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Verknüpfte Welt

Gruppenstunde | Alter: 8-15 | Aufwand: hoch

Hintergrund

Wir brauchen nur einen Blick in die Zeitungen zu werfen oder den Nachrichten zu lauschen, und schon wird uns bewusst, in welcher "verknüpften" Welt wir leben. Wir konsumieren Produkte aus der ganzen Welt, erfahren Veränderungen im Weltgeschehen, erleben Auswirkungen von Umwelt- und politischen Ereignissen. Da ist von Krieg und Gewalt, von Umweltverschmutzung, von Hunger und Armut, von Ungerechtigkeiten, von Ausgrenzung und Diskriminierung die Rede. Manchmal könnte man meinen, dass es keine Auswege in eine bessere Welt gibt. Aber Gott sei Dank ist das nicht so! Der Alternativengipfel zum EU-Lateinamerika-Gipfel in Wien hat zum Ziel, viele Ideen und Alternativen zu überlegen, die zu einem sozial-, umwelt- und menschengerechteren Miteinander beitragen können. Aber auch jede und jeder von uns kann in kleinen Schritten etwas zu einer glücklicheren Welt beitragen. Diese Gruppenstunde soll dazu Anstöße geben.

Material

  • 1 Seil (ca. 5 Meter lang)
  • alte Geschenkbänder (ca. 1-2cm breit) oder Wolle in verschiedenen Farben
  • bunte, schöne Kordelreste (als Freundschaftsbänder)
  • Papierkärtchen
  • Stifte
  • Atlas — Lateinamerika-Karte — Peru
  • evtl. Bild von einem Quipu, Bilder von Inka-Stätten in Peru (Machu Picchu)
  • http://www.indianer-welt.de/sued/inka/inka-quipu.htm : Unter dieser Adresse findet ihr Fotos von einem Quipu sowie Bilder und Informationen von Bauwerken und dem Leben der Inka.

Aufbau

Den "rote Faden" der Gruppenstunde bilden die Fäden und Schnüre, mit denen gearbeitet wird.
Als Einstimmung in das Thema spielt ihr das Spiel "Gordischer Knoten". Dann wird die Geschichte der Quechua und deren Kommunikationssystem der Knotenschnüre erzählt. In Anlehnung daran macht ihr eure eigene Knotenschnur mit Wünschen zu verschiedenen Lebensbereichen. Den Abschluss bildet ein Seilspiel.

 

Gordischer Knoten


Die Gruppe stellt sich ganz nahe beieinander im Kreis auf, sodass sich die Hände der Kinder berühren können. Auf ein Zeichen von dir schließen alle die Augen und strecken die Hände in die Mitte. Jedes Kind erfasst mit jeder Hand die Hand eines/einer anderen Mitspielers/in. Wer Hände erfasst hat, kann die Augen wieder aufmachen. Nun geht es darum, dass die Kinder den "Knoten" lösen, ohne einander loszulassen, sodass sie am Ende wieder in einem (oder auch zwei) Kreis(en) stehen.
Für Ältere: Gemeinsam kann im Anschluss darüber gesprochen werden, was Schwierigkeiten dabei waren und was für die Lösung wichtig war.

Quipu [gesprochen: Kipu] — die Knotenschrift der Inka


Nach dieser ersten Erfahrung, dass Knoten oft gar nicht so leicht zu lösen sind, dass es aber auch viel Spaß machen kann, gemeinsam eine Aufgabe zu lösen, setzen sich alle im Kreis zusammen. Du erzählst den Kindern von der alten Knotenschrift der Inka:

In Peru, das ist ein Land in Südamerika, leben heute noch die Quechua [gesprochen: Ketschua], das Volk der Inka. Die Inka haben ein großes Reich in den Anden in Lateinamerika beherrscht. Viele Ausgrabungen und Kultstätten zeigen die wunderbare Architektur und Kunstfertigkeit des Volkes. Die Inka und ihr Volk kannten keine Schrift, wie wir sie kennen, aber sie hatten ein System, anhand von Knotenschnüren Informationen zu überliefern. Diese Knotenschnüre hießen Quipu. Einige Quipus sind bis heute erhalten und in Museen zu bewundern. Leider ist das Wissen, wie sie gelesen werden, mit den "Knotenschriftgelehrten" verloren gegangen. Ein Quipu besteht aus einer ca. 1-1,50 Meter langen dicken Schnur, an die mehrere Schnüre in verschiedenen Farben geknüpft sind. Man vermutet, dass jede Farbe eine Bedeutung hatte, z.B. stand blau für das Meer oder grün für Ernte oder rot für Bevölkerung. In diese Schnüre wurden verschiedene Arten von Knoten geknüpft, an denen die Kundigen Informationen z.B. über Fischfang, Ernte, Not oder Wohlstand von Städten usw. ablesen konnten. Als die Spanier vor rund 500 Jahren in Peru landeten, führten sie Krieg gegen die Inka und besiegten sie. Die Spanier verboten den Quechua und anderen Völkern, ihre Sprache zu sprechen, und bekehrten sie zum Christentum. In dieser Zeit ging viel altes Wissen verloren, zum Beispiel auch das Wissen um die Knotenschrift.

