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Made in India?!

Gruppenstunde | Alter: 8-15 | Aufwand: hoch

Ziel

In Indien ist die Zahl der arbeitenden Kinder hoch. Tätigkeiten, denen Kindern in Indien nachgehen sind zum Beispiel sticken, nähen, auf großen Plantagen Baumwolle oder Tee pflücken, Schuhe putzen, Steine klopfen, Teppiche knüpfen. Die folgende Gruppenstunde soll es ermöglichen, das Phänomen Kinderarbeit greifbarer zu machen.
Mehr Hintergrundinfos zum Thema Kinderarbeit findest du im Artikel "Nur Kinder wissen, was Kinder wollen".

Material

  • Ein Paket oder Kuvert, gefüllt mit einem T-Shirt (in dem die Geschichte von Durgha befestigt ist), schwarzem Tee, Erdnüssen, einem Pfeffer-Streuer,...
  • Stifte und Kärtchen
  • Kärtchen mit Tätigkeiten und Einschätzung der indischen Kinder zu Kinderarbeit
  • Ausgedruckte Rollenbeschreibungen
  • 6 ausgeschnittene Maxerl mit Denkblasen
  • Plakatpapier

Aufbau

Zuerst lernt ihr indische Produkte kennen, die in Österreich erhältlich sind. Dann lest ihr euch gemeinsam die Geschichte eines arbeitenden Kindes aus Indien durch und überlegt, ob auch ihr in eurem Alltag arbeitet. Weiter setzt ihr euch mit Tätigkeiten auseinander, die Kinder in Indien verrichten und überlegt euch, zu welchen Bedingungen diese Tätigkeiten Kindern zumutbar sind. In einem Rollenspiel überlegt ihr euch, ob Kinderarbeit ganz abgeschafft werden soll. Zum Abschluss könnt ihr ein gemeinsames Plakat gestalten.

 

Made in India


In der Mitte des Gruppenraums liegt ein Paket/Kuvert, auf dem groß "made in India" steht. Im Paket befinden sich ein T-Shirt, schwarzer Tee, Erdnüsse, ein Pfeffer-Streuer,... Schaut euch den Inhalt gemeinsam an und überlegt, welche weiteren Produkte, die es bei uns zu kaufen gibt, aus Indien kommen. Falls euch wenig einfällt, könnt ihr in einer Gruppenstunde gemeinsam in den nächsten Supermarkt gehen und Produkte aus Indien suchen.

Wenn ihr euch die Dinge aus dem Paket näher anschaut, seht ihr, dass auf der Innenseite des T-Shirts ein Zettel befestigt ist, auf dem etwas über das indische Mädchen Durgha steht. Lest euch ihre Geschichte gemeinsam durch. Habt ihr schon etwas von Kinderarbeit gehört?

Durghas Geschichte:
Durgha ist zwölf Jahre alt. Sie lebt in einem Slum in der Hauptstadt von Indien, in Dehli.
Es ist Sonntagvormittag. Durgha sitzt auf dem Boden des kleinen Zimmers, das ihr Zuhause ist. Sie stickt sehr schnell winzige Pailletten auf bereits maschinell bestickten Stoff. So schnell und exakt kann nur jemand sticken, der lange Übung hat. Durgha hat mit neun Jahren angefangen. Zwei Meter pro Tag muss sie schaffen, damit genug Geld hereinkommt. Zwei Meter pro Tag, das sind sechs bis sieben Stunden Arbeit für das Mädchen, der Lohn dafür beträgt 40 Rupien (etwa 70 Cent). Durgha geht zur Schule und stickt — für etwas anders bleibt keine Zeit. Ihre Mutter arbeitet als Hausmädchen, der große Bruder arbeitet morgens vor der Schule auf dem Markt. Zusammen schaffen sie es, die Miete und das Essen zu bezahlen.

Arbeiten wir auch?


Überlegt euch, ob ihr auch manchmal zu Hause, in der Schule oder bei Verwandten "arbeitet" und sammelt die Tätigkeiten, die ihr verrichtet auf Kärtchen. Beispiele sind Zimmer aufräumen, beim Kochen helfen, Hausaufgaben machen... Wer will, kann nun jeweils einen Kärtchen ziehen und versuchen, die Tätigkeit pantomimisch darzustellen. Die anderen können raten, um welche Tätigkeit es sich handelt.
Ihr werdet sehen, dass auch ihr arbeitet bzw. mithelft. Einige Dinge werdet ihr gerne tun, andere nicht so gerne. Die meisten der Tätigkeiten, die ihr verrichtet, werden wahrscheinlich wichtig und notwendig sein. Ihr könnt euch auch überlegen, wann ihr die Dinge gerne tut, vielleicht wenn ihr wisst, dass es nicht zu anstrengend ist, dass es nicht zu lange dauert,...

Ist Kinderarbeit zumutbar?


Kinder in einem Kinderparlament in Karnataka, Südindien, haben sich überlegt, was sie für zumutbare Arbeiten halten. Wenn ihr Lust habt, könnt ihr nun folgende Begriffe pantomimisch darstellen:

  • Bei der Kartoffelernte helfen
  • Feuerholz holen und es weit tragen
  • täglich Wasser holen
  • Fahrräder in einer Fahrradwerkstatt reparieren
  • Aufwaschen und Putzen helfen
  • Gewand für die Familie waschen
  • Gewand schneidern
  • Kühe melken,...


