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¡Tierra para todos! — Land für alle!

Gruppenstunde | Alter: 8-12 | Aufwand: hoch

Hintergrund

Mit den Spenden an die Sternsingeraktion der Katholischen Jungschar werden jährlich rund 500 Projekte in Afrika, Asien und Lateinamerika finanziert. Ein Projekt wird jedes Jahr näher vorgestellt und auch im Flugzettel, den die Spender/innen bekommen beschrieben. Für die Sternsingeraktion 2011 ist dies SCIDECO, ein Projekt, das Bauern und Bäuerinnen in Guatemala unterstützt. In der folgenden Gruppenstunde sollen sich die Kinder mit Guatemala auseinandersetzen, allen voran mit der ungerechten Landverteilung.

Material

  • Diverses "Phantasiereisematerial": Bananen, Bohnen, Erde, Kaffebohnen,... (mehr siehe unten)
  • Zeichenpapier, bunte Stifte
  • Kreis aus grünem Papier
  • Zettel mit hundert Maxerln
  • Großes Plakat, event. vorbereitete Zettel mit Begriffen (siehe weiter unten)
  • 10-20 Bohnen oder Murmeln je nach Anzahl deiner Kinder

Aufbau

Nach einer Phantasie-/Sinnes-Reise nach Guatemala, widmet man sich der Frage nach ungerechter Landverteilung und was diese für Auswirkungen auf Kleinbauern und-bäuerinnen hat. Zum Abschluss wird ein Geschicklichkeitsspiel mit Bohnen gespielt.

 

Wir begeben uns auf eine Reise...


Du lädst die Kinder ein, mit dir auf eine Reise zu gehen, nämlich nach Guatemala einem Land in Mittelamerika — die Kinder sollen hierzu die Augen schließen und sich mit Hilfe dessen was du sagst und Dinge, die du rumgibst und die sie ertasten und riechen können eine Bild von einer Finca in Guatemala in ihrem Kopf machen. Du beginnst zu erzählen:
"Wir befinden uns auf einer "Finca", also einer Art Bauernhof in Guatemala. Das Land rundherum ist sehr grün und saftig. Wenn man umherschaut sieht man grüne Hügel aus denen in der Ferne Nebel aufsteigt; am Himmel beginnt die Sonne gerade hinter einer Wolke hervorzublinzeln. Es hat heute Morgen so wie fast jeden Tag in der Regenzeit geregnet und die Luft ist warm und feucht. Auf der Finca stehen ein paar Häuser, vor denen die Leute sitzen und gerade Frühstücken. Es gibt Bananen, Eier, Bohnen und Brot und einige Erwachsene trinken Kaffee, aus Bohnen gemacht, die auch hier auf der Finca angepflanzt werden. Einige andere arbeiten schon auf den Feldern und setzten Pflanzen, die später mal Cashew-Nüsse tragen sollen. Sie graben dazu mit Schaufeln in die dunkle Erde und setzen dann mit ihren Händen kleine Pflänzchen in die Löcher. Eine Frau wischt sich den Schweiß von der Stirn, weil die Sonne mittlerweile herausgekommen ist. Ein Mann arbeitet woanders in einem größeren Gebäude, in dem es nach Holz und Sägespänen riecht und versucht dort das kleine Sägewerk zu reparieren. Wir schauen in eines der Häuser hinein und sehen wie auf einem Holzherd ein Topf steht. Man hört ein kochendes Geeräusch und es riecht angenehm nach Bohnen und Gewürzen. Ein alter Mann sitz auf einem Sessel und schaut aus dem Fenster. Er hört Lachen und Kreischen, weil vor dem Haus Kinder mit ein Spiel mit Bohnen spielen..." (Du kannst die Geschichte selbstverständlich beliebig erweitern...)

