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Rund um die Könige

Gruppenstunde | Alter: 8-13 | Aufwand: hoch

Ziel

Tipps zum Thema Sternsingen und Singen/Musik.

Material

  • siehe bei den einzelnen Bausteinen

Aufbau

 

Lasst uns miteinander ... zum Einstieg



Beim Sternsingen wird viel gesungen, und es kommt darauf an, sich aufeinander zu verlassen und sich einzulassen. Wenn die Kinder Freude an Musik haben, ist folgender Einstieg geeignet:

Material:
Rhythmusinstrumente:

Falls ihr keine solchen Instrumente habt, könnt ihr euch auch welche basteln:
z.B.: zwei Joghurtbecher mit Reis oder Steinen füllen und zusammenkleben
oder eine Rassel basteln, wie sie brasilianische Kinder verwenden
Material für eine brasilianische Rassel:
eine Holzleiste (Maße ca: 1,5 x 3,5 x 30 cm), 5 Bier- oder Limonadenkapseln, 2 Nägel, 1 Hammer

Weniger Bastelfreudige können die Hände zum Klatschen benützen.
Wenn Instrumente gebastelt werden, so ist es günstig, dies vor dem Kanon zu machen. Es ist auch möglich, dass die Kinder gleich beim Eintreffen das Material, Anleitung und Hilfestellung bekommen.


Begrüßungskanon:


Der Kanon ist leicht zu singen und, angepasst an die Tageszeit, kann die passende Begrüßung gewählt werden. (Guten Morgen, Grüß Gott, Guten Abend)
Der Kanon wird in vier Gruppen gesungen. Wenn die Melodie klar ist und die Worte gekonnt werden, bewegen sich die Kinder im Raum und "begrüßen" einander - nur mit dem Text, oder zusätzlich mit Händeschütteln, Augenzwinkern, Winken ....
Deutsch, Englisch, Spanisch und Italienisch sind zwar nur vier Sprachen, und auf der Welt gibt es viele hundert. Trotzdem erlebt man bei diesem Kanon, dass man sehr oft "fremdsprachige" Menschen trifft, und manchmal welche, die die "eigene" Sprache sprechen. So geht es vielen Menschen auf der Welt, bedenkt man z.B. dass in Ghana ungefähr 25 Sprachen gesprochen werden!
Sollte ein Kind mitmachen, das eine andere Sprache spricht, könnte es reizvoll sein, diese Tatsache einzubeziehen.


Rhythmus weitergeben.


Du klatschst, rasselst, oder klopfst einen Rhythmus vor - die Kinder "übernehmen diesen" und klatschen/rasseln denselben Rhythmus. Nach einer gewissen Zeit beginnst du mit einem neuen Rhythmus, und die Kinder übernehmen diesen wieder. Wenn das gut funktioniert, kann ein Kind mit einem neuen Rhythmus beginnen und die anderen übernehmen. Das dauert so lange wie die Gruppe Lust hat und jemand einen neuen Rhythmus vorgibt.



Könige und Königinnen sind im Land - Zum Sternsingen


Material:

  • Geschichte von Renate Welsh (ev. für alle Kinder kopieren)
  • Kleiderpuppe, Kleiderständer o.ä.
  • Sternsingergewand und Utensilien (Weihrauchkessel, Kassa, Stern, Flugzettel, ...)
  • Kärtchen und Stifte
  • Wäscheklammern



Was zu den Königen und Königinnen gehört:


