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In meiner Umgebung... mach ichs anders

Gruppenstunde | Alter: 8-12 | Aufwand: niedrig

Hintergrund

Global denken, lokal handeln - Lokale Agenda 21 mit Kindern
LA 21 — schon mal davon gehört? Hinter diesem Kürzel verbirgt sich die etwas sperrige Bezeichnung "Lokale Agenda 21": Agenda heißt wörtlich "Das was zu tun ist", 21 steht für das 21. Jahrhundert. Die Idee dahinter ist, zukunftsfähige Entwicklung so zu gewährleisten, dass auch für nachkommende Generationen noch genug Ressourcen vorhanden sind. Keine neue Sache, richtig, denn LA 21 ist schon 20 Jahre alt und — leider — immer noch topaktuell, weshalb wir es gerne mit dieser Gruppenstunde in Erinnerung rufen wollen.
Es begann in Rio de Janeiro, auf der UNO-Konferenz für Umwelt und Entwicklung 1992, wie du es im nebenstehenden Artikel nachlesen kannst. Schon damals war es den teilnehmenden Ländern bewusst, dass der westliche Lebensstil nicht nachhaltig ist und wir am besten Weg sind, unseren Planeten massiv zu schädigen und zukünftiges Leben deutlich schwieriger zu machen. 172 Staaten beschlossen daraufhin ein Programm unter dem Namen "Agenda 21", eine Art "Fahrplan ins 21. Jahrhundert", der zahlreiche Maßnahmen enthält, die eine zukunftsfähige, also nachhaltige, Entwicklung gewährleisten soll. Es sollen alle Ebenen mit einbezogen werden, so auch die Gemeindeebene. Ein verbreitetes Motto wurde: "Global denken — lokal handeln!".
Die LA 21 versucht diesen Schritt hin zum "Lokalen" zu schaffen, also Nachhaltigkeit im "Kleinen" umzusetzen. Gemeindemitglieder und Bürger/innen sollen in ihrem konkreten Lebensumfeld, z.B. in ihrem Dorf oder in ihrem Bezirk, Vorschläge für nachhaltigeres Leben machen und diese auch an die Politik übermitteln, um bei Veränderungen mitentscheiden zu können. Im Zuge der im Juni anstehenden Konferenz Rio+20 (also 20 Jahre nach Rio de Janeiro 1992), wollen wir die Lokale Agenda wieder in Erinnerung rufen und ein Modell vorschlagen, wie man hier auch die Kinderstimmen miteinbeziehen kann.
Lokale Agenda 21 mit Kindern bedeutet, sich zu überlegen, was man in ihrem Leben umgestalten könnte, was sich positiv im Kleinen wie auch im Großen auswirkt, also was konkret ihr Leben verbessert, aber vielleicht auch der Erde zu Gute kommt. Dies können umweltrelevante Dinge sein, aber auch Dinge, die sich ganz allgemein um positives Miteinander-leben drehen. Die Möglichkeit, Kinder und Jugendliche zu beteiligen besteht auf unterschiedlichsten Ebenen, wie z.B. in den Bereichen Schulpolitik, Stadt-, Wohn- und Wohnumfeldgestaltung, Spiel-, Sport-, Freizeit- und Freiraumgestaltung, Verkehrsplanung sowie Umweltschutz. Der Grundsatz "Global denken — lokal handeln" ist in der Arbeit mit Kindern gut umsetzbar, da die lokale Ebene für sie einen idealen Handlungsrahmen bietet.

Material

  • Stadtplan, Ortsplan, (falls es von eurem Ort keinen gibt, kannst du ihn von Google Maps kopieren und ausdrucken)
  • Grüne und rote Klebepunkte
  • Kissen, Decken, gemütliche Liegeplätze
  • Papier und Wasserfarben

Aufbau

Inspiriert von lokalen Agenda 21-Prozessen, sollen die Kinder Umwelt- und andere Probleme in ihrem Umfeld identifizieren und via Phantasiereise auf Veränderungswünsche und -ideen kommen.

 

Wo fühlt ihr euch wohl, wo stimmt was nicht?


Du hast zu Beginn je nach Gruppengröße 1-3 Stadt/Ortspläne mitgebracht, möglichst groß kopiert, im Idealfall ist der Ausschnitt rund um die Pfarre (bzw. das Wohngebiet oder den Bezirk von möglichst vielen deiner Kinder) gut erkennbar. Die Kinder sollen nun auf dem Plan den Weg von zu Hause bis zum Pfarrheim (oder zur Schule, oder von der Schule zur Pfarre,...) einzeichnen. Dann lädst du sie ein, zu überlegen, wo am Weg und an welchen Orten sie das Gefühl haben, dass dort die Umwelt intakt ist und sie sich wohlfühlen, dort kleben sie einen grünen Punkt hin. An Orte, die sie als unangenehm empfinden, die besonders vermüllt sind, oder an denen sie das Gefühl haben, dass es der Umwelt nicht gut geht, sollen sie einen roten Punkt kleben. Schaut euch das Bild an, wo finden sich viele der grünen bzw. roten Punkte und warum kleben diese dort? Du als Gruppenleiter/in sammelst die Orte, an denen die Kinder Umweltprobleme identifizieren und was sie daran stört.

