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Die Exodus-Erzählung: Bewegung in der Bibel

Gruppenstunde | Alter: 8-12 | Aufwand: mittel

Hintergrund

Was heißt Exodus?
Exodus ist die griechisch-lateinische Bezeichnung für "Auszug". Exodus heißt auch das zweite der fünf Bücher Mose im Alten Testament, das sich mit dem Leben der Israelit/innen in Ägypten, dem Auszug aus Ägypten und der Wüstenwanderung in das gelobte Land beschäftigt.
Exodus ist zum Symbolbegriff/Synonym für das Aufbrechen aus Unterdrückung in ein neues, besseres Leben geworden. So singt z.B. auch Bob Marley in seinem weltbekannten Lied "Exodus" von der Befreiung der Schwarzen, die als Sklav/innen in die neue Welt gebracht wurden.

Welche Deutungen hat der biblische Exodus?
Der Exodus ist die Gründungsgeschichte Israels. Er wurde als Gründungssage des Volkes Israel von Generation zu Generation weitergegeben, um die Erfahrung der Befreiung und Selbstwerdung nicht zu vergessen. Damit ist die Gewissheit verbunden, dass da ein personaler Gott ist, der entschieden auf der Seite der Unterdrückten und Leidenden steht, für diese kämpft und sie auf ihren Wegen begleitet. Für Israel ist diese Erfahrung zum Kern des gemeinsamen Glaubens geworden.

Die Befreiung Israels aus der Knechtschaft Ägyptens hat auch eine symbolische Botschaft für jeden Menschen, auch heute. Der Exodus beschreibt den Weg der eigenen menschlichen Entwicklung: Entscheidende Schritte, die wir setzen müssen, wenn wir aufbrechen, um unser eigenes Leben zu leben. Natürlich ist unser Selbstwerdungsprozess nicht so blutig und gewaltvoll wie in der biblischen Erzählung, dennoch ist es oft nicht ganz einfach, sich zu entscheiden, aufzubrechen, den eigenen Weg zu gehen, die eigene Identität zu finden.

Der Exodus ist außerdem ein zeitlos revolutionäres Konzept. Die Situation, die die Israelit/innen in Ägypten erlebt haben - Menschenrechtsverletzungen, sklavenähnliche Bedingungen und Unterdrückung - war und ist leider eine, die sowohl historisch als auch in der Gegenwart für viele Realität ist. So verstanden, ist der Exodus ein konkreter Bericht über einen sozialen Befreiungsprozess. Die Botschaft ist unmissverständlich und zeitlos: Gott steht auf der Seite der Unterdrückten und will ihnen zu ihrem Recht verhelfen. An ihr lässt sich auch gut die politische Dimension unseres Glaubens erkennen: sich für ein Leben in Würde und Selbstbestimmung für alle einzusetzen.

Material

Aufbau

Zunächst erfahren die Kinder etwas über die triste Situation in Ägypten zur Zeit Mose, dann versuchen sie, eine Bibelstelle zu entziffern. Danach überlegen sich die Kinder bei einem Schreispiel, worüber sie sich beklagen wollen, sie malen sich ihr Wunschland, "in dem Milch und Honig fließen", und überlegen sich, wer sie dabei unterstützt, "den eigenen Weg zu gehen".

 

"Ich habe das Elend meines Volkes in Ägypten gesehen..."


Als Einleitung erzählst du den Kindern über die triste Situation in Ägypten, wenn du möchtest, kannst du das z.B. auch mit einer Handpuppe vorspielen (z.B. als Moses, der den Kindern die Situation schildert):

Den Israelit/innen geht es in Ägypten gar nicht gut. Sie wohnen in viel zu kleinen Behausungen, haben Hunger, es gibt keine Kleidung, keinen Arzt und kein Krankenhaus, die Kinder können nicht in die Schule gehen und auch nicht spielen, weil sie arbeiten müssen. Man darf sich nicht in großen Gruppen treffen und muss von früh bis spät arbeiten, bekommt aber viel zu wenig und manchmal sogar gar kein Geld dafür.

In dieser misslichen Lage befindet sich also das Volk Israel, Moses will sich damit nicht abfinden und etwas gegen diese Unterdrückung tun. In dieser Situation spricht der Herr zu ihm.
Du hast die Bibelstelle Exodus 3,7-9 kopiert und einige Wörter im Text durch die entsprechenden hebräischen ersetzt. Gemeinsam versucht ihr nun, die Bibelstelle zu entziffern:

Die einzusetzenden Wörter sind: Ägypten, Hand, Milch, Honig.