Du schreibst auf zwei Kärtchen die Wörter "zumutbar" und nicht "zumutbar" auf und legst sie auf. Ihr könnt nun versuchen, die Tätigkeiten diesen zwei Begriffen zuordnen und dann könnt ihr folgende Einschätzung der indischen Kinder dazulegen:

  • Kartoffel ernten ist anstrengend aber für 1,5 Stunden können wir dabei helfen.
  • Feuerholz holen ist zu anstrengend und ungesund für Kopf und Rücken.
  • Fürs Wasserholen sind wir stark genug. Es sollten aber nicht mehr als eine (unter 12 Jahren) bzw. zwei (über 12 Jahren) Stunden am Tag dafür gebraucht werden und der Schulbesuch darf nicht darunter leiden.
  • Fürs Fahrradreparieren sind wir zu jung, es fehlt uns an Wissen, Erfahrung und Kraft.
  • Für eine halbe Stunde am Tag können wir unseren Eltern beim Putzen helfen, aber nicht als Arbeit den ganzen Tag.
  • Unter 12 Jahren können wir unser eigenes Gewand waschen, über 12 Jahren können wir auch das Gewand der anderen Familienmitglieder mitwaschen, wenn es nicht mehr als eine Stunde am Tag in Anspruch nimmt.
  • Zum Schneidern fehlt uns das Wissen und die Erfahrung und Kraft.
  • Zum Kühe melken sind unsere Hände zu schwach und Kühe zu gefährlich.


"Kinderarbeit verbieten?"


Du als Gruppenleiter/in sagst deinen Kindern, dass du nun Durgha und ihre Familie zur Talkshow "Spotlight on...!" zum Thema "Kinderarbeit verbieten?" eingeladen hast. Die Kinder bilden drei Kleingruppen und jede Kleingruppe bekommt zwei Rollenbeschreibungen.

Durgha:
Du arbeitest, wie deine Schulfreundinnen als Stickerin. Es ist anstrengend, du bist oft müde aber du bist froh, dass deine Familie zusammenhält und dass du zur Schule gehen kannst.

Durghas Mutter:
Du arbeitest als Hausmädchen und verdienst sehr wenig Geld. In der Zeit, die dir bleibt, stickst du auch. Du bist froh, dass deine Kinder mithelfen, sonst hättet ihr zu wenig Geld und du wüsstest nicht weiter. Du freust dich, dass deine Kinder zur Schule gehen aber du machst dir Sorgen, dass ihr es euch bald nicht mehr leisten könnt, weil das Essen teurer wird.

Durghas Bruder:
Du bist 15 Jahre alt. Momentan arbeitest du vor der Schule auf dem Markt. Du bist froh, dass du zum Einkommen deiner Familie beitragen kannst. Du hast dich mit anderen Kindern, die auch arbeiten, zusammengeschlossen. Gemeinsam fordert ihr bessere Arbeitsbedingungen.

Mittelsmann:
Du kommst einmal in der Woche zu Durghas Familie. Du kontrollierst die fertigen Sachen, bringst neuen Stoff und bezahlst. Du bist mit der Arbeit von Durgha und ihrer Mutter zufrieden.

Durghas Lehrerin:
Du bist entsetzt, dass so viele Kinder in deiner Klasse arbeiten müssen. Sie sind im Unterricht oft müde und können sich schlecht konzentrieren. Du weißt, dass es viele Kinder gibt, die gar nicht in die Schule gehen können. Du willst, dass Kinderarbeit ganz abgeschafft wird.

Silke:
Du liebst es, trendige Mode zu tragen. Du bist Studentin und hast nicht so viel Geld, daher kaufst du bei billigen Modeketten. Aber du bist verunsichert, weil du gehört hast, dass dein Lieblingsgeschäft nur deswegen so billig ist, weil viele der Produkte durch Kinderarbeit hergestellt werden.

Versucht euch in die Rollen zu versetzen und überlegt, wie es den Personen geht und was für sie/ihn gegen oder für Kinderarbeit spricht? Schreibt eure Argumente und Meinungen z.B. auf Maxerln mit Sprechblasen auf.

Ausgestattet mit den von euch gesammelten Argumenten, kann die Talkshow beginnen. Du als Gruppenleiter/in übernimmst die Rolle des/der Moderator/in. Du stellst die geladenen Gäste vor (siehe Rollenbeschreibungen) und eröffnest die Diskussion. Während der Diskussion kannst du auch das Publikum befragen. Achte beim Moderieren darauf, dass jede/r, der/die möchte, zumindest einmal drankommt, und beschließe die Diskussion mit einer Abschlussrunde, in der sich jede/r noch einmal äußern kann.

Kinder haben Rechte!


Wenn ihr wollt, könnt ihr noch ein Plakat gestalten, auf dem ihr die Argumente sammelt. Du kannst deinen Kindern auch erzählen, dass es ein internationales Abkommen gibt (Übereinkommen über die Rechte des Kindes), in dem es darum geht, dass Kinder ein Recht haben, vor Arbeit geschützt zu werden, die gefährlich ist, bei der sie nichts lernen können, von der sie krank werden.

Autor/in: Bettina Zelenak, Alfons Drexler, Clara Handler

Publikation: kumquat "Kinderrechte" 4/2009

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