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zeit! Wahr! Nehmen!

Gruppenstunde | Alter: 11-14 | Aufwand: niedrig

Hintergrund

Zeit ist relativ. Nicht nur verschiedene Menschen gehen verschieden mit Zeit um, es gibt auch unterschiedliche Zugänge zu Zeit in verschiedenen Kulturen. Man sagt, dass in südlicheren Ländern lockerer mit Zeit umgegangen wird und dass in nördlicheren Ländern das Leben zuweilen viel hektischer zugeht. Um diesen Aussagen wissenschaftlich auf den Grund zu gehen, hat der amerikanische Psychologe Robert Levine mit Hilfe von ungewöhnlichen Experimenten das Lebenstempo in 31 verschiedenen Ländern berechnet. Seine Schlussfolgerungen, die in dem Buch "Eine Landkarte der Zeit" festgehalten sind, sind äußerst interessant, und die Experimente, die er durchgeführt hat, laden dazu ein, sie selbst auszuprobieren. Mit der Jungschargruppe kann das sicher sehr spannend und auch lustig sein. (Eine Zusammenfassung der Faktoren verschiedener Geschwindigkeit findest du auf der Jungscharhomepage unter wien.jungschar.at/kumquat.) In der folgenden Gruppenstunde soll es also darum gehen, wie das mit der Zeit bei uns ist, und diese Erfahrungen können dann mit Beispielen aus anderen Kulturen verglichen werden.

Aufbau

Die einzelnen Teile dieser Gruppenstunde sind als Bausteine zu verstehen. Alle Teile werden sich jedoch nicht in einer Gruppenstunde ausgehen, es kann aber sicher auch interessant sein, sich dem Thema in zwei Gruppenstunden zu widmen.

 

Bevor wir beginnen...


Einen netten Rahmen für diese Gruppenstunde rund um das Thema Zeit könntest du entweder erzeugen, indem du alle Uhren aus dem Gruppenraum entfernst und auch alle Kinder, die in den Gruppenraum kommen, als erstes ihre Uhren ablegen. Eine andere Variante ist, dass alle ihre Uhren absichtlich falsch stellen oder alle Uhren (auch die der Kinder) so verstellen, dass sie je eine Uhrzeit auf einem anderen Ort der Erde anzeigen.
Du kannst den Kindern auch erklären, dass das Thema heute Zeit ist und niemand von euch (auch du selbst nicht) auf die Uhr schauen wird, wann die Gruppenstunde aus ist. Ihr könnt also gleich das erste Experiment starten und versuchen zu "spüren", wann es Zeit ist nach Hause zu gehen. Du stellst einen Wecker auf 10 Min. nach der Gruppenstunde, damit die Kinder trotzdem rechtzeitig nach Hause kommen.

Wie lang bin ich bereit zu warten?


Du erzählst den Kindern folgende Situation: Du hast dich mit einem/r Freund/in verabredet, ihr wollt gemeinsam ins Eisgeschäft gehen. Du bist am vereinbarten Treffpunkt und wartest. Dein/e Freund/in kommt aber nicht. Wann schaust du das erste Mal auf die Uhr? Ab wie viel Minuten oder Stunden würdest du sein/ihr Kommen als zu spät bezeichnen? Ab wann ärgerst du dich über ihn/sie?
Ihr tauscht euch gemeinsam über diese Fragen aus und könnt vielleicht schon feststellen, wie unterschiedlich eure Wahrnehmungen hier sind. Ihr könnt euch auch noch über Familientreffen austauschen. Gibt es Leute in der Familie, die immer zu spät oder zu früh kommen? Wird auf die Zu-spät-Kommenden mit dem "Programm" (Torte anschneiden,...) gewartet? Wird das Zu-spät-Kommen als störend empfunden oder wird das gar nicht wahrgenommen?

