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Damit es gar nicht so weit kommt

Konflikten in der Gruppenleiter/innen-Runde vorbeugen

Die Besprechung fängt an und man kann eine gewisse Spannung im Raum spüren. Die Atmosphäre ist etwas unterkühlt und ihr beginnt gleich mit dem ersten Punkt der Tagesordnung, dem Spielefest in zwei Wochen. Als es daran geht einzuteilen, wer welches Material besorgt und wer sich um die Getränke kümmert, kommen einige spitze Bemerkungen à la „Wenn der XY das macht, wird das doch nie was.“ oder „Eh klar, die XY kann wieder alles besser.“ Plötzlich fangen zwei Gruppenleiter/innen an, miteinander zu streiten und binnen kürzester Zeit haben sich Parteien rund um die beiden gebildet. Nun ist der Moment da, an dem man die Besprechung des Spielefests vergessen kann, da sich alles nur noch um den Konflikt dreht…

Doch so weit muss es nicht kommen! Die meisten Konflikte, die im Zuge der Jungschararbeit auftauchen, lassen sich durch einige Maßnahmen, die rechtzeitig getroffen werden, vermeiden. Schwierigkeiten in der Gruppenleiter/innen-Runde können unendlich viele verschiedene Ursachen haben, grob lassen sie sich jedoch in persönliche und sachliche Konflikte unterteilen. Dieser Artikel stellt zu beiden Kategorien Ideen und Strategien zur Vorbeugung vor.

Sachliche Konflikte

Meist resultieren Konflikte auf der Sach-Ebene aus Unklarheiten, was die Aufgabengebiete und die damit verbundene Verantwortung der einzelnen Personen in der Gruppenleiter/innen-Runde betrifft. Um dem vorzubeugen, ist es unumgänglich, die anfallenden Aufgaben so untereinander aufzuteilen, dass niemand überlastet oder völlig unterbeschäftigt ist. Je größer die Gruppenleiter/innen-Runde ist, desto wichtiger wird diese klar ausgesprochene Arbeitsteilung. Mit nur zwei weiteren Personen ist es zwar leichter, Aufgaben kurzfristig und anlassbezogen aufzuteilen als mit 15, doch die Gefahr, dass jemand aus Pflichtgefühl ständig im Stress ist und daraus Unstimmigkeiten entstehen, ist auch hier gegeben.

Nehmt euch zu Beginn des Arbeitsjahres Zeit um zu sammeln, was alles im Laufe des Jahres zur Erledigung anfallen wird und was sich jede/r einzelne vorstellen kann, zu übernehmen. Hilfreich sind auch fixe Zuständigkeiten für zusammenhängende Aufgabengebiete. So kann sich beispielsweise jemand für das Material zuständig fühlen, im Auge behalten, was es im Jungscharkasten gibt und was besorgt werden muss und das auch bei jeder Veranstaltung im Hinterkopf behalten. Das heißt natürlich nicht, dass diese Person das alles immer auch selbst besorgen, her- und wieder wegräumen muss, sondern nur, dass sie daran denkt und den Punkt wenn nötig in Besprechungen einbringt, wo man sich dann anschauen kann, wer was macht.

Weitere mögliche Zuständigkeiten (die auch fix verortet sein können) sind Finanzen, Minis, die Sternsingeraktion, die Vertretung der Jungschar im Pfarrgemeinderat, Homepage bzw. Schaukasten und vieles mehr. Diese Zuständigkeiten können selbstverständlich jedes Jahr neu verteilt werden, da sich ja auch Zeitressourcen, Kompetenzen und nicht zuletzt die Gruppenleiter/innen-Runde immer wieder verändern.

Auch bei Veranstaltungen der Jungschar – sei es das Krippenspiel, das Faschingsfest oder das Sommerlager – ist es fein, eine/n Hauptverantwortliche/n zu haben, der/die schon früher da ist, den Überblick behält und Ansprechperson für die anderen Gruppenleiter/innen ist. Auch hier gilt: Hauptverantwortlich zu sein heißt nicht, alles selbst machen zu müssen, sondern im Kopf zu haben, was es zu tun gibt, zu delegieren und für Fragen zur Verfügung zu stehen!

