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Weltfußball — Fußballwelten - über die globalen Facetten von Fußbal

Gruppenstunde | Alter: 8-12 | Aufwand: niedrig

Ziel

Die verschiedenden globalen Facetten von Fußball erfahren und diese mit der eigenen Lebenswelt der Kinder in Verbindung bringen.

Material

  • weiße 6-eckige Fußballecken
  • weiße 5-eckige Fußballecken
  • schwarze 5-eckige Fußballecken
  • drei Briefe der Kinder (siehe unten)
  • einen fairen Fußball

Aufbau

Nach einem assoziativen Einstieg rund um Gemeinsamkeiten von drei Kindern aus Südafrika, Österreich und Pakistan werden anhand deren Geschichte und deren Verbindung zu Fußball die schönen, aber auch die Schattenseiten von Fußball beleuchtet.

 

Verschieden und trotzdem ähnlich


Als Einstieg in die Gruppenstunde hast erklärst du deinen Kindern, dass es heute um drei Kinder aus ganz verschiedenen Teilen der Welt geht: Thabo, ein 12-Jähriger Bub aus Kapstadt, Südafrika, Safia, ein Mädchen im Alter von zehn Jahren, die in Sabrana, in Pakistan lebt und Tobias, ebenfalls 10, der in Mödling wohnt. (Du kannst die Namen natürlich abändern). Du hast hierzu eine Weltkarte mitgebracht, um deinen Kindern zu zeigen, wo die Länder liegen. Ihr sollt nun gemeinsam assoziieren, was diese drei Kinder, auf so unterschiedlichen Teilen der Welt wohl trotzdem gemeinsam haben. Das können ganz einfach Dinge sein, wie z.B. dass sie alle gerne in ihrer Freizeit spielen, dass die viel Lachen, dass sie alle in die Schule gehen, vielleicht ab und zu mit ihren Geschwistern streiten, etc. Falls deinen Kindern nicht auf Anhieb etwas einfällt liefere ihnen Beispiele und rege sie an, bei sich selbst anzufangen zu überlegen, was sie mit vielen ihrer Klassenkolleg/innen oder Freund/innen gemeinsam haben. Alles was gesagt wird, und von dem du denkst, dass es tatsächlich auf alle drei zutrifft schreibst du auf 6- bzw. 5-eckige Zettel (die so aussehen wie die später zusammengenähten Teile eines Fußballs) und legst diese aneinander, sodass im Laufe der Sammlung ein Fußball-Muster entsteht. Sobald das einem Kind auffällt, oder du eine ballähnliche Form hast, kannst du überleiten, dass diese Kinder auch alle eine enge Verbindung zu Fußball haben — wenngleich auf eine sehr unterschiedliche Weise.

Ich und meine Fußballwelt


Im zweiten Teil liest du nun drei kurze Briefe der Kinder vor, die von ihrem Verhältnis zu Fußball erzählen.

Tobias:
Ich spiele für mein Leben gern Fußball. Seit ich 4 bin, geh ich regelmäßig kicken, früher mit meiner großen Schwester, und jetzt in einem Verein bei mir im Ort. Das macht mir Spaß, wobei es auch manchmal stressig ist. Das viele Trainieren und auch dass die anderen immer erwarten, dass ich Tore schieße. Wenn ich mal keinen guten Tag hab und nicht gut spiele, bekomm ich Rüge vom Trainer und auch von den anderen. Aber meisten macht mir das Spielen viel Spaß. Wenn ich groß bin würde ich gerne Profi-Fußballer werden.

Thabo:
Ich spiele Fußball solange ich denken kann. Nach der Schule treffe ich mich immer mit anderen Kindern aus meiner Umgebung und wir spielen stundenlang. Manchmal müssen wir uns zuerst selber einen Fußball basteln, aus alten Fetzen oder einem aufgeblasenen Ballon, umwickelt mit Wolle oder Stoffen. Aber da wir das oft machen, geht das ganz schnell. In letzter Zeit haben wir auch sowas wie einen Trainer, der wird von der Stadt finanziert und macht mit uns am Nachmittag Turniere und Übungen, sodass Kinder wie ich, deren Eltern arbeiten oder auch gestorben sind, eine schöne Beschäftigung haben. Im Anschluss daran setzen wir uns zusammen und reden noch über die Probleme in unseren Familien und lernen viel über die Krankheit Aids, die bei mir im Land ein großes Problem ist.

