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Wie ist das mit dem Lügen?

Gruppenstunde Spiele | Alter: 10-12 | Aufwand: mittel

Hintergrund

Lügen und auch sogenannte Notlügen sind immer eine Abweichung von der Wahrheit und damit denkbar ungeeignet für eine gelungene Verständigung zwischen Menschen. In unserem Leben stehen wir allerdings immer wieder vor der Entscheidung, ob wir nun die Wahrheit sagen sollen oder nicht. Diese Gruppenstunde beschäftigt sich mit solchen Entscheidungsprozessen. Dabei geht es allerdings nicht darum, eine allgemeingültige Antwort auf die Frage nach dem Lügen zu finden, sondern sich mit Hilfe von konkreten Situationen über die Grundlagen solcher Entscheidungen auszutauschen und mögliche Alternativlösungen zu suchen.

Ziel

In dieser Gruppenstunde sollen sich die Kinder über Situationen austauschen, in denen andere Personen gelogen haben, und mögliche Alternativen überlegen.

Material

  • Türschild "Familie Lügenstein"
  • Verkleidungsmaterial
  • Kärtchen mit Fallbeispielen
  • für jedes Kind Klebepunkte in drei verschiedenen Farben (wenn möglich gelb, orange und rot)
  • Plakat mit Schlitzen
  • Büroklammern, ev. Haftnotizzettel
  • Redewendungen auf Zetterl

Aufbau

Ein kurzes Rollenspiel führt in das Thema ein.
Danach haben die Kinder die Aufgabe, für sich zu überlegen, ob sie die Entscheidungen von Personen in verschiedenen Fallbeispielen für richtig befinden oder nicht.
Anschließend werden die Ergebnisse zusammengetragen und für die Situationen, in denen die Personen Eurer Meinung nach anders reagieren sollten, gemeinsam Alternativen gesucht.
Zum Ausklang werden verschiedene Sprichwörter zum Thema "Lügen" pantomimisch dargestellt.

 

Familie Lügenstein



An der Tür zum Gruppenraum hängt das Schild: Familie Lügenstein

Im Gruppenraum läuft ein/e Gruppenleiter/in schon ganz nervös auf und ab. Er/sie spielt mit Sakko, Krawatte und Brille verkleidet Herrn Walter Lügenstein, den Vater von Mizzi Lügenstein. Der/die zweite Gruppenleiter/in sitzt als Kasperl verkleidet irgendwo am Rand des Raumes und rührt sich vorerst nicht.

Der Vater erzählt den nach und nach eintreffenden Kindern, daß er schon so lange darauf wartet, daß Mizzi aus der Schule kommt und daß er vor lauter Nervosität gar nicht mehr weiß, was er machen soll.
Wenn alle Kinder da sind, beschließt er, bei Susi, Mizzis bester Freundin, anzurufen und sie nach Mizzi zu fragen. Der/die Gruppenleiter/in führt das Telefonat so, daß deutlich wird, daß seine fiktive Gesprächspartnerin, Susi, nicht so recht weiß, wo Mizzi sein könnte.

Kurz darauf kommt Mizzi in den Gruppenraum. Sie hat - wenn möglich - eine Schultasche am Rücken und wird von einem/r weiteren Gruppenleiter/in oder einem vorher eingeweihten Kind gespielt. Auf die Frage, wo sie denn gewesen sei, antwortet sie prompt: "Na bei Susi. Wo sonst?!"
Damit tritt nun der Kasperl in Aktion: Er beginnt langsam, aber unübersehbar zu wackeln.

Der Vater erklärt Mizzi, daß er bei Susi angerufen hat - Mizzi war aber nicht dort. Als Mizzi das bestreitet, zeigt Herr Lügenstein auf den Kasperl und sagt: "Schau! Ich habe heute ein Lügenmanderl gekauft - wenn man lügt, beginnt es zu wackeln. Du weißt doch, daß man nicht lügt!"

Der Kasperl wackelt ein wenig und verzieht das Gesicht. Dann redet der Vater weiter: "Als ich so alt war, wie Du, da habe ich nie gelogen!" Daraufhin wackelt der Lügenkasperl schneller und schneller und fällt schließlich sehr theatralisch um.
Mizzi verzieht sich daraufhin kichernd in ihr Zimmer und der Vater richtet verlegen das Manderl wieder auf.


Meine Meinung



Nach dem Ende der Geschichte schlüpfst Du wieder aus Deiner Rolle und erklärst den Kindern, daß Ihr Euch nun verschiedene Beispiele anschauen werdet, in denen es mit der Wahrheit nicht immer so genau genommen wird. Ihr braucht dafür natürlich kein Lügenmanderl, sondern bildet Euch Eure eigene Meinung!


Die Fallbeispiele:


(Ändere bitte den Namen einer Person, wenn ein Kind in Deiner Gruppe denselben Namen hat.)

In Juttas Klasse ist jeder unten durch, der nicht den letzten James-Bond-Film gesehen hat. Jutta interessiert sich nicht dafür und sieht sich die Filme auch nicht an. Sie hört aber aufmerksam zu, wenn andere darüber sprechen. Nach einiger Zeit kann sie schon mitreden, als hätte sie den Film wirklich gesehen - und das tut sie dann auch.