Alle diese Vereinbarungen zum gemeinsamen Arbeitsstil, der gegenseitigen Verbindlichkeit und die konkrete Aufgabenverteilung können das Thema einer Jahresklausur sein. Eine Klausur hat den Vorteil, dass ihr genügend Zeit habt, euch grundlegend damit zu beschäftigen. Außerdem arbeitet ihr an diesen Tagen nicht nur miteinander, sondern kocht, spielt und lebt auch gemeinsam, wodurch ihr euch besser kennen lernt.

Deshalb solltet ihr auch genügend Zeit zum gemeinsamen Spielen und Spaß haben auf der Klausur einplanen. Doch nicht nur auf der Klausur sondern auch unterm Jahr ist es wichtig, neben dem „Alltagsgeschäft“ auch ab und zu ein Treffen zu haben, das nur für das Team da ist. Egal ob ihr jetzt ein Eis essen geht oder einen Spieleabend macht – gemeinsame Aktivitäten abseits der Arbeit verbinden eine Gruppe!

Persönliche Konflikte

Neben Konflikten die auf der Sach-Ebene entstehen, gibt es selbstverständlich auch Konflikte, die auf persönlicher Ebene stattfinden. Im Umgang mit solchen Konflikten ist es wichtig, sich bewusst zu machen, dass diese eigentlich privater Natur sind und im besten Falle, die GL Runde nicht beeinträchtigen sollten. Trotzdem passiert uns allen genau das immer wieder, denn es gibt kein Patentrezept wie man eben dieses vermeiden kann.

Wichtig und vorrangig ist, dass ihr miteinander gut klarkommt. Wenn es also jemanden in deiner Gruppenleiter/innen-Runde gibt den/die du momentan „nicht ausstehen“ kannst, könntest du doch einfach versuchen, das ganze auf professioneller Ebene zu betrachten. Überleg dir zum Beispiel, was du an seiner/ihrer Arbeitsweise schätzt und rücke dies in den Vordergrund. Denn nur weil du jemanden nicht als vertraute/n Freund/in haben willst, muss das noch lange nicht bedeuten, dass du mit dem-/derjenigen nicht trotzdem klar kommen kannst.

Wie schon oben erwähnt kann es helfen, Aktivitäten außerhalb eurer Jungschararbeit zu haben, um ein gutes und entspanntes Klima zu schaffen. Jedoch sollte es für niemanden in der Runde ein Zwang sein, mit jedem/jeder Einzelnen befreundet zu sein. Das heißt allerdings nicht, dass die Menschen, mit denen du in der Jungschar zusammenarbeitest nicht auch deine Freunde sein können. Oft ist das sogar der Fall, denn je mehr Zeit du mit Menschen verbringst, desto besser lernst du sie kennen und daraus resultieren natürlich oft fundierte Freundschaften.

Ähnlich ist es mit Beziehungen innerhalb der Gruppenleiterrunde. Ist ja ganz klar, dass ab und an zwei dabei sind die sich mehr als nur mögen. Auch diese Entwicklung ist ganz natürlich, das kann ja überall passieren und ist auch völlig in Ordnung. Aber man sollte sich auch hier bewusst machen, dass man eben nicht nur die private Zeit miteinander teilt, sondern auch zusammen arbeitet, was sich oft als sehr schwierig herausstellt, sowohl für das Paar selbst als auch für alle anderen Gruppenleiter/innen.

Zusammengefasst gilt, dass den meisten Konflikten, die im Jungscharalltag entstehen können schon allein dadurch vorgebeugt werden kann, indem man sich der Möglichkeit eines Konfliktes bewusst ist und versucht, die Ursachen dafür möglichst aus dem Weg zu räumen – sei es durch gute Planung, durch eine offene Besprechungs- und Entscheidungskultur oder durch klärende Gespräche, die eine neue Situation zum Thema haben.

Sandra Fiedler und Johanna Fuchshuber

[aus dem context "Konflikte"]

 

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