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Fußballspiele am Lager

Das Lager hat begonnen. Der Bus ist angekommen, die Zelte sind bezogen, die Schlafsäcke und Matten sind ausgerollt und das Gebiet ist erkundet worden. Toll, die wichtigsten Dinge wurden erledigt, jetzt kann es losgehen. Eine Frisbee wird ausgepackt, es wird Fangen gespielt, ein Ball wird geschnappt, ein paar Kinder streifen die Dressen von Ronaldinho und Hoffer über und stürmen auf die Wiese: auf zum Fußballspiel! 
Fußball ist eine der populärsten Sportarten auf dieser Welt. Unter fast allen Umständen kann man diese Sportart ausüben, man braucht weder viel Geld, noch spezielle Geräte dazu, denn ein einfacher Ball genügt, um viele Kinder und Erwachsene zu begeistern. Kinder aus der ganzen Welt wissen, wie man Fußball spielt, und das verbindet sie.

Warum gibt es das?

Kinder haben einen besonders hohen Drang dazu, sich zu bewegen, und gerade in der Natur können sie diesen Drang gut ausleben. Auf Jungscharlagern wird meistens viel Bewegung gemacht, in welcher Form auch immer. Obwohl die Kinder gerade ein Geländespiel hinter sich haben und die Zeit zum Mittagessen auch mit Lesen oder Musikhören überbrückbar wäre, haben trotzdem viele Kinder das Bedürfnis, Bewegung zu machen. Für die Kinder ist das ein Ausgleich zu dem, was sie sonst noch machen müssen. Sich zu bewegen, befreit den Geist, weil man sich auf andere Dinge konzentriert, und der Körper kommt wieder in Schwung. 

Vielen Kindern macht es Spaß, mit Freund/innen in einer Mannschaft zu spielen und sich gegenseitig zuzupassen. Es macht Spaß, sich als Tormann/-frau in den Gatsch zu schmeißen, um einen Ball abzuwehren. Es macht Spaß, den Ball so hoch zu schießen, dass er erst nach 5 Sekunden wieder auf dem Boden aufkommt.

Es macht aber keinen Spaß, ausgelacht zu werden, wenn man den Ball nicht trifft. Es macht keinen Spaß, beschuldigt zu werden, weil man das Tor nicht getroffen hat, und es macht keinen Spaß, wenn man das nächste Mal nicht in die Mannschaft gewählt wird.

Fußball mal anders

Fußball ist ein Spiel, das sich großer Beliebtheit erfreut. Aus meiner Sicht als Gruppenleiterin denke ich aber, dass Fußball auch seine fragwürdigen Seiten hat. Wie bei vielen Mannschaftssportarten geht es auch beim Fußball primär darum, eine Gewinnermannschaft zu ermitteln, was natürlich zur Folge hat, dass es auch Verlierer/innen geben muss. Ich bin der Meinung, dass man das auf einem Jungscharlager ändern kann und auch sollte, denn in der Jungschar sollte das gemeinsame Spielen und Miteinander-Spaß-Haben im Vordergrund stehen, nicht jedoch sportliche Höchstleistungen – Jungschar ist kein Sportverein.

Meine Rolle als Gruppenleiter/in beim Fußballspielen 
Ganz entscheidend kannst du in deiner Rolle als Gruppenleiter/in ein Spiel beeinflussen. Gerade beim Fußballspielen, wo es oft hart und ungerecht zugeht, ist dein Handeln gefragt, um alle Kindern Spaß und Freude an diesem Spiel zu ermöglichen.
Ich finde es z.B. wichtig, dass darauf geachtet wird, dass auch die Mädchen eingebunden sind. In der Jungschar sollen Mädchen und Buben erleben, dass sie gleichberechtigt sind und die Möglichkeit haben, alles zu tun und auszuprobieren, was sie möchten. Fußball ist nicht nur ein Männersport, ihr habt am Lager die Möglichkeit Mädchen und Buben fair miteinander spielen zu lassen.

Wenn du bewusst auch zu nicht so guten Spieler/innen passt, dich auch über ein tolles Tor des anderen Teams freuen kannst, Spieler/innen lobst, die sich zur Ballannahme anbieten oder für „schwächere“ Spieler/innen da sind, und selbst - statt den/die große/n Spieler/in herauszukehren - kooperativ spielst – dann ist die Chance sehr groß, dass in der Gruppe Schritt für Schritt die Lust am Miteinander-Spielen und am Kooperieren mit allen Spieler/innen im eigenen Team in den Mittelpunkt rückt und eine friedliche und lustvolle Spielatmosphäre entsteht.