Gold: Gold ist ein Metall, das in Palästina nicht vorkommt und aus Saba eingeführt werden musste. Es symbolisiert irdischen Reichtum aber auch Reinheit. Nach Interpretation der Kirchenlehrer ist Gold ein Zeichen der Anerkennung der Königswürde Christi.
Weihrauch: Ist ein durchsichtiges Gummiharz, das aus der Rinde des Weihrauchbaumes gewonnen wird. Sein aromatischer Duft verbreitet sich, wenn Weihrauch über glühenden Kohlen erhitzt wird. In den israelitischen Gottesdiensten nahm Weihrauch einen wichtigen Platz ein. Symbolisch ist er ein Medium der Verherrlichung Gottes.
Myrrhe: Myrrhe ist das Harz eines Baumes (ähnlich der Akazie), der in Südarabien und Somalia heimisch ist. Es hat einen sehr starken Geruch und einen bitteren Geschmack. Myrrhe ist Teil des heiligen Salböls, und wurde auch zum Parfümieren von Kleidern verwendet. Sie wurde dem Gottessohn als Geschenk gebracht und diente auch zum Einbalsamieren seines Leichnams. Der Wein, der Jesus am Kreuz angeboten wurde, enthielt Myrrhe und sollte die Schmerzen betäuben.
Drei Könige: Im Evangeliumstext selbst ist nur über Magier aus dem Osten zu lesen. Erst im Laufe der Jahrhunderte wurden die Magier bedeutende Heilige und nun sind sie aus der Volksfrömmigkeit nicht mehr wegzudenken.
Die Zahl "Drei": steht für die drei Lebensalter: Jüngling, Mann, Greis. Die Drei Könige symbolisieren auch die damals bekannten Erdteile, Asien, Europa, Afrika. Aus diesem Grund wird meist ein König schwarz und einer gelb geschminkt. Die Namen der Drei - Kaspar, Melchior, Balthasar - entstanden erst im sechsten Jahrhundert. Darüber, welcher König wie heißt, gibt es unterschiedlichste Meinungen.
Stern: Der Stern ist Zeichen für das Licht, das den Weg weist und für Christus, der selbst das Licht ist. Es wäre undenkbar, dass Sternsinger ohne Stern unterwegs wären.
Kronen: Die Kronen deuten an, dass es Könige sind, die das Gotteskind besuchen.
Kassa: Auch die Kassa darf beim Sternsingen nicht fehlen. Es gibt sie seit der Entstehung und Verbreitung der Sternsingerbräuche im Mittelalter. Zu Beginn erbaten Studenten eine Gabe für ihr Studium. Heute wird das Geld in der Kassa für Projekte in Afrika, Asien Ozeanien und Lateinamerika verwendet.


Ein König wird geboren:


Nun wird ein König (eine Kleiderpuppe) angekleidet. Die Kinder gehen zu zweit oder zu dritt zusammen.
Die einzelnen Gewänder, Utensilien, etc. werden nun auf die Gruppen aufgeteilt. Sind es viele Kinder, müsste ein zweiter König angezogen werden.
Jede Gruppe überlegt, was ihr zu ihrem "Teil" einfällt, was das Gewand oder das Utensil bedeuten, ausdrücken, symbolisieren könnte.
Anschließend wird - in einer möglichen Reihenfolge - aus der Kleiderpuppe ein König. Jede Gruppe sagt dazu, was ihr zum Gewand oder dem Utensil eingefallen ist. Ihr könnt euch noch austauschen, was ihr sonst noch über diese Utensilien wisst. Interessantes dazu findest du auch in der Geschichte "Ein heiliger Drei - König".


Geschichte "Ein heiliger Drei - König"


Diese Geschichte (siehe unten) kannst du nun vorlesen und eventuell den Kindern nachher als Kopie mitgeben.


Und was hat das mit mir zu tun?


Anschließend und als Abschluss schreibt jedes Kind ein Kärtchen, warum es gerne sternsingen geht. Dieses wird dann mit einer Kluppe an die Kleider der Puppe geheftet. Die Kinder stehen um die Puppe herum und lesen die Kärtchen der anderen.
Wenn in der Pfarre genügend Sternsingergewänder vorhanden sind, kann die Puppe nach Weihnachten in der Kirche aufgestellt werden.



Wer wird unterstützt? - Zur Projektarbeit der Dreikönigsaktion


Material:
Globus oder Landkarte

Die Information über das Land für das ihr Geld sammelt sind auch auf dem Flugzettel abgedruckt. Deshalb kann es sein, dass Leute, die ihr besucht, möglicherweise Fragen stellen. Speziell für ältere Kinder ist es hilfreich Bescheid zu wissen, um auch Auskunft geben zu können. Folgendes könntest du zu diesem Zweck mit den Kindern tun:

  • Sammeln, was die Kinder schon über das Land gehört haben, vielleicht erst kürzlich in Geographie.
  • Das jeweilige Land auf der Landkarte/auf dem Globus suchen;
  • Die Distanz zu Österreich abmessen und dann die Entfernung berechnen.
  • Die Bevölkerungszahl und Größe graphisch in Relation zu Österreich setzen.
  • Darüber berichten, welche Projekte mit den Sternsingergeldern unterstützt wird.



Für uns von der Jungschar ist es dabei ein Anliegen klar zu machen, dass es sich im Süden nicht um hilflose, ungebildete Menschen handelt. Es sind sehr schwierige Situationen, in denen Menschen um ihre zwar meist in Gesetzen verankerten, aber jedoch nicht umgesetzten Rechte kämpfen, oder Engagierte sich für Menschen einsetzen, die an den Rand gedrängt wurden. In beiden Fällen bedarf es finanzieller und ideeller Unterstützung. Diese wird durch die Sternsingergelder und das Engagement aller Beteiligten ermöglicht.