Safia:
Fußball ist für mich Arbeit. Jeden Tag nach der Schule, manchmal auch den ganzen Tag, nähe ich Fußbälle zusammen. Meine Stadt, Sialkot, ist auf die Produktion von Fußbällen spezialisiert. Hier werden fast drei Viertel der gesamten Weltproduktion hergestellt. Das Nähen ist eine harte Arbeit, denn das Leder ist sehr dick. Pro Ball brauche ich ca. 750 Nadelstiche. An einem ganzen Tag schaffe ich ca. 4 Stück, und pro Fußball verdiene ich bisschen weniger als einen Euro. Das ist wenig Geld für so viel Arbeit, aber für mich ist es sehr wichtig, denn mit dem Geld kann ich meine Familie unterstützen und hoffe, dass meine kleine Schwester nicht arbeiten gehen muss. Gespielt hab ich noch nie mit einem Fußball.

Die vielen Seiten des Balles


Nachdem die Briefe vorgelesen wurden und die Kinder Rückfragen stellen können, lädst du deine Kids ein nun gemeinsam zu sammeln, was denn die schönen Seiten, die "hellen Teile" von Fußball sind (und schreibt diese auf weiße 6-eckige Fußballflecken), und was die Schattenseiten sind, die vielleicht für einige Kinder neu waren — diese schreibt ihr auf dunkle/schwarze 5-eckige Fußballteile. Die Kinder sollen nicht nur das was in den Geschichten vorkam wiedergeben, sondern auch an ihre eigene Lebenswelt denken. So können zum Beispiel als positive Aspekte genannt werden: Spaß, Bewegung tut gut, ist eine gute Freizeitbeschäftigung, bringt der Familie Geld zum Leben,... Auf der negativen Seite steht vielleicht: Ausbeutung bei der Fußballherstellung, Verletzungsgefahr, Beim Wählen werde ich immer als Letzter genommen, Mädchen dürfen nie wirklich mitspielen,....

Deine Aufgabe ist es, die scheinbar wichtige Aspekte, die noch fehlen einzubringen, oder die Kinder dort hin zu führen, sei es die globalen, sei es die persönlichen (z.B.: "Ich konnte als Bub nie gut kicken und wurde daher im Turnen manchmal gehänselt").
Bei der Aufzählung geht es nicht darum, irgendetwas aufzulösen oder am Ende zu schauen, welche Aspekte überwiegen, sondern einfach eine Sammlung zu haben und am Ende ein breiteres, differenzierteres Bild zu haben, was Fußball, nämlich auch in einem globalen, entwicklungspolitischen Kontext für Auswirkungen hat.

Ankick


Die thematische Befassung mit Fußball kann als Ausgangspunkt genommen werden, vielleicht mal wieder anders miteinander zu spielen. Ihr könnt also zum Abschluss, wenn deine Kinder das wollen, gemeinsam miteinander Fußball spielen, aber so, dass alle daran Spaß haben. Wichtig ist hierbei keine Tore zu zählen, eventuell flexible Mannschaften zu haben (wer ein Tor schießt, wechselt Mannschaft), oder bei großen Unterschieden vielleicht auch mal Sitzfußball auszuprobieren. Viele Anregungen für Fußballabänderungen findest du im Kumquat "Abseits". Achte darauf, nicht die Fehler zu machen, die die Kinder vorher bei den "Schattenseiten" genannt haben, sprich z.B. zu wählen (was man in der Jungschar und bei den Minis sowieso nie tun sollte). Ideal wäre es natürlich, wenn ihr in der Pfarre einen Ball aus fairem Handel hättet, sprich, der garantiert nicht in Kinderarbeit hergestellt wurde. Der kostet zwar ein bisschen mehr, aber vielleicht kann diese Gruppenstunde ja Anlass sein, dass die Pfarre sich so einen leistet.

Ein alternativer Abschluss wäre es, gemeinsam zu versuchen so einen Fußball zu basteln, wie ihn Thabo in seinem Brief erwähnt, also einen Luftballon zu nehmen und ihn immer mehr zu umwickeln — mit Fetzen, Tixo, oder Wollfäden — und am Ende zu schauen ob man damit ein Tor schießen kann. Viel Glück und viel Vergnügen!

Autor/in: Clemens Huber

Publikation: kumquat "Autsch!" 3/2010

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Schlagwörter: Spiel, Welt, Spaß, Rausgehaktion, Kennen lernen