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Von "abbecken" bis "zaundürr"

Gruppenstunde | Alter: 10-12 | Aufwand: mittel

Hintergrund

Einige kennen sie vielleicht ja noch, andere wissen vielleicht gar nicht mehr, was sie heißen: Wörter wie Taferlklassler, Jaukerl oder Reindl. Viele diese Wörter sind in manchen Regionen noch Gang und Gebe, andere werden heute nur mehr von älteren Leuten benutzt und viele kennen sie gar nicht mehr.
Sprache ist etwas sehr Lebendiges und wird stark von den Menschen, Trends und aktuellen Ereignissen beeinflusst, weshalb sie sich in kürzester Zeit verändern kann. Bestimmt verwendet ihr heute Wörter, wie "ur" oder "cool", die eure Eltern nie verwendet haben. Wenn ihr euch Texte aus den vergangenen Jahrhunderten durchlest, werdet ihr so manche Verständnisprobleme haben. Aber auch Texte aus den 60er Jahren können für Jüngere manchmal sehr komisch und ungewohnt wirken.

Ziel

In dieser Gruppenstunde tauscht ihr euch über "österreichische" Begriffe, die ihr vielleicht nicht im Wörterbuch findet, sondern nur vom Hören und Sprechen kennt, aus und verhindert somit das Vergessen einiger dieser Wörter ein wenig.

Material

  • Papierstreifen mit österreichischen Begriffen
  • Plakat für das Wörter-ABC
  • fertige Urkunden oder Papier, um sie selber zu basteln

Aufbau

Zum Beginn der Gruppenstunde zieht ihr Karten mit österreichischen Begriffen und versucht zu erraten, was sie bedeuten. Als nächstes überlegt ihr euch gemeinsam, welche umgangssprachlichen Wörter ihr selbst verwendet und versucht zu jedem Buchstaben des Alphabets eines zu (er)finden.
Danach übernehmt ihr die Patenschaft für je ein österreichisches Wort und überlegt euch, wie ihr es schafft, dass dieses öfter verwendet wird. Im gemeinsamen Rollenspiel versucht ihr anschließend, die österreichischen Wörter in Alltagssituationen einzubauen. Mit einem Spiel schließt ihr die Gruppenstunde ab.

 

Wörter raten


Als Einstieg in die Gruppenstunde setzt du dich mit deinen Jungscharkindern in einem Kreis zusammen. In der Mitte liegen Papierstreifen, auf denen österreichische Begriffe geschrieben stehen. Jedes Kind kann nun einen Zettel ziehen und versuchen, diesen zu erraten. Falls es ihm/ihr zu schwierig ist, können die anderen Kinder natürlich mithelfen und Tipps geben bzw. kannst du ihnen drei Antworten zum Aussuchen vorgeben: z.B.: matschkern (schimpfen — sich schmutzig machen — schnell singen)...

Einige Wörter können sein:

  • Paradeiser (Tomate)
  • terrisch (schwerhörig)
  • matschkern (schimpfen)
  • Batzerl (kleine Menge)
  • Taferlklassler/in (Volksschüler/in der ersten Klasse)
  • Jaukerl (Spritze)
  • Reindl (Bratpfanne)
  • verkutzen (verschlucken)
  • verwordaggelt (verdreht)
  • Tuchent (Decke)
  • unter der Tuchent (heimlich)
  • tachinieren (sich von der Arbeit drücken)
  • Ogrosl (Stachelbeere)
  • Haberer (Freund/in)
  • marantana ("Maria und Anna" — Ausruf beim Erschrecken)
  • stangeln (Schule schwänzen)
  • abbecken (viel lachen)
  • bacherlwarm (lauwarm)
  • Noagerl (letzter Schluck)
  • Zwutschkerl (kleine Person)


Abbecken, Bacherlwarm, C...


