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Gestern, heute, morgen

Gruppenstunde | Alter: 13-15 | Aufwand: hoch

Ziel

Die Gruppenstunde soll Deiner Gruppe die Möglichlichkeit bieten, einmal innezuhalten und sich die je eigene Lebenssituation zu vergegenwärtigen, insofern ihr bemerkt, daß es auch (nicht nur!) eine Frage der Perspektive ist, wie ihr die Gegenwart erlebt; daß die Vergangenheit möglicherweise den einen oder anderen Schatz bereithält, und daß ein vertrauensvoller Blick in die Zukunft (den man nicht erzwingen kann!) diese leichter gestaltbar machen kann.

Material

  • für fedes Gruppenmitglied 1 großer weißer Zeichenkarton oder 1 Bogen buntes Naturpapier
  • Ölkreiden, Zeichenkohle, Wasserfarben, Bleistifte, Filzstifte, Scheren, Klebstoffe, Tixo
  • kleine bunte Zetterl
  • Reisetickets
  • Zeitmaschine
  • für jedes Gruppenmitglied eine "Schatzkiste": Kleine Papierschachteln (entweder selbst gefaltet nach der Origamimethode oder du verwendest alte Medikamentenschachteln, die du hübsch beklebst)
  • für jedes Gruppenmitglied ausreichend ausgeschnittene kleine Flügel
  • für jedes Gruppenmitglied ein Wiesenboden
  • Musik, die euch allen gefällt, aber keine Hit-Musik
  • ev. die ein oder andere passende Bibelstelle für alle kopiert und als Röllchen zum Mitgeebn verpackt als Angebot (Lk 12, 22 oder Koh 3, 1-15)

Aufbau

Als Einstieg machen die Gruppenmitglieder Zeitreisen: Sie begeben sich zu Zeitpunkten, die für sie interessant sind.
Im Haupteil befaßt ihr euch mit eurer momentanen Lebensituation, sucht nach Erfahrungsschätzen in eurer Vergangenheit und nach dem, was euch Halt gibt. Davon ausgehend überlegt ihr Zukunftshoffnungen für euch selber.
Über eure Überlegungen tauscht ihr euch dann aus.
Den Abschluß bildet die Manifestation, daß sich die Menschen über dieses Thema immer schon Gedanken gemacht haben.

 

Hintergrund



Man kann die Zeit als objektives, physikalisches oder biologisches Phänomen betrachten, also als etwas das außer mir abläuft, "verrinnt", als "Abfolge eines Geschehens, das wir als Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, am Entstehen und Vergehen der Dinge erfahren". Diese objektive, distanzierte Perspektive wird in der Gruppenstunde "Zeit ist nicht gleich Zeit" (KiK 89) spielerisch betrachtet. Man kann aber auch die subjektive Dimension des Zeitgeschehens betrachten: Was bedeutet Zeit für mich?

Denn was wir konkret erfahren, ist nicht die Abfolge, sondern immer und jeweils nur die Gegenwart, das Jetzt, eine bestimmte Situation, die uns in gewisser Weise begegnet und auf die wir irgendwie reagieren müssen. Freilich sind in diesem "Jetzt" selbstverständlich und immer auch die Vergangenheit und die Zukunft "aufgehoben". Das bedeutet: Wir erfahren die Vergangenheit und die Zukunft freilich nicht als solche in der Gegenwart, sie sind also an sich nicht da, aber sie sind da, insofern beide im Jetzt aufbewahrt sind und darauf angewiesen sind, von uns konkret und weiterentwickelt zu werden.

Konkret greifen wir also für diese Gruppenstunde folgenden Aspekt der Zeit heraus:
Was bedeutet Zeit für mich?

Noch konkreter:

  • Wie vergegenwärtige ich mir die Vergangenheit, so daß sie jetzt sein kann (d.h. wie erinnere ich mich an die Vergangenheit)- gibt sie mir Kraft und Boden, oder behindert sie mich?
  • Wie blicke ich in die Zukunft- beflügelt oder hemmt sie mich?
  • Wie erlebe ich Zeit- d.h. wie erlebe ich die Gegenwart, in der das Gestern und das Heute aufgehoben sind.




Vorüberlegungen für dich



Da wir alle wissen, daß die Vergangenheit sehr belastend sein kann bzw. die Zunkunft wahrlich nicht immer rosig ist, verlangt eine solche Gruppenstunde viel Einfühlungsvermögen von deiner Seite, denn wer den sogenannten "positiven Blick" nicht hat, dem sollte man ihn auch nicht einzureden versuchen. Dennoch ist es einen Versuch wert, sich gegenseitig einmal mit den schönen Aspekten der Zeit zu bereichern, dennn dies kann sehr nährend sein - also versuch's ruhig, dich der Zeit mal von dieser Seite zu nähern.

