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Mutterlinie

Gruppenstunde | Alter: 12-14 | Aufwand: mittel

Hintergrund

Diese Gruppenstunde will einige Informationen über das Volk der Khasi vermitteln, die im Nordosten Indiens leben, und zwar genauer im Bundesstaat Meghalaya. Ein für österreichische Augen sehr interessanter Aspekt der Khasi ist, dass sie von Alters her matrilinear organisiert sind.

Matrilinearität: Dieses Wort bedeutet Mutterlinie. Das heißt, dass die Erbfolge über die weibliche Linie organisiert ist. Stirbt also die Mutter, dann erbt nicht z. B. deren ältester Sohn ihr Vermögen, sondern eine Tochter, und zwar die jüngste. Das von einem Mann vor seiner Heirat erarbeitete Vermögen gehört seiner Mutter, nach seiner Heirat seiner Frau. Am Markt spielen Frauen eine wichtige Rolle ebenso wie in religiösen Zeremonien. Matrilinearität darf nicht mit Matriarchat verwechselt werden. Es ist nicht so, dass bei den Khasi alle Führungsfiguren Frauen sind. Im Gegenteil gab es in der Vergangenheit, als die Khasi in 25 Fürstentümern organisiert waren, dort jeweils einen männlichen König. Allerdings wurde dieser aus einer bestimmten, über die Mutterlinie definierten Familie gewählt.

Nun muss man allerdings dazusagen, dass sich diese traditionellen Regeln in den letzten 100 Jahren stark gewandelt haben und nur mehr zum Teil gelten. Kolonisierung durch Briten und später Inder, christliche Mission und Modernisierung haben das ihre dazu beigetragen, dass sich die Dinge verändert haben. Früher war es so, dass Kinder der Großfamilie der Mutter zugerechnet wurden, der Vater galt nicht als mit ihnen verwandt. Die Khasi leben noch heute uxorilokal, d.h. das Brautpaar zieht in das Haus der Braut.

Die Verantwortung für den Clan wurde von der Clanmutter auf ihre jüngste Tochter vererbt, sofern diese vom Clan als geeignet angesehen wurde. Das Land sowie die Erträge aus der Landwirtschaft und dem Handel gehörten dem Clan gemeinsam und wurden durch die Clanmutter verwaltet. Wie andere indigene Völker auch kannten die Khasi eine strenge, für einzelne Individuen kaum durchbrechbare geschlechtsspezifische Arbeitsteilung.

Außer dem Schmuck kannten die Khasi kein Privateigentum. Ländereien und Häuser gehörten der Großfamilie und wurden von der Clanmutter verwaltet. Die jüngste Tochter erbte neben dem Schmuck der Mutter auch das ka bat ka niam, die religiöse oder spirituelle Verantwortung für die Großfamilie und das ka iing seng, das zeremonielle Zentrum des Clanhauses.

Erhalten hat sich bis heute eine stärkere Stellung der Frauen als bei vielen anderen Völkern dieser Welt. So wird berichtet, dass, wenn das Geld knapp ist, eher für die jüngste Tochter der Familie eine gute Schulbildung finanziert wird, als für die anderen Kinder.

Ziel

Die Kids diskutieren, wie es wäre, wenn alles anders wäre zwischen Männern und Frauen.

Material

  • Teppich
  • 5 Schilder mit Begriffen
  • 5 Zettel mit Piktogrammen
  • für jedes Kind ein Zettel mit fliegendem Teppich

 

Einstieg:


Du begrüßt die Kinder und erklärst ihnen, dass ihr heute eine weite Reise machen werdet, und zwar eine geistige Reise. Dazu bittest du sie auf einen Teppich, bei dem es sich um einen fliegenden Teppich handelt. Es geht darum, damit nach Indien zu fliegen und zwar in dessen äußeren Nordosten. Gemeinsam hebt ihr ab und macht jeweils die passenden Geräusche, wenn der Wind stärker wird, ihr hohe Gebirge überfliegt und es kälter wird, ihr Kurven macht, um anderen fliegenden Teppichen auszuweichen,... (Natürlich handelt es sich hier um ein Klischee von Indien. Falls Zweifel daran bestehen, solltest du jüngeren Kindern erklären, dass es keine fliegenden Teppiche gibt, auch nicht in Indien. Es geht ja zunächst um den spielerischen Einstieg.)

