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Erwartungen

Gruppenstunde | Alter: 10-12 | Aufwand: mittel

Hintergrund

Ein alltäglicher Lebensbereich, in dem die Fremdheit anderer Menschen wahrgenommen werden kann, ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern. Männer und Frauen, Buben und Mädchen sind verschieden. Das hat anthropologische, wesensmäßige Gründe. (Das bedeutet, dass der Unterschied der Geschlechter ein grundsätzlicher ist.) Das hat aber auch psychologische und soziologische Gründe, d.h. nicht alle Unterschiede sind angeboren, viele sind anerzogen. Man erwartet sich unterschiedliches von Buben und Mädchen, Männern und Frauen.

Ziel

Die Kinder sollen sich in dieser Gruppenstunde der Erwartungen, die an sie als Mädchen/Bub gestellt werden, bewusst werden und herausfinden, was sie davon (nicht) erfüllen wollen.

Material

  • Fotos der Gruppenmitglieder
  • Papier und Stifte
  • ev. Kekse und Saft
  • Gedicht von Kristiane Allert-Wybranietz

Aufbau

Eine Geschicht über Tomas, den verschiedenste Erwartungen an ihn plagen, wird vorgelesen. Anschließend soll überlegt werden, welchen Erwartungen man selbst entsprechen muss, wer aller Erwartungen von uns hat, ob wir den Erwartungen entsprechen wollen etc. Dazu zeichnet jedes Gruppenmitglied seine Erwartungen und die damit verbundenen Gefühle auf.

 

Vor der Gruppenstunde...


sagst Du den Gruppenmitgliedern, dass sie jeweils ein Foto von sich zur Gruppenstunde mitbringen sollen!

Gestaltung des Gruppenraumes


Eine Ecke des Raumes sollte für das Geschichtenerzählen schon gemütlich hergerichtet sein. Außerdem sollte ein Platz, an dem die fertigen Bilder aufgehängt werden können, frei sein, bzw. eine Schnur durch den Raum gespannt, tut den gleichen Zweck. Auf einem Tisch sind Saft und Kekse bereitgestellt.

Geschichte von Tomas


Du lädst die Kinder zu Beginn der Stunde ein, es sich gemütlich zu machen, da du ihnen die Geschichte von Tomas erzählen möchtest (ändere UNBEDINGT den Namen sollte eines deiner Kinder Tomas heißen! Gib den Personen einer Geschichte immer Namen, die es in eurer gruppe nicht gibt!):

Tomas ist elf Jahre alt. Seine Mutter nennt ihn: Kleiner Tomas. Sein Vater ruft ihn: Großer Tomas. Seine Schwester sagt zu ihm: Blöder Tomas. Die Großmutter nennt ihn : Tomi-lein-lein. Die Tante sagt zu ihm: Dick-Tom. Die Nachbarin sagt zu ihm: Tomas.
Die Mutter will, dass der kleine Tomas sein Zimmer aufräumt. Der Vater will, dass der große Tomas snicht weint, wenn er traurig ist. Die Schwester will, dass der blöde Tomas ein Pferd spielen soll, auf dem sie reiten kann. Die Großmutter will, dass Tomi-lein-lein zu allen Leuten brav "guten Tag" sagt. Die Tante will, dass Dick-Tom seine Hausaufgaben ordentlich macht. Die Nachbarin will überhaupt nichts von Tomas. Tomas sagt: "Ich möchte, dass die Nachbarin meine Mutter und mein Vater und meine Schwester und meine Großmutter und meine Tante wird!" Die Mutter und der Vater und die Schwester und die Großmutter und die Tante rufen im Chor: "Dann geh doch zur Nachbarin, Klein-Groß-Blöd-Dick-Tomi-lein-lein!" Aber die Nachbarin will den Tomas überhaupt nicht haben.

