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"Das ist meins!"

Gruppenstunde | Alter: 8-10 | Aufwand: hoch

Hintergrund

Eines der Kinderrechte ist das Recht auf Privatsphäre. Darunter fallen sowohl das Briefgeheimnis als auch das Recht, Raum für sich alleine zu haben, um sich zurückzuziehen — und viele Facetten dazwischen. Nicht immer ist es für Kinder selbstverständlich, diesen Raum ermöglicht zu bekommen.

Ziel

In dieser Gruppenstunde wollen wir uns damit auseinandersetzen, was dieser Raum für die Kinder bedeutet, wie sie selbst damit umgehen und wie sie sich von anderen wünschen, dass sie mit diesem Raum umgehen.

Material

  • ein versperrbares, leeres Tagebuch mit Schlüssel
  • mehrere kleine Schlüssel
  • zwei Briefe von Fantasia (siehe unten)
  • ein Plakat, auf das der Grundriss eines Kinderzimmers gemalt ist
  • evtl. mehrere Bilder von privaten und nicht privaten Gegenständen
  • zwei Puppen (Fantasia und Felix)
  • Post-Its
  • Stifte zum Gestalten der Tagebuchseite

Aufbau

Vom Austauschen über das Thema "Orte und Dinge, die nur mir gehören" geht es über das gemeinsame Basteln und Einzeichnen selbiger Orte zu einem Spiel, um danach ein gemeinsames Gruppentagebuch einzuführen.

 

Einstieg


Du hast für den Einstieg ein leeres Tagebuch vorbereitet, das mit einem Schloss versperrt auf einem für die Kinder gut sichtbaren Platz im Jungscharraum liegt. Weiters benötigst du für diese Einstiegsmethode viele kleine Schlüssel, von denen aber nur einer das Schloss des Tagebuchs öffnet. Vielleicht kannst du hier die Schlüssel eurer Sternsingerkassen ausborgen, achte aber dabei darauf, dass keiner verloren geht. Diese Schlüssel hast du im Jungscharraum versteckt.

Wenn die Kinder in die Gruppenstunde kommen, erklärst du ihnen, dass es für dieses geheime Tagebuch einen Schlüssel versteckt im Raum gibt. Nun sind die Kinder an der Reihe, die Schlüssel zu suchen und auszuprobieren. Haben sie den Richtigen gefunden, können sie das Tagebuch öffnen. Darin finden sie einen Eintrag, in dem zu lesen ist:

Liebe Jungscharkinder!

Ihr habt mein neues Tagebuch gefunden. Noch ist es ganz leer, doch eigentlich schreibe ich hier meine schönen und weniger schönen Erlebnisse auf und auch alle meine Geheimnisse. Habt ihr auch ein solches Tagebuch? Ich finde es wichtig, Dinge nur für mich zu haben. Und auch einen Ort, an dem ich sie aufbewahren kann und wo ich mir sicher bin, dass keiner hineinschaut. Mit meiner Mama und meiner Schwester habe ich mir ausgemacht, dass das nur mich etwas angeht und sie das Tagebuch nur lesen dürfen, wenn ich es ihnen wirklich erlaube. Für mich ist es sehr wichtig, dass sie sich daran halten — ich glaube, das wäre es für euch auch, oder?

Es grüßt euch
Fantasia


Jetzt kannst du als Gruppenleiter/in einen Austausch der Kinder über die eigene Situation mit ihren "Geheimnis-Aufbewahrungsorten" anregen und sie auch fragen, wie sie bei sich Zuhause Abmachungen über das Einhalten der Wahrung der Privatsphäre regeln.

