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Tolle Rolle

Gruppenstunde | Alter: 10-14 | Aufwand: mittel

Hintergrund

Menschen kommunizieren ständig miteinander. Nicht nur das was wir miteinander sprechen oder einander schreiben, nein auch die Art unserer Kleidung, unser Verhalten in der Öffentlichkeit und unsere Reaktionen auf Geschehnisse teilen anderen Menschen mit, wie und wer wir sind - zumindest äußerlich und oberflächlich. Bei all diesen Wegen der Kommunikation nach außen entstehen unterschiedlichste Bilder und Erwartungen und dadurch Rollen, die ein Mensch einnehmen kann - Menschen "spielen eine Rolle".

Der Wendung eine Rolle spielen kommen aber viele unterschiedliche Bedeutungen zu:
Das erste, was einem in den Sinn kommt sind Schauspieler, die eine Rolle im Theater spielen.
"eine Rolle spielen" kann auch bedeuten "wichtig sein" so wie: jemand spielt in einem Team eine wichtige Rolle oder die Aufmerksamkeit der Kinder spielt eine wichtige Rolle.
Weiters kann es auch bedeuten in einer Funktion zu sein - Funktionen beruflicher und zwischenmenschlicher Art -Bruder, Vorgesetzte, Pfleger, Polizistin, Kind, Mann, Frau und vieles mehr.

Das Konzept der "Rolle" eines Menschen wurde nachhaltig geprägt von George Herbert Mead, einem amerikanischen Philosophen und Psychologen der um den Beginn des 20. Jahrhunderts gelebt hat und die These aufstellte, dass man erst kooperativ und sozial handeln könne, wenn man lernt, sich selbst in die Rolle der anderen Person zu versetzen.

Der erste Schritt zu einem Menschen, der sich in andere hinein fühlen kann muss demnach sein, sich erst einmal über die eigene Rolle und die eigene Identität bewusst zu werden. Kinder beginnen damit schon früh - im nachahmen und ausprobieren verschiedener Rollen, die sie durch Erwachsene (oder ältere Kinder und Jugendliche) in ihrer Umgebung kennen lernen und erfahren.

Eine Möglichkeit dieses Kennenlernen auszuleben ist im Spiel. Im Spiel finden Prozesse des unverbindlichen hinein- und herausschlüpfen in und aus Rollen statt, erkunden Kinder, wie sie sich in bestimmten Situationen verhalten wollen und können. Spiel und Realität sind klar voneinander trennbar und das gibt die Möglichkeit sich in Rollen zu versetzen, die in der eigenen Realität weit von einem selbst entfernt ist.

Erst der zweite Schritt ist die Auseinandersetzung mit der Rolle, in der sich der andere Mensch befindet. Dieser Schritt beansprucht schon sehr stark unser abstraktes Denken, ich muss erfahren haben, dass es verschiedene Rollen gibt, im Idealfall habe ich die Erfahrung gemacht, dass es andere Menschen gibt, die mir nicht nur ihre Denkweise darlegen, sondern auch versuchen, sich in mich hineinzuversetzen und mir dadurch das Gefühl gegeben haben, verstanden zu werden. Aber auch Menschen, die mich gerade aus ihrer Sicht nicht verstehen können und meiner Meinung trotzdem Respekt darbringen sind für mein Erleben und später eigenes Handeln als Kind wichtig. Erst durch diese gemachten Erfahrungen kann auch ich als Kind emphatisch (einfühlend) zu handeln beginnen.

Was aber beeinflusst das Bild und das Handeln eines Menschen in einer Rolle? Einerseits sind es die Normen, die eine Position beinhaltet, sprich das was sich der Großteil der Menschen von einem Menschen in dieser Position erwartet. Somit werden eine Reihe von fremden Erwartungen an eine/n "Akteur/in" herangetragen - aber auch die eigenen Erwartungen spielen mit. Andererseits wird das Handeln in einer Rolle stark dadurch geprägt, wie andere auf mich in dieser Rolle einwirken können und wollen.

Durch diese unterschiedlichen Aspekte bilden sich Rollenklischees - fixe Bilder zu bestimmten Menschengruppen, die sich gar nicht mehr so leicht lösen lassen wo es zumindest mir schon ein paar mal passiert ist, dass ich von Menschen überrascht wurde.

Gerade bei Kindern ist dieses Umgehen mit Rollen(-klischees) starkes Thema: sie machen sowohl in der eigenen Rolle als auch mit den Rollen anderer erste Erfahrungen, lernen selbige zu durchschauen und mit ihnen auch ein wenig zu spielen. So wissen beispielsweise schon ganz kleine Kinder, dass es die Rolle des Vaters zulässt, dass man manchmal durch bestimmte Verhaltensweisen Dinge erreichen kann, die beispielsweise bei der Kindergärtnerin ganz andere Reaktionen hervorrufen.

Je älter die Kinder werden, umso facettenreicher werden die Rollen, die die Kinder umgeben und eigene Rollenwünsche tauchen auf (wie und was möchte ich werden). Gleichzeitig festigen sich aber auch die "Schubladen" und Rollenklischees - bestimmte Eigenschaften und Verhaltensweisen werden auf Grund von Erzählungen oder Erfahrungen ganzen Rollengruppen zugeschrieben. Manchmal gehen diese Bilder im eigenen Kopf so weit, dass man anderen Menschen nicht mehr zutraut anders zu sein als man selbst erwartet und sie von vornherein mit dem eigenen Bild von ihnen belastet.

