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Wunderwuzzi, Rebell oder Superheld - "Wer war dieser Jesus?"

Gruppenstunde Lager | Alter: 8-15 | Aufwand: hoch

Hintergrund

Es gibt mehrere, unterschiedliche Sichtweisen auf die Person Jesu. Wir wollen uns in diesem Gruppenstundenmodell auf Jesus als biblische Person konzentrieren. Darunter versteht man all das, was wir vom Leben und Wirken von Jesus Christus aus der Bibel erfahren können, und seine Bedeutung für die damalige und heutige Zeit. Jesus ist nicht nur eine Person, die vor ca. 2000 Jahren gelebt hat. Seine Themen und Anliegen haben bis heute Relevanz, seine Einstellungen und sein Umgang mit schwierigen Themen prägen unser "Christ/in-Sein" bis heute - und dies, obwohl er vor 2000 Jahren in einem uns fremden Land in einer uns fremden Kultur gelebt hat.

Material

  • Bilder von Jesus - siehe Hinführung zum Thema
  • Instrumente oder Ähnliches - siehe Station 1
  • Ast-Plakat - siehe Station 2
  • Blüten-Plakat - siehe Station 2
  • Stifte - siehe Station 2
  • Plakat mit "Regeln" - siehe Station 3
  • Essen und Trinken für eine gemeinsame Jause

Aufbau

Wir haben dieses Gruppenstundenmodell rund um einen Stationenbetrieb aufgebaut. Vor jeder Stationsbeschreibung ist ein kurzer Info-Input (kursiv gedruckt), über den du mit deinen Kindern reden kannst.

Die Gruppenstunde ist folgenderweise aufgebaut:

  • Hinführung zum Thema
  • Station 1 - Komm mit mir!
  • Station 2 - Was ist da passiert?
  • Station 3 - Law and order?
  • Den Abschluss der Gruppenstunde bildet eine gemeinsame Jause.

 

Hinführung zum Thema:


Bevor wir in den Stationenbetrieb einsteigen, wollen wir uns mit den Kindern auf das Thema vorbereiten, dazu kannst du verschiedene Bilder und Fotos von Jesus verwenden. Herangezogen werden können verschiedenste Werke klassischer Malerei, zeitgenössischer Kunst, Cartoons oder Bilder. Dazu empfehlen wir euch Suchmaschinen im Internet, du kannst aber auch mit deinem Fotoapparat in deiner Kirche auf die Suche nach Bildern oder Figuren von Jesus gehen.

Die Bilder sollten eine möglichst große Bandbreite haben, das heißt, möglichst viele verschiedene Aspekte der Person Jesus zeigen. Am besten folierst du die Bilder, dann werden sie nicht so schnell abgegriffen und du kannst sie auch später noch verwenden.

Ziel ist es, durch das Betrachten der Bilder und den anschließenden Austausch verschiedenste Sichtweisen auf Jesus aufzuzeigen, außerdem können durch diese Methode die bereits bei den Kindern vorhandenen "Bilder" von Jesus wieder bewusst gemacht werden.
Die Kinder können sich eines der Bilder auswählen. Fragen, die du mit den Kindern dazu besprechen kannst, können sein:

  • Warum hast du dir dieses Bild ausgesucht?
  • Glaubst du, ist das ein realistisches Bild - hat Jesus wirklich so ausgesehen?
  • Wie wird Jesus auf diesem Bild dargestellt? (Aussehen, Kleidung...)
  • Wie wirkt Jesus auf diesem Bild für dich? (nett, stark, mächtig, freundlich...)
  • Mit welchen Farben würdest du ein Bild von Jesus zeichnen?


Für Ältere:
Eine andere Möglichkeit ist, kurze Sätze oder Satzteile aus der Bibel - in Form von direkten Reden Jesu Christi - im Raum zu verteilen. Die Kinder lesen die Sätze und machen sich im Gespräch auf die Suche, von wem diese Aussagen sein könnten.
Alternativ wäre es auch möglich, biblische Aussagen von anderen Personen über Jesus herzunehmen und herauszufinden, über wen hier gesprochen wird.
Beispiele für solche Bibelstellen sind: Mt 3,17; Mt 8,25; Mk 11,9; Mk 15,2; Lk 24,32; Lk 7,50; Joh 4,14; Joh 18,29.

Stationenbetrieb:


Nach diesem gemeinsamen Einstieg geht der Stationenbetrieb los. Wenn du mehr als 10 Kinder hast und ihr mehrere Gruppenleiter/innen seid, solltest du die Gruppe in Kleingruppen teilen. Wenn du in deiner Gruppenstunde alleine als Gruppenleiter/in bist, mach mit deinen Kindern einfach die Stationen gemeinsam der Reihe nach durch. Pro Station rechne, dass ihr rund 10 Minuten brauchen werdet.

Station 1 - Komm mit mir!