Dieses Modell braucht Zeit, Geduld miteinander, niemand wird zu etwas gezwungen und du mußt bereit sein, daß eine oder andere intensive, persönliche Gespräch zu führen. Wenn du dir das zutraust, kann dieses Modell, das man z.B. auch und gerade auf einem Jungscharlager ausprobieren kann, unglaublich berührend sein: Ihr könnt einander näher kommen, einander Kraft geben, einander stärken und bekräftigen. Ihr könnt durch eine andere Perspektive vielleicht Unentdecktes im eigenen Leben sehen: Ihr könnt - und das ist mittlerweile hoffentlich deutlich geworden- eine religiöse Erfahrung machen, ohne das predigen, suggerieren oder eigens thematisieren zu müssen (insofern "religiös" hier meint, nach dem "Sinn des Lebens" fragen). Das mag unspektakulär scheinen - soll es auch- aber wann immer wir auf unser Leben schazen, ist das in sich religiös.

Dieses Modell eignet sich freilich nur für Ältere, denn diese Perspektive auf die Zeit setzt Erfahrung mit ihr voraus und die Fähigkeit, die eigene Erfahrung zu abstrahieren und zu reflektieren. Und es setzt eine Gruppe voraus, die mit solchen Gesprächen bereits einigen Umgang hat.

Außerdem dauert es länger als andere Modelle, zwei Stunden Zeit sind vermutlich notwendig.


Zeitreisen



Zu Beginn der Stunde bekommen alle Gruppenmitglieder drei Tickets für eine Reise in die Zeit: mögliche Zielorte sind die Gegenwart, die Zukunft und die Vergangenheit: Mögliche Zielorte reichen von einer Ewigkeit vor Christi Geburt bis in die Ewigkeit nach Christi Geburt. Die Gruppenmitglieder können sich Zeitpunkte aus der Geschichte aussuchen, aber auch Zeitpunkte aus dem eigen Leben oder dem eines anderen Menschen, oder Zeitpunkte der Evolution ...

Ticket:
Wohin/an welchen Zeitpunkt möchten Sie reisen?

Warum möchten Sie dorthin reisen?

Dann trefft ihr euch am Flughafen, wo die Zeitmaschine auf euch wartet. Du hast eine "Zeitmaschine" konstruiert (mit Sesseln, Tüchern, Tischen, ...)
und mittels eines breiten Klebebandes, das du auf den Boden geklebt hast, einen Zeitstreifen markiert. Dieser ist mit Schildern gekennzeichnet, die die jeweilige Jahrhunderts- bzw. Jahrtausends- bzw Jahrmillionszahl anzeigt (schau halt, daß Relationen annähernd stimmen ...):
Dann stellt ihr einander eure Reiseziele vor, indem ihr eure Tickets zu jenem Platz des Zeitstreifens hinlegt, wohin ihr reisen möchtet und einander erzählt, warum euch dieser Zeitpunkt und dieses Reiseziel interessiert.

(Beispiele für Reiseziele: Cäsar 44 v. Chr.: War es wirklich Brutus? 1789: Franz. Revolution: Wie hat Marie Antoinette ausgesehen? 40.000 v.Chr.: Wo war der erste homo sapiens anzutreffen und wie war der? An den Ursprung der Welt- war da Gott dabei oder nicht?; In die Zukunft nach dem Ozonloch, zu meiner Todesstunde, zum Zeitpunkt meiner Zeugung, ...)
(Anm.: Diese Methode entstammt dem Spezialkurs 1995 zum Thema "Zeit".)


MeineZeit- "Jetzt"



Du stimmst deine Gruppenmitglieder darauf ein, daß ihr euch jetzt dafür Zeit nehmen wollt, eure eigene Lebenzeit ein wenig näher zu betrachten, ob da das ein oder andere Gut(e) für euch zu entdecken ist. Ihr könntet dazu zu angenehmer Musik einige Entspannungsübungen machen (z.B. auf Decken auf den Rücken legen und Körperglied für Körperglied, die du in logischer Reihenfolge ansagst, bewußt entspannen und auslassen).

