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Auf dem Weg zum Rollenspiel

Gruppenstunde Spiele | Alter: 8-12 | Aufwand: mittel

Hintergrund

Das Rollenspiel fördert nicht nur bestimmte Fähigkeiten, es erfordert auch schon einige, um überhaupt mit Rollenspielen beginnen zu können, dabei mitzuwirken und sich darauf einzulassen.

Ziel

Im folgenden einige Bespiele für Rollenspiele. Allen diesen Spielen ist gemeinsam die Übung in Ausdruck, Ausdrucksverständnis und Koordination in darstellendem Spiel. Dadurch, daß die darstellerischen Aufgaben stets von allen Spieler/innen zur selben Zeit erfüllt werden sollen, entfällt auch etwas von dem Druck vor den anderen zu spielen (obwohl freilich vor den anderen gespielt wird, bloß tun die das ja auch) und von dem Streß, der aus der Gewißheit erwächst, beobachtet zu werden.

Material

Aufbau

 

Ich und die anderen beim Rollenspiel


Das am stärksten hindernde Moment ist beim Rollenspiel wohl das Mitwirken von anderen - egal ob Mitspieler/innen oder Zuschauer/innen:

  • Alle sehen mir zu (zumindest bin ich davon überzeugt)!
  • Wie gefällt ihnen mein Spiel?
  • Bin ich originell genug?
  • Wie reagieren sie, wenn mir überhaupt nichts dazu einfällt, wie ich meine Rolle gestalten soll?
  • Wissen sie überhaupt, daß ich eine Rolle spiele und selbst gar nicht so wütend/schusselig/dämlich/ängstlich/ ... bin wie der, den ich eben spiele?

    Diese und ähnliche Fragen verlieren an Bedeutung, herrscht in der Gruppe eine Kultur, in der Rollenspiel (oder rollenspielähnliches Spiel) einen fest verankerten Bestandteil des gesamten Spielrepertoires darstellt.

    Um diesen Status zu erreichen, erfordert es Spiele, in deren Verlauf zwar schon immer wieder ganz bestimmte Rollen eingenommen oder Darstellungsaufgaben wahrgenommen werden (das Spielen von Rollen also geübt wird), bei denen das Rollenspiel aber offiziell gar nicht so deutlich im Vordergrund steht bzw. das betreffende Spiel nicht tatsächlich als "Rollenspiel" deklariert wird (was es ja auch im "klassischen" Sinne nicht ist).

    Im folgenden daher einige Bespiele für die Entwicklung bzw. Förderung und Bereicherung einer derartigen Spielkultur. Allen diesen Spielen ist gemeinsam die Übung in Ausdruck, Ausdrucksverständnis und Koordination in darstellendem Spiel. Dadurch, daß die darstellerischen Aufgaben stets von allen Spieler/innen zur selben Zeit erfüllt werden sollen, entfällt auch etwas von dem Druck vor den anderen zu spielen (obwohl freilich vor den anderen gespielt wird, bloß tun die das ja auch) und von dem Streß, der aus der Gewißheit erwächst, beobachtet zu werden.


    Unsichtbare Gegenstände


    (etwas abgeändert auch in der Spielemappe 4.16 zu finden)

    Alle Spieler/innen sitzen oder stehen im Kreis. Du gibst einen unsichtbaren Gegenstand im Uhrzeigersinn weiter. Dieser kann sehr groß, heiß, spitz, kuschelig weich, usw. sein, was Du durch Deine Mimik und Gestik zum Ausruck bringen kannst. Ist der Gegenstand wieder bei Dir angekommen, sagt jede/r, was er/sie vermutet, was das für ein Ding war, das er/sie erhalten und weitergegeben hat.
    In diesem Zusammenhang hat freilich die Bewertung "falsch" keinen Platz - was immer jemand geglaubt hat, worum es sich bei dem jeweiligen Gegenstand gehandelt hat, ist in seiner Situation "richtig"!


    Die Glasplatte



    Eine imaginäre Glasplatte, die am Boden liegt, wird von allen gemeinsam hoch aufgehoben und wieder hingelegt oder an die Wand gelehnt, oder umgedreht, oder ... (Vielleicht kommt Ihr im Verlauf des Spieles auch darauf, daß es sich ja eigentlich um zwei Glasplatten, die aufeinanderliegen, handelt - da müßt Ihr natürlich die obere wegheben ohne die untere fallenzulassen ...)


    Sprichwörter darstellen



    Sprichwörter werden von allen Kinder pantomimisch dargestellt oder ein Kind bzw. eine Gruppe von Kindern überlegt sich, wie sie ein Sprichwort pantomimisch darstellen können und spielen das dann den anderen vor. Diese versuchen nun, das gesuchte Sprichwort zu erraten. (Achtung: nur einfache, gut bekannte Sprichwörter verwenden!)


    Geschichtenbilder



    Zu einer Geschichte, die Du vorliest oder erzählst, stellen alle anderen (gleichzeitig) die Vorgänge in der Geschichte nach.