Während du dies erzählst, gibst du verschiedene Dinge herum, die die Kinder angreifen und an denen sie auch riechen sollen, so z.B. Bananen, Kaffebohnen, Cashewnüsse, Erde, Holz, feuchte Blätter, Bohnen, und verschiedene andere Dinge, insofern sie zu dem passen was du erzählst. Diese sollen helfen Bilder wachzurufen und Kindern, die sich vielleicht mit Phantasiereisen nicht so leicht tun, die Vorstellungen erleichtern kann.

Für Jüngere: Du lädst die Kinder nun ein, das Bild, das sie im Kopf hatten, ihre Vorstellung von der Finca, aufzuzeichnen. Sie können hierzu auch noch Dinge hinzufügen, die ihnen auf der Phantasiereise begegnet sind. Danach schaut ihr euch gemeinsam die Bilder an und schaut wo Unterschiede oder auch Gemeinsamkeiten ist.

Für Ältere: Mit älteren Kindern kann man diesen Schritt weglassen, oder aber durch folgenden ersetzen: Sie sollen zu zweit oder zu dritt zusammengehen und eine Szene pantomimisch nachstellen, wie sie bei ihrer Phantasiereise vorgekommen ist (zB einen Bananenernte, die Frühstücksszene,...) Die Kids können dabei auch über das Gesagte hinausgehen und Dinge beschreiben, die in ihrer Phantasie aufgetaucht sind. Die anderen sollen erraten was dargestellt wird.

Land — ein ungleich verteiltes Gut


Guatemala ist eines der Länder auf der Erde, in dem Land am ungleichesten verteilt ist — so besitzen rund 1,5% der Bevölkerung 65% der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Um deinen Kindern ein Bild davon zu geben, eignet sich folgende Methode: Du hast einen Kreis aus grünem Papier ausgeschnitten, der die gesamte Fläche an Ackerland darstellt. Daneben hast du auf einen Zettel hundert Maxerln gezeichnet bzw. ausgedruckt. Von diesen hundert schneidest du eineinhalb Maxerl ab, sodass du danach einen großen Zettel mit 98,5 und einen kleinen mit 1,5 Maxerln hast.

Du kannst deinen Kindern erklären, dass es in Guatemala, dem Land von dem du gerade erzählt hast viele Ungerechtigkeiten gibt. So ist auch Land ungerecht verteilt. Deine Kinder sollen nun schätzen wie viel Land von einer kleinen Menge an Leute, nämlich 1,5%, sprich diesen "eineinhalb Menschen", besessen wird und wie viel somit für die restlichen 98,5 bleibt. Deine Kinder sollen in dem grünen Kreis ein so großes Tortenstück einzeichnen, wie sie denken, dass dieser Teil besitzt. Danach löst du auf und zeichnest die tatsächliche Landungleichverteilung von ca. 65% ein.
Für den Rest der Menschen bleibt somit nur wenig Ackerland über um es sich aufzuteilen, das bedeutet, dass viele auf den Feldern reicher Großgrundbesitzer arbeiten, andere auch gar kein Land besitzen und somit Schwierigkeiten haben ihre Familien zu ernähren.

Wofür braucht man Land?