Gemeinsam gestaltet ihr nun ein sogenanntes Wörter-ABC. Dazu nehmt ihr ein Plakat und schreibt an den linken Rand untereinander alle Buchstaben des Alphabets. Jetzt überlegt ihr euch gemeinsam, welche österreichischen Wörter ihr im Alltag verwendet oder schon öfter gehört habt und schreibt sie neben den passenden Buchstaben. Nach und nach füllt ihr nun euer Mundart-Alphabet auf. Wenn euch zu einem Buchstaben kein Wort einfällt, könnt ihr gemeinsam ein neues Wort erfinden und euch überlegen, was es heißen könnte: z.B. für den Buchstaben "X" könntet ihr das Wort "xawandln" erfinden und zusammen entscheiden, dass dieser Begriff "herumschreien" heißt.

Patenschaft für österreichische Wörter


Bestimmt habt ihr beim "Wörter raten" und beim "Wörter-ABC" so einige Begriffe von anderen Kindern gehört, die ihr vielleicht bis jetzt nicht gekannt oder nur einmal kurz gehört habt. Vielleicht haben euch einige Wörter auch besonders gut gefallen und ihr fändet es schade, wenn sie in Vergessenheit geraten würden und sie irgendwann niemand mehr kennt. Damit dies zumindest in eurer Jungschargruppe nicht passiert, kann sich nun jedes Kind in der Gruppe ein Wort aussuchen, für das es gerne die Patenschaft übernehmen möchte.

Du kannst den Kindern nun vorgefertigte Patenschaftsurkunden austeilen, die sie nur noch ausfüllen müssen oder ihr gestaltet sie selber. Das abgedruckte Beispiel ist eine Möglichkeit sein, wie diese Urkunde aussehen kann. Wichtig ist, dass das Wort und ein Beispielsatz, wie das Wort verwendet werden kann, auf darauf stehen. Mit dieser Patenschaft erklärt ihr euch bereit, das jeweilige Wort möglichst oft in Gespräche einzubauen — jetzt und in den nächsten Gruppenstunden. Damit es nicht langweilig wird, könnt ihr ja jede Woche Patenschaften tauschen.

Im Alltag


Gemeinsam versucht ihr nun in einem Rollenspiel in verschiedenen (aber möglichst einfachen und offenen) Situationen eure jeweiligen Begriffe möglichst oft einzubauen. Solche Situation können z.B. sein: ‚Ihr sitzt gemeinsam beim Frühstück und plaudert darüber, was ihr heute machen wollt‘ oder ‚Ihr besucht gemeinsam ein Museum und sprecht über das, was ihr seht‘.

Alternativ könnt ihr auch euer Wörter-ABC zur Hand nehmen und versuchen, gemeinsam alle Wörter ins Gespräch einzubringen.

Terrisch


Zum Abschluss der Gruppenstunde spielt ihr noch gemeinsam "Terrisch" (eine Abwandlung des Spiels "Obstsalat"):

Die Kinder sitzen oder stehen im Kreis, ein Kind steht in der Mitte. Jedes Kind suchen sich nun jeweils einen österreichischen Begriff aus. Dann nennt ihr reihum eure Begriffe, damit alle die Begriffe der anderen kennen lernen. Das Kind das in der Mitte steht, ruft nun eines der Wörter und versucht, das Kind, das sich diesen Begriff ausgesucht hat zu berühren. Dieses kann sich davor schützen, indem es schnell ein anderes Wort ruft. Nun muss das Fängerkind das Kind berühren, das sich den gerade gerufenen Begriff ausgesucht hat. Die Kinder im Kreis bleiben dabei auf ihren Plätzen stehen. Wird ein Kind berührt, bevor es einen anderen Begriff gerufen hat, ist es das neue Fängerkind. Ruft ein Kind irrtümlich den Begriff des Fängerkindes, so wird es selbst zum/r Fänger/in.

Mag das Kind in der Mitte nicht mehr fangen, ruft es "terrisch" und reiht sich wieder in den Kreis ein. Ein anderes Kind, das mag, übernimmt die Rolle des Kindes in der Mitte. Wenn ihr das Spiel im Sitzen spielt, ruft das Kind in der Mitte "ich bin schon ganz terrisch" und alle sitzenden Kinder und das Fängerkind suchen sich neue Sitzplätze. Das Kind, das keinen Sessel findet, ist das neue Fängerkind.

Autor/in: Johannes Kemetter

Publikation: kumquat "Abschied" 2/2009

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Schlagwörter: Spiel, Spaß, Kommunikation