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Die Landlosen kommen - eine Aktion mit Lucky Luke für das Lager

Lager | Alter: 8-15 | Aufwand: hoch

Hintergrund

In vielen Ländern der "Dritten Welt" ist Land ungerecht aufgeteilt, wenige reiche Landbesitzer/innen verfügen über den größten Teil des Landes und viele Arme habe kaum oder gar kein Land. In Brasilien ist die Situation besonders arg, dort gehören 46% des Landes 1% der Landbesitzer/innen. Die Menschen wollen und können diese ungerechte Situation nicht einfach so hinnehmen. Die Bewegung der Landlosen organisiert deshalb Landbesetzungen — Landlose fahren auf ein brachliegendes Stück Land und besetzen es, bauen dort ihre Hütten auf und bestellen das Land. Die brasilianische Verfassung erlaubt das. Die Landbesitzer/innen sind darüber aber nur selten erfreut und versuchen die Landbesetzer/innen zu vertreiben, sodass es immer wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen kommt. Die katholische Kirche unterstützt mit ihrer Kommission für Landpastoral (CPT — commisão pastoral de la terra) die Landlosen und ihren Kampf für ein Leben in Gerechtigkeit.
Die Aktion ist für einen Tag oder Halbtag am Lager gedacht. Inhaltliche Hintergrundinfos bieten wir auf unsere Homepage an. Unter wien.jungschar.at findet du nähere Infos zur Situation der Landlosen und darüber, wie es auf einer Landbesetzung aussieht. Es ist sehr wichtig, dass du dich vorher gut über die Hintergründe informierst, um den Kindern die Zusammenhänge erklären zu können.
Etwas Ähnliches, wie sich in Brasilien heute abspielt, wird im Band 34 der Saga des glorreichen Helden Lucky Luke erzählt. Die Handlung in wenigen Worten:
"Lucky Luke hilft dem Farmer George Kraut im Kampf gegen den Viehbaron Cass Casey, für den die Prärie ausschließlich Weideland ist, auf dem er keinen Farmer dulden will. Als Kraut sein Land mit Stacheldraht schützt, eskaliert die Situation, die nur durch Lucky Lukes beherztes Eingreifen zur allseitigen Zufriedenheit gelöst werden kann." (http://www.lucky-luke.de/)

Material

  • Lucky Luke-Heft Band 34 "Stacheldraht auf der Prärie"
  • Dicke Äste zum Bau einer Landbesetzer/innen-Hütte
  • Schwarze Müllsäcke
  • Kopien der Fragen
  • Fotos von einer Landbesetzung (siehe unten, mehr Fotos gibt es noch auf der Homepage wien.jungschar.at)

 

Die Aktion für das Lager


Die Kinder sollen die Situation der Landlosen in Brasilien kennen lernen. Um sich besser in deren Lage einfühlen zu können, errichten die Kinder eine Landbesetzung (auf brasilianisch ein "assentamento"). Um sich gut vorstellen zu können, was das Problem ist, und wie die Konflikte zwischen Viehbesitzer/innen und Landlosen verlaufen, wird Band 34 der Lucky Luke-Serie gelesen.

1. Teil: Stacheldraht auf der Prärie


Ihr begebt euch, so das möglich ist, für den ersten Teil dieser Aktion an eine Stelle außerhalb des Lagerquartiers, wo man sich die Handlung im Lucky Luke-Büchl gut vorstellen könnte. Das könnte ein Platz mit Blick auf eine Kuh-Weide sein. Dort lest ihr zunächst den Lucky Luke-Band. Du müsstest dir diesen bei Freund/innen ausborgen oder auch kaufen.

2. Teil: Brasilien und der Wilde Westen


Nun werden Parallelen gesucht zwischen dem Konflikt zwischen Bauern/Bäuerinnen und Rinderzüchter/innen im Lucky Luke und der Situation der Landlosen und Großgrundbesitzer/innen in Brasilien. Dazu gibt es 12 Sätze, die du auf den Boden legst und anhand derer du die Situation in Brasilien erläuterst. Außerdem hast du einen Satz mit Fotos mit, auf denen man eine Landbesetzung in Brasilien sieht (Du findest sie zum Download auf der Homepage oder kannst sie dir im Jungschar-Büro ausborgen).
Diese Sätze werden dann den Stellen im Lucky Luke zugeordnet, wo es Parallelen gibt. Ihr könnt sie entweder einkleben oder ins Buch einlegen. Oder aber du hast vorher das Büchl kopiert und ihr könnt ohne Rücksicht auf eventuelle Beschädigungen die Sätze dazukleben.

Die Sätze:


Die Landlosen kommen mit all ihrem Hab und Gut auf einem LKW mitten in der Nacht und besetzen ein ungenutztes Stück Land.
In der Nacht werden die ersten Baracken aufgebaut und das Land bearbeitet.
In der Verfassung steht es schwarz auf weiß, dass ungenütztes Land nicht brach liegen darf. Dieses Land sollen Landlose bekommen!
Viele Großgrundbesitzer/innen wollen dieses Gesetz nicht anerkennen: Sie wollen das Land, das brachliegt und ungenutzt ist, nicht hergeben.
Großgrundbesitzer/innen bedrohen die Landlosen.
Die CPT, die Landpastoral der Kirche, (und auch die Sternsinger) stellen sich hinter die Landlosen!
Die Großgrundbesitzer/innen heuern manchmal sogar Pistoleros an und es kommt zu brenzligen Situationen und zu Gewalt.
Beamte lassen sich von den Reichen bestechen.
Landlosensiedlungen werden plötzlich über Nacht zerstört.
Obwohl die Landlosen auf der Landbesetzung kaum Hab und Gut haben, haben sie sehr viel Lebenswillen und feiern gemeinsam Feste und Gottesdienste.
Die CPT, die Landpastoral unterstützt die Landlosen aber nur gewaltfrei!
Es gibt genügend Land und Nahrung für alle, wenn alle teilen!