EIN HEILIGER DREI KÖNIG


Damals hatte ich gerade erfahren, dass ich nicht Pfarrer werden könnte, weil ich ein Mädchen war. Ich war schwer enttäuscht. Ich glaubte nämlich, Pfarrer könnten fliegen. In der Ober St.Veiter Kirche hatte ich den Pfarrer am Altar gesehen, und plötzlich redete er von hoch oben auf uns herab. Wie war er da hinauf gekommen? Geflogen, natürlich. Darum trug er auch dieses herrlich bunte, weite Kleid. Im Anzug hätte er sich die Flügel zerdrückt. Ich wollte so gern Pfarrer werden, dann müsste ich nicht mehr hinter Papa herdackeln, wenn er mit wehenden Rockschößen auf Krankenbesuche eilte. Dann wäre ich voraus geflogen und Papa hätte hinter mir herlaufen müssen. Aber ich war nun einmal ein Mädchen, daran ließ sich offenbar nichts ändern.
Wenn schon nicht Pfarrer, dann Heiliger Dreikönig. Ich lud meine Freundin Gucki ein, mit zu kommen. "Du darfst dir sogar aussuchen, welcher du sein willst, der Kasperl oder der Melchior oder der Balta..." Weiter wusste ich nicht. Sie auch nicht. Sie wusste nur, dass es nicht Kasperl sondern Kaspar hieß und lachte mich aus. "Und überhaupt müssen die Heiligen Drei Könige Männer sein. Die Frauen müssen zu Hause bleiben."
Meine Kusinen waren mit Onkel und Tante aufs Land gefahren, Ingrid hatte keine Lust, meine Schwestern waren zu klein und der einzige Bub im Haus sabberte und dribbelte beim Sprechen. Das war für einen König natürlich undenkbar, und erst recht für einen Heiligen.
Ich bastelte eine Krone aus Karton, beklebte sie mit Staniolpapier von den Christbaumzuckerln. Damals wäre es undenkbar gewesen, einfach in die Papierhandlung zu gehen und Goldfolie zu kaufen. Ich glaube, es gab überhaupt noch keine. Ich nähte funkelnde Knöpfe aus Omas Schatulle an meine Krone, dabei stach ich mich ziemlich oft in die Finger. Ich hoffte auf ein Wunder. Zwei Kinder würden auftauchen, die sich nichts auf der Welt so sehr wünschten wie mit mir sternsingen zu gehen. Es kamen keine.
Am 6. Januar setzte ich mir die Krone auf den Kopf, hängte Omas Nähmaschinendecke um meine Schultern und zog mit klopfendem Herzen los. Zuerst ging ich hinauf in den zweiten Stock, aber bei Gucki klingelte ich nicht, auf die war ich sauer. Die alte Frau Schiwitz freute sich, mich zu sehen.
"Das ist aber lieb, dass du mich besuchst, Renate!"
"Ich bin nicht die Renate. Ich bin ein Heiliger Dreikönig."
"Ach so." Sie humpelte zur Küchentür, drehte sich um, kam wieder zurück.
"O je", sagte sie. "Für die Renate hätte ich ein Stück Torte gehabt, aber Könige brauchen ja keine Torten, die haben sie schon zum Frühstück gegessen."
Ich kannte die Torten von Frau Schiwitz. Es fiel mir schwer, nicht für ein paar Minuten zur Renate zu werden. Gerade lange genug, um ein Stück Torte zu essen.
"Wo sind denn die anderen?" fragte sie. "Ihr seid doch drei!"
"Ich weiß nicht, wo sie sind. Ich habe sie verloren. Ich suche sie schon die ganze Zeit."
Irgendwie lief das nicht richtig. Sternsingen ging anders. Frau Schiwitz kannte sich da offenbar nicht aus. Ich allerdings auch nicht.
Ich wandte mich zum Gehen. "Wenn du die Renate siehst, schick sie doch zu mir", sagte Frau Schiwitz. Ich schritt würdevoll davon. Leider stolperte ich über die Decke, die Krone begann zu rutschen, ich konnte gerade noch im letzten Moment verhindern, dass sie auf die Steinfliesen fiel.