Heinz hat schon seit vier Tagen Verstopfung. Vor dem Schlafengehen sagt ihm seine Mutter, daß sie morgen mit ihm die Ärztin besuchen wird. Heinz fürchtet sich aber vor Arztbesuchen, und so verkündet er beim Frühstück lauthals, daß nun alles wieder in Ordnung sei, da er eben mit großem Erfolg am Klo gewesen ist. Das stimmt aber leider nicht!

Manuela sitzt in ihrem Zimmer und liest ein spannendes Buch. Sie möchte es heute Nachmittag auch noch zu Ende lesen. Da läutet das Telephon - Regina fragt, ob sie für zwei Stunden zu ihr kommen kann, um ein wenig zu plaudern. Manuela antwortet: "Ja gerne! Nur - heute geht es leider nicht, weil ich in zehn Minuten weggehe. Ich muß meine Tante besuchen!"

Walter steigt in der Pause auf Sabines Füllfeder. Ihm fällt das aber gar nicht auf. Auch niemand anderer hat den Vorfall bemerkt. In der nächsten Unterrichtsstunde entdeckt Sabine, daß ihre Füllfeder kaputt ist, und zeigt sie dem Lehrer. Auf dessen Frage, wer denn für diese Beschädigung verantwortlich sei, meldet sich keiner. Auch nicht Veronika, obwohl sie eben den großen, blauen Tintenfleck auf Walters weißem Turnschuh gesehen hat.

Kathi ist verliebt - in Norbert, den Bruder von Nora, ihrer besten Freundin. Kathi ruft bei Nora an und fragt, ob Norbert zu sprechen ist. Nora antwortet, daß Norbert nicht daheim ist und daß sie auch nicht weiß, wohin er gegangen ist. Nora weiß aber, daß Norbert mit Elisabeth im Kino ist.

Paul hat schlechte Laune und will Ruhe haben. Er setzt sich in den hintersten Winkel des Klassenzimmers auf den Boden mitten auf einen Handschuh, der dort liegt. Anita kommt kurz darauf vorbei und fragt ihn, ob er zufällig ihren linken Handschuh gesehen hat. Paul antwortet kurz angebunden: "Nein!"

Sophie setzt sich zum Mittagessen nieder. Auf die Frage ihrer Mutter, ob sie sich die Hände gewaschen hat, antwortet sie: "Ja, freilich!" Das stimmt aber nicht.

Florian ist allein zu Hause und sieht fern. Seine Mutter ruft vom Büro aus an, um zu fragen, ob alles in Ordnung ist und was er denn jetzt eben macht. Florian antwortet: "Die Englisch-Hausübung!"


Die Kärtchen mit den Fallbeispielen sind gut im Raum verteilt. Die Kinder erhalten rote, orangene und gelbe Klebepunkte in der Anzahl der Beispiele. Sie haben nun die Aufgabe, die beschriebenen Situationen durchzulesen und anschließend - je nach Bewertung - ihre Punkte dazuzukleben: einen gelben, wenn sie Verständnis dafür haben, daß in der Situation gelogen wurde, einen roten, wenn sie daran nichts Gutes finden und einen orangenen, wenn die Bewertung irgendwo dazwischen liegt und es sowohl Argumente dafür als auch dagegen gibt.


Was meinen die anderen?



Haben alle Kinder die Beispiele mit ihren Punkten versehen, dann werden die Kärtchen eingesammelt und nacheinander mit Hilfe von Büroklammern an den Schlitzen eines Plakates befestigt, das Du vorbereitet hast. Je nachdem, ob die Situationen gelb, orange oder rot bewertet wurden, wird das Kärtchen weiter links oder weiter rechts gehängt.

Die endgültige Plazierung jedes Kärtchens wird dann nach dem Austausch der Meinungen und Überlegungen der Kinder festgelegt. Dabei kannst Du Dich natürlich auch mit Deiner eigenen Meinung und Fragen zu den Situationen einbringen.

Wahrscheinlich sind Euch schon während des Diskutierens verschiedene Alternativlösungen für die Fallbeispiele eingefallen. Diese könnt Ihr dann auf das Kärtchen dazuschreiben oder mit einem Haftnotizzettel dazukleben.


Einen Bären aufbinden...



Für den Ausklang der Stunde hast Du auf zusammengerollten Papierstückchen gebräuchliche Redewendungen notiert, die alle den Begriff "lügen" umschreiben, wie zum Beispiel:

  • sich die Wahrheit zurechtbiegen
  • jemandem einen Bären aufbinden
  • jemanden an der Nase herumführen
  • die halbe Wahrheit sagen
  • jemandem ein X für ein U vormachen
  • das Blaue vom Himmel daherreden
  • mit gespaltener Zunge sprechen



Die Kinder teilen sich nun in zwei Gruppen. Jede zieht ein Papierröllchen und versucht gemeinsam, die darauf zu lesende Redewendung pantomimisch so darzustellen, daß die andere Spielgruppe errät, was gemeint ist. Vielleicht fallen den Kindern dann auch noch andere Redewendungen oder Sprichwörter ein, die sie füreinander darstellen können.

Autor/in: Nina Skoczdopole und Robert Kling

Publikation: Moment mal

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Schlagwörter: Konflikte, Ich und die anderen, Werte