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Die Erde bebauen und hüten

Messmodelle | Alter: 6-15 | Aufwand: niedrig

Hintergrund

Gottes Schöpfung ist eine gute Schöpfung. Auch das Klima der Schöpfung ist eine gutes Klima: Die ersten Menschen dürfen in einem Garten leben, der von vier Flüssen bewässert wird. Alles wirkt mild und harmonisch.
Seit ihrer Erschaffung ist den Menschen die Bewahrung dieser guten Schöpfung anvertraut. Die Bibel ist voller Geschichten, die deutlich machen, dass dies keine einfache Aufgabe ist: Die Menschen verhalten sich destruktiv, sie ignorieren ihre soziale Verantwortung, sie leben nicht nach der göttlichen Harmonie, sie zerstören ihre Umwelt. Doch gleichzeitig gibt es immer wieder die Berichte von jenen, die versuchen, im Einklang mit sich und der Schöpfung zu leben.
Der Gottesdienst ist ein Ort, an dem diese widersprüchlichen Erfahrungen von Zerstören und Bewahren, die das Menschsein prägen, eingebracht und bedacht werden können. Der Mensch kann weder sich selbst noch die Schöpfung alleine erlösen, er braucht dazu den Beistand des Heiligen Geistes, das Wirken der göttlichen Kraft. Um diese Kraft beten wir in diesem Gottesdienst, damit die bewahrenden Anteile im Menschen die Destruktiven überwiegen mögen.
Abgesehen von diesen grundsätzlichen theologischen Überlegungen spricht auch noch etwas Pragmatik dafür, einen Gottesdienst zum Thema Klimagerechtigkeit zu machen: Ein Gottesdienst kann eine gute Gelegenheit sein, um der Pfarrgemeinde zu präsentieren, womit ihr euch in der Jungschargruppe beschäftigt habt. Wichtig ist daher, dass sich die Kinder schon ein bisschen mit dem Thema beschäftigt haben und wissen, worum es geht.

Material

  • ein Spielzeugauto
  • ein Spielzeugflugzeug
  • eine Packung (eingeschweißte) Würstel

 

Bibelstellen

Evangelium: Mk 11, 15-19

Kyrie


(mit symbolischen Gegenständen, die drei für das Klima wichtige Faktoren darstellen)

Kind 1 legt ein Spielzeugauto vor den Altar:
Guter Gott, es ist total bequem und schnell, mit dem Auto zu fahren, auch wenn der Ort, an den wir wollen, vielleicht zu Fuß, mit dem Bus oder mit dem Rad auch gut erreichbar wäre. Wir wissen — jede unnötige Autofahrt ist schlecht für das Klima.
Doch gleichzeitig erfahren wir uns als gefangen: Unser Verkehrssystem bevorzugt die Autos. Wer öffentlich fährt, muss oft längere Fahrzeiten in Kauf nehmen.
Herr, erbarme dich unser.

Kind 2 legt ein Spielzeugflugzeug vor den Altar:
Guter Gott, es ist aufregend und schön, mit dem Flugzeug in den Urlaub zu fliegen. Wir wissen — jeder Flug ist schlecht für das Klima.
Doch gleichzeitig erfahren wir uns als gefangen: Unser Verkehrssystem bevorzugt die Reichen und Schnellen. Wer mit dem Zug in den Urlaub fährt, kommt nicht so weit und muss längere Fahrzeiten in Kauf nehmen.
Christus, erbarme dich unser.

Kind 3 legt eine Packung (eingeschweißter) Würstel vor den Altar:
Guter Gott, wir essen gerne Wurst und Fleisch. Wir wissen — die Produktion von Fleisch und Wurst belastet das Klima mehr als jene von Gemüse.
Doch gleichzeitig erfahren wir uns als gefangen: Alle Wirtshäuser preisen Schnitzel und Koteletts an. Wer sich vegetarisch ernährt, wird manchmal immer noch als Sonderling betrachtet; wer biologisch einkauft, muss mehr zahlen.
Herr, erbarme dich unser.

