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Mehr als Binden und Biologie

Gruppenstunde | Alter: 11-15 | Aufwand: mittel

Ziel

Die erste Regel als Thema für die Gruppenstunde.

Material

Aufbau

 

Die erste Regel - ein Thema für die Gruppenstunde?



"Ich hab gedacht, ich bin krank und muss sterben" - die Zeiten, in denen Mädchen ihre erste Menstruation so oder so ähnlich erlebt haben, sind - Gott sei Dank - weitgehend vorbei. Nicht zuletzt dank der Werbemaschinerie für sogenannte "Monatshygieneprodukte" sind Mädchen heute aufgeklärter über das, was da so in ihrem Körper passiert. Aber genauer betrachtet sind diese Werbungen auch ein Indiz dafür, wie sehr die Regel immer noch ein tabuisierter Bereich ist. Denn ein Slogan wie "Mit der Binde XY fühle ich mich sicher, sauber und frei" bedeutet ja eigentlich umgekehrt "Durch meine Regel fühle ich mich unsicher, schmutzig und unfrei".

Sowohl von feministischer Seite, von der die Auflösung dieses "Menstruationstabus" als wichtiger Schritt auf dem Weg zur Gleichberechtigung betrachtet wird, als auch von verschiedenen esoterischen Strömungen inspiriert, begannen in den letzten Jahren viele Frauen, durch Rituale wie zum Beispiel eine Feier oder ein Geschenk anlässlich der "Menarche" (so wird die erste Regel im Fachjargon genannt) einen neuen und positiveren Zugang zu diesem Teil ihres Lebens zu entwickeln.

Ein Thema für die Gruppenstunde?



Natürlich ist nicht alles zu dem Thema für eine Gruppenstunde umsetzbar, dennoch gibt es gute Gründe, dieses mit so vielen Tabus und Schamhaftigkeit besetzte Thema auch mit deinen Jugendlichen zu behandeln - schließlich ist die Menstruation ein fixer Bestandteil im Leben jedes Mädchens und jeder Frau. Aber auch für das Zusammenleben von Burschen und Mädchen kann eine solche Gruppenstunde fruchtbar sein, denn im sonstigen Alltag kommt die Regel unter Jugendlichen höchstens in Form von mehr oder weniger lustigen Witzchen seitens der Burschen vor. Warum also nicht den Freiraum, den die Gruppenstunde bietet, für eine Auseinandersetzung mit diesem Thema nutzen?

Trotzdem solltest du bedenken, dass die Menstruation naturgemäß ein sehr persönliches Thema ist. Wenn du den Eindruck hast, dass deine Gruppe dafür noch nicht "reif" genug ist oder wenn es dir selbst unangenehm ist, dann lass es lieber - oder warte noch ein paar Jahre...

Mit oder ohne Buben?



Die Entscheidung, ob und in welcher Form die männlichen Gruppenmitglieder an einer solchen Gruppenstunde teilnehmen, ist eine sehr heikle, die du dir gut überlegen solltest. Einerseits ist es für Mädchen (gerade in der Pubertät!) sehr wichtig, unter sich sein zu können, andererseits können durch das gemeinsame Tun auch Schwellen abgebaut werden. Als ich mit meiner Gruppe eine "Regel-Gruppenstunde" gemacht habe, war es uns wichtig, das Thema als etwas Natürliches und nicht Peinliches zu behandeln, das beide Geschlechter etwas angeht, daher haben wir uns für eine gemeinsame Gruppenstunde entschieden, vor allem auch, da in unserer Gruppe die Burschen eine krasse Minderheit sind. Es gibt aber natürlich auch viele Mittelwege - so können zum Beispiel bei einem Stationenbetrieb manche Stationen "for girls only" sein, während andere gemeinsam besucht werden. Eine weitere Variante ist es, gleichzeitig eine Stunde nur für Buben anzubieten, in der diese mit einem Gruppenleiter über bubenspezifische Themen reden oder Stationen machen können. Wenn du deine Gruppe alleine als Frau leitest, dann kannst du dafür auch einen Gruppenleiter einladen, den deine Kids z.B. vom Lager her schon gut kennen und mögen.
Eher weniger günstig ist es, wenn die Burschen währenddessen Fußball spielen oder ähnliches geschickt werden - denn wie sollen sie zu einem unverkrampften Umgang mit der Regel finden, wenn sie mit "klassisch männlichen" Beschäftigungen abgespeist werden, während die Mädels über ein wichtiges Thema reden? Die Burschen in meiner Gruppe haben die Gelegenheit genützt, um den Mädchen zu beweisen, dass sie erwachsen genug sind, um locker mit dem Thema umzugehen!

Überlege dir einfach vorher, wie du die Stunde angehen möchtest - du kennst deine Gruppe am besten und kannst auch am besten entscheiden, ob ihr die Stunde gemeinsam, getrennt oder mit einem Mittelweg gestalten wollt.

Atmosphäre ist wichtig!



Wie auch bei jedem anderen Thema ist es ganz wichtig, dass niemand etwas von sich erzählen muss, wenn er/sie nicht will und dass niemand Angst haben muss, ausgelacht zu werden. Eine gemütliche Plauderatmosphäre ist auf jeden Fall förderlich!
Wichtig ist außerdem, dass du für die Mädchen in deiner Gruppe klarstellst, dass ihr euch bei dieser Gruppenstunde einfach mit dem Thema Regel auseinander setzen wollt, dass es dabei aber keine Rolle spielt, ob sie die Regel schon haben oder nicht.

