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Alles außer wählen

Wie man sonst noch Gruppen bilden kann

Wer hat diese Kindheitserinnerung aus dem Turnunterricht eigentlich nicht?
Vor einem Spiel – eigentlich recht egal welches, eines, für das man Mannschaften braucht eben – wird gewählt. Zwei Wähler/innen werden auserkoren und sagen dann abwechselnd, wen sie gerne bei sich im Team hätten. Nach und nach teilt sich die große Gruppe in zwei (drei, vier,…) kleine und die Zahl derer, die noch „übrig“ sind schrumpft stetig vor sich hin und diejenigen, die als letztes gewählt werden (nein, noch schlimmer: übrigbleiben und dann halt zu der letzten Gruppe dazugehen), fühlen sich furchtbar.

Dieses „wählen lassen“ produziert immer und immer wieder dieselbe Dynamik – egal ob in der Gruppe gerade eher diejenigen gewählt werden, die besonders gut sind oder diejenigen, die besonders beliebt sind. Das Ergebnis ist dasselbe: Die Rangordnung in der Gruppe wird ganz offensichtlich. Wer ist die schnellste, um die sich alle reißen? Wer ist der witzige, den alle gern in ihrer Rollenspielgruppe hätten? Wer ist der weniger sportliche, der vermutlich nie ein Tor schießt? Wer ist die Außenseiterin, die in der Gruppe noch kaum Freund/innen hat? Alles das ist beim und nach dem Wählen nicht nur sichtbar, sondern vor allem auch spürbar.

Gruppendynamik beeinflussen

Natürlich hat jede Gruppe eine eigene innere Dynamik, die nicht weg ist, nur weil ich sie gerade nicht sehe. Also die Außenseiterin und der Gruppenkasperl werden trotzdem diese Rolle haben, auch wenn ich sie nicht durch wählen lassen präsentiere. Wenn ich das aber tue, verstärke ich das sogar noch und es fällt mir dann schwerer, diese Rollen nicht starr werden zu lassen. Meine Bemühungen, die Kinder, die eher am Rand der Gruppe stehen, besser zu integrieren, werden vermutlich später oder gar nicht fruchten, wenn ich sie immer wieder in die Situation bringe, dass sie sich überflüssig fühlen.

Auch wenn das Kriterium, nach dem gewählt wird nicht die Beliebtheit oder der Status in der Gruppe ist, sondern allein die persönlichen Fähigkeiten auf dem Gebiet, um das es gerade geht (Schnelligkeit, Kreativität, Geschicklichkeit, Wissen, etc.) – selbst dann muss man ja nicht unbedingt unter die Nase gerieben bekommen, dass man irgendetwas nicht so gut kann, das weiß man meistens auch so.

Gruppenbildungsmethoden

Zusammengefasst: Lange nicht gewählt zu werden, aus welchem Grund auch immer, ist (nebenbei bemerkt nicht nur für Kinder) ein blödes Gefühl! Es ist erniedrigend, wenn es öfter passiert, ist es deprimierend und vor allem ist es unnötig! Es gibt nämlich jede Menge anderer Möglichkeiten, Kleingruppen/Teams/Mannschaften zu bilden:

  • Die Kinder finden sich selbst in Gruppen zusammen. Klingt einfach? Wenn sie gut angeleitet werden (also nicht „macht drei Gruppen“, sondern „geht zu viert zusammen“), ist es das auch – besonders, wenn sie das schon öfter gemacht haben.
  • Ihr stellt euch in einem Kreis auf und zählt durch. Wenn du vier Gruppen brauchst, immer von eins bis vier. Die gleichen Zahlen gehen zusammen.
  • Den Kreis kannst du aber auch einfach mit gedachten Linien in die Hälfte oder in Viertel teilen.
  • Du hast etwas mitgebracht, von dem jedes Kind versteckt zieht oder sich aussucht (Stifte, Smarties, farbige Zetterl, Gummibärli, verschieden große Büroklammern, usw.) Die Ähnlichkeiten/Übereinstimmungen bilden dann eine Gruppe. Super ist es, wenn das Material zum Thema der Gruppenstunde passt.
  • Alle Kinder stellen sich hintereinander auf eine Linie. Mit geschlossenen Augen hüpfen alle gleichzeitig entweder nach links oder nach rechts. Sollte die Aufteilung sehr ungleich sein, wird nochmal gehüpft oder es wechseln einfach noch ein paar Kinder die Seiten.
  • Du bestimmst ein Merkmal, nachdem sich die Kinder zusammenfinden (Jahreszeit, in der man Geburtstag hat, Sockenfarbe, Anzahl der Geschwister, Lieblingsessen, und und und)
  • Ihr könnt auch die Gruppen verwenden, die sich aus dem davor gespielten Spiel ergeben. Oft entstehen am Ende oder auch irgendwann zwischendrin schon Gruppen entstehen. Wenn ihr z.B. in einer kleinen Gruppe „Rotes Sofa“ spielt, sind einfach diejenigen eine Gruppe, die gerade sitzen, wenn du das Spiel beendest.
  • Es muss auch nicht immer so schnell gehen. Spielt doch Geräusche/Bewegungen finden: Jedes Kind bekommt einen Zettel mit einem Tier, Fahrzeug oder sonst etwas, das ein Geräusch macht, drauf, schaut es sich versteckt an und auf ein Kommando machen alle Kinder gleichzeitig das passende Geräusch (miauen, zwitschern, klingeln, etc.). Die Tierfamilien sind dann die Gruppen. Das funktioniert auch ohne Geräusche, dafür mit passenden Bewegungen zu Berufen oder Hobbys.

Wie jetzt?

Für die meisten Spiele oder Gruppenstundenelemente ist es nicht einmal notwendig, dass die Gruppen gleich groß, gleich stark, ausgewogen,… sind. Überlegt euch einfach vorher, wie viele Gruppen ihr braucht und ob es egal ist, wie sie ausschauen oder ob euch etwas daran wichtig ist. Dann fällt euch die Wahl der Gruppenbildungs-Methode sicher nicht mehr allzu schwer.

Keine davon ist perfekt für jede Situation und manche funktionieren abhängig von der Gruppe mal besser und dann wieder gar nicht. Wenn sich deine Kinder gerade sowieso schon auf nichts einigen können, werden sie auch Schwierigkeiten haben, sich selbst einzuteilen. Wenn sie schon älter sind, finden sie es vielleicht eher fad, jedes Mal wieder ein Suchspiel „absolvieren“ zu müssen, bevor es losgeht.

Probiert einfach viele verschiedene aus und frag vielleicht auch mal zwischendurch bei deinen Kindern nach, welche ihnen besonders gut oder weniger gut gefallen. Wenn du die Einteilung in Kleingruppen immer wieder anders machst, hast du nicht nur zusätzliche Abwechslung in den Gruppenstunden, du kannst auch sicher sein, dass für alle mal was dabei ist.

Sandra Fiedler

kumquat "Bildung" 2/2013

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