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Zeit ist nicht gleich Zeit

Gruppenstunde | Alter: 13-15 | Aufwand: mittel

Hintergrund

Zeit ist untrennbar mit unserem Leben verbunden. Schon das Wort "Lebenszeit" bringt das sehr deutlich zum Ausdruck. Jede/r von uns kann die Zeit lesen, das Deuten auf die Hand wird fast in ganz Europa und dem Rest der sogenannten "zivilisierten" Welt als "Wie spät ist es bitte?" verstanden. In Wörterbüchern für den Urlaubsgebrauch ist diese Frage ebenso eine Standardphrase wie "Ich spreche nicht Italienisch/Spanisch/Khisu`aheli." Zeit ist also allgegenwärtig. Aber ist Zeit = Zeit?
Die Zeit ist ein Phänomen, das Thema vieler Überlegungen war und ist (Relativ oder vielleicht doch konstant?). Denn sie hat eine subjektive und eine (mehr oder weniger) objektive Dimension. Objektiv können wir sie mit technischen Hilfsmitteln (vulg.: Uhr) messen, subjektiv ist das Empfinden und Wahrnehmen von und für Zeit allerdings sehr unterschiedlich. Zeit ist nicht gleich Zeit? Je nach Situation, Stimmung, Umgebung usw. kann ich den Eindruck haben, die Zeit verfliegt oder aber sie vergeht überhaupt nicht, ja sie scheint sogar stillzustehen.

Ziel

Die Gruppenstunde soll diese subjektive und dadurch manipulierbare Dimension der Wahrnehmung der Zeit ein wenig deutlich machen. Auf keinen Fall soll sie die Message: "Laß Dir doch Zeit!" "Du bist ja noch so jung!" bzw. "Carpe diem" oder "Carpe noctem!" u.ä. transportieren. Das ist eine andere Geschichte, die ein andermal zu erzählen wäre.

Material

  • Plakat mit Definition von "Zeit"
  • eine große Uhr
  • eine bunte Glasflasche (blau macht sich sehr schön) mit einem bunten Saft (wiederum schön macht sich hier rot bis rosa)

Aufbau

ein Zeiträtsel führt zum Thema
der Zeitgeist entführt in die Zukunft
wo ausprobiert wird, wie lange eine Minute ist
und anschließend Zeit unterschiedlich gefüllt wird
was bei einem Nach(t)mahl besprochen wird

 

Die Gruppenstunde ...



Auf die Frage der Gruppenmitglieder "Was machen wir heute?", solltest Du noch nicht gleich verraten, worum es geht. Um nämlich die Spannung zu erhöhen - sollte Bedarf an Spannung bestehen - gibt es gleich zu Beginn der Gruppenstunde ein Rätsel, mit dem das Thema zu erfahren ist.


... beginnt mit einem Rätsel ...



Zum Einstieg hast Du ein Plakat mit einer Definition vorbereitet. Diese legst Du den Gruppenmitgliedern vor. Sie sollen erraten, was da denn eigentlich definiert wird. Die Definition lautet: ". . . . . ist die Abfolge des Geschehens, die wir als Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, am Entstehen und Vergehen der Dinge erfahren." (Definition für Zeit; Brockhaus, 1990) Sicherlich werden die Gruppenmitglieder bald herausgefunden haben, daß es sich um die Zeit handelt. Wie nun ja jede/r weiß, wird die Zeit mit der Uhr gemessen. Und die Uhr ist heutzutage nicht mehr wegzudenken. Ohne Uhr würde ein Chaos ausbrechen. Also ist die Zeitmessung etwas sehr Wichtiges. Die meisten der anwesenden werden auch selbst eine Uhr mithaben oder zumindest besitzen.


Die Macht des Weingeistes



Daher schlägst Du folgendes Experiment vor: In einer bunten Flasche ist irgendeine trinkbare Flüssigkeit. In ihr ist der Zeitgeist gefangen. Diese Flasche reichst Du nun im Kreis. Wer daraus trinkt, dessen Uhr stellt sich wie von Geisterhand (oder von eben von der Hand des jeweilgen Gruppenmirgliedes oder Deiner Hand) auf ca. eine halbe Stunde vor Mitternacht. Ihr macht also eine Reise in die Zukunft. (Idee dabei ist, daß die Möglichkeit eines Mitternachtsbuffet und einer Gemeinsamkeit der Gruppe für diese Stunde besteht!) Hilfreich ist dabei natürlich eine große Uhr, auf der demonstrativ die Zeit nach vor gedreht wird. Vergiß nur nicht irgendwo die Realzeit festzuhalten!