Bausteine für eine "Regel-Gruppenstunde"



Und, bist du neugierig geworden? Die folgenden Ideen sind keine fertige Gruppenstunde, sondern lediglich Bausteine für eine Auseinandersetzung mit dem Thema Menstruation, die du für deine Gruppe adaptieren kannst.

Ein Saugfähigkeitstest:


Binden und Tampons verschiedener Marken und Größen werden auf ihre Saugfähigkeit getestet. Dafür stellst du einen Malkasten zur Verfügung, mit dem die Kids einmal - im Gegensatz zur Werbung, in der nie rotes Blut vorkommt, weil das offenbar als anstößig empfunden wird - auch rot oder verschiedene andere Farben testen können.
Material, das dafür benötigt wird: Binden und Tampons verschiedener Marken und Größen, Gefäße mit Wasser, das gefärbt werden kann, ev. eine Plastikunterlage, falls etwas ausgeschüttet wird.

Werbungen analysieren:


Die Gruppenmitglieder sind ein Expert/innenteam, das Anzeigen und Spots für "Monatshygieneprodukte" auf die Vermittlung von Klischees und ihre Realitätstauglichkeit hin untersucht. Dabei könnt ihr euch mit folgenden Fragen auseinandersetzen:

  • Wie sind Frauen, die die Regel haben, in der Werbung dargestellt? (z.B.: sie sind prinzipiell strahlend schön und glücklich, liegen entspannt in weißer Unterwäsche auf einer weißen Couch herum, haben keine Schmerzen...)
  • Was für ein Bild von Menstruation wird uns dabei vermittelt? (z.B.: die Regel ist etwas Anstößiges, das ja niemand anderer mitbekommen darf, während der Regel kann/muss frau alles tun, was sie sonst auch tut...)


Das sind natürlich teilweise recht anspruchsvolle Fragen - der Sinn dieser Station liegt vor allem darin, die Scheinwelt, die uns Werbung auch zu diesem Thema vermittelt, einmal kritisch zu hinterfragen.

Schmöker-Ecke


mit verschiedenen Büchern und Artikeln zum Thema:
Einige Beispiel für solche Bücher findest du am Ende dieses Artikels, im Jungscharbüro kannst du dir einiges davon ausborgen.

"Dr. Sommer Team":


Ein Teil der Gruppe formuliert schriftlich Fragen zum Thema Menstruation, die anderen versuchen sie zu beantworten. Dabei können einerseits ernst gemeinte Fragen gestellt werden, andererseits auch absurde, wie zum Beispiel "Darf ich während der Regel im Meer schwimmen, oder lockt das die Haie an?".

"Regel interkulturell":


... eine Auseinandersetzung mit Menstruationsritualen in verschiedenen Kulturen. Interessant sind zum Beispiel die Bezeichnungen, die es in verschiedenen Ländern für die Regel gibt: die Xhosa in Südafrika sprechen zum Beispiel vom "Aufknospen der Blume", in einem altindischen Werk wird die Menstruation als "Blume des Hauses des Liebesgottes" bezeichnet. In manchen afrikanischen Kulturen werden Mädchen, die das erste Mal menstruieren, rituell bemalt.
Auch zu diesem Thema kannst du dir im Jungscharbüro einiges ausborgen. Interessant könnte auch sein, welche Rituale oder Zeremonien ihr euch in unserer Kultur vorstellen könntet.

"Mondfest - pro und kontra":


Du erzählst von der Idee, die erste Menstruation eines Mädchens mit einem großen Fest und Geschenken zu begehen. Dabei werden alle Frauen eingeladen, die dem Mädchen wichtig sind, sie bekommt Geschenke, die sie an ihre erste Menstruation erinnern sollen (z.B. einen Ring oder ein rotes Tuch), der Raum wird mit roten Blumen dekoriert, sie darf sich ihr Lieblingsessen wünschen, weil das für sie ein ganz besonderer und einmaliger Tag ist. Ihr überlegt gemeinsam, ob und warum ihr euch das vorstellen könntet.



Literatur zum Weiterlesen:
Miranda Gray: Roter Mond. Von der Kraft des weiblichen Zyklus. Irisiana 1996
(esoterisch angehaucht, Selbsterfahrung für Frauen)

Karin Kraus/ Gudrun Reinke: Von der Pubertät bis zu den Wechseljahren. Erfahrungen mit der Menstruation. Fischer 1996
(Frauen verschiedener Generationen erzählen über ihre Erfahrungen)

Margaret Minker: Der Mondring. Feste und Geschenke zur ersten Menstruation. dtv 1996
(Überlegungen, wie man Mädchen einen positiven Zugang zu ihrer Menstruation ermöglichen kann)

Erich Püschl: Die Menstruation und ihre Tabus. Schattauer 1988
(Menstruationsrituale in verschiedenen Kulturen)

Sylvia Schneider: In der Regel gute Tage. Ueberreuter 1999
(Ratgeber für junge Mädchen)

Penelope Shuttle/Peter Redgrove: Weise Wunde Menstruation. Fischer 1982
(eines der ersten Bücher, das sich mit dem Thema Menstruation beschäftigt)

Autor/in: Kathrin Wexberg

Publikation: Kumquat_1/01

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Schlagwörter: Ich, Körper