Dann nimmt sich jede/r einen großen Zeichenkarton (ev. Verwndet ihr buntes Naturpapier) und sucht sich mit seinem/ihrem Zeichenkarton einen Platz im Raum, an dem er/sie für sich, ungestört und angenehm nachdenken kann (der Raum sollte so gestaltet sein, daß es auch möglich ist ..).

Der erste Anstoß, den du gibst, ist die Frage nach dem "Jetzt": Jede/r soll für sich einmal seine/ihre momentane Lebenssituation vergegenwärtigen.
Konkret: In welchen Bereichen, Gruppen halte ich mich auf, welche Leute sicnd mir dabei wichtig, wer ist mir wie nahe, was tu ich alles zur Zeit und wie intensiv ... . Jede/r kann das aufschreiben, aufzeichnen, aus Papier ausschneiden, ausgeschnittenen Papiermaxis herumschieben, ... bis das Bild stimmig ist. Nachdem jede/r ausreichend Zeit hatte, sich sein/ihr Material zu sammeln, gibt es Zeit, solch eine Momentanaufnahme zu erstellen. (Mit leiser Musik ist das leichter - aber es sollte nicht "Nirvana" o.ä. sein, sondern eine "neutrale", freundliche Instrumentalmusik, die den Leuten unbekannt ist, aber trotzdem angenehm klingt und nicht zu sehr die Stimmung beeinflußt).


Meine Schatzkiste



Sobald diese Phase vorbei ist (du solltest immer wieder unaufdringlich und unkontollierend aber doch herumschauen, wie es den Gruppenmitglieder mit dergestellten Aufgabe geht - aber wirklich nur schauen und nicht gehen ..), kann sich jede/r eine kleine Schatzkiste (beklebte Medikamentenschachterln oder Origamischachterln) auswählen. Du hast viele unterschiedlcihe Schachterln vorbereitet, sodaß sich jede/r ein eigenes, ihm/ihr gefallendes Schachterl aussuchen kann - so wie ja auch jede/r seine eigene, individuelle Vergangenheit hat. Denn in diese Schachterln, "Schatzkisten" könnt ihr jetzt dijenigen Erinnerungen aus unserer Kindheit packen, die euch angenehm sind, die euch wichtig sind, die ihr mitnehmen möchtet, weil ihr glaubt, daß sie euch jetzt und in der Zukunft helfen können.

Jede/r bekommt von dir mehrere kleine Zetterl, auf die er/sie, wenn er/sie will, solche Erinnerungen schreiben oder zeichnen kann, und er/sie dann wie einen Schatz in seine/ihre Schatzkiste legen kann. Selbstverständlich wird diese Schatzkiste verschlossen und niemand außer dem Besitzer darf sie ohne dessen Erlaubnis, wenn überhaupt, öffnen. Wer lieber nichts aus der vergangen Kindheit in die Zukunft mitnehemen möchte, läßt seine Schatzkiste besser leer. Besser ist sie leer, als mit unangenehemen Dingen voll. Für diese Schatzkiste sucht sich dann jede/r auf seinem/ihrem Bild einen würdigen Platz und befestigt sie dort. Vielleicht kommt in die leeren irgendwann, in einer späteren Zeit, mal doch etwas hinein, muß ja nicht aus Kindertagen stammen ...


Der Boden, auf dem isch stehe



Nun bekommt jede/r ein Stück Papierwiese: Jede/r soll seinen/ihren Grund so zubereiten (ausschneiden, bemalen), daß er gut zu seinem /ihrem Bild paßt un dihn auf seinem/ihrem Bild befestigen. Dann überlegt ihr euch, was es denn ist, was euch so im Alltag trägt: "Wer trägt mich? Welche Fähigkeiten, Begabungen geben mir Zuversicht? Was kann ich gut? Wer oder was gibt mir Halt und Boden unter den Füßen?" All das schreibt/zeichnet ihr auf eure Bilder.


Wohin ich fliegen möchte ...



Jedes Gruppenmitglied erhält kleien bunte Papierflügerl: Auf diese schreibt/zeichnet ihr eure Zukunftshoffnungen, eure Träume und Wünsche für die nähere und fernere Zukunft: "Wovon träume ich? Was wünsche, erwarte, erträume ich von meiner Zukunft?" Dann befestigt ihr auch diese Flügel auf einem passenden Platz auf euren Bildern.


Sehen, denken und Briefe schreiben ...



Bevor ihr eure Bilder zeigt, überprüft jede/r selbst, ob es ihm/ihr als ganzes gefällt, ob es stimmig ist, ob er/sie noch etwas verändern, anders gestalten will.
(Anmerkung: Es kann bei einem solchen Bild nichts "falsch" sein!!! Daher sollte man auch nicht zu streng mit sich in der Beurteilung sein!)