Ihr landet in einer fremdartigen Gegend, die es nun zu erkunden gilt. Du hast einige Schilder mit fremden Worten im Raum versteckt, die es zu finden gilt. Auf diesen Schildern stehen folgende fünf Worte:

  • Khasi (Piktogramm: Haus/Platz, von einem der Fotos auf der Khasi-Website)
  • Meghalaya (Piktogramm: Indien-Karte, auf der zwar nicht Meghalaya steht, aber die Fläche des Bundesstaates erkennbar ist)
  • Matrilinearität (Piktogramm: Darstellung der Erblinie)
  • uxorilokal (Piktogramm: ein Paar heiratet => ins Haus der Frau)
  • ka iing seng (Piktogramm: ein heiliger Platz im Haus)


Weiters sind fünf Zettel mit den jeweils passenden Piktrogrammen dazu versteckt. Es gilt nun, die Zettel zu finden und herauszufinden, welches Piktogramm zu welchem Wort gehört.

Vermutlich versteht keiner der Kids, worum es geht. Ihr setzt euch also wieder gemütlich auf den Teppich und du erklärst der Gruppe die Bedeutung der einzelnen Wörter. Nur ganz kurz zusammengefasst:

  • Meghalaya heißt der Bundesstaat Indiens, in den ihr geflogen seid (siehe Karte).
  • Khasi ist der Name des Volkes, das euch nun aufnimmt und um das es jetzt gehen wird.
  • Matrilinearität ist, wenn das Erbe nicht an den Sohn, sondern an eine Tochter geht.
  • Uxorilokal ist eine Ehe, wenn das junge Ehepaar nach der Hochzeit ins Haus der Frau zieht.
  • Das ka iing seng ist das zeremonielle Zentrum des Clanhauses, für das die Clanmutter zuständig ist.


Nähere Infos findest du im Hintergrundteil. Vermutlich werdet ihr darüber schon ins Reden kommen, ob das jetzt "komisch" ist oder eigentlich "total super". Wichtig ist es, dass du darauf aufmerksam machst, dass man an diesem Beispiel aus der Welt der Khasi sieht, dass die Beziehung zwischen Männern und Frauen sehr verschieden sein kann. Es gibt hier keine "natürlichen", "angeborenen" Regeln, die besagen, dass Frauen gegenüber Männern benachteiligt sein müssen.

Was alles anders sein könnte


Nun gilt es darüber nachzudenken, was wir aus dieser Erfahrung mitnehmen könnten. Du bittest nun die Kids, zu zweit zusammenzugehen. Jedes Paar bekommt zwei Zettel mit einem fliegenden Teppich drauf. Als Titel steht auf dem Zettel "Meine Gedanken fliegen ...".
Jedes Paar denkt nun darüber nach, was in unserer Gesellschaft in Österreich zwischen Männern und Frauen ganz anders sein könnte als wir es gewohnt sind. Das könnte z.B. sein, dass eine junge schwarze Frau Bundespräsidentin wird. Dass Frauen mehr verdienen als Männer, oder zumindest genauso viel, etc.

Nach einer gewissen Zeit setzt ihr euch auf euren Teppich und jedes Paar stellt seine fliegenden Teppiche vor. Es könnte sein, dass sich daraus interessante Gespräche ergeben, oder auch Diskussionen. Hier geht es darum, sich gemeinsam Gedanken darüber zu machen, wie das Verhältnis zwischen Männern und Frauen bei uns in Österreich ist, wieso das so ist, wie wir das finden, ob man daran was ändern sollte oder nicht.

Wenn ihr dann fürs Erste genügend über all diese Fragen geredet habt, macht ihr euch wieder auf den Weg nach Hause — und zwar wieder mit dem fliegenden Teppich, der unterwegs wieder viele Kurven macht, über hohe Berge fliegt und sonst noch Abenteuer erleben kann. Gute Landung und viel Spaß!

Autor/in: Khasi

Publikation: kumquat "Abschied" 2/2009

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