Felix und Fantasia


Nachdem die Kinder Fantasias Tagebucheintrag auf der ersten Seite ihres Tagebuchs gelesen haben und sich ein wenig darüber ausgetauscht haben, stellst du ihnen Felix und Fantasia vor. Dazu brauchst du zwei Puppen deiner Wahl und einen auf ein Plakat gezeichneten Plan eines Kinderzimmers. Weiters wäre es fein, Bilder von Gegenständen zu haben, die in einem Kinderzimmer vorkommen. Unter diesen Gegenständen sollen einige sein, die Kinder als "nur meines" bezeichnen könnten und einige, bei denen das nicht so wichtig ist. Das könnte zum Beispiel in der Kategorie "nur meines" ein Tagebuch, ein Kuscheltier, ein Gewandkasten, ein besonderes Buch oder ein Bett sein und in der Kategorie der Gegenstände, die weniger privat sind ein Sessel, ein Teppich oder eine Pflanze. Dabei solltest du beachten, dass die unterschiedlichen Dinge bei den Kindern unterschied­liche Wertigkeiten haben.

Du erzählst den Kindern, dass die beiden Geschwister Felix und Fantasia zusammen ein Zimmer bewohnen. Gemeinsam überlegt ihr nun, welche Dinge und Orte für Felix und welche für Fantasia so sind, dass andere auch einfach so damit tun können, und welche so sind, dass nur sie selbst sie anschauen, betreten,... dürfen. Wenn ihr wollt, könnt ihr diese Dinge direkt auf dem Zimmerplan einzeichnen oder du bereitest vor der Gruppenstunde viele Möbelkataloge und Illustrierte vor, aus denen ihr Dinge ausschneidet und eine Collage gestaltet.

Die Geheimnisfresserchen


Nachdem ihr jetzt mit eurem Plakat überlegt habt, welche Dinge für Fantasia und Felix wichtig sind, wird es jetzt wieder etwas bewegter: Die Geheimnisfresserchen rücken aus! Und das könnte für all die Geheimnisse ziemlich eng werden, denn wenn das Geheimnisfresserchen (ein Kind mit einem großen Schlüssel aus Karton) ein Geheimnis (die anderen Kinder) berührt, so ist das berührte Geheimnis entdeckt und muss stehen bleiben. Zum Glück können die anderen Geheimnisse dem entdeckten helfen, indem sie ihm den Satz: "Entdeckt werden ist nicht fein — Geheimnis sollst du wieder sein!" ins Ohr flüstern. Möchte das Geheimnisfresserchen nicht mehr in seiner Rolle bleiben, so legt es den Schlüssel einfach auf den Boden und jedes andere Kind kann zum Geheimnisfresserchen werden, wenn es den abgelegten Schlüssel an sich nimmt.

Unser Tagebuch


Am Ende der Gruppenstunde sagst du den Kindern, dass du im Tagebuch noch einen Brief von Fantasia gefunden hast und lässt die Kinder den vorbereiteten Brief lesen:

Liebe Kinder!

Ich bin es, Fantasia — ich habe in dieser Gruppenstunde gemerkt, wie wichtig euch Geheimnisse sind! Daher habe ich beschlossen, euch dieses Tagebuch für eure Gruppe zu schenken. Vielleicht wollt ihr ja am Ende der Gruppenstunde gemeinsam eintragen, was euch gut gefallen hat und was nicht oder auch etwas anderes hineinschreiben. Das Gruppentagebuch könnt ihr verschließen und an einem Ort aufbewahren, der euer ganz eigener Ort ist.

Liebe Grüße und viel Spaß mit dem Buch!
Fantasia


Falls die Kinder möchten, könnt ihr den ersten Eintrag in eurem Gruppenstundenbuch gestalten. Das kann entweder heißen, dass jede/r von euch einen Satz hineinschreibt oder eine Zeichnung macht, oder dass ihr euch gemeinsam einen Text überlegt. Wichtig ist, dass ihr euch noch gemeinsam einen guten Ort für euer Buch überlegt, an dem ihr es aufbewahren könnt.

Autor/in: Sara Dallinger

Publikation: kumquat "Kinderrechte" 4/2009

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