Jesus ging seinen Lebensweg nicht alleine, viele Freund/innen haben ihn begleitet. Die Zahl der 12 Apostel hat starken Symbolcharakter, 12 galt als Zahl der Vollkommenheit (12 Söhne Jakobs gründen die 12 Stämme Israels). Es ist anzunehmen, dass es sehr viel mehr Frauen und Männer gegeben hat, die Jesus und seiner Idee nachgefolgt sind, weil sie sich von Jesus berufen gefühlt haben. In der Bibel finden sich mehrere Berufungsgeschichten, z.B. Mk 1,16-20, Mk 2,13-17.

Die Schwierigkeit des Gerufen-Werdens, den Ruf im Lärm des Alltags zu hören, kann man in einem Schreispiel nachstellen:
Alle Kinder stellen sich im Kreis auf und werden mit den verschiedensten Lärminstrumenten ausgestattet. Küchengeräte, Orff-Instrumente oder Ähnliches bieten sich hier an. Mach dich einfach einmal im deinem Pfarr- oder Jungscharheim auf die Suche, du findest sicherlich genug zum Lärm-Machen. Ein Kind beginnt und stellt sich mit geschlossenen Augen in die Mitte des Kreises, die Gruppe wählt "heimlich" ein zweites Kind aus. Alle Kinder im Kreis beginnen nun kräftig Lärm zu machen, das vorher bestimmte Kind versucht über den Lärm hinweg, das Kind in der Mitte mit seinem Namen zu rufen. Hört es den Ruf, so dreht es sich in die richtige Richtung oder zeigt mit dem Finger in Richtung des rufenden Kindes. Ist der Ruf gehört worden, wird gewechselt und zwei weitere Kinder schlüpfen in die Rollen.

Zur Steuerung des Spieles kann der/die Spielleiter/in die Lautstärke durch Zeichen oder der Auswahl entsprechender Lärmmittel (z.B. nur klatschen etc.) regeln, so können auch Kinder mit einer eher leisen Stimme mitrufen.

Station 2 - Was ist da passiert?


Bei den Wundern Jesu werden nicht Naturgesetze gebrochen oder unerklärliche, magische Dinge getan. Wunder sind Zeichenhandlungen, bei denen Menschen die unmittelbare Nähe Gottes erfahren können. Diese Gotteserfahrung ist es, die Menschen "heil" macht, die ihnen in ihrer Behinderung oder etwa in ihrer Krankheit hilft.

Wenn Jesus Wunder wirkt, dann immer dort, wo etwas "tot" und kahl ist. Diese Wunder bringen neues Leben zu den Menschen, jedoch immer im Rahmen der jeweiligen Situation. Bei einem so sensiblen Thema wie Wundererzählungen dürfen wir die Bibel nicht wie ein Kochbuch lesen, sondern müssen auch zwischen den Zeilen lesen. Wenn Jesus einen lahmen Mann heilt, so heißt das nicht zwangsläufig, dass er ihm neue, jugendliche Gelenke "herzaubert". Es gibt außer unseren Gelenken auch noch viele andere Dinge, die uns in unserem Leben behäbig machen, die unsere (Bewegungs-) Möglichkeiten einschränken. Festgefahrene Einstellungen, Vorurteile oder auch Streit können Beispiele dafür sein, wie wir in unserem Leben in unserer "Bewegungsfreiheit" eingeschränkt werden. Da fällt es uns schwer, andere Sichtweisen einzunehmen oder auf andere zuzugehen.
Hier setzt der Wunderbegriff der Bibel an, durch die Erfahrung der Menschen, "Gott ist da und er sorgt sich um mich!", bricht neues Leben in ihnen aus.


Bei dieser Station kannst du mit der Kleingruppe erarbeiten, was uns "neues Leben" schenkt. Dazu kannst du die Zeichnungen verwenden, die du hier siehst. Du kannst dieses Bilder einfach kopieren oder natürlich auch selbst einen solchen Ast/Blüten zeichnen.

In den Ast kann nun jedes Kinder eintragen, wo Dinge leblos sind, wo Menschen anstehen und nicht mehr weiter wissen, z.B. bei einem Streit mit einem/r Freund/in; bei einer schlechten Note bei einer Schularbeit,... Anschließend kann jedes Kind mit Blüten den toten Ast wieder zum Leben erwecken. In die Blüten schreiben wir all das hinein, was uns in solchen Situationen stärkt, was uns Kraft gibt, woran wir uns anhalten können. Das kann ein guter Freund oder eine gute Freundin sein, es können Hobbys sein, die wieder Lebensfreude schenken, oder auch die Erfahrung anderer Menschen mit ähnlichen Situationen.

Bei dieser Station ist es wichtig, dass du schon im Vorfeld für jede Kleingruppe ein "Ast-Plakat" und mehrere Blüten hergerichtet hast.

Station 3: "Law and Order?"