Älteren Kindern kannst du noch einen weiteren Teil der jüngeren Geschichte erzählen:
Peru ist ein sehr armes Land, das zwischen 1980 und 1990 von einem schweren Bürgerkrieg heimgesucht wurde. Viele Leute verschwanden und wurden umgebracht. Die Leute in Peru sind heute noch sehr traurig und warten auf ihre Angehörigen.
Im letzen Jahr wurde in Peru ein riesiger gemeinsamer Quipu aus vielen kleinen Quipus geknüpft. Jede/r knüpfte für eine/n vermisste/n oder ermordete/n Angehörige/n einen Knoten in eine Schnur. Eine Gruppe Jugendlicher zog auf den alten Inkawegen durch das Land und hat alle diese Quipus eingesammelt. An jeden Knoten war ein Zettel mit dem Namen und manchmal sogar mit dem Foto des/der Vermissten gebunden. In einem großen Fest der Versöhnung übergaben tausende Menschen letzten Sommer die Knoten der peruanischen Regierung mit der Aufforderung: "Damit das nicht wieder passiert!"

Unser Quipu


Heute versucht ihr, einen eigenen Quipu zu knüpfen (aus alten Geschenkbändern oder Wolle).
Überlegt gemeinsam, welche Lebensbereiche und Themen (z.B. Familie, Schule, Jungschar, Hobbys, Umwelt, andere Länder, Tiere, Streit,...) euch wichtig sind und teilt diese verschiedenen Farben zu (z.B. Familie = blau, Jungschar = grün,...). Damit ihr euch das leichter merkt, schreibt ihr die Zuordnungen auf Karterln in der entsprechenden Farbe. In einem ersten Schritt überlegt ihr euch, welche Wünsche ihr für diese Bereiche/Themen habt. Das können und sollen ganz konkrete Wünsche sein, die sich auf den Alltag der Kinder beziehen, z.B.: "Ich wünsche mir, dass wir in der Messe viele Lieder singen, die ich mag!" oder "Ich wünsche mir, dass wir einander beim Diskutieren weniger oft ins Wort fallen und streiten, sondern mehr zuhören." Es können aber auch Wünsche "im Großen" sein, z.B. "Ich wünsche mir, dass mehr Leute fair gehandelte Produkte kaufen!" oder "Ich wünsche mir, dass es auf der Welt weniger Kriege gibt!".
Für jeden Wunsch wird ein Knoten in ein Band der entsprechenden Farbe geknüpft. Auf ein Karterl, das an den Knoten gehängt wird, schreiben die Kinder oder der/die Gruppenleiter/in den Wunsch auf.

In einem zweiten Schritt soll gemeinsam zu den "Knoten" überlegt werden, ob ihr etwas zur Erfüllung dieses Wunsches beitragen könnt. Wichtig ist, dass ihr dabei bei den Wünschen bleibt, die den Alltag der Kinder betreffen. Schreibt kleine Zettel, was dazu beitragen kann, den Knoten aufzulösen, und hängt ihn zu diesem Knoten dazu.
Bei der Frage der Problemlösung werden bewusst die Bereiche ausgeklammert, auf die die Kinder keinen direkten Einfluss haben, da für Kinder sonst leicht der Druck entstehen kann, auch Probleme, wie Umweltkatastrophen oder Kriege lösen zu wollen oder zu müssen. Zu diesen Wünschen bzw. Wünschen, für die ihr keinen Lösungsvorschlag findet, könnt ihr aber vielleicht eine Fürbitte formulieren, die ihr in der Gruppenstunde sprechen oder beim nächsten Gottesdienst gemeinsam mit eurem Quipu vorstellen könnt.

Seilspiel


Nachdem euer Quipu Form angenommen hat, könnt ihr am Schluss der Stunde noch eine Übung ausprobieren, bei der ihr euch gemeinsam "vernetzen" sollt, um eine Aufgabe zu lösen.
Die Gruppe hat ein ca. 5m langes Seil (oder alte zusammengeknüpfte Strumpfhosen). Alle Kinder ergreifen mit beiden Händen das Seil.
Für Jüngere: Die Kinder bekommen die Aufgabe, ohne miteinander zu reden einen Buchstaben zu legen, z.B. ein großes B oder ein O oder ein C.
Für Ältere: Die Kinder sollen mit geschlossenen Augen ein Quadrat, ein gleichseitiges Dreieck oder einen Kreis legen. Als nächste Schwierigkeitsstufe können die Kinder versuchen, das Gleiche mit geschlossenen Augen zu legen, ohne dabei miteinander zu sprechen.

Erinnerungs-Quipu


Zum Abschluss setzen sich alle noch einmal um den Quipu. Jede und jeder darf sich eine schöne Kordel aussuchen und als Erinnerung mit nach Hause mitnehmen. Die Kordel kann als eine Art Erinnerungs-Freundschaftsband um das Handgelenk gebunden werden. Wenn Kinder wollen, können sie auch einen konkreten Wunsch und einen konkreten Lösungsvorschlag "mit nach Hause" nehmen. In der nächsten Woche könnt ihr euch dann über den Wunsch und eure Lösungsversuche austauschen.

Autor/in: Veronika Schweiger

Publikation: kumquat "Folgen" 2/2006

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Schlagwörter: Welt, Ungerechtigkeit, Umwelt, Essen