• Jungschar vor Ort
  • Corona
  • Über uns
  • Angebote
  • Modelle
  • Gruppe
  • Pfarre
  • Gott & die Welt
  • Wildegg

"Wir wollen einander nicht wehtun!"

Gruppenstunde | Alter: 8-10 | Aufwand: hoch

Ziel

Wo Menschen zusammen kommen, ist es normal, dass es manchmal zu Konflikten kommt — so auch in der JS-Gruppe. Das ist in Ordnung, wenn es konstruktiv abläuft und die Kinder einander dabei nicht wehtun. Als Gruppenleiter/in ist es nötig, bei Konflikten einzugreifen, die die Kinder nicht alleine lösen können und bei denen jemandem wehgetan wird. Mit "wehtun" ist nicht nur körperlicher, sondern auch seelischer Schmerz durch Beschimpfen, Beleidigen o.Ä. gemeint.
In dieser Stunde soll die Gruppenregel eingeführt werden, dass "wir einander nicht wehtun wollen". Wahrscheinlich werden jüngere Kinder unter der Regel eher nur den körperlichen Aspekt verstehen, daher ist es deine Aufgabe zu erklären, was noch damit gemeint ist.
Eine Gruppenstunde wird sicherlich nicht ausreichen, um das Verhalten der Kinder grundlegend zu verändern. Die Gruppenregel ist aber eine gemeinsame Basis, an die du die Kinder immer wieder erinnern kannst.

Material

  • Stofftiere (Fuchs und Henne kannst du im JS-Büro ausborgen)
  • Stoffpuppen, Kochlöffelpuppen o.Ä.
  • ausgeschnittene Figurenpaare mit aufgeklebtem Situationskärtchen (siehe Abbildungen)
  • Pflaster (entweder echte oder aus farbigem Papier)
  • Packpapier und Stifte
  • puzzleartig zerschnittener Satz "ohne einander weh zu tun"

Aufbau

Nach einem Einstiegsspiel geht es um Situationen, in denen Kinder einander wehtun. Dabei stellt sich die Frage, welche Alternativen es gibt, einen Streit zu lösen, ohne einander weh zu tun. Am Ende schlägst du die Gruppenregel "Wir wollen einander nicht wehtun!" vor, die die Kinder zuvor als Puzzle zusammengesetzt haben.

 

Wie Fuchs und Henne
Als Einstieg wird das Spiel "Fuchs und Henne" gespielt: Dafür brauchst du die besagten Stofftiere oder andere, die zur Handlung passen. Ihr stellt euch im Kreis auf. Zuerst tritt die Henne auf (z.B. Herta). Sie fliegt durch die Gegend, indem ihr euch das Stofftier gegenseitig zuwerft. Wer die Henne gerade wirft, gackert dabei.
Da erscheint der Fuchs (z.B. Fridolin). Er hat Hunger und hechelt hinter Herta her: Wer den Fuchs gerade hat, hechelt. Da der Fuchs nicht fliegen kann, muss er laufen, indem ihr ihn im Kreis reihum weitergebt. Wenn Fridolin Herta fängt (d.h. wenn die beiden bei demselben Kind sind), kommt das Huhn mit einem neuen Namen wieder ins Spiel.
Alle Kinder spielen also entweder Fuchs oder Henne, je nachdem, welche Figur sie gerade in der Hand haben. In großen Gruppen kann es auch mehrere Füchse und Hennen geben.

Bevor es fad wird, erklärst du, dass es zwischen Füchsen und Hennen halt eben so zugeht. Das ist für sie ganz normal, schließlich sind sie ja Tiere. Allerdings sind dir jetzt ein paar Fälle zu Ohren gekommen, wo es bei Menschen auch nicht viel besser zugegangen ist.

Ein Fall zum Streiten
Du nimmst nun das erste Figurenpaar und spielst die darauf beschriebene Szene mittels der Handpuppen vor. Dabei kannst du den Verlauf des Konfliktes ruhig drastisch darstellen, es soll allerdings realistisch bleiben. Anschließend sagst du, dass das eine verzwickte Situation ist und streiten ja auch nicht immer schlecht ist. Allerdings findest du, dass es nicht gut ist, auf diese Art zu streiten. Man sollte so streiten, dass man einander dabei nicht wehtut.

