannst: du kannst z.B. wichtige Themen/Fragen auf ein Plakat schreiben und die Gruppenleiter/innen auffordern, auf kleinen Zetteln Argumente pro und contra zu sammeln und diese dann auf das Plakat zu legen. Das können sie alleine oder zu mehrt überlegen und schreiben.

Eine sehr schnelle und unkomplizierte Methode, ein Stimmungsbild der Gruppenleiter/innen-Runde zu einem Thema einzuholen, ist: „der Daumen“. Bei einer Frage, zu einem Thema o. ä. sollen die Gruppenleiter/innen auf 1,2,3 alle ihren Daumen entweder nach oben (wenn ich das gut finde), auf die Seite (für ein unentschieden) oder nach unten strecken (wenn ich dagegen bin). . Z.B. zu der Frage: „Reicht es, wenn wir zwei Kindergottesdienste pro Jahr machen?“ „Ja, bin damit zufrieden“, „na ja“, „nein, sollten mehr sein“. Auch das gibt eine Meinung wieder und du kannst dich in der weiteren Diskussion darauf beziehen.

Eine andere Möglichkeit wäre, so genannte „Mauschelphasen“ einzuführen. Es können sich immer ein paar Gruppenleiter/innen zueinander drehen und kurz über eine konkrete Fragestellung „mauscheln“ und dann die Ergebnisse dieser Phase ins Plenum tragen, damit die Diskussion weiter gehen kann.

Vielleicht kennst du auch als Methoden für Kinder das „Polaritätsprofil“ oder auch Diskussionen, bei denen man sich im Raum aufstellen und sich positionieren kann. Zu der Frage „Soll ein Sommerwochenende für die älteren Kids stattfinden?“ gibt es auf der einen Seite einen Pol mit „ja“ und auf der anderen Seite „nein“ (also Gegensätze). Zu der gestellten Frage kann man sich nun im Spannungsfeld zwischen „ja“ und „nein“ positionieren.

Bei der Verteilung von Aufgaben z.B. bei der Lagervorbereitung ist eine Möglichkeit, eine Runde zu machen, bei der jede/r Gruppenleiter/in sagt, ob er/sie sich diese Aufgaben vorstellen kann zu übernehmen, oder nicht. So kann jede/r einmal seine Ambitionen auf den Tisch legen und für die weitere Befassung ist klar, wer gar nicht mehr in Frage kommt bzw. welche Personen sich das miteinander ausmachen.

Entscheidungen treffen
Nach der Phase des Meinung- Einholens kommt nun die Phase, in der eine Entscheidung getroffen werden soll. „Leichte“ Entscheidungen sind es, wenn sich eh alle einig geworden sind (das kommt vielleicht nicht immer vor…). Oft ist es möglich, recht bald einen Kompromiss zu finden, mit dem alle zufrieden sind.  Manchmal aber sind die einzelnen Standpunkte so unterschiedlich, dass es nicht möglich erscheint, einen Kompromiss zu finden – dann wird es notwendig, neue Möglichkeiten zu finden, die noch nicht zur Debatte gestanden sind.

Eine Methode, neue Entscheidungsmöglichkeiten zu finden, ist ein freies, kreatives Brainstorming. Dazu dürfen alle Gruppenleiter/innen alle erdenklichen möglichen und unmöglichen Ideen nennen. Gerade sehr utopisch anmutende Ideen eröffnen oft neue Denkmöglichkeiten. Alle genannten Ideen werden auf einem Plakat notiert. Wichtig ist, dass in dieser Phase nicht diskutiert wird, ob eine Idee blöd oder nicht blöd ist. Nach dieser Sammelphase können einzelne Ideen gestrichen werden, indem das von einzelnen Gruppenleiter/innen gefordert wird (es darf allerdings nichts gestrichen werden, was jemandem aus der Runde wichtig erscheint). Schließlich können die Gruppenleiter/innen jene Punkte, die sie für realistische Möglichkeiten halten, auf ein neues Plakat voten. An dieser Stelle kann kurz über die einzelnen Punkte und deren für und wider diskutiert werden. Anschließend können die Gruppenleiter/innen z.B. Klebepunkte zu jenen Ideen kleben, die sie sich vorstellen können.

In seltenen Fällen kann es aber auch vorkommen, dass von dir als Pfarrverantwortliche/r erwartet wird, dass nun, nachdem du alle Meinungen gehört hast, eine Entscheidung getroffen wird. In diesem Fall kann es sein, dass manche mit dieser Entscheidung nicht zufrieden sind; eine ideale Lösung gibt es nicht immer, aber ich denke, wenn man diese Entscheidung begründet, aber auch gleichzeitig einräumt, dass du auch die „andere Seite“ verstehst, dann ist zu hoffen, dass alle diese Entscheidung auch gut mitragen können.

Das waren einige Methoden, wie die Mitbestimmung anderer gefördert werden kann. Bei Besprechungen ist es wichtig, dass der/die Leiter/in dafür sorgt, dass alle immer wieder die Möglichkeit haben, sich gut einbringen zu können!

Ena Vichytil

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