Priester:
Guter Gott, wir wissen um die klimaschädlichen Folgen unseres Handelns — Bequemlichkeit lässt uns oft dennoch Dinge tun, die schlecht für die uns anvertraute Welt sind. Aber auch die Strukturen sind nicht so, dass es leicht fällt, den eigenen Lebensstil zu verändern.
Gib uns immer wieder die Kraft, unser Tun zu hinterfragen und die Energie, immer wieder und immer öfter auf eine Weise zu handeln, die gut für das Klima ist. Gib uns aber auch eine Vision, wie unsere Gesellschaft aussehen könnte, ohne dass sie das Klima schädigt.

Lesung Genesis 2, 4-15


Das ist die Entstehungsgeschichte von Himmel und Erde, als sie erschaffen wurden. Zur Zeit, als Gott, der Herr, Erde und Himmel machte, gab es auf der Erde noch keine Feldsträucher und wuchsen noch keine Feldpflanzen; denn Gott, der Herr, hatte es auf die Erde noch nicht regnen lassen und es gab noch keinen Menschen, der den Ackerboden bestellte; aber Feuchtigkeit stieg aus der Erde auf und tränkte die ganze Fläche des Ackerbodens. Da formte Gott, der Herr, den Menschen aus Erde vom Ackerboden und blies in seine Nase den Lebensatem. So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen. Dann legte Gott, der Herr, in Eden, im Osten, einen Garten an und setzte dorthin den Menschen, den er geformt hatte. Gott, der Herr, ließ aus dem Ackerboden allerlei Bäume wachsen, verlockend anzusehen und mit köstlichen Früchten, in der Mitte des Gartens aber den Baum des Lebens und den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse. Ein Strom entspringt in Eden, der den Garten bewässert; dort teilt er sich und wird zu vier Hauptflüssen. Der eine heißt Pischon; er ist es, der das ganze Land Hawila umfließt, wo es Gold gibt. Das Gold jenes Landes ist gut; dort gibt es auch Bdelliumharz und Karneolsteine. Der zweite Strom heißt Gihon; er ist es, der das ganze Land Kusch umfließt. Der dritte Strom heißt Tigris; er ist es, der östlich an Assur vorbeifließt. Der vierte Strom ist der Eufrat. Gott, der Herr, nahm also den Menschen und setzte ihn in den Garten von Eden, damit er ihn bebaue und hüte.

Evangelium Mk 11,15-19 — Die Tempelreinigung


Dann kamen sie nach Jerusalem. Jesus ging in den Tempel und begann, die Händler und Käufer aus dem Tempel hinauszutreiben; er stieß die Tische der Geldwechsler und die Stände der Taubenhändler um und ließ nicht zu, dass jemand irgendetwas durch den Tempelbezirk trug. Er belehrte sie und sagte: Heißt es nicht in der Schrift: Mein Haus soll ein Haus des Gebetes für alle Völker sein? Ihr aber habt daraus eine Räuberhöhle gemacht. Die Hohenpriester und die Schriftgelehrten hörten davon und suchten nach einer Möglichkeit, ihn umzubringen. Denn sie fürchteten ihn, weil alle Leute von seiner Lehre sehr beeindruckt waren. Als es Abend wurde, verließ Jesus mit seinen Jüngern die Stadt.

Impulse zur Predigt


Die beiden Texte, die wir heute gehört haben, scheinen auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun zu haben. Doch sie sind zwei Seiten einer Medaille:

  • Die Lesung aus dem Buch Genesis berichtet von der Schöpfung. Es ist eine harmonische Welt, von der dort die Rede ist. Keine Gefahr droht dem Menschen, der zum Hüter des Garten Eden ernannt wird. Alles wirkt irgendwie sehr entspannt, vielleicht fast etwas passiv.
  • Die Evangelienstelle ist hingegen gar nicht harmonisch: Jesus wirft die Geldwechsler aus dem Tempel hinaus. Hier ist keine Entspanntheit, hier gibt es Aktivität.