Fantasiereise an einen (Zukunfts-)Ort


Du lädst deine Kinder nun ein, auf eine Phantasiereise zu gehen, in eurer Umgebung herumzuspazieren und die Orte zu sehen, über die ihr gerade gesprochen habt, aber in der Zukunft! Ihr seht somit die Veränderungen, die in den nächsten fünf Jahren dort passieren werden. Die Reise kann in Summe 10-15 Minuten dauern. Hier findest du einen Beispieltext, wie so etwas aussehen kann, den du für deine Ortssituation anpassen könnt:

"Sucht euch alle einen Platz in diesem Raum, wo ihr es euch gemütlich machen könnt und setzt euch hin, oder legt euch auf den Boden. Mach es dir bequem und atme ein paar Mal kräftig ein, dann lass deinen Atem ruhiger werden.

Wenn du richtig bequem liegst, schließe deine Augen. Du hörst meine Stimme, vielleicht auch andere Geräusche, von draußen, Stimmen, Autos, Vogelgezwitscher,... Und während du mit geschlossenen Augen liegen bleibst, werden wir uns in deiner Phantasie auf eine Reise begeben und aus diesem Zimmer hinausgehen. Wir schließen die Tür hinter uns, verlassen den Vorraum, gehen die paar Siegen hinunter und finden uns vor einem kleinen Weg, den du entlang gehst, an der Seite stehen Büsche und Bäume und plötzlich siehst du in der Ferne ein Tor. Du gehst auf dieses Tor zu. - Nun stehst du vor dem Tor. - Schau es dir genau an: Welche Farbe hat es? Aus was für einem Material ist es?

Gehe durch das Tor, denn hinter dem Tor erwartet dich eine Stadt/ein Ort, so wie du sie dir immer schon gewünscht hast. - Schau dich um: Vielleicht bist du auf einer Straße oder in einem Park? Sieht dich um, was findest du alles, was dir gefällt? Wie sieht es dort aus? Welche Geräusche hörst du? Was riechst du? Wie fühlt es sich an? Du gehst ein wenig weiter und blickst nach rechts und entdeckst wieder neue Sachen, die dir in der Stadt/dem Ort gefallen. Du hörst in der Ferne Kinderstimmen und gehst in die Richtung aus der die Stimmen kommen und findest den Ort, wo viele Kinder vereint sind und gemeinsam Spaß haben. Was machen die Kinder? Wie sieht der Ort aus, wo sie sich befinden? Was befindet sich in der Nähe davon?

Du gehst langsam weiter (oder kannst auch dort bleiben), aber dir kommen auf einmal so einige Dinge bekannt vor, in der Stadt und du merkst, dass dies ja nicht irgendeine Stadt/Ort ist, sondern deine Stadt/Ort, nur viel besser. Du gehst an die Orte, die wir uns vorher angeschaut haben (hier kannst du Schritt für Schritt, nicht zu schnell, einige der Orte nennen, die bei dem ersten Punkt vorgekommen sind; die Kinder sollen dort mit ihrem geistigen Auge kurz verweilen und dann weiterziehen...)

Nach einigen weiteren Minuten: Denke nun allmählich wieder ans Zurückkehren. Aber lass dir Zeit. Gehe zum Tor zurück, schau dich noch einmal um und nimm Abschied. Dann geh durch das Tor durch und schließe es fest hinter dir. Du weißt, du kannst jederzeit in deine Traumstadt zurückkehren. Gehe den Weg, den du gekommen bist, wieder zurück. Zurück in dieses Zimmer und wenn du hier angekommen bist, mache die Augen auf. Strecke dich und atme kräftig durch und setz dich auf. Wie geht es dir? Was spürst du?"

Je nach Interessen deiner Kinder können sie sich ein Blatt Papier nehmen und mit Wasserfarben oder ähnlichem ein Bild ihrer Traumstadt malen. Wenn alle fertig sind, könnt ihr euch die Bilder gegenseitig zeigen und von eurer Reise erzählen. Was war das Besondere an dem Ort? Was war an den bekannten Orten, wo ihr vorher noch Probleme identifiziert habt, jetzt in eurer Phantasie anders? Du kannst die Ideen und Verbesserungsvorschläge deiner Kinder sammeln und aufschreiben. (Wenn deinen Kindern Malen nicht so liegt, könnt ihr euch auch danach zum erzählen in einem Kreis am Boden setzen.)

"Viele kleine Leute, an vielen kleinen Orten..."


Zentral bei der LA 21-Prozessen ist es auch, die Überlegungen der Menschen an Politiker/innen und Entscheidungsträger/innen zu entwickeln. Dies soll nach Möglichkeit auch in diesem Fall passieren. Wenn bei der Phantasiereise Ideen entstanden sind, die umsetzbar sind, die Denkanstöße liefern, ist es wichtig die auch weiterzuleiten.

Vielleicht könnt ihr, oder wenn keine Zeit mehr ist, du, der Bürgermeisterin/dem Bürgermeister, dem Pfarrer, dem Bezirksrat oder anderen Menschen (je nachdem, wo die Vorschläge der Kids ansetzen), davon berichten, dass ihr euch auf Grund der Lokalen Agenda 21 mit eurer Umgebung beschäftigt habt und die Kinder hier folgende Ideen hatten, und ihnen diese dann zukommen lassen.

Damit deine Kinder sich immer wieder bewusst machen können, dass Veränderungen im Kleinen passieren und die Taten von Einzelnen nicht vergebene Liebesmüh sind, kannst du ihnen ein Sprichwort der Xhosa, einem südafrikanischem Volk mitgeben (z.B. auf einer Karte geschrieben, gemalt, als Button gedruckt, etc.):

"Viele kleine Leute, an vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, verändern das Gesicht der Welt."

Autor/in: Clemens Huber

Publikation: kumquat "Utopia" 2/2012

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Schlagwörter: Umwelt, Gesellschaft