Daneben kannst du ein Beispiel aus den Untersuchungen von Robert Levine aus Brasilien legen: Brasilianer/innen antworteten auf die Frage, wie lange sie bei der Geburtstagsfeier eines Neffen auf einen Spätankömmling warten würden, dass sie im Schnitt etwa 129 Minuten warten würden. In Europa würde ein Kindergeburtstag wohl nicht viel länger als 2 Stunden dauern, der Spätankömmling würde also erst, nachdem die ersten Kinder bereits abgeholt wurden kommen.
Ähnlich verhält es sich bei einer Verabredung zum Mittagessen: Ein/e Brasilianer/in würde im Schnitt 62 Minuten warten, im Vergleich dazu hätte ein Mensch in den USA im Durchschnitt nicht einmal so viel Zeit für ein Mittagessen zur Verfügung.

Wer ist wie schnell?


Als nächstes könnt ihr verschiedene Experimente zum Thema Tempo durchführen. Robert Levine hat in seinen Untersuchungen 3 Aspekte des "Lebenstempos" in 31 Ländern untersucht und aufgrund dessen eine Liste der Geschwindigkeit dieser 31 Länder aufgestellt. An erster Stelle der Liste steht die Schweiz (also das "schnellste" Land). An letzter Stelle der Liste steht Mexiko (also das "langsamste" Land), Österreich steht an Stelle 8 der Skala. (Die gesamte Liste findest du unter wien.jungschar.at/kumquat.)Im Folgenden findest du die 3 Aspekte, die untersucht wurden und die ihr auch in der Gruppenstunde untersuchen könnt:

1. Die Gehgeschwindigkeit:

Untersucht wurde das Tempo von Fußgänger/innen auf der Straße in verschiedenen Ländern, laut diesem Experiment geht man in Irland am schnellsten und in Rumänien am langsamsten. Das könnt ihr auch ausprobieren, wenn ihr euch auf einer relativ viel begangenen Straße in eurer Nähe einen Abschnitt (ca. 15-20m) aussucht, auf dem ihr (möglichst unauffällig natürlich) messt, wie schnell verschiedene Leute für den selben Weg brauchen. Dazu stellt sich ein Kind auf den Anfangspunkt und eines auf den Endpunkt eures Abschnittes. Ihr müsst euch irgendein Signal ausmachen, das das Kind am Anfangspunkt dem Kind am Endpunkt (das eine Stoppuhr hat) gibt, wenn die Person, die ihr "vermessen" wollt, am Anfangspunkt vorbeigegangen ist. Dann drückt das Kind am Endpunkt auf die Stoppuhr und stoppt wieder ab, wenn die Person am Endpunkt vorbeigegangen ist. Ein Kind sollte dann die gestoppte Zeit notieren und kann evtl. noch Angaben zur Person vermerken.
Wenn ihr die Gehzeit einiger Personen gemessen habt, könnt ihr sie anschließend vergleichen und sehen, ob sie sehr voneinander abweichen. Ihr könnt auf dieselbe Weise auch die Durchschnittsgehgeschwindigkeit eurer Gruppe ermitteln. Dabei geht es dann natürlich nicht darum, wer am schnellsten ist, sondern ihr versucht, wirklich so zu gehen, wie ihr z.B. normalerweise am Weg von der Schule nach Hause geht.

2. Die Schnelligkeit am Arbeitsplatz:

In der Untersuchung wurde die Zeit gemessen, die Postbeamt/innen in unterschiedlichen Ländern brauchen, um eine Standardbriefmarke zu verkaufen. Den Postbeamt/innen wurde ein Zettel in der Landessprache hingelegt, mit der Bitte um eine gängige Briefmarke, z.B. eine 0,55 Euro Briefmarke. Außerdem wurde ein Geldschein hingelegt, z.B. ein 5,- Euro Schein. Dann wurde die Zeit gestoppt, die zwischen Vorlage des Zettels und dem Ende der Transaktion verging. Am schnellsten waren hier die Postbeamt/innen in Deutschland, am langsamsten die in Mexiko.