Der Jesus, der uns in dieser Evangelienstelle begegnet, verhält sich anders als in den meisten Geschichten, die wir von ihm kennen: Nicht sanftmütig, nicht gelassen, sondern sehr entschieden, fast wütend, tritt Jesus hier auf. Es regt ihn auf, könnte man mit heutiger Sprache sagen, dass der Tempel, das Haus seines Vaters, als ein Ort des Geschäfte Machens, des Konsums, missbraucht wird.

In Jesus Handeln zeigt sich etwas, das auch für uns, wenn wir heute im Rahmen dieses Gottesdienstes über das Klima, über die Bewahrung der Schöpfung nachdenken, wichtig ist: Es ist nicht egal, wie wir handeln. Es mag im Rahmen des großen Weltwirtschaftssystems belanglos scheinen, ob die Dinge, die wir einkaufen, fair gehandelt oder unter ausbeuterischen Bedingungen produziert wurden — aber genau so hätte es ja auch Jesus, der zu diesem Zeitpunkt ja schon um sein baldiges Ende wusste, egal sein können, was die Händler im Tempel tun. Unser Handeln hat Folgen — es mögen nur kleine sein, aber sie sind dennoch nicht unbedeutend für die Frage, wie es mit unserer Welt, mit unserem Klima in Zukunft weitergehen wird. Jesus Mahnung, so schroff und vielleicht auch erschreckend sie auf den ersten Blick klingen mag, kann auch als Ermutigung gelesen werden — sich wie Jesus klar zu positionieren, ob etwas gut oder schlecht ist, und sich um das richtige Handeln zu bemühen - jeden Tag aufs Neue.

Es gibt Tage, da sollte der entspannte Gärtner zum aktiven Durchgreifer werden. Wenn wir wirklich wollen, dass unser Planet auch für unsere Kinder und Kindeskinder belebbar bleibt, wenn wir nicht wollen, dass ein guter Teil der Menschheit unter Dürren oder Überschwemmungen leiden muss: Wenn wir das wollen, ist es Zeit zum Handeln. Wir sind aufgerufen, uns für eine andere Form der Energieversorgung, eine neue Form der Mobilität, ein anderes Wirtschaften einzusetzen. Es braucht einen sehr weitreichenden Wandel — so weit, dass wir diesen nicht allein aus eigener Kraft erreichen können. Wir beten daher zum Heiligen Geist, dass er uns die Kraft schenke, die richtigen Dinge zu tun.

Fürbitten

  • Guter Vater, gute Mutter, die Folgen des Klimawandels betreffen jene am Schlimmsten, die in den ärmsten Regionen unserer Erde leben. Steh ihnen zur Seite, wenn ihr Lebensraum durch Katastrophen bedroht wird.
  • Guter Vater, gute Mutter, jene Menschen, die sich auf politischer Ebene für Klimaschutz einsetzen, sind oft mit Anfeindungen konfrontiert. Gib ihnen die Kraft, sich weiterhin für das Klima einzusetzen.
  • Guter Vater, gute Mutter, manchen Erwachsenen ist es egal, welche Folgen ihr Handeln gerade für zukünftige Generationen hat. Lass sie erkennen, dass sie nicht nur für sich selbst Verantwortung tragen.
  • Guter Vater, gute Mutter, wir Kinder fühlen uns oft hilflos, wenn wir von schlimmen Dingen wie dem Klimawandel hören. Sei bei uns, wenn wir versuchen, diese Dinge zu verstehen und unseren Teil für den Schutz unserer Erde beizutragen.

Schlusssegen


Guter Gott,
du hast uns deine Schöpfung anvertraut, damit wir sie bebauen und hüten. In einer Zeit, in der das Bebauen, das Ausbeuten der Schöpfung in den Vordergrund gerückt ist, haben wir als dein Volk eine besondere Verantwortung für die Bewahrung deiner Schöpfung. Stärke uns in unserem Einsatz für eine bessere, gerechtere Welt. Schenke uns die Kraft, eine neue Gesellschaft zu fordern und zu fördern, in der alle Menschen in gutem Klima leben.

Autor/in: Gerald Faschingeder und Kathrin Wexberg

Publikation: kumquat "klima(un)gerecht?!" 1a/2010

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Schlagwörter: Gottesdienst, Umwelt