    Einkleiden



    Kleingruppen kleiden jeweils ein Mitglied ihrer Gruppe ein, als König/in, Räuber/in, Außerirdische/r, Künstler/in, ...


    Reaktionen



    Alle sitzen im Kreis. In der Kreismitte liegen beschriftete Kärtchen mit der Schrift zum Boden, auf denen z.B. folgende Tätigkeiten stehen: "grinsen", "das Gesicht verziehen", "die Stirn in Falten legen", "etwas mit der Hand abwehren", "zittern", etc.). Ein Kind begibt sich in die Kreismitte, hebt eine Karte auf und zeigt sie allen anderen, ohne sie selbst zu lesen. Die Gruppe versucht nun alles mögliche zu unternehmen, damit das Kind in der Mitte genau die auf der Karte beschriebene Reaktion zeigt.
    (Achtung: Als Gruppenleiter/in mußt Du darauf achten, daß die anderen Kinder nur auf faire Weise versuchen, das Kind in der Mitte zu der bestimmten Reaktion zu bringen!)


    Personenraten



    Jede/r denkt sich eine allen Mitspieler/innen bekannte Person aus (oder zieht ein Kärtchen mit dem Namen einer solchen Person). Alle Personen treffen einander bei einem Empfang - niemand weiß vom anderen, wer er ist. Während ein kleiner Imbiß gereicht wird, soll jede/r durch Beobachtung von Gespräch und Verhalten der anderen draufzukommen, wer die jeweils anderen sind.


    Zeitlupe



    Bestimmte Situationen ("Die Bären sind los", "Massenschlägerei", "In der Tanzschule", Situationen aus der Welt des Sportes, ...) sollen gemeinsam so langsam wie möglich dargestellt werden.


    Noch ein paar Tips und Variationen zu Rollenspielen



    Stellvertreter/innen für's Rollenspiel



    Es muß nicht immer sein, daß ICH selbst als Person spiele. Genauso denkbar ist ein Rollenspiel mit Kasperl- oder anderen Handpuppen. Einfach selber zu machen, sind z.B. Kochlöffelpuppen. Hierzu brauchst du alte Kochlöffel, die bemalt und eventuell auch beklebt werden (Wolle für die Haare ect.). Aber auch Gegenstände, wie z.B. Sessel im Wartezimmer eines Zahnartzes, können miteinander spielen. Die Spieler/innen leihen diesen Gegenständen lediglich ihre Stimmen. Ist freies Spiel für die Kinder noch ungewohnt, können bekannte Handlungsabläufe gespielt werden (z.B. spielt der Inhalt einer Schultasche das Märchen von Goldmarie und Pechmarie, oder jener eines Werkzeugkastens die Begebenheiten um Kain und Abel, oder 12 Kunststoffsackerl tanzen Ballett, die Figuren eines Kasperltheaters singen die Bundeshymne, oder ....).
    Als andere Stellvertreter/innen sind auch ausgeschnittene und auf Stangen befestigte Photos der Köpfe bekannter Persönlichkeiten möglich.

    Kurze Spielsequenzen



    Auch ganz kurze "Ein-Satz-Rollenspiele" sind eine Möglichkeit, in einer thematischen Gruppenstunde Handlungsweisen auszuprobieren und Aspekte zu einem Thema zu sammeln. Wenn du zum Beispiel mit deinen Kindern ausprobieren willst, wie man auf die von Erwachsenen oft getätigte Aussage "Sei nicht so frech!" reagieren kann, so hängst du z.B. im Raum ein Plakat mit diesem Erwachsenen (danebengemalt ist das entsprechende Kind, anstelle des Kopfes ist jedoch ein Loch im Plakat) auf, hinter das sich ein Kind dann stellen kann, um durch das Loch im Plakat einen möglichen Antwortsatzt zu sprechen.

    Aufgabe für die Zuschauer/innen



    Beim Rollenspiel müssen auch nicht immer alle gleichzeitig in -Aktion sein-. Manchmal ginge es auch gar nicht, weil das Rollenspiel sonst zu unübersichtlich wäre. In diesem Fall sind interessante Tätigkeiten für die Zuschauer/innen wichtig wie z.B.:

    • Beobachtungsaufgaben ("Wer flucht was wie oft?" "Wer komt wie oft ans Wort?" oder das Mitzeichnen von Spannungskurven ect.)

      • Auch das Eingreifen ins Rollenspielgeschen kann für Zuschauer/innen eine spannende Tätigkeit sein. Sei es, daß sie das Spiel unterbrechen dürfen, um andere Spielweisen ausprobieren zu können ("Halt, die Szene noch einmal, aber diesesmal sag's nicht leise, sondern schrei' einmal!"), oder aber, daß sie den Spielenden mit Kärtchen oder Mimik Feedback geben ("Mach weiter so, das ist -glaub' ich- der richtige Weg!", "Nein mach's anders!")

        Autor/in: Helmut Habinger

Publikation: KiK 102

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