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Konflikte am Lager

Das Lager ist für viele Personen eine Ausnahmesituation. Nicht nur wegen der tollen Stimmung und dem Spaß, sondern auch wegen ungewohnten Betten, vielen Menschen auf einem Fleck, Essen, das nicht von der Mama ist, usw. So ist es nicht verwunderlich, dass in so ungewohnten Situationen auch hin und wieder Konflikte entstehen.

Wenn während dem Lager ein Konflikt entsteht, dann fühlt man sich als Verantwortliche/r oft vor den Kopf gestoßen, weil man mit der einen oder anderen Situation nicht gerechnet hat.
Was tut man, wenn auf einmal wütende Anrainer/innen oder unfreundliche Vermieter/innen auftauchen? Wie geht man mit Kindern um, die den Lageralltag stark erschweren?
Im folgenden Artikel findest du ein paar Tipps, die dir helfen können, mit der einen oder anderen Konfliktsituation besser umzugehen.

Probleme mit Anrainer/innen

Seit diesem Sommer weiß auch ich, was es heißt, mit wütenden Anrainer/innen zu kämpfen. Sätze wie: „Die Kinder sind mir wurscht, um zehn müssen sie leise sein!“ oder „Den ganzen Tag ist pausenloser Lärm, das gehört verboten!“ haben wir heuer auf unserem Lager oft zu hören bekommen.

Zuerst einmal, der Lärm untertags kann euch nicht vorgeworfen werden. Solange keine extrem laute Musik gespielt wird oder starker Lärm, zum Beispiel durch hupende Autos, entsteht, braucht ihr eure Kinder in dieser Hinsicht auch nicht einschränken.

Was die Nachtruhe betrifft, gibt es vom Gesetz eine klare Vorgabe, ab 22.00 Uhr herrscht Nachtruhe. Auch wenn es schwer und sehr unangenehm ist, müßt ihr euch an diese Zeit halten. Die Anrainer/innen sitzen leider am längeren Ast, falls es nach 22.00 Uhr zu laut sein sollte.

Um dieses Problem aber vorab schon ein bisschen zu entschärfen, wäre es gut, wenn sich die Lagerleitung zu Beginn des Lagers schon bei den Anrainer/innen vorstellen geht. So wissen die Leute, dass ihr da sein und sie lernen euch gleich persönlich kennen. Diesen positiven Effekt darf man nicht unterschätzen.

Wenn ihr euch vorstellen geht, könnt ihr folgende Punkte erwähnen, damit die Anrainer/innen eine Ahnung davon haben, was sie zukommt:

 

  • Wir sind ehrenamtliche Gruppenleiter/innen der Katholischen Jungschar und veranstalten ein Kinderlager, das … Tage dauert.
  • Jungschar ist für die Kinder DER Platz, wo sie noch Kinder sein können und das auch ausleben dürfen.
  • Ja, es sind viele Kinder da und wir spielen mit ihnen untertags, auch im Gelände.
  • Natürlich versuchen wir, den Lärm einzudämmen, aber wir bitten um Ihr Verständnis.
  • Die Kinder lieben diesen Platz hier und genießen es, in der Natur zu sein, die für alle da ist.
  • Hier sind unsere Nummern: …. Wenn sie etwas brauchen, können Sie sich gerne bei uns melden.

Solche Maßnahmen lassen ein gewisses Konfliktpotential vielleicht gar nicht erst entstehen.

Probleme mit Vermieter/innen

Auch in diesem Fall gilt es, sich einmal vorzustellen und in Ruhe darüber zu plaudern, wer die Lagerverantwortlichen sind und was auf so einem Jungscharlager überhaupt passiert. Falls es während des Lagers zu einem Konflikt kommt, ist es wichtig, einmal Ruhe zu bewahren und möglichst ohne Emotionen über die Probleme zu diskutieren.

