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Fußball ist...

 ... toll! Weil alle Kinder, die wollen, sich dabei bewegen, Spaß am Ball-Spielen haben können und es ein Spiel ist, das allen bekannt ist!
... mühsam! Weil es oft Streit zwischen den Kindern gibt, brutal gespielt wird und Kinder, die nicht so gut im Kicken sind, oft daneben stehen!

In einigen Jungschar- oder Minigruppen gehört ein Kickerl am Schluss der Stunde zum Gruppenstundenalltag, einige spielen dann und wann in der Gruppe Fußball und in anderen Pfarren ist Fußball ein fixer Teil des Freizeit-Programms am Lager. Grund genug, sich das Spiel einmal genauer anzusehen – ein Spiel, das offensichtlich viele spannend-lustvolle Elemente für Kinder enthält, aber auch frustrierend und aggressionsfördernd sein kann.

Geht es um Fußball, wird selten überlegt, dass es sich dabei um zwei Teams handelt, die gegeneinander antreten und als wichtiges Ziel haben, dass ein Team mit mehr Toren aus dem Spiel hervor geht als die andere. Das bedeutet aber auch, dass die Kinder während des Spiels tatsächlich gegen einander spielen (im Gegensatz zu vielen anderen Aktivitäten in der Jungschar oder bei den Minis), d.h. „schwächeren“ Spieler/innen den Ball möglichst nicht zukommen lassen, andere – durchaus auch einmal hart – foulen, um ans Ziel zu gelangen, und sich selbstverständlich ärgern, wenn das andere Team einen guten Treffer oder Pass gelandet hat.

Eigentlich schräg – wo es uns doch sonst in der Jungschar und bei den Minis viel mehr darum geht, ein Miteinander zu pflegen, zu kooperieren und gerade „Schwächeren“ genauso ihren Platz in der Mitte zu geben. Ist Fußball also wirklich nur als Spiel zweier konkurrierender Teams denkbar?

Geht Fußball auch anders?

In Kindergruppen und auf Lagern sind immer wieder Ideen ausprobiert worden, wie Fußball auch anders funktionieren kann, sodass die positiven Aspekte des Spiels in den Vordergrund und die negativen Elemente (also das Fördern von Aggressionen zwischen den Teams, das Spielen gegeneinander) in den Hintergrund treten:

Offensichtlich ist, dass die Atmosphäre, die vor und während des Spiels herrscht, ganz entschieden dazu beiträgt, wie gespielt wird. Statt „Anheizen“ des Publikums und Einschwören der Teams gegen die anderen hat es sich als sehr positiv für das Spielklima herausgestellt, wenn das Ziel relativiert wird, möglichst viele Tore zu machen. Das mag vorerst überraschend erscheinen – was ist denn dann der Sinn des Spiels, ist vielleicht eine Frage!

Fußball bietet eine Vielzahl von spannenden Aktivitäten und „Zielen“, die leider oft verdeckt oder gar verunmöglicht werden, wenn es nicht um ein spannendes und witziges, sondern ein torreiches Spiel geht! Ich denke da an gewagte Pässe (die man sonst unterlassen würde, weil ja das andere Team den Ball abfangen könnte), das Miteinbeziehen aller Spieler/innen (also auch von jüngeren Kindern oder jenen, die nicht so gut Fußball spielen können und im „Normalfall“ den Ball sehr selten bis gar nicht bekommen), kurzes Hin- und Her-Passen (statt als gute/r Spieler/in alleine bis zum Tor „durchzuziehen“), Küreinlagen (die man sich sonst einfach „nicht leistet“) und nicht zuletzt sich mit dem anderen Team zu freuen, wenn dieses einen genialen Pass gemacht oder ein tolles Tor geschossen hat (ein Ereignis, das sonst vor allem zu Ärger und manchmal bis zu Aggressionen führt!).

Zu einer positiven Spiel-Atmosphäre kann noch ein Punkt entscheidend beitragen: auf ausgeklügelte Wähl-Zeremonien (die gerade für „schwächere“ Spieler/innen ein sehr unangenehmer Teil des Spielens sind) zu verzichten.

Statt des Wählens haben sich einige andere Arten der Teambildung als positiv herausgestellt, die einerseits schnell zum eigentlich Teil, dem Spielen, führen, andererseits für die Mitspieler/innen möglichst wenig belastend sind. Eine von vielen Möglichkeiten ist zu beginnen, indem sich alle, die mitspielen wollen, auf die „Mittellinie“ stellen, die Augen schließen und dann gleichzeitig nach links oder rechts hüpfen. Die Kinder, die nun in einem Feld stehen, spielen gemeinsam (wenn die Anzahl sehr unterschiedlich ist, wird nochmals „gehüpft“, ansonsten wechselt noch die entsprechende Anzahl an Kindern, die dem anderen Team fehlt, die Seiten).

Eine andere unkomplizierte Möglichkeit ist es, „einfach mal drauf los zu spielen“. Das heißt, die Gruppe teilt sich zu Beginn des Spiels selbst ungefähr in die Hälfte, und zwar so, dass die Teams etwa gleich gut sein werden.