3. Wir besetzen unser Land!


Jetzt kommt der zeitaufwändigste Teil dieser Aktion, der einen gewissen Abenteuercharakter hat. Ihr baut nun wie die Menschen in Brasilien ein assentamento, also die Häuser, in denen man bei einer Landbesetzung wohnt.
Zunächst müsst ihr euch einen guten Platz dafür suchen. Wir raten euch in diesem Fall nicht dazu, dies auf einer Kuhweide und gegen das Einverständnis der Besitzer/innen zu tun! Die Kinder müssen die Konflikte mit Landbesitzer/innen nicht erleben, um sie sich vorstellen zu können. Außerdem sind die meisten Bauern und Bäuerinnen in Österreich keine Großgrundbesitzer/innen.
Ihr sucht euch im Wald das notwendige Bauholz (auch hier empfiehlt es sich, vorher das Einverständnis der Waldbesitzer/innen einzuholen) und kauft (vorher natürlich) schwarze Müllsäcke, größte Größe. Die Hölzer bilden die Struktur. Mit Hilfe von Schnüren, Drähten oder auch Nägeln fixiert ihr alles ordentlich, sodass es nicht beim ersten Windstoß auseinander fällt. Mit den Planen macht ihr das Dach und die Wände. Die Wände könnt ihr eventl. Mit Gras oder Schilf bedecken, dann wird das Haus temperaturmäßig etwas gedämmt.
Weiters ist es möglich, vor diesem Haus einen Herd zu bauen — nicht drinnen, weil sonst schmilzt die Müll-Sack-Plane. Die Bauanleitung für einen mit Holz zu beheizenden Herd findest du auf dieser Skizze. Ihr könnt auch einfach einen Camping-Gasherd verwenden.
Vielleicht ist es auch möglich, dass ihr in eurer "Landbesetzung" übernachtet. Dann zeigen sich die Vor- und Nachteile einer solchen Behausung am besten.

4. Eintauchen in das Leben der Landlosen


Wenn alles fertig gebaut ist, setzt ihr euch im Haus zusammen und überlegt, wie hier das Leben wäre. Dazu gibt es ein paar Impulsfragen, die helfen können, mit den Kindern ins Gespräch zu kommen:

  • Wo wohnen die Kinder, wo der Hund? (Am Land haben fast alle Familien einen Hund. Auch in Brasilien. Dort ist es ein Wachhund.)
  • Wie heiß wird es an einem heißen Tag, wie kalt in einer kalten Nacht?
  • Welche Speisen kann man mit dieser Einrichtung noch nicht kochen? Wie könnte man frische Speisen kühl halten?
  • Wer schaut auf die kleineren Kinder, wenn die Eltern am Feld arbeiten?
  • Wie könnte man in so einem Haus Weihnachten feiern?
  • Wie könnte man Musik machen, wenn man ein Fest feiert?



Vielleicht stellt sich heraus, dass einige dieser Probleme nicht lösbar sind, wenn man nicht zusammenarbeitet. Die Landlosen in Brasilien besetzen das Land immer in größeren Gruppen, sodass man zusammenhelfen kann — beim Hausbau, der Kindererziehung wie auch bei Problemen.

5. Die Begegnung mit den Landbesitzern


Ein weiteres Modul, um das bisherige zu vertiefen, ist ein Rollenspiel, bei dem die Landlosen von einer Delegation der Landbesitzer/innen besucht werden. Die Landbesitzer/innen sind sich untereinander uneinig, ob sie die Landlosen vertreiben wollen und probieren es zunächst mit Verhandlungen. Ein/e Gruppenleiter/in nimmt die Rolle der CPT ein, also jener Kommission der Kirche, die sich für die Landlosen einsetzen. Die CPT hat zu den Gesprächen eingeladen und moderiert die Begegnung. Sie kann einschreiten, wenn es zu wild wird, und notfalls die Verhandlungen abbrechen und alle nach Hause schicken.
In der Delegation der Landbesitzer/innen befinden sich welche, die die Landlosen vertreiben wollen, und andere, die ihnen ihr Land verkaufen würden, weil sie es eh nicht verwenden. Ja nach Alter der Kinder wird die Rollenbeschreibung einfach und kurz oder etwas komplexer formuliert. Die Hintergrundtexte auf der Homepage helfen dir beim Verfassen der Rollenbeschreibungen.
Das wichtigste bei einem solchen Rollenspiel ist die Nachbesprechung. Dabei können folgende Fragen helfen:

  • Was hat die Person, die du gespielt hast, gemacht? Wie ist sie von den anderen behandelt worden?
  • Wann hat sie sich mächtig, wann ohnmächtig gefühlt?
  • Was hat sie sich im Geheimen gewünscht?
  • Was entspricht der Realität in Brasilien, was ist unrealistisch gewesen?

Autor/in: Gerald Faschingeder und Christoph Watz

Publikation: Kumquat_2/04

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Schlagwörter: Lager, Welt, Ungerechtigkeit