Dann stellst du einen Sesselkreis (so viel Sessel wie Gruppenmitglieder) mit den Sitzflächen nach außen auf.

Jede/s Gruppenmitglied befestigt sein Bild auf einer Rückenlehne. Auf die Sitzflächen legst du ein schönes Blatt Papier (Briefpapier, Elefantenpapier) und einen schönen Griffel. Dann erklärst du, was jetzt passieren könnte:


ins Reden kommen ...



Jede/r ist eingeladen, sich die Bilder der anderen einmal anzuschauen - zunächst kommentarlos. Dann kann man jedem Inhaber eines Bildes brieflich/schriftlich etwas zu dessen Bild mitteilen, das einem zu diesem Bild ein- oder auffällt, was man sich dazu denkt , was man dem anderen dazu unbedingt sagen möchte, was man sieht. Man tut dies, indem man ihm/ihr das auf den darunterliegenden, auf den Sitzflächen befindlichen Brief bzw. Zettel eine Botschaft, eine Nachricht schreibt (wenn möglich mit Unterschrift). Wer das nicht möchte, muß freilich sein/ihr Bild nicht ausstellen. Aber du kannst ihn/sie ermutigen, das auszuprobieren, denn Briefe dieser Art sind mitunter sehr spannend.

Diese Pase dauert so lange, bis jede/r alles geschrieben und jede/r jede/m mitgeteilt hat, was zu sagen ist. Dann kann sich jede/r sein Brieflein an sich nehmen, lesen und rüchfragen: Wer hat da was geschieben? Wer hat was womit gemeint? Jede/r kann nötigenfalls selbst erklären, wenn man etwas an seinem /ihren Bild mißverstanden fühlt. Für diese Phase sollte ausreichend Zeit sein, denn da könntet ihr ziehmlich ins Reden kommen ...

Wenn du den Eindruck hast, daß diese Phase zu ihrem Ende gekommen ist, setzt ihr euch noch kurz zusammen und du gibst jede/m eine Papierrolle mit nach Hause, auf der die unten stehenden Bibelstellen zu lesen sind; eine der beiden kann man nach Bedarf und Stimmung miteinander lesen:

Alles, was auf der Erde geschieht, hat seine von Gott bestimmte Zeit:

geboren werden und sterben
einpflanzen und ausreißen,
töten und Leben retten,
niederreißen und aufbauen,
weinen und lachen,
wehklagen und tanzen,
Steine werfen und Steine aufsammeln,
sich umarmen und aus der Umarmung lösen,
finden und verlieren,
aufbewhren und wegwerfen,
zerreißen und zusammennähen,
schweigen und reden. Das Lieben hat seine Zeit
und auch das Hassen,
der Krieg und der Friede.
(Koh 3, 1-15)


Dann sprach Jesus wieder zu seinen Jüngern: "Darum sage ich euch: Macht euch keine Sorgen um Nahrung und Kleidung. Das Leben ist wichtiger als Essen und Trinken, und der Körper ist wichtiger als die Kleidung. Seht auch die Raben an! Sie säen nicht und ernten nicht, sie haben weder Scheunen noch Vorratskammer. Aber Gott sorgt für sie. Und ihr seid ihm doch viel mehr wert als alle Vögel! Wer von euch kann durch Sorgen sein Leben auch nur um einen Tag verlängern? Wenn ihr nicht einmal so eine Kleinigkeit zustandebringt, warum quält ihr euch dann mit Sorgen um andere Dinge?
Seht, auf dem Feld wachsen! Sie arbeiten nicht und machen sich keine Kleider; doch ich sage euch, nicht einmal Salomo mit all seinem Reichtum war so prächtigt gekleidet wie irgendeine von ihnen. Wenn gott sogar die Feldblumen so ausstattet, die heute blühen und morgen verbrannt werden, wird er sich dann nicht erst recht um euch kümmern? Habt doch mehr Vertrauen! Zerbrecht euch nicht den Kopf darüber, was ihr essen und was ihr trinken werdet. Damit plagen sich die Menschen, die Gott nicht kennen. Euer Vater weiß, daß ihr euch seiner Herrschaft unterstellt, dann wird er euch mit all dem anderen bersorgen. Sei ohne Angst, du kleine Herde! Euer Vater will euch seine neue Welt schenken!"
(Lk 12,22)

Autor/in: Regina Ferschl

Publikation: KiK 90

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Schlagwörter: Ich, Ich und die anderen