Es ist wichtig mit Kindern sowohl ihre Wünsche als auch ihre Bilder im Kopf zu thematisieren. Einerseits um ihnen (und auch uns selbst) die Möglichkeit zu geben, gegenüber Mitmenschen anders zu denken und zu reagieren als man es vielleicht mit begrenzten Rollentypisierungen im eigenen Kopf vermag, andererseits um ihnen selbst in ihren alltäglichen und weniger alltäglichen Rollen Möglichkeiten des Handelns zu eröffnen. Die folgende Gruppenstunde ist vielleicht ein erster Schritt dazu...

Material

  • Verschiedene Illustrierte
  • Scheren
  • Fragebögen (siehe Methode "der/die ist sicher...")
  • 1-3 Würfel, je nach Gruppengröße
  • 1-3 Fotokameras
  • Große Verkleidungskiste
  • Schminksachen

 

Der/die ist sicher...


Für den Anfang der Gruppenstunde hast du verschiedene Bilder aus Illustrierten ausgeschnitten, die "typische" Rollenbilder verdeutlichen. Du brauchst so viele Bilder wie Kinder in deiner Gruppe sind. Zu jedem dieser Bilder sollen nun die Kinder gemeinsam einen Fragebogen mit folgenden Fragen ausfüllen: Name, männlich/weiblich, Lieblingskleidung, Lieblingsfreizeitbeschäftigung, Haustier, Lieblingsserie, Wohnort. Sind alle Fragebögen fertig werden selbige in Streifen geschnitten, bleiben aber noch geordnet bei den "Personen" liegen.

Würfel dich!


Für den nächsten Teil hast du die selben Fragebögen für die Kinder vorbereitet - jedes Kind erhält einen - zusätzlich braucht ihr - je nach Gruppengröße - einen, zwei oder sogar drei normale Würfel. Nun geht es darum, eine neue Person zu entwerfen aus den Eigenschaften der Personen, die ihr in der letzten Methode zusammengestellt habt. Dazu werden der Reihe nach alle Eigenschaften durchgegangen (Zuerst der Name, dann das Geschlecht,...) und jedes Kind würfelt sich dazu passend eine Eigenschaft der "Klischeepersonen". Zum Beispiel findet gerade die Runde der Lieblingskleidung statt, Jakob würfelt (mit zwei Würfeln, zusammengezählte Augen) die Zahl 10 und bekommt nun von der 10. Figur in eurer "Klischeepersonen"-Reihe die Lieblingskleidung für seine neue Figur. Sollte ein Kind eine Figur würfeln, die ihre Eigenschaft schon abgegeben hat, darf es noch einmal würfeln, so lange, bis es eine Eigenschaft bekommt. Wichtig ist darauf zu achten, dass die Reihenfolge in der die Kinder würfeln variiert wird, damit nicht immer die selben Kinder am Schluss die überbleibenden Eigenschaften bekommen.

Und wer bist du?


Jetzt geht es darum, dass die Kinder ihre zusammengewürfelten Charaktere vorstellen. Das kann einfach passieren, indem sie der Reihe nach erzählen, wen sie jetzt vor sich liegen haben, oder auch ein wenig komplexer (kommt auch auf die Anzahl der Kinder an) in dem du als Gruppenleiter/in als Moderator/in die neuen Stars/Trendsetter vorstellst. Gemeinsam könnt ihr dann noch über die neuen Charaktere plaudern und euch darüber unterhalten, ob diese "Personen", wenn sie so wie sind hier in der Pfarre auf die Straße gehen würden, schräg angeschaut/ angesprochen werden würden oder nicht.

Fotosession


Für die nächste Methode brauchst du eine, am besten aber mehrere, Fotokameras, eine große Verkleidungskiste sowie Schminksachen. Die Kinder teilen sich in 2-3 Gruppen auf deren Aufgabe es nun sein wird, einem (oder mehreren) Kind der Kleingruppe verschiedenartigst herzurichten und nach jedem angepassten Outfit ein Foto von diesem Kind zu machen. Ziel dieser Methode ist es zu erleben, dass auch nur eine Person ganz unterschiedlich aussehen kann (und durch ihr Aussehen verschiedene Erwartungen in uns weckt). Wichtig ist, dass es immer dasselbe Kind ist, um die Auswirkung des Outfits ganz deutlich hervorzuheben.

Mit diesen Fotos könnt ihr in der nächsten Gruppenstunde Plakate gestalten, eine Ausstellung machen oder sie vielleicht in euren Schaukasten hängen/ auf eure Homepage stellen/eine Fotoreihe in der Pfarrzeitung drucken - am besten mit einer kurzen Zusammenfassung, was ihr euch als Gruppe dabei gedacht habt - vielleicht regen sie auch bei den anderen Menschen in eurer Umgebung ein paar Gedanken an...

Autor/in: Sara Dallinger

Publikation: kumquat "Der.Die.Das" 2/2010

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