• Jungschar vor Ort
  • 70 Jahre JS
  • Über uns
  • Angebote
  • Modelle
  • Gruppe
  • Pfarre
  • Gott & die Welt
  • Wildegg

Barbie und Superman haben es satt!

Gruppenstunde | Alter: 12-14 | Aufwand: hoch

Ziel

Das Ziel dieser Gruppenstunde ist die Auseinandersetzung und das Sichtbarmachen von Bildern von Mädchen/Frauen und Buben/Männern und die daran geknüpften Erwartungen, mit denen wir täglich konfrontiert sind.

Material

  • eine Barbiepuppe
  • eine Figur von Superman oder einem anderen "Helden" (z.B.: Actionman, Batman, Iron Man, etc. — im Notfall auch ein Ken)
  • Zeitungen, Zeitschriften, Spielzeugkataloge
  • Ein großes Plakat mit dem Umriss eines Mannes
  • Ein großes Plakat mit dem Umriss eine Frau
  • Uhu, Schere, Stifte
  • Malsachen (z.B. Buntstifte, Filzstifte, Ölkreiden, Wasserfarben)
  • Rund 40 kleine Kärtchen mit Eigenschaften (siehe weiter unten)

 

Von schmerzenden Füßen und unterdrückten Gefühlen


Zu Beginn der Gruppenstunde begrüßt du deine Kinder und sagst, ihr habt heute zwei Gäste zu Besuch: Barbie und Superman (bzw. einen anderen männlichen "Helden"). Die beiden sind sehr frustriert: Barbie erzählt, dass ihr ständig die Füße weh tun, da sie immer nur hochhackige Schuhe tragen muss, dass sie nie das essen kann was sie will, weil sie sonst zunimmt und keine Kleidung mehr findet, in die sie passt und ihr das ständige Lächeln und "hübsch sein" schon zum Hals raushängt. Superman hingegen beklagt sich, dass er immer der Starke sein muss, der die anderen rettet aber selber nie Schwäche zeigen oder weinen darf und ständig ins Fitnesscenter laufen muss, um seine Muskeln fit zu halten. Außerdem ist seine Lieblingsfarbe eigentlich rosa, aber das traut er sich nicht offen zuzugeben.

Die Menschen rund um Barbie und Superman haben Erwartungen an sie, die Barbie und Superman nicht mehr erfüllen wollen. Ihnen ist aufgefallen, dass sie jeden Tag mit Bildern konfrontiert werden, wie sie als Frau und als Mann zu sein haben. Barbie und Superman wollen nicht, dass die Kinder dasselbe durchmachen müssen wie sie und dass sie unglücklich werden, weil sie nur die Erwartungen der anderen erfüllen müssen und nicht das machen können, was sie wollen.

Mannsbild — Weibsbild


Barbie und Superman haben einige Dinge mitgebracht, die veranschaulichen sollen, wie wir alle tagtäglich mit solchen Anforderungen konfrontiert werden. Sie bitten die Kinder, die mitgebrachten Zeitschriften, Kataloge, Bücher, etc. durchzuschauen. Schaut euch an, wie Männer und Frauen dargestellt werden: Mit welcher Kleidung, mit welchem Gesichtsausdruck, mit welchen Accessoires, mit welcher Sprache, in welchen Farben, in welchen Werbungen? Sie bitten eure Kinder, die Bilder, Slogans und Sätze auszuschneiden bzw. sie herauszureißen und sie auf die vorbereiteten zwei Plakate aufzukleben — die Bilder der Frauen auf das Plakat mit dem Umriss einer Frau und die Bilder der Männer auf das Plakat mit dem Umriss eines Mannes.

Wenn ihr fertig seid, schaut euch die Plakate an und überlegt, in welcher Art und Weise Frauen und Männer dargestellt sind. Was fällt euch auf? Gibt es Unterschiede? Welche Unterschiede sind das? Bei Frauen werden es vielleicht mehr Werbungen sein, die sich um Kosmetik, Haushalt, Diätprodukte, etc. drehen. Sie sind vielleicht öfter mit Kindern abgebildet. Oft werden sie auch sehr dünn und zart dargestellt. Bei Männern finden sich Autowerbungen, Sportgeräte, Bier, etc. Im Gegensatz zu den zarten Frauen werden oft muskulöse Männer eingesetzt. Es wird vielleicht auch eine andere Sprache angewandt? Bei Werbungen für Rasierer spricht man von "Powerglide Klingen" beim Mann, bei Frauen geht es oft mehr um die "sanften" oder "zarten" Beine.

Auf die Plakate könnt ihr, wenn ihr wollt, auch Sprüche dazu schreiben, die Mädchen bzw. Burschen oft zu hören bekommen, in etwa "Buben weinen nicht", oder "Zieh dir etwas schönes an".

Typisch Mann! Typisch Frau!


Vor der Stunde hast du ca. 40 Eigenschaftswörtern auf einzelnen Zetteln vorbereitet, wie z.B.:

modisch, wild, schön, ruhig, laut, stark, brav, abenteuerlich, sanft, aufgeweckt, sportlich, gepflegt, verführerisch, aggressiv, aktiv, dynamisch, kämpferisch, einsichtig, temperamentvoll, kreativ, rücksichtsvoll, kühn, empfindlich, egoistisch, gefühlsbetont, intelligent, schwach, gesund, intuitiv, ordentlich, stolz, zärtlich, muskulös, unabhängig, entschlossen, schlank, cool, sexy, fürsorglich, hart, usw.

Deine Kinder sollen nun diese Adjektive den beiden Plakaten zuordnen. Welche Eigenschaften passen besser zu Mädchen/Frauen und welche passen besser zu Burschen/Männern? Ihr könnt auch schauen, ob die Eigenschaften zu den Bildern passen, die ihr aufgeklebt habt! Manche Eigenschaften werden nicht so einfach zu einem Geschlecht zuzuordnen sein, bzw. wird vielleicht auch eine Diskussion entstehen, ob diese denn überhaupt so einfach zuzuordnen sind. Hier kannst du als Gruppenleiter/in auch steuernd eingreifen.

So nicht — es geht auch anders!


Vielleicht ist schon während der Diskussion klar geworden, dass viele Begriffe vielleicht tendenziell zuordenbar sind, die meisten aber im Prinzip beiden Geschlechtern zugeordnet werden könnten. Um diese starre Zuordnung nun noch aufzubrechen, und Barbie und Superman zu zeigen, dass es nicht immer so sein muss, ladet die Kinder nun ein, einen Superhelden, eine Puppe, oder eine Spielfigur zu entwerfen, die nicht so klischeehaft ist, die vielleicht mit manchen Rollenbildern bricht, oder unkonventioneller ist als die gängigen. (Bei älteren Kindern kann auch die Frage verwendet werden, wie denn die Spielfiguren sein sollen, die sie ihren Kindern geben würden.) Hierzu können die Kinder Malfarben, Bunt- oder Filzstifte verwenden, aber auch collage-artig weitere Dinge aus den Zeitschriften ausschneiden, bzw. ruhig auch die Dinge verwenden, die man vorher schon ausgeschnitten und einem der zwei Plakate zugeordnet hat, von diesen wieder herunter trennen und neu verwenden. So können Entwürfe von Spielfiguren und Puppen entstehen, auf denen etwa Superheld/innen rosa Capes tragen oder eine Heimwerker-Barbie Konfektionsgröße 46 hat. Denn Spielzeug und "Vorbild" können diese genau so sein!

Autor/in: Betti Zelenak und Clemens Huber

Publikation: kumquat "macht" 1/2009

Share |