Die Gesetze zu Jesu Zeiten waren in vielen Punkten sehr streng. Im Gegensatz zu heute gab es "weltliche Gesetze", die von den Besatzern, den Römern, aufgestellt wurden, und religiöse Gesetze, die von den Juden aufgestellt wurden. Viele der jüdischen Gesetze stehen schon im Alten Testament und wurden von da her legitimiert. In der Bergpredigt greift Jesus viele der damals gängigen jüdischen Gesetze auf und erklärt sie neu. Er lehnt sie jedoch nicht gänzlich ab, Theolog/innen sagen, er "überbietet" sie. Jesus macht den Menschen zum Mittelpunkt des Gesetzes und nicht nur das Schriftwort (Mt 5,1-7,29; Lk 6,17-49). Dies war im Endeffekt einer der Hauptgründe, die zu seinem Tod am Kreuz geführt haben.
Eines der treffendsten Beispiele dafür ist die Erzählung von Zachäus, nachzulesen in Lk 19,1-10. Zachäus war ein Zöllner, das heißt, er hat (obwohl er Jude war) mit den Römern zusammengearbeitet und hat für sie von seinen eigenen Landsleuten Zollgebühren und Steuern kassiert. Solche Menschen galten bei den Juden als Verräter und somit als unrein, man durfte sich nicht mit ihnen abgeben. Weil sie für den römischen Kaiser, der ein "Heide" war, Geld eintrieben, galten sie selbst auch als "Heiden". Zöllner waren zwischen zwei Welten gefangen, auf der einen Seite waren sie keine Römer, sie waren aber auch bei ihrem eigenen Volk nicht akzeptiert. Zöllner fanden daher kaum einen Platz in der damaligen Gesellschaft, sie wurden von beiden Seiten ausgegrenzt. Jesus jedoch gibt bei seiner Begegnung mit dem Zöllner Zachäus der Vergangenheit und allen Vorurteilen nicht nach, für ihn steht nur der einzelne Mensch im Vordergrund. Er erkennt, dass Zachäus ein tiefgläubiger Mensch ist, und lädt sich bei ihm zum Essen ein. Welche besondere Bedeutung dieses gemeinsame Essen hat, kannst du im nächsten Punkt nachlesen.


Bei dieser Station wollen wir der Frage nachgehen, ob "ungeschriebene" Regeln auch immer absolute Richtigkeit haben und auch wirklich immer wichtig sind.

Zu Beginn der Station erkläre den Kindern die besondere Situation der Zöllner zu Jesu Zeiten.

  • Was war der Beruf dieser Menschen?
  • Warum waren sie so unbeliebt?
  • Wo hatten sie in der Gesellschaft ihren Platz?


Dann lies den Kindern die Bibelstelle von Zachäus vor. Am besten wäre es, wenn du die Geschichte aus einer Kinderbibel vorliest, wenn du die Geschichte auch selbst gut kennst, kannst du sie natürlich auch erzählen. Im Jungscharbüro beraten wir dich gerne, welche Kinderbibeln wir empfehlen können, du kannst dir auch Kinderbibeln aus unserer Bibliothek ausborgen. Nachdem du die Geschichte vorgelesen oder erzählt hast, mach mit deinen Kindern eine kurze Austauschrunde, Fragen hierbei können sein:

  • Warum wollen die Juden und Jüdinnen mit Zöllnern nichts zu tun haben?
  • Jesus bricht die Regel der Juden, dass man sich mit Zöllnern nicht abgeben darf. Ist das okay gewesen?
  • Warum hat Jesus das gemacht?
  • Gibt es auch bei uns Regeln, die man manchmal brechen darf?


Die letzte Frage führt uns zum abschließenden Schritt der Station. Bereite ein Plakat vor, auf dem verschiedene Beispiele für solche "Regeln" stehen. Zum Beispiel:

  • In der Kirche muss man still sein.
  • Wenn man in einer Reihe angestellt ist, darf man sich nicht vordrängen.
  • Wenn dir jemand etwas erklärt, musst du leise sein und zuhören.
  • Auf der Straße darf man nicht laufen.


Jetzt können sich die Kinder überlegen, ob sie diese Regeln für richtig halten bzw. ob ihnen Momente einfallen, in denen man diese Regeln brechen darf bzw. sogar soll. Ein Beispiel dazu: Es ist gut, in der Kirche still zu sein, wenn andere Leute dort in Ruhe beten oder nachdenken wollen. Während einer Jungscharmesse oder einer Gruppenstunde in der Kirche kann man dort aber durchaus auch miteinander lauter reden, diskutieren usw.

"Mahl-Zeit" - ein gemeinsamer Abschluss:


Ein in der Bibel immer wiederkehrendes Bild ist die so genannte "Mahlgemeinschaft". Bei frommen Juden und Jüdinnen war es üblich, nach einem Streit eine Einladung zum Essen auszusprechen, womit gleichzeitig klar war, dass ein Interesse daran besteht, Streit zu schlichten und einander zu vergeben. Die "Vergebung" geschieht im damaligen Verständnis im Handeln, das heißt beim Essen, während der Mahlgemeinschaft also.

Sich um einen gemeinsamen Tisch, um eine gemeinsame Mitte zu versammeln, schafft Nähe und Gespräch.
Versammle dich doch zum Abschluss der Gruppenstunde mit den Kindern um einen Tisch und genießt zusammen eine kleine Jause.

Autor/in: Dominik Mach und Sabine Kräutelhofer

Publikation: kumquat "feiern" 1/2007

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Lager-Kategorie: Stationenspiele

Schlagwörter: Bibel, Religiöses