"Ihre laute Klage habe ich gehört"


Ihr habt schon gehört, dass die Lage der Israelit/innen in Ägypten nicht gerade rosig war. Bei uns ist es auch oft so, dass es Dinge gibt, die uns unzufrieden machen, die nicht in Ordnung sind: in der Schule, zu Hause, mit Freund/innen. Oft ist es gut, diese Dinge kundzutun und sich auch mal darüber beklagen zu dürfen.

In einem nächsten Schritt könnt ihr genau das tun:
Teilt euch dazu in drei Gruppen. Zwei Gruppen stellen sich mit etwas Abstand gegenüber auf. Die dritte Gruppe stellt sich zwischen die zwei Gruppen und bildet so eine "Mauer", über die die Kinder der einen Gruppe versuchen, der anderen Gruppe ihren Klageruf zuzurufen. Jede Gruppe überlegt sich nun eine Situation, die ihr nicht passt und über die sie sich beklagen will, z.B.: "Wir wollen nicht immer in der Kirche leise sein müssen!" Die Kinder, die die Mauer "spielen", machen nun viel Lärm, sodass die zwei Gruppen laut schreien müssen, um sich mitteilen zu können. Durch Lauter- und Leiserwerden kann die "Mauer" das Verstehen erschweren bzw. erleichtern. Die Gruppe auf der jeweils anderen Seite der "Mauer" versucht dabei herauszufinden, worum es bei der Klage geht. Ihr könnt das mehrere Male spielen, je nachdem, über wie viele Dinge ihr euch beklagen wollt. Die Gruppen können dabei auch ihre Plätze wechseln, sodass alle Kinder einmal "Mauer" und "Zurufer/innen" sein können.

In ein schönes, weites Land, in dem Milch und Honig fließen...


In der Bibelstelle, die ihr vorher gelesen habt, heißt es dann, dass Gott ihre Klage gehört hat und er sie hinausführt in das gelobte Land.
Das gelobte Land wird da beschrieben als das Land, in dem Milch und Honig fließen. Wie sehen denn eure Vorstellungen davon aus: Was könnte dort denn anders sein? Was ist denn dort besonders lobenswert? Fließt dort vielleicht Cola und Erdbeereis? Was sollte es denn auf jeden Fall geben, auf was würdet ihr dort verzichten wollen?

Nun könnt ihr Bilder von eurem gelobten Land malen, zu zweit, zu dritt oder auch jede/r für sich. Wenn ihr wollt, könnt ihr euch im Anschluss eure Bilder vorstellen und von eurem gelobten Land erzählen.

Aber bitte, Herr, schick doch einen anderen!


In der Exoduserzählung soll Moses also sein Volk ins gelobte Land führen, aber das ist gar nicht so eine einfache Entscheidung, die Moses da zu treffen hat. Es überkommen ihn Selbstzweifel, ob er der Richtige dafür ist: "Was aber, wenn sie mir nicht glauben und nicht auf mich hören? Ich bin keiner, der gut reden kann ... Aber bitte, Herr, schick doch einen anderen!" (Ex 4:7-9, 10).

Er hat Angst, dass die Aufgabe zu schwierig für ihn ist. Das kennen wir wahrscheinlich alle gut. Wer bin ich schon? Was kann ich schon tun?
Man weiß, was zu tun wäre, aber traut es sich nicht zu, weiß nicht, ob man dem gewachsen ist. Und findet alle möglichen Ausreden: "andere sollen das machen", "ich bin nicht der/die Richtige dafür"", ich hab was anderes vor", "zuerst muss ich noch das und das tun", "warum denn eigentlich ich"?

Moses hilft in seiner Situation der Ausblick auf das gelobte Land, die Zusage Gottes, dass er ihn begleiten wird und auch die Gewissheit, dass er den Weg nicht allein zu gehen braucht.

Wenn ihr jetzt wieder an eure eigenen Vorstellungen des gelobten Landes denkt: Was hilft euch, den Aufbruch zu wagen? Wer oder was unterstützt uns dabei? Was macht uns Mut vor Entscheidungen? Wie können wir uns am Weg erholen?
In der Bibel unterstützt Gott die Israelit/innen z.B., indem er Brot vom Himmel regnen lässt, als sie hungrig sind: Manna. Eure Ideen könnt ihr auf Zetteln schreiben und (in Anlehnung an das biblische Himmelsbrot Manna) z.B. auf Mannerschnitten-Packerl kleben. Diese könnt ihr als Abschluss - als Vorgeschmack auf das gelobte Land - gemeinsam verspeisen!

Autor/in: Clara Handler mit Ideen aus dem Exodus Behelf

Publikation: kumquat "bewegen" 4/2006

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