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Planen oder auf sich zukommen lassen?

Gruppenstunde | Alter: 13-15 | Aufwand: mittel

Hintergrund

Gerade in den vielen kleinen Dingen des Alltags gibt es bei verschiedenen Menschen ziemlich unterschiedliche Formen des Herangehens. Genau um diese geht es in dieser Gruppenstunde, nicht aber um so komplexe und langfristige Themen wie Berufswahl, politische Zukunftsvisionen oder ganz allgemein die Lebensplanung.
Manchem ist es (zumindest in einer bestimmten Situation) lieber, sehr systematisch vorzugehen und möglichst wenig dem Zufall zu überlassen, während sich ein/e andere/r durch so viel Vorausdenken eingeschränkt fühlen könnte oder die Zufälligkeit als abwechslungsreich und spannend erlebt. In einer andern Situation können diese beiden Menschen genau umgekehrt vorgehen: Jeder und jede hat einen - lebensgeschichtlich geprägten - Stil, an Vorhaben heranzugehen. Wahrscheinlich ist man sich dessen nicht immer bewußt, auch nicht immer mit dem persönlichen Stil in jedem Detail zufrieden: Grund genug, sich einmal in einer Gruppenstunde diesem Thema zu widmen.
Je älter Kinder werden, desto mehr Bereiche gibt es, in dem sie eigenständig agieren und bestimmen können, wie sie ein Vorhaben angehen wollen. Außerdem haben Kinder vor einem gewissen Alter noch nicht die Fähigkeit, über sich und ihre Art, an Dinge heranzugehen, nachzudenken. Deswegen sollte diese Gruppenstunde erst mit Kindern und Jugendlichen ab ca. 12 Jahren durchgeführt werden.

Ziel

Die Kinder sollen Gelegenheit haben zu überlegen, wie sie an Vorhaben in ihrem Alltag herangehen und wie es ihnen mit diesen Strategien ergeht. Im Austausch mit den anderen Kindern sollen sie Alternativen kennenlernen.

Material

  • Benötigtes Material für die ausgewählten Spiele (z.B. Packpapier für "Eisscholle”, Luftballons für "Ballon in die Luft”,...), Situationskärtchen, Zettel in A4-Format, Schreibzeug, Klebstoff, Packpapier, eventuell Requisiten für die einzelnen Situationsbeschreibungen

Aufbau

Planen oder auf sich zukommen lassen?
Als Einstieg spielen wir ein paar Spiele, bei denen man mit unterschiedlichen Strategien vorgehen kann (Keinen Plan haben gilt hier auch als Strategie).
Worum geht es hier?
An Hand von vorgegebenen Situationskärtchen (Kinder, die an Vorhaben mit einer bestimmten Strategie herangehen) lernen wir planmäßige und zufällige Vorgehensweisen kennen und überlegen, wie wir an ihrer Stelle mit diesen und deren Folgen zufrieden wären.
Danach ergänzen die Kinder eigene Erfahrungen des Herangehens an Vorhaben.
Wie hätte man das denn noch angehen können?
In Kleingruppen werden Alternativvorschläge gesammelt.
Wo liegen die Vor- und Nachteile?
Wir überlegen die Vor- und Nachteile der einzelnen Handlungsvorschläge.

 

Planen oder auf sich zukommen lassen?



Wenn alle Kinder da sind, könnt Ihr als Einstieg ins Thema ein paar Spiele spielen, bei denen man unterschiedlich an das Spielziel herangehen kann. Du solltest das den Kindern aber vor den Spielen noch nicht sagen, da sie sonst vielleicht gehemmt sind und keinen Spaß mehr an den Spielen haben. Versuche auch selber, daß Spiel nicht zu stark in eine bestimmte Richtung zu lenken. Zum Beispiel bei folgenden Spielen ist es möglich, sowohl geplant als auch spontan zu agieren. Wenn Dir andere Spiele einfallen, bei denen das auch möglich ist und die Deine Gruppe lieber spielt, könnt Ihr natürlich auch diese spielen.

Eisscholle (Spielemappe der Jungschar Wien, Nr. 3.19)
Hier kann die Aufstellung der Mitspieler auf dem Packpapier als auch das Abreißen der Ränder geplant oder spontan erfolgen.