Du fragst die Kinder, ob ihnen einfällt, wie die Kinder ihren Streit lösen könnten, möglichst ohne einander dabei wehzutun. Wenn ein Kind einen Vorschlag hat, kann es die Idee einfach erzählen oder die Situation mit den Handpuppen nachspielen. Anschließend überlegt ihr, ob die beteiligten Kinder einander dabei wehgetan haben oder nicht.

"Schmerzlose" Vorschläge schreibt ihr auf ein Pflaster und klebt sie über die auf den Figuren beschriebene Situation, sodass der schmerzende Streit vom Pflaster zugedeckt wird. Haben die Kinder mehrere "schmerzlose" Ideen, können auch mehrere Pflaster darüber geklebt werden.
Wenn ihr auf diese Weise die erste Situation ausreichend behandelt habt, wiederholt ihr die Vorgangsweise mit der nächsten Situation. Dies geht weiter, solange es euch Spaß macht.

Eine Gruppenregel
Am Ende holst du ein Plakat, auf dem bereits Folgendes steht "Streiten ist o.k., aber...". Du fasst nun zusammen, dass ihr in dieser Stunde Situationen kennen gelernt habt, in denen man einfach streiten muss, und das ist auch durchwegs o.k. Wie man das tun soll, steht aber leider nicht mehr auf dem Plakat. Du erklärst, dass du einen Vorschlag, wie man miteinander streiten soll, aufgeschrieben hast. Ohne diesen Vorschlag können beim Streiten "die Fetzen fliegen", und deswegen ist er nun im ganzen Jungscharraum verstreut.
Wenn die Kinder alle Teile gefunden haben, werden sie wie ein Puzzle zusammengesetzt: "Streiten ist o.k., aber wir wollen einander dabei nicht wehtun!" Wenn ihr Lust habt, könnt ihr noch die Figuren dazukleben.

Die Situationen

Falls du weitere Situationen hinzufügen willst, achte darauf, dass sie unterschiedlich sind und verschiedene Lösungen zulassen.
Falls du in deiner Gruppe gleichnamige Kinder hast, verändere bitte die Namen in den Situationen!

Robert und Franz streiten, ob denn nun ein Windhund oder ein Hase rascher laufen kann. Robert sagt: "Du hältst dich aber auch immer für den Oberg´scheiten!", Franz meint, dass Robert ein Angeber ist und immer recht haben muss. So beschimpfen sie sich immer weiter.

Susi und Iris gehen in die gleiche Klasse. Einmal beobachtet Susi, wie Iris ein Comicheft aus ihrer Schultasche nimmt. Sie schreit Iris an, dass sie eine gemeine Kuh ist und gefälligst die Finger von ihrer Schultasche lassen soll. Iris antwortet: "Ich hab geglaubt, dass du es mir eh borgst. Ich geb dir auch nie mehr etwas!" Sie gehen beleidigt auseinander.

Jutta und Hubert wollten am Nachmittag gemeinsam etwas unternehmen. Jutta schlägt vor, in den Park spielen zu gehen, Hubert möchte Jutta sein neues Video zeigen. Sie können sich aber nicht einigen, was sie tun sollen: "Du machst nie das, was ich will, immer muss ich tun, was du willst!", "Na weil du immer so fad bist und komische Vorschläge machst!" und so weiter.

Harald und Sonja haben Besuch von ihrer Tante. Sie hat ihnen gemeinsam ein Poster mitgebracht, das beiden sehr gut gefällt. Harald nimmt es gleich und sagt, dass er es über sein Bett hängen will. Darauf meint Sonja, dass sie es aber auch haben will. Als Harald es nicht mehr zurückgibt, zerreißt Sonja das Poster. Daraufhin fangen sie an zu raufen.

Ingrid und Sandra sind Freundinnen und gehen jeden Tag gemeinsam in die Schule. Als Ingrid diesmal bei Sandra anläutet, erfährt sie, dass sie schon weg ist. Als sie in die Schule kommt, sieht sie, wie Sandra gerade mit Doris, die auch in ihre Klasse geht, um die Ecke biegt. Daraufhin sagt sie zu Sandra: "Du bist nicht mehr meine Freundin!" und redet den ganzen Tag kein Wort mehr mit ihr.

Autor/in: Andrea Jakoubi und Marcus Bruck

Publikation: kumquat 3/05

Share |