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Da kann ich ja nix dafür!

Gruppenstunde | Alter: 12-15 | Aufwand: niedrig

Hintergrund

Es geht darum, Konfliktfelder aus dem Alltag in die Gruppenstunde zu holen. In dieser geschützten Atmosphäre und durch die Methode des Theaters haben die Kinder spielerisch die Möglichkeit, den engen Rahmen eines Konfliktes zu sprengen und kreative Lösungsmöglichkeiten zu suchen.
Nach der erlebten Theatermethode ist es möglich, den Bogen zu Kenia spannen. Unsere Projektpartner/innen in Kenia haben ein Theater des Friedens gegründet, welches die Idee der Friedenserziehung und gewaltfreien Konfliktlösung möglichst vielen Jugendlichen nahe bringen will. Mit künstlerischen Mitteln wird versucht, diese Bildungsinhalte einer breiten Öffentlichkeit, aber auch bestimmten Zielgruppen näher zu bringen und Handlungsänderungen zu bewirken.

Ziel

Kinder sollen Konflikte in eine konkrete Gestalt bringen und erkennen, wie eine Handlung während eines Konfliktes oft eine andere bedingt, dass diese Handlungen jedoch von allen unterschiedlich interpretiert und empfunden werden. Es geht darum, den Blick auf alle Beteiligten der Situation zu weiten (nicht nur sich selber zu sehen), andere Lösungen zu üben, Kompromisse nicht nur auf Kosten der Schwachen zu schließen und zu merken, dass jede und jeder einen Beitrag leisten kann!
Die Kinder sehen am Beispiel Kenias, dass die Methode des Theaters auch in anderen Kontinenten zur Friedenserziehung verwendet wird.

Material

  • 3 Plakate
  • Stifte
  • Weltkarte oder Globus
  • ev. Fotoapparat
  • ev. Diareihe "So ein Theater" ausborgen

Aufbau

Statuendarstellung in einer Kleingruppe
Gefühle durch Mimiken darstellen
Darstellung einer konkreten Konfliktsituation und Veränderung dieser durch die Methode des Statuentheaters
Brief aus Kenia

 

Eintrudeln


Wenn die Kinder kommen, liegen bereits 3 Plakate mit den Schlagworten bzw. Zeichnungen "Familie", "Schule", "Freunde/innen" am Boden des Gruppenraumes. Jedes Kind überlegt, in welcher Gruppe "Streit" zuletzt vorkam bzw. noch am "brennendsten" ist und stellt sich zu diesem Bild.

Statue bauen


Die dadurch gebildeten Kleingruppen sollen nun ihre Erfahrungen dazu austauschen und ein Gefühl oder eine Situation als Statue darstellen, die nun den anderen vorgestellt wird. Diese äußern sich schlagwortartig dazu, z.B: gemütlich, schweißtreibend, abhängig, drohend, aggressiv, schützend,... und schreiben ihre Assoziationen auf das jeweilige Plakat. Wichtig dabei ist, dass die Darsteller/innen nur zuhören.
Erst nachdem die Statue abgebaut ist, haben die Darsteller/innen die Möglichkeit, ihre Statue zu erklären und auf die Kommentare einzugehen. Auch ihre Erklärungen werden auf das jeweilige Plakat dazugefügt. Deine Aufgabe als Gruppenleiter/in besteht hier vor allem zu achten, dass keine Äußerungen untergehen bzw. zu erklären, dass verschiedene Situationen, Handlungen von jedem Menschen anderes wahrgenommen werden und dass genau dadurch oft verschiedene Konflikte schon entstehen können.

Gefühle darstellen


Ihr habt nun viele Schlagworte auf den Plakaten gesammelt. Versucht nun diese Gefühle nur mit eurem Körper (ohne Stimme!) auszudrücken. Erst nur mit einzelnen Körperteilen z.B. mit den Zehen und Füssen, mit den Fingern und Armen, mit dem Gesicht, langsam alle Körperteile miteinbeziehen und zu einem Ganzen werden lassen. Ihr könnt auch versuchen, ein Gefühl, das ein Kind darstellt, zu erraten. Hier kannst du den Hinweis machen, dass auch im Alltag der Körper ausdrückt, wie es ihm geht, auch wenn es nicht zur Sprache gebracht wird. Damit es interessanter wird, kannst du fotografieren, um die Kinder zu motivieren, die Mimik noch stärker einzusetzen, eine Erinnerung an die Gruppenstunde zu haben, bzw. in einer anderen Gruppenstunde durch diese Fotos den roten Faden zum Theater wiederzufinden.