Solche Diskussionen sollten nicht zwischen Tür und Angel stattfinden und auch nicht so, dass es alle Kinder sehen können. Sucht euch einen geeigneten Raum und sprecht mit euren Vermieter/innen über eure und deren Anliegen. Natürlich seid ihr nur die Mieter/innen des Quartiers, aber auch ihr habt Rechte und solltet eure Wünsche und Anliegen anbringen können.

Damit es am Ende des Lagers zu keinen falschen Beschuldigungen kommen kann, wenn es um Beschädigungen geht, solltet ihr zu Beginn des Lagers eine Liste machen und vermerken, wo ihr Mängel und Beschädigungen festgestellt habt. Diese Liste sollten eure Vermieter/innen dann auch gleich bekommen. So kann man späteren Konflikten vorbeugen.

Probleme mit Kindern, die den Lageralltag erschweren

Für viele Kinder ist so ein JS- Lager eine neue Situation. Sie sind weg von zu Hause, sie haben niemanden, der sich 24 Stunden lang nur um sie kümmert, sie stehen vielleicht nicht mehr so im Mittelpunkt wie gewohnt, sie müssen sich selbstständig um ihre Sachen kümmern, usw. Dass es da zu schwierigen Situationen mit Kindern kommt, lässt sich nicht vermeiden.

Egal, um welche Situation es sich auch handelt, wichtig ist, dass ihr Kinder nicht schon vorab verurteilt. Oft kommt man auf die Schiene: „Der stört in der Gruppenstunde auch immer!“ oder „Die ist immer schon so nervig gewesen!“.

Wenn es ein Kind gibt, dass es sich zur Aufgabe gemacht hat, permanent andere Kinder zu ärgern oder Gruppenleiter/innen zu ignorieren, dann solltet ihr das nicht unterschätzen und versuchen diesem Verhalten auf den Grund zu gehen. Das ist natürlich nicht ganz einfach und es liegt auch oft nicht in der Macht einer Gruppenleiterin, eines Gruppenleiters oder einer Lagerleitung, zu ergründen, warum manche Kinder so sind wie sie sind. In der Jungschar wollen wir natürlich versuchen, alle Kinder mit ihren unterschiedlichen Charakteren, Talenten und Fähigkeiten aufzunehmen.

Doch irgendwann kann ein Kind auch einmal zu weit gehen. Wenn du als Lagerleiter/in das Gefühl hast, jetzt ist der Punkt erreicht, an dem ihr ein Kind ernsthaft nach Hause schicken müßt, dann solltet ihr als Gruppenleiter/innen-Runde gut darüber beraten. Oft kann ein Austausch über die Situation neue Blickwinkel eröffnen und eine Konfliktsituation vielleicht entschärfen.

Ich persönlich finde, dass man über so eine Situation nicht leichtfertig entscheiden sollte. Kinder merken oft nicht, dass ihr Verhalten unangenehme Folgen für andere Betroffene oder auch für sie selbst hat. Es ist also sinnvoll, Kinder erst einmal zurechtzuweisen und den Ernst der Lage klar zu machen. Versucht, dem Kind noch eine Chance zu geben, die Sache in Zukunft besser zu machen. Wenn das Kind das nicht einsieht und sein Verhalten nicht ändert, dann sollte die Gruppenleiter/innen-Runde eine Entscheidung über die weitere Vorgangsweise treffen.

Wenn ihr zu einer Entscheidung kommt, die von der Gruppenleiter/innen-Runde getragen wird, dann bekommt die Sache ein gewisses Gewicht und ist sowohl vom betroffenen Kind, als auch von den Eltern ernst zu nehmen. Die Entscheidung sollte also nicht nur bei dir alleine als Lagerleiter/in liegen, sondern du solltest den Rückhalt deiner Gruppenleiter/innen haben.

Ein Erfolgsrezept für Situationen wie diese gibt es leider nicht, aber ihr solltet nicht aufgeben, aus jeder Situation das Beste zu machen. Kinder sollten auf einem Lager die Möglichkeit haben, so zu sein, wie sie eben sind.

Hanni Traxler

[aus dem context "Konflikte"]

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