Atmosphäre während des Spiels 
Statt „Anheizen“ des Publikums und Einschwören der Mannschaften gegen die anderen hat es sich als sehr positiv für das Spielklima herausgestellt, wenn das Ziel relativiert wird, möglichst viele Tore zu machen. Sich mit dem anderen Team zu freuen, wenn dieses einen genialen Pass gemacht oder ein tolles Tor geschossen hat, kann auch schon sehr viel zu einem angenehmen Klima beitragen.

Nicht immer muss ein Fußballspiel von Tor zu Tor stattfinden. Kinder kennen Fußball meist nicht anders, d.h. sie werden keine andere Variante von sich aus vorschlagen. Vielleicht sind die Kinder zuerst skeptisch, wenn ihr Neues vorschlagt, aber wenn es euch wichtig ist und ihr mit Spaß an die Sache herangeht, probieren Kinder das auch gerne aus. Kinder können auch gut trennen – Fußball in der Schule wird anders gespielt, Fußball in der Jungschar spielen wir aber so. Man weiß ja nie, ob den Kids die andere Variante nicht auch gefällt und sie dabei nicht sogar viel mehr Spaß haben.

Hier findest du einige Ideen… 

Sitzfußball
Bei dieser Art von Fußball sitzen die Kinder am Boden und dürfen sich nur auf allen Vieren in der Brückestellung fortbewegen und den Ball schießen. Der/die Tormann/frau sitzt auf dem Boden im Tor und darf sich auch ausstrecken. Die Torabstände müssen natürlich etwas verkleinert werden, da es viel schwieriger ist, sich auf diese Art fortzubewegen, als zu laufen. Für diese Fußball-Variante ist ein kleineres Spielfeld wichtig!
 
Fußball mit einer oder mit drei Gruppen
Damit möglichst viele Kinder in das Spiel miteingebunden sind, können ja auch einmal drei Gruppe gleichzeitig auf dem Spielfeld spielen. Jede Gruppe hat ein Tor und gleich viele Spieler/innen. Wie viele Bälle dabei verwendet werden, könnt ihr euch selber überlegen. 
Bei einer anderen Form spielen alle Spieler/innen (d.h. eine oder zwei Teams) auf ein Tor, dessen Tormann oder -frau regelmäßig wechseln kann. Gerade, wenn nur ein Team spielt, geht es hier besonders darum, den Ball (der nach jedem Tor ans andere Ende des Spielfeldes zurückgelegt wird) über möglichst viele Spieler/innen zum Tor zu schießen. 

Fußball-Rollenspiel
Jede/r sucht sich eine Rolle aus oder zieht eine Rolle oder Eigenschaft (Ballettänzer/in, Roboter,… bzw. traurig, hektisch,…). In dieser Rolle wird nun Fußball gespielt – d.h. es geht nicht nur vorrangig ums Spielen mit dem Ball, sondern es macht Spaß, sich in unterschiedliche Rollen zu versetzen.

Fußball-Vorübungen 
Stellt euch in kleineren Kreisen auf: 

•    Am Anfang versucht ihr, den Ball möglichst schnell von Kind zu Kind in eine Richtung zum/r Nachbar/in zu schießen. Wenn der Kreis recht groß ist, kann man auch mehrere Bälle dazugeben, dabei kann man versuchen, mit einem Ball den anderen zu überholen.

•    Mit Kids, die sich noch nicht so gut kennen, kann man auch Planetenbahnen (Beschreibung siehe Gruppenstunde „Rund um den Ball“ auf Seite 10) spielen. In dem Fall werfen wir uns den Ball nicht zu, sondern spielen ihn mit dem Fuß. Die Route bleibt dabei immer gleich.

•    Eine Aufgabe für etwas Ältere wäre, den Ball zum/r Nachbar/in zu gabeln. Also mit dem Fuß so hinzuschießen, dass der Ball dabei nicht auf den Boden fällt.

•    Ihr könnt mit Älteren auch versuchen, dass jedes Kind eine gewisse Zeit lang den Ball auf dem Platz in Bewegung halten muss. Wie, das ist egal. Vielleicht gibt es auch ein paar Trick-Künstler/innen, die gerne ein paar tolle Tricks vorzeigen wollen. Danach wird der Ball wieder weitergepasst.