Als Frau Schiwitz ihre Türe geschlossen hatte, klingelte ich beim Studienrat Tauchner, obwohl mir sein Blick hinter den Brillengläsern immer ein bißchen unheimlich vorkam. Er führte mich ins Wohnzimmer und hielt mir einen langen Vortrag über die Drei Weisen, in dem immer wieder von Sternen die Rede war und furchtbar viele lange, unverständliche Wörter vorkamen. Ich war froh, als ich gehen konnte, stolperte hinunter in den ersten Stock. Bei Frau Maringer klingelte ich nicht, die schaute immer so finster, Onkel und Tante waren sowieso nicht da, und in unsere Wohnung wollte ich erst zum Schluß gehen. Sonst verboten sie mir womöglich die ganze Sternsingerei, bevor sie noch ein einziges Mal richtig geklappt hatte. Ich klopfte bei Frau Suchadownik, unserer Hausmeisterin. Ihre Klingel war schon seit Jahren kaputt.
Sie kam in ihren karierten Hausschuhen zur Tür geschlurft. "Grüß Gott, Grüß Gott!" rief sie. "Wie schön, dass ein Heiliger Dreikönig zu mir kommt." Endlich eine, die verstand.
An ihrem Tisch saß Frau Emma aus dem Nebenhaus, beide hatten Kaffeetassen vor sich stehen. Frau Suchadownik ging zu ihrem winzigen Christbaum, zündete die eine Kerze an, die noch nicht herunter gebrannt war, und nickte mir aufmunternd zu. Was erwartete sie?
"Jetzt müssen wir singen", erklärte Frau Suchadownik. Natürlich! Darum hieß es ja Sternsinger. Im Sommer sang ich immer Weihnachtslieder. Jetzt fiel mir kein einziges ein. "Ihr Kinderlein kommet?", schlug Frau Suchadownik vor. Ich nickte.
Frau Emma, Frau Suchadownik und ich sangen Weihnachtslieder, die wir kannten. "Es hat sich halt eröffnet" hoben wir uns zum Schluß auf, das war mein Lieblingslied. Die Kerze flackerte und erlosch.
"Wir sind die Drei König mit ihrem Stern, wir essen und trinken und zahlen nicht gern", sagte Frau Suchadownik. "Das haben die Sternsinger bei uns zu Hause immer zum Schluß gesagt, und dann haben sie Naschereien bekommen, manchmal auch Geld."
Frau Emma nickte. "Ich bitt gar schön um ein rotes Ei, drei sind mir lieber als wie zwei. Aber das war beim Ratschen am Karsamstag. Ich war immer eifersüchtig auf die Buben, die konnten Sternsingen gehen und ratschen, und ich hab nur ihre dreckigen Schuhe zum Putzen bekommen."
Frau Suchadownik ging zur Küchenkredenz, kramte in der linken Lade, fand eine Kellerkerze und zündete sie an. Sie schnitt drei große Stücke Marmorgugelhupf ab. Ihr Gugelhupf war berühmt in ganz Ober St.Veit. Wir aßen, sammelten alle Brösel ein und steckten sie in den Mund. Dann sangen wir noch einmal.
"So", sagte Frau Suchadownik. "Jetzt bin ich doch noch zum Sternsingen gekommen auf meine alten Tage. Nächstes Jahr bin ich der Mohr." Frau Emma befingerte den Überwurf auf der Bettbank. "Der gibt einen wunderbaren Königsmantel", erklärte sie. "Und mein roter Schal wird der Turban. Wenn wir ihn richtig binden, sieht kein Mensch die Mottenlöcher".
Ich bat die beiden Frauen, mit mir hinauf in unsere Wohnung zu gehen. Sie wollten nicht. "Nächstes Jahr", versprachen sie. "Jetzt haben wir ja nichts anzuziehen."
"Ihr seid eben geheime verkleidete Könige", sagte ich.
Sie lachten. "Sehr geheime und sehr gut verkleidete."
Es gelang mir, sie zu überreden. Frau Suchadownik nahm den Stern von ihrer Christbaumspitze und befestigte ihn an einem Besenstiel.
Mein Vater öffnete uns die Tür. Er stutzte kurz. Ich sah, dass ihm Frau Suchadownik zuzwinkerte. Es ist allerdings auch möglich, dass nur ihr rechtes Auge zuckte, von dem sie immer sagte, es sei noch unfolgsamer als gewisse Kinder.
"Willkommen, liebe Majestäten", sagte mein Vater und verneigte sich.

Renate Welsh

Publikation: Kumquat_2/99

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Jahreskreis: Epiphanie/ Hl. Drei König

Schlagwörter: Sternsingen, Welt, Musik