Ein Experiment



Zu so später Stunde stellt sich manchmal das eine oder andere philosophische Problem. Nämlich z.B. die Frage, was wäre, wenn es keine Uhr gäbe? Wir müßten uns an der Sonne orientieren und vor allem an unserem eigenen Zeitempfinden. Aber empfindet jede/r die Zeit immer gleich? Ihr probiert daher folgendes aus.
Ihr teilt euch in zwei bis drei Gruppen und versucht gemeinsam in jeder Gruppe, genau eine Minute zu stoppen. Dabei sollen die einen vorher kurz irgend etwas körperlich Anstrengendes tun (springen, im Kreis laufen, Stiegen steigen o.ä.), die anderen (etwas nicht minder Anstrengendes, nämlich) ganz ruhig bleiben. Dann wird gemeinsam eine Minute gestoppt. (Du hast die Uhr in der Hand!) Es wird sich zeigen, daß die Gruppen sehr unterschiedliche Stoppungen durchführen werden. (Wenn Du viel Zeit hast, können die Gruppen natürlich nacheinander Stoppen.)


Zeit ist nicht gleich Zeit



Also empfinden wir alle Zeit unterschiedlich. Einmal kommt sie uns lang, ein anderes Mal kurz vor. Die Ferien (und die Jungscharstunde) vergehen gewohnheitsmäßig immer zu schnell. Liegt man krank im Bett oder wartest man auf etwas ganz sehnsüchtig, scheint die Zeit nicht und nicht vergehen zu wollen. Ihr sammelt andere Situationen auf, in denen die Zeit verrinnt bzw. steht. Ihr werdet bemerken, daß die Zeit in Momenten, die sehr angenehm sind, wo ihr euch wohl fühlt bzw. wo ihr mehr Zeit brauchen könntet (wie z.B. bei einer Schularbeit oder Prüfung). schneller vergeht. In sehr unangenehmen Situationen, z.B. wenn ihr sehr traurig seid oder ihr auf etwas oder jemanden ganz sehnsüchtig wartet, dann kann ein Augenblick schon zu einer Ewigkeit werden.


Zeitgestaltung



Ihr versucht nun selbst, Zeit kurz oder lang zu gestalten. Ihr teilt euch dazu in Gruppen (3-4 Gruppenmitglieder pro Gruppe). Aufgabe ist es, jeweils 2 x 2 Minuten so zu gestalten, daß in den ersten 2 Minuten alle das Gefühl haben, sie würden schnell, in den zweiten zwei das Gefühl, sie würden langsam vergehen.

Beispiele:
Langsam: alle schauen einer Gruppe zu, wie sie sich die Schuhe putzt oder zubindet. Eine Gruppe zählt langsam von 1 bis 120 oder liest leise, unverständlich und zusammenhanglos aus irgendeinem Buch vor.
Schnell: Ihr spielt einen Sketch vor, singt alle gemeinsam irgendwas, sagt, daß ihr zwei Milky Ways im Nebenraum versteckt habt und wer sie findet, kann sie behalten. (Sollten halt auch wirklich dort sein!)
Der Kreativität sind wie immer keine Grenzen gesetzt.

Achtung: Dieses Spiel ist nicht ganz so einfach und kann leicht zu frustigen Einzelerlebnissen führen. Es ist sicherlich hilfreich, wenn Du schon viele Ideen im Hinterkopf hast!


Genußvolles Nach(t)essen und Rückkehr



Nachdem alle Gruppen dran waren, besprecht ihr bei einem kleinen Mitternachtsbuffett eure Eindrücke der jeweiligen 2 x 2 Minuten. Mit einem kräftigen Schluck Zeitgeist kehrt ihr mit der Gewißheit, daß Zeit nicht gleich Zeit ist, wieder in die Gegenwart zurück.

Sicherlich werdet ihr feststellen, daß die Zeit in der Gruppenstunde wieder einmal viel zu schnell vergangen ist. Aber jetzt wißt ihr ja wieso!

Autor/in: Christian Wenzl

Publikation: KiK 89

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Schlagwörter: Experimente, Ich, Gefühle