Flexible Teams
Eine Möglichkeit, die für Gruppen, die fixe Mannschaften gewöhnt sind, sehr neu, aber durchaus spannend sein kann, ist, die Teams flexibel zu gestalten:
Variante 1: Die Spieler/innen können während des Spiels mit jemandem aus dem anderen Team ihr Erkennungsmerkmal wechseln und mal mit anderen Kindern zusammen spielen.
Variante 2: Der/die Torschütze/in wechselt nach einem Tor das Team - so werden starre Mannschaftsbildungen vermieden. 

Fußballturniere am Lager
Auf manchen Lagern ist es üblich, Turniere auszutragen – manche Kinder lieben es, manche mögen es gar nicht.
Was ist problematisch daran: Ein Spiel, das sonst alle mitspielen können, wird plötzlich zum Wettbewerb, es geht ums Siegen, wird dadurch meist härter gespielt, „schlechtere“ Spieler/innen werden plötzlich ausgeschlossen, aber auch für gute Spieler/innen bedeutet es Stress, weil sie ihren Status behaupten müssen.
Wenn ihr die Tradition eines Turniers habt und es auch heuer machen wollt, ist es wichtig, auf gewisse Dinge zu achten (siehe Punkte unten). Prinzipiell ist es aber auch nicht verkehrt oder fad, auf ein Turnier zu verzichten, denn man kann auch ohne einen Wettbewerb sehr viel Spaß mit dem Ball haben, vielleicht bei einem spannenden Ballspiele–Nachmittag.

Zu beachten ist…
Wenn ihr ein Turnier veranstaltet, finde ich es wichtig, dass alle Kinder Spaß dabei haben können. Hier sind einige Tipps, wie man ein Fußballturnier einmal anders gestalten kann:

Die Bildung von Gruppen: 
Wenn ihr die Kinder Gruppen wählen lasst, dann wird die Rangordnung des Fußball-Spielens in der Gruppe aufgezeigt: Die Besten am Beginn, die Schlechteren in der Mitte und die, die sehr schlecht Fußball spielen können, will oft keine Gruppe dabei haben. Das ist gerade für diese Kinder eine sehr unangenehme Erfahrung, die ihr ihnen ersparen könnt, indem ihr andere Methoden der Gruppenbildung verwendet! Probiert einmal aus, die Gruppen auszulosen, damit keine Kinder traurig sein müssen, dass sie nicht gewählt wurden. 

Kinder, die nicht mitspielen wollen: 
Kids, die nicht so gerne mitspielen wollen, können vielleicht andere Aufgaben übernehmen: ein paar Fan-Sprüche erfinden, eine Trinkstation für die Spieler/innen betreuen, ein paar witzige Fahnen gestalten, usw. Wichtig ist, dass sie auch das Gefühl bekommen, daran teilzuhaben.
Wenn eine größere Zahl von Kindern nicht mitspielen möchte, wäre es wichtig, ein gleichwertiges Alternativprogramm anzubieten.

Siegerehrung Ja oder Nein: 
Ich finde, dass man am Lager auf Siegerehrungen verzichten sollte, da es nicht ums Gewinnen gehen sollte, sondern darum, dass die Kinder Spaß am Spiel haben. 
Wenn die Kinder das noch sehr gewöhnt sind, könnt ihr langsam beginnen, das zu ändern, indem ihr keine gewöhnliche Siegerehrung macht, sondern vielleicht eine kleine Feier, bei der allen Kindern gleich viel Wertschätzung entgegengebracht wird. Sei es nicht nur, weil sie vielleicht viele Tore geschossen haben, sondern auch lustige Dressen anhaben, gut zusammengespielt haben, viel zu Trinken besorgt haben, gut angefeuert haben, usw. Eurer Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt.
Eine andere Möglichkeit ist, dass alle Kinder am Schluss des Spiels eine Kleinigkeit überreicht bekommen, z.B. ein nettes Armband – als Erinnerung an den Nachmittag.

In der Jungschar sollen alle Mitspielenden miteinander Spaß haben können, wobei der Spaß nicht auf Kosten Einzelner gehen darf. Das aktive Miteinander, nicht das Gegeneinander steht im Vordergrund. 
Wenn du dich traust, altbekannte Spiele hin und wieder nach gewissen Spielregeln zu verändern, kann wieder eine neue, interessante Spieldynamik entstehen, die für alle Kinder passend ist. Ein Wandel in der Spielkultur geht nie über Nacht, sondern braucht einige Zeit, bis den Kindern die „neue Art“ zu spielen auch vertraut geworden ist, also gib nicht auf, wenn du Neues ausprobieren möchtest.

Viel Spaß beim Spielen!

Hanni Traxler

[aus dem kumquat "abseits" 2008]

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