Für viele deiner Kinder wird "Landbesitz" vermutlich keine große Rolle spielen, vor allem wenn ihre Eltern einer Arbeit nachgehen, die nichts mit Landwirtschaft zu tun haben. Deshalb soll im nächsten Schritt erläutert werden, dass von Grund & Boden im ländlichen Raum von Guatemala ganz viele Dinge abhängen. Ob ich Land bebauen kann entscheidet ob ich meine Familie ernähren kann, bestimmt meinen Lebensort, also den Ort an dem man sich wohlfühlt und den man gestaltet, ob man nicht doch in die Stadt abwandert, wo sich das Leben für die ganze Familie ändert, und und und.
Hierfür ist ein Plakat aufgebreitet auf dem Land steht (oder ein Symbol dafür gezeichnet wird) und gemeinsam soll eine Art "Mindmap" erstellt werden. Das bedeutet, man überlegt, was der Besitz von Land (wenn man nämlich in der Landwirtschaft tätig ist), für Auswirkungen hat auf andere Bereiche im Leben dieser Person. Diese Begriffe werden auf das Plakat geschrieben und mit Strichen verbunden. Zum Beispiel kann ich schreiben, dass mein "Wohnort" von Land bestimmt wird und ziehe einen Strich zwischen den beiden Begriffen, mein Wohnort wiederum bestimmt wo die Kinder zur Schule gehen (man zieht also einen Strich vom Wohnort weg und schreibt z.B.: "Schule der Kinder".
Falls deinen Kindern nicht soviel einfällt, solltest du einige Begriffe in petto haben, an denen sie dann weiterdenken können, also z.B.: "Wohnort", "Nahrung", "Haustiere", "Stadt oder Land", "Größe des Landes" - bestimmt wie viele Leute (z.B.: Verwandte) davon leben können, "am Markt Dinge verkaufen",...
Für Jüngere eignet sich überhaupt die Begriffe vorher schon geschrieben zu haben, sodass sie sie auf dem Plakat auflegen und miteinander in Verbindung bringen, sprich die Striche ziehen und sich darüber austauschen welche verschiedenen Aspekte wie zusammenhängen können.

Das Bild soll aufzeigen, dass es für Kleinbauern und —bäuerinnen in Guatemala ganz wichtig ist Land zu besitzen, da davon so viele Bereiche in ihrem Leben beeinflusst werden. Deshalb unterstützt die Dreikönigsaktions der Katholischen Jungschar die Menschen in Guatemala in ihrem Kampf um ihr Recht auf Land. Mit den Spenden bei der Sternsingeraktion wird auch eine Finca unterstützt, die gemeinschaftlich bewirtschaftet wird, also wo sich mehrere Familien zusammengeschlossen und ein Stück Land besetzt haben und dies jetzt bewirtschaften und dadurch gemeinsam ihre Zukunft gestalten. Durch das Engagement der Kinder bei der Sternsingeraktion leisten sie somit ihren Beitrag für eine gerechtere Landverteilung und ein besseres Leben von Kleinbauern und -bäuerinnen.

Los frijoles


Zum Abschluss könnt ihr noch gemeinsam ein Spiel ausprobieren, dass man mit Bohnen (spanisch: frijoles) oder Murmeln spielt (und auch von den Kindern auf den Fincas Guatemalas gespielt wird). Es funktioniert ähnlich wie Boccia. Zu Beginn werden auf einen Tisch oder einem am Boden markierten Feld (ca.2x1 Meter) Bohnen aufgelegt (man kann sie einfach fallen lassen und schauen wo sie liegenbleiben, sie sollten aber halbwegs gleichmäßig verteilt sein), ca. doppelt so viele wie Mitspielende. Jede/r Mitspieler/in bekommt eine Bohne (die man sich auch farblich markieren kann, zB mit bunten Eddings — so merkt man sich besser wem welche Bohne gehört). Ziel des Spieles ist es, dass man mit Hilfe Schnippens seiner Bohne, gemeinsam die vorhandenen Bohnen vom Spielfeld bringt. Man startet auf der Schmalseite und versucht die Bohnen, die am Feld liegen auf der anderen Seite über den Spielfeldrand (Tischrand) "hinauszukicken". Jedes Kind darf hierfür reihum seine Bohne schnippen, egal ob man trifft oder nicht. In der nächsten Runde schnippt man von dort weiter, wo die Bohne in der letzten Runde liegen geblieben ist. Fällt eine fremde Bohne seitlich hinunter, legt man sie dorthin wieder rein, wo sie rausgefallen ist, schießt man seine eigene Bohne aus Versehen über den Spielfeldrand, legt man sie wieder an das Ende, bei dem gestartet wurde.

Autor/in: Clemens Huber

Publikation: kumquat "AlT" 4/2010

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Schlagwörter: Welt, Sternsingen, Ungerechtigkeit