Sind die Kinder es gewohnt, dass es beim Spiel darum geht, wer der/die Beste ist bzw. die meisten Tore schießt, wird diese Art des Beginnens und des Spielens sehr ungewohnt sein und sehr wahrscheinlich auch nicht gleich „genützt“ werden. Das ist nicht weiter verwunderlich und auch kein Grund zur Besorgnis, ein Wandel in der Spielkultur geht nie über Nacht, sondern braucht einige Zeit, bis den Kindern die „neue Art“ zu spielen auch vertraut geworden ist. Ganz entscheidend kannst du in deiner Rolle als Gruppen- bzw. Spielleiter/in zu diesem „Wandel“ beitragen.

Wenn du bewusst auch zu nicht so guten Spieler/innen passt, dich auch über ein tolles Tor des anderen Teams freuen kannst, Spieler/innen lobst, die sich zur Ballannahme anbieten oder für „schwächere“ Spieler/innen da sind, und selbst statt den/die große/n Spieler/ in herauszukehren kooperativ spielst – dann ist die Chance sehr groß, dass in der Gruppe Schritt für Schritt die Lust am Miteinander-Spielen und am Kooperieren mit allen Spieler/innen im eigenen Team in den Mittelpunkt rückt und eine friedliche und lustvolle Spielatmosphäre entsteht.

Um andere Arten und Elemente des Spielens zu verstärken, kann es hilfreich sein, über einen kürzeren oder längeren Zeitraum Zusatzregeln einzuführen, die eben diese Elemente fördern. Wenn die Kinder zum Beispiel stark dazu neigen, den Ball wenig an andere Spieler/innen abzugeben, kannst du die Regel einführen, dass der Ball maximal 10 Sekunden (bis 10 zählen) gehalten werden darf oder von 3 unterschiedlichen Spieler/innen berührt werden muss, bevor auf das Tor gezielt werden darf.

Wenn Kinder – aus der Schule, dem Freundeskreis oder Fußballklub – gewöhnt sind, anders zu spielen, kann es auch hilfreich sein, gemeinsam Jungschar- bzw. Mini-Fußballregeln aufzustellen, die den Kindern dabei helfen können, zwischen dem Spielen in der Gruppenstunde/ am Lager und anderswo zu unterscheiden. („Wir wollen einander beim Spielen nicht weh tun!“, „Bei uns können alle Kinder mitspielen!“ und „Wer unfair spielt, erhält die blaue Karte und muss 2 Minuten aussetzen.“ könnten drei solcher Regeln sein.)

ausprobieren...

Wer gerne noch mehr verändern oder Anderes ausprobieren will, kann sich Anleihe bei weiteren Vorschlägen holen, die den Praxistest bereits bestanden haben: Mit vollem Erfolg wurde etwa schon probiert zu beginnen, Tore nicht mehr zu zählen, d.h. sich natürlich mit dem/der Torschütz/in zu freuen, aber keine Wertung vorzunehmen, eine andere Tor-Variante zählt die Tore beider Teams gemeinsam, wobei z.B. versucht werden kann, gemeinsam mehr Tore zu erreichen als beim letzten Spiel. Da die Kinder das Zählen meist automatisch machen, ist es hier entscheidend, welches Gewicht du der Anzahl der Tore gibst.

Eine Möglichkeit, die für Gruppen, die fixe Teams gewöhnt sind, sehr neu, aber durchaus spannend sein kann, ist, die Teams flexibel zu gestalten, d.h. Spieler/innen können mit jemandem aus dem anderen Team ihr Erkennungsmerkmal wechseln und mal mit anderen Kindern zusammen spielen, genauso bietet es sich an, dass der/die Torschütze/in nach einem Tor das Team wechselt und so starre Teambildungen vermieden werden.

Bei einer ganz anderen Form spielen alle Spieler/innen (d.h. eine oder zwei Teams) auf ein Tor, dessen Tormann oder -frau regelmäßig wechseln kann. Gerade, wenn nur ein Team spielt, geht es hier besonders darum, kunstvolle Pässe zu „üben“ und den Ball (der nach jedem Tor ans andere Ende des Spielfeldes zurückgelegt wird) über möglichst viele Spieler/innen zum Tor zu schießen.

Sowohl besonders gute als auch weniger geübte Spieler/innen können besonders davon profitieren, wenn die begnadeten Spieler/innen sich als „Trainer/innen“ zur Verfügung stellen und dadurch die Möglichkeit bekommen, „ihren Schützlingen“ ihr Wissen und Können weiterzugeben.

Egal, was du probierst – wichtig ist zum einen, den Kindern die Dinge, die dir ein Anliegen sind, vorzuzeigen und zum anderen, den Kindern bei den Veränderungen Zeit zu lassen.

Das Ziel, Fußball zu einem kooperative(re)n Spiel zu machen, das in einer für alle guten Atmosphäre, mit Spaß und Witz gespielt wird, ist vielleicht auch für deine Kinder keine alltägliche Sichtweise, aber – da bin ich überzeugt – eine, die ihnen und dem Spaß am Spiel sicher gut tun wird!

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