(nach Christine Nöstlinger)

Was die anderen von mir als Mädchen, als Bub erwarten


In einem Gespräch fragst du die Kinder, ob es ihnen vielleicht manchmal oder sogar oft so wie Tomas ergeht. Dann forderst du sie auf, jede/r für sich, über Erwartungen, die an die Kinder gestellt werden, nachzudenken.

Jede/r soll ein Foto von sich mitgebracht haben. Diese Fotos werden nun auf je einen größeren Bogen Papier geklebt. Sollte jemand sein Foto vergessen haben, hilfst du ihm/ihr, ein kleines Selbstporträt anzufertigen (eine Skizze genügt).
Mit dem Papier, Schreibstiften und Wachskreiden versorgt, sucht sich jedes Kind einen Platz im Gruppenraum, an dem er/sie ungestört arbeiten kann. Ruhige Musik könnte es den Kindern erleichtern, sich auf ihr Plakat und auf sich selbst zu konzentrieren. Du gibst zwischendurch immer wieder Impulse:

"Die Mutter, der Vater, die Schwester, die Großmutter und die Tante hatten ganz bestimmte Erwartungen an Tomas. Wie ist das bei dir? Wer hat Erwartungen an dich? Zeichne diese Personen rund um dein Foto! (Mama, Papa, Oma, Schwester, Freude, Lehrerin)

Das Zimmer aufräumen, nicht zu weinen, brav "gutenTag" zu sagen, usw. waren Erwartungen, die an Tomas gestellt wurden. Welche Erwartungen werden an dich gerichtet? Male zu den Personen, die du gezeichnet hast, Sprechblasen und schreib hinein, was die jeweilige Person von dir erwartet!

Erwartungen, die ich erfüllen will, die ich nicht erfüllen will


Dann fragst du die Kinder: Nachdem sich Tomas gewünscht hat, dass die Nachbarin, die von ihm nichts wollte, seine Mutter und sein Vater,... wird, ist anzunehmen, dass er die Erwartungen, die an ihn gestellt wurden nicht gerne erfüllt hat.

Welche Erwartungen, die an dich gestellt werden, erfüllst du gerne? Heb diese mit Farben auf deinem Bild besonders hervor! Du kannst auch dazuschreiben, warum du diese Erwartungen gerne erfüllst. Welche Erwartungen möchtest du nicht erfüllen? Übermale oder überklebe diese! Wenn du Lust hast, schreibe wieder dazu, warum du diese Erwartungen nicht gerne erfüllst.

Ausstellung der Plakate und Gespräch


Sind alle fertig, bittest du die Kinder, die Bilder im Gruppenraum aufzuhängen - wer das nicht will, muss das freilich nicht tun. Ihr könnt nun gemeinsam die Bilder betrachten. Vergleicht das Verhältnis zwischen den Erwartungen, die ihr zurückweist.
Schaut auch darauf, ob die Erwartungen an die Mädchen andere sind als an die Buben und überlegt, worin möglicherweise diese Unterschiede begründet sein könnten.
Dazu könnt ihr entweder in der ganzen Gruppe, in kleinen Gruppen oder auch zu zweit eure Gedanken austauschen und die Plakate einander erklären. Dazu gibt es Saft und Kekse, sodass Die Gruppenstunde gemütlich ausklingen kann.

Erwartungen
Was andere von dir erwarten,
solltest du nur dann erfüllen,
wenn du es willst.
Schließlich bist du kein Automat,
der mitleidet, drückt man die Taste "Mitleid"-
der zuhört,
drückt man die Taste "Zuhören"-
der lustig ist,
drückt man die Taste "Lustig"-
der still ist
drückt man die Taste "Ruhe"
und so weiter...
Begegnest du solchen
Tastendrückern,
lass ruhig mal
tilt-gestört
aufleuchten


Kristiane Allert-Wybranietz

Publikation: fremdsein, Bub, Mädchen, Mann, Frau

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Schlagwort: Bub/Mädchen Mann/Frau