3. Genauigkeit von öffentlichen Uhren:

Es wurden öffentliche Uhren verglichen und untersucht, in welchen Ländern die Zeiten sehr voneinander abweichen und wo die Uhren sehr genau sind bzw. sehr übereinstimmen. Die genauesten Uhren sind die der Schweiz, die ungenauesten in El Salvador.
In der Gruppenstunde könnt ihr verschiedene Leute nach der Zeit fragen und so feststellen, wie genau die Menschen ihre Uhren stellen.
Weitere Ideen für solche "Zeituntersuchungen", die die Kinder teilweise auch selber in nächster Zeit beobachten können: Wie schnell beschweren sich Leute an einer Supermarktkassa, wenn man einmal länger braucht? Wie lang dauert es in unserem Stiegenhaus, bis eine kaputte Glühbirne ausgetauscht wird? Wie oft läutet es, bis verschiedene Leute am Telefon abheben?

Wann sehen wir uns wieder?


In vielen Ländern wird das Leben nicht von der Uhrzeit und dem Kalender bestimmt, sondern von Tagesabläufen oder den Jahreszeiten. Robert Levine führt als Beispiel Burundi an: Verabredungen werden in ländlichen Gebieten z.B. oft so getroffen: Will man sich in der Früh treffen sagt man: "Wir sehen uns morgen, wenn die Kühe auf die Weide gehen." Will man sich zu Mittag treffen, sagt man: "Wir sehen uns, wenn die Kühe zum Fluss trinken gehen." Ob das dann eine Stunde früher oder später ist, ist egal, man weiß, dass man sich verabredet hat, und Genaueres auszumachen, ist schwierig bzw. auch unsinnig, weil man nie genau wissen kann, wann die Kühe genau gehen werden.

In Teilen Madagaskars bekommt man auf die Frage, wie lange etwas dauert, Antworten wie: "Die Zeit die man zum Reiskochen braucht." (etwa eine halbe Stunde) oder "Solange es dauert, eine Heuschrecke zu braten." (einen kurzen Augenblick).

Auch in Europa gab es früher solche Zeitangaben: In Kochbüchern wurde z.B. für die Kochdauer einer Speise die Zahl der Vater Unser, die man beten soll, angegeben, nach der man die Speise wieder aus dem Backrohr holen soll.

In der Gruppenstunde könnt ihr euch, nachdem du den Kids diese Beispiele erzählt hast, überlegen, welche ähnlichen, lustigen Zeitangaben ihr in eurem Alltag verwenden könntet. Die Kids können ja ausprobieren, sich in der nächsten Woche einen Termin mit so einer alternativen Angabe auszumachen, und in der nächsten Gruppenstunde erzählen, wie gut das geklappt hat.

Folgendes Spiel könnt ihr an dieser Stelle ausprobieren: Die Kids gehen in Zweiergruppen zusammen und stellen einen "Kriminalfall" nach. Z.B. wurde in ein Haus eingebrochen und ein Kid spielt den/die Polizist/in, der/die das andere Kid, eine/n Zeug/in, darüber befragt, was er/sie gesehen hat. Das Ganze soll aber ohne jegliche "normale" Zeitangaben probiert werden. Also etwa: "Ich habe Licht in dem Haus gesehen, als ich mit dem Hund Gassi gegangen bin, das war zu der Zeit, als ich gerade nach dem Abendessen bereits 5 Gassen nach meinem Häuserblock war..."

Bis zum nächsten Mal...


Als Abschluss könnt ihr zunächst einmal schauen, wie spät es ist und ob die Gruppenstunde schon aus ist oder ob ihr schon drüber seid...

Buchtipp
Robert Levine: Eine Landkarte der Zeit, Wie Kulturen mit Zeit umgehen.
Das äußerst interessante und gut zu lesende Buch zu dieser Gruppenstunde kannst du dir auch im Jungscharbüro ausborgen.

Autor/in: Christine Anhammer und Angie Weikmann

Publikation: kumquat 3/04

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Schlagwörter: Sinne, Experimente, Welt