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Solidarische Ökonomie – was ist denn das?

„Ökonomie“ leitet sich vom altgriechischen Worten ‚oíkos’ (übersetzt „Haus“) und ‚nomos’ (übersetzt „Gesetz“ oder „Regel“) ab. Heute wird „Ökonomie“ als Synonym für „Wirtschaft“ verwendet – ursprünglich ging es um die Regeln des Haushaltsführens. Soldiarität kommt vom lateinischen Wort „solidus“ – das wörtlich „echt“ oder „fest“ bedeutet. Solidarität drückt eine Verbundenheit mit den Ideen oder Aktivitäten anderer aus – es geht um den Einsatz für gemeinsame Werte und Zusammenhalt.

Mitbestimmung!

Solidarische Ökonomie bezeichnet eine alternative Form des Wirtschaftens, bei der die Mitarbeiter/innen eines Unternehmens gleichzeitig auch die Eigentümer/innen des Unternehmens sind – ihnen gehört also gemeinsam der Betrieb, in dem sie arbeiten. Dabei wird jede Entscheidung zusammen in der Gruppe getroffen – es gibt keine/n Chef/in, der/die sagt, wer was zu tun hat und alleine bestimmt. Die Kernbotschaft der solidarischen Ökonomie lautet: Kooperation statt Konkurrenz – das heißt, dass alle Mitarbeiter/innen versuchen, sich gegenseitig zu unterstützen anstatt besser als die Anderen sein zu wollen. Im Zentrum steht das gemeinsame Wohl aller. Das zeigt sich zum Beispiel darin, dass alle Mitarbeiter/innen des Unternehmens gleich viel Lohn bekommen – denn jeder Mensch ist gleich viel wert. Das alles klingt zwar sehr logisch – allerdings werdet ihr diese Prinzipien in den meisten Unternehmen, die ihr kennt, nicht finden. Es ist nämlich heute üblich, dass die Manager/innen um ein vielfaches Mehr verdienen als ihre Sekretär/innen. Außerdem haben die meisten Menschen in den heutigen Betrieben kein Recht, Entscheidungen mitzubestimmen – selbst wenn diese Entscheidungen die eigene Arbeit betreffen! Die solidarische Ökonomie ist also wirklich anders als die meisten Betriebe.

Gleichberechtigung statt Hierarchie

Das Land, in dem es am meisten solidarische Unternehmen gibt, ist Brasilien. Warum gerade in Brasilien? In den 1980er und 1990er Jahren geriet das Land in eine schwere wirtschaftliche Krise, durch die viele Betriebe Bankrott machten und geschlossen wurden. Tausende Menschen wurden arbeitslos. In dieser Situation schlossen sich die arbeitslosen Arbeiter/innen zusammen und besetzten ihre ehemaligen Fabriken: sie arbeiteten einfach auf eigene Faust weiter! Sie gingen morgens einfach so wie bisher in die Fabrik und erledigten ihre Arbeit, auch wenn die Fabriksbesitzer/innen nicht da waren und ihnen keinen Lohn mehr gezahlt wurde. Statt wie bisher die Anweisungen der Fabriksbesitzer/innen auszuführen, beschlossen die Arbeiter/innen, alle nötigen Entscheidungen von nun an zusammen zu treffen. Außerdem führten sie keine strenge Hierarchie im Betrieb ein, sondern arbeiteten gleichberechtigt miteinander. Viele dieser besetzten Betriebe gibt es noch heute. Diese solidarische Bewegung wurde so erfolgreich, dass es mittlerweile einen eigenen Minister für solidarische Ökonomie im brasilianischen Arbeitsministerium gibt, der die Aufgabe hat, die vielen solidarischen Unternehmen zu vertreten und zu unterstützen. Auch in Europa gibt es Beispiele für solidarische Ökonomie (siehe Kasten). Vielleicht habt ihr ja Lust bekommen, euch die Sache näher anzusehen?

Solidarische Ökonomie in die Jungschar holen

Du wunderst dich vielleicht, warum wir im Kumquat über „Solidarische Ökonomie“ schreiben? Die Jungschar ist ja schließlich kein Betrieb, der wirtschaftlich arbeitet? Das stimmt, aber auch die Jungschar ist eine Organisation, in der gearbeitet wird (ehrenamtliche Arbeit ist auch Arbeit!)und in der Entscheidungen getroffen werden – auf Pfarr-, Gruppeleiter/innen- und Kinderebene. Und auf all diesen Ebenen sind Erfahrungen von Betrieben, die solidarisch arbeiten hilfreich, weil sie uns Ideen und Inspiration geben können, wie wir in der Jungschar gemeinsam so tun können, dass alle zufrieden sind. Und es gibt noch einen anderen Grund, warum solidarische Ökonomie auch für die Jungschar interessant ist: Manchmal trauen wir uns nicht, zu sagen, was wir uns denken. Wir lernen schon sehr früh, was wir machen dürfen und was nicht, was wir sagen dürfen und was nicht erwünscht ist. Besonders Kindern wird genau erklärt, was sie zu tun und zu lassen haben. Jungschar ist Raum, in dem es möglich ist, sich einzubringen - zu sagen, was man denkt, mitzubestimmen und Dinge mal anders auszuprobieren. Und vielleicht werden wir dadurch ermutigt und bestärkt, auch in unserem restlichen Leben laut unsere Meinung zu sagen und uns mehr für Alternativen einzusetzen.

Solidarische Ökonomie in Wien

Kost Nix Laden (im 5. Bezirk, Zentagasse 26)

In den Kost Nix Ladens kann jeder Dinge bringen, die noch in Ordnung sind und nicht mehr gebraucht werden – oder auch Dinge mitnehmen, ohne etwas dafür zu zahlen. Der KostNixLaden zeigt, dass auch anderes Wirtschaften in der heutigen kapitalistischen Warengesellschaft möglich ist.

Schenke Wien (8. Bezirk, Pfeilgasse 33)

Die Schenke ist ein wirklich schöner, großer Ort, an dem diskutiert, gelesen und angenehme Zeit verbracht werden kann. Auch hier gibt es einen Kost-Nix-Laden für alle, die sich gegenseitig beschenken wollen. Außerdem findet ihr hier eine Bibliothek und ein Café, wo jeder soviel bezahlt, wie er will. Regelmäßig wird in der „offenen Küche“ gekocht bzw. kann selbst gekocht werden.

Interkulturelle Gärten (zum Beispiel in Ottakring Ecke Heigerleinstraße/Seeböckgasse)

Hier können Menschen verschiedener Kulturen gemeinsam Pflanzen und Gemüse großziehen. Migrant/innen und Flüchtlinge finden in solchen Gärten oft ein Stück Heimat und können Kontakte knüpfen – auch zu „Einheimischen“. Nebenbei hat man in der Stadt die Möglichkeit, im Grünen zu sein und frisches Gemüse zu ernten!

Talente-Tauschkreise

Tauschkreise bieten die Möglichkeit zum Austausch von Waren und Dienstleistungen ohne Geld. Man/frau gibt seine Talente bekannt und sagt, welche Gegenleistungen gebaucht werden, zum Beispiel: Walter mischt ein traumhaftes Dinkel-Müsli für Ines, sie verpasst Hugo einen coolen Kurzhaarschnitt, Hugo füttert zwei Wochen den Hamster von Kleopatra und gießt ihre Topfpflanzen, während sie Urlaub auf Walters Bauernhof macht. Das alles ohne einen Cent – alle Infos unter: http://www.talentetauschkreis.at.

Conni Barger

aus dem kumquat "vernetzt" 1/2011

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