Nun geht’s los


Überlegt nun eine, für euch unbefriedigende strittige Situation. Versucht diese von einigen Kindern in zwei bis vier Szenen anhand einer "stummen Statue" darstellen zu lassen, z.B:
Lehrer — Schüler im Unterricht; einem Schüler geht die Tinte aus und fragt die Sitznachbarin um eine Patrone; der Lehrer nimmt diese Unruhe wahr und ist böse; der Lehrer gibt beiden Schüler/innen eine Strafe.

Dabei werden die einzelnen Szenen immer für ca. 10-15 Sekunden stillgehalten, dann folgt ein Szenenwechsel und wieder Stille, damit alle (Darsteller/innen wie Zuseher/innen) die Rollen verinnerlichen können. Nun werden die einzelnen Sequenzen so oft durchgespielt und dabei immer wieder ein stückweit individuell verändert (durch Mimik, Körperhaltungen, Nähe-Distanz,...), bis die Situation zufriedenstellend gelöst ist.

Was ist mit dem Publikum?


Auch die zusehenden Kinder können mitmachen, indem sie, wenn ihnen was einfällt, ein Kind in ihrer Rolle ablösen, bzw. eine neue Rolle schaffen. Sie rufen einfach STOP— die Szene steht dadurch still — und spielen mit.

Reflexion


Wichtig nach dem Auflösen der Situation ist, dass du den Kindern die Möglichkeit gibst, über das Erlebte zu sprechen. Oft haben Kinder die Rolle eines "Bösen" gehabt bzw. ein "Opfer" gespielt und brauchen Platz, um ev. Unwohlsein auch verbal kundzutun, und verbal Rückmeldungen zur Person, in deren Rolle sie geschlüpft sind, zu bekommen. In der Reflexion sollen auch genau jene Handlungsmuster angesprochen werden, die zur Konfliktlösung besonders hilfreich bzw. nicht förderlich waren. Diese Handlungsmuster sollen dann mit jenen aus dem Alltag der Kinder verglichen werden, um das Spiel auch in den Alltag zu transportieren.
z.B:

  • Welche Handlung hat das Problem entscheidend gelockert?
  • Wodurch wurde die Situation wieder verschärft?
  • Wie könnte man noch reagieren?
  • Was ist wohl vorher geschehen, das xy so reagiert hat?
  • Wie löst ihr Probleme solcher Art im Alltag? Gibt es da besondere Hilfen oder Hindernisse (z.B.: Personen, eingefahrene Verhaltensmuster,...)?



Methode zum Aussteigen


Um auch körperlich aus der Rolle auszusteigen, könntet ihr einen Stehkreis machen (jedes Kind sieht dabei den Rücken des vorderen Kindes), wo ihr euch gegenseitig abklopft und abstreift. Ein Kreis mit Handfassung und einem lauten Schrei kann den Abschluss dazu bilden.

Post aus Kenia


Nun kannst du den Bogen zu Kenia spannen und den folgenden Brief vorlesen. Es wäre toll, wenn du eine Weltkarte oder einen Globus zur Hand hättest, damit die Kinder auch erfahren, wo Kenia liegt bzw. kannst du dir im Jungscharbüro die Diareihe "So ein Theater" ausborgen.

Hallo!
Mein Name ist Oskar Shikwetu, ich wohne in Nairobi, der Hauptstadt von Kenia. Ich bin 10 Jahre alt und spiele gerne Fußball und natürlich Theater. Meine Freunde und ich waren Straßenkinder, das heißt, wir lebten auf der Straße und hatte kein Zuhause. Manchmal mussten wir stehlen, weil der Hunger zu groß war. Da erlebten wir Gewalt: Wir wurden verprügelt und beschimpft, nur weil wir uns ein Stück Brot gegen den Hunger nahmen. Nun leben wir in einem Straßenkinderzentrum und wollen mit unseren Theateraufführungen etwas gegen die Gewalt tun. In unseren Stücken erzählen wir, was wir selbst erlebt und gesehen haben. Wir erzählen unsere Geschichten und wo wir die Lösung sehen. Wir reden und spielen mit den Leuten des Viertels, in dem wir jetzt wohnen. So lernen wir alle, miteinander besser umzugehen. Warum ich euch schreibe? Ich möchte mich bei euch bedanken, denn das Straßenkinderzentrum wird durch das Geld, das ihr beim Sternsingen sammelt, unterstützt. Wir hoffen, dass wir mit unserem "Theater des Friedens" die Menschen zum Nachdenken anregen. Darüber, wie wir miteinander umgehen können, ohne Gewalt anzuwenden

Verwendete Literatur:
Es braucht Mut, glücklich zu sein..., Anwendungen des Theaters der Unterdrückten. Zeitschrift für befreiende Pädagogik. Nr. 10 — Juni 1996
Die Ganze Welt ist Bühne, Theaterbehelf, Jahresthema 1990/91, KJSÖ

Autor/in: Eva Zuser

Publikation: Kumquat_3/00

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Schlagwörter: Konflikte, Ich und die anderen, Welt