Ballons in die Luft (Spielemappe, Nr. 1.19)
Gibt es (vor der zweiten Runde des Spiels) Absprachen der Kinder, wie die Zahl der Ballone gesteigert werden könnte?

Vorhang auf (Spielemappe, Nr. 1.23)
Wie gehen die Mitspieler auf die Ideen ihrer Gegenüber ein?

Roboterspiel (Spielemappe, Nr. 1.14)
Wie gehen die Ingenieure vor?

Gordischer Knoten (Spielemappe, Nr. 3.26)
Versucht die Gruppe den Knoten eher durch probieren oder durch planen zu lösen?

Wenn Ihr kein weiteres Spiel mehr spielen wollt, leitest Du zum nächsten Schritt über: "Bei den Spielen, die wir gerade gespielt haben, war immer eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen. Dabei sind wir unterschiedlich vorgegangen: ...” - Du faßt an dieser Stelle zusammen, wie Ihr an die Lösung der Aufgabe herangegangen seid. Dabei solltest Du darauf achten, daß spontanes und geplantes Vorgehen gleichwertig sind, es gibt hier kein richtig und falsch. Außerdem solltest aufpassen, in Deiner Zusammenfassung Kinder und ihr Vorgehen nicht zu stark zu exponieren, sondern eher nur an die Vorgehensweisen zu erinnern, die " wir als Gruppe angewendet haben”.


Worum geht es hier?



Die Situationskärtchen sind auf Zettel aufgeklebt und im Raum verteilt, so daß sie gut lesbar sind.
Du erklärst den Kindern, daß es natürlich nicht nur beim Spielen unterschiedliche Möglichkeiten gibt, an Vorhaben und Aufgaben heranzugehen. Auf den Situationskärtchen haben verschiedene Kinder auch etwas vor und versuchen auf unterschiedliche Art, dieses Vorhaben umzusetzen. Du bittest die Kinder, die Kärtchen durchzulesen. Auf einem Zettel gibt es ein Feld, auf dem die Kinder eintragen können, ob hier eher geplant vorgegangen wurde oder ob das Kind eher alles auf sich zukommen hat lassen. Außerdem sollen sie folgende Frage beantworten: "Wenn Ihr Euch an Stelle der Kinder befinden würdet, wäret Ihr damit zufrieden, wie die Situation gelaufen ist?” Wer der Meinung ist, das beschriebene Vorhaben wurde zufriedenstellend erfüllt, klebt einen grünen Klebepunkt dazu, wer meint, so hätte man es lieber nicht gemacht, einen roten. Wer die Situation nicht eindeutig beurteilbar findet, klebt keinen Punkt hin.
Du solltest dabei darauf achten, daß die Kinder die Beurteilungen der anderen nicht aburteilen. Das ist ja nicht möglich, da jede/r beurteilt hat, was er/sie davon hält.


Im Anschluß daran fragst Du die Kinder, ob sie selber Situationen kennen, in denen jemand oder auch sie selber besonders viel geplant hat oder die Sache auf sich zukommen hat lassen. Wenn ein Kind eine Situation erzählen möchte, schreibst am besten Du selber auf einem leeren Zettel mit. Anschließend wird hier das Kind gefragt, wie zufrieden der oder die Betroffene mit der gewählten Vorgangsweise war. Auch hier können die anderen Kinder mittels Klebepunkten mitteilen, ob sie das auch so gewollt hätten.


Wie hätte man das denn noch angehen können?



Du bittest die Kinder, ca. zu viert Kleingruppen zu bilden. Jede Kleingruppe nimmt sich eine der Situationsbeschreibungen mit und sammelt verschiedene Ideen, wie man denn das Vorhaben anders hätte angehen können. Diese Vorschläge werden ebenfalls auf kleinen Zetteln gesammelt und zur ursprünglichen Situationsbeschreibung dazugeklebt. Fallen einer Kleingruppe zu einem Vorhaben keine weiteren Alternativen ein, kann sie sich eine neue Situationsbeschreibung holen. Das wiederholt sich so lange, wie die Kinder Spaß daran haben, oder bis keine Situationsbeschreibungen mehr da sind.


Wo liegen die Vor- und Nachteile?



Dann kommt ihr wieder alle zusammen. Eine Kleingruppe stellt am Beginn noch einmal die Aufgabenstellung vor und präsentiert dann ihre Vorschläge. Je nach Lust und Laune können die Vorschläge gemeinsam erzählt werden, vorgelesen werden, - so sich die Situation dafür eignet - szenisch dargestellt werden (dafür wäre es gut, ein paar Requisiten mitzuhaben, die in den Szenen eine besondere Rolle spielen), oder auch in einer Mischform mit einem Erzähler, der Zeitsprünge ansagt, Gedanken einer Person ausspricht, die von einem anderen Kind dargestellt wird (á la "Magnum” oder "Wunderbare Jahre”).

Du solltest die Kleingruppen am besten in der vorhergehenden Phase beraten haben, wie sie ihre Ideen darstellen können.

Nachdem alle Vorschläge - wie auch immer, Hauptsache lustig und vorstellbar - dargestellt sind, sagst Du etwa folgendes: " Wir haben jetzt viele/einige/zwei... Vorschläge gehört, wie man an dieses Vorhaben herangehen könnte. Wir sollten jetzt die betroffenen Personen beraten, wie sie das nächste mal vorgehen könnten. Da sich aber jeder Mensch nur selbst entscheiden kann, werden wir ihnen nicht sagen, was das Beste für sie ist, sondern ihnen mögliche Vor- und Nachteile der einzelnen Vorschläge zeigen.”

Wem bei einer der vorgestellten Varianten ein besonderer Vor- oder Nachteil aufgefallen ist, der/die kann diesen auf einen grünen bzw. roten Zettel schreiben und zur entsprechenden Variante dazukleben. Natürlich kann jemand den Umstand, den wer anderer für einen Vorteil hält, für einen Nachteil halten und umgekehrt.
Wie immer geht es auch in diesem Schritt nicht hauptsächlich um das Ausfüllen von Zetteln, sondern darum, eine Diskussion anzuregen. Es können und sollen in diesem Schritt Rückfragen an die anderen gestellt und gegensätzliche Standpunkte eingebracht werden. Wichtig ist nur, daß es nicht darum gehen kann, eine optimale Variante zu erwählen - diese Entscheidung bleibt jedem Kind für sich vorbehalten.

Wenn zu dem Vorhaben und den dazugehörigen Vorgehenswiesen alles gesagt ist, stellt die nächste Kleingruppe ihre Ergebnisse vor.

Als Abschluß könntet ihr sämtliche Zettel auf ein großes Plakat aufkleben, das mit "Planen oder die Dinge auf sich zukommen lassen?” übertitelt ist, um den anderen Gruppen Eure Ergebnisse mitzuteilen.


Situationen:

Robert hat in drei Tagen Biologietest. Er hat Biologie nicht besonders gerne und daher hat er auch keine große Lust zu lernen. Also beginnt er damit, sich sein Biologieheft durchzublättern. Da am nächsten Tag viel Hausübung zu machen ist, bemerkt er erst am Tag vor dem Test, daß er mit dem Lernen nicht fertig wird.


Sabine schreibt in ihrem Aufgabenheft alles auf, was sie zu Hause für die Schule machen muß. Sie findet es unheimlich praktisch, nicht jeden Tag lange überlegen zu müssen, was alles zu tun ist. Als sie heute in die Schule kommt, will die Lehrerin die Englischhausübungshefte absammeln. Sabine ist völlig überrascht, sie hat die Aufgabe nämlich deswegen nicht gemacht, weil sie vergessen hat, sie in ihr Hausübungsheft einzutragen.


Peter möchte sich so bald wie möglich einen Walkman kaufen. Daher legt er jedes Monat die Hälfte seines Taschengeldes zur Seite, die andere Hälfte verbraucht der für sich. Als am Ende des Monats zwei Freunde fragen, ob Peter mit ihnen Eis essen gehen will, bleibt er deswegen zu Hause, weil von "seiner” Hälfte des Taschengeldes nichts mehr übrig ist.


Gabi ist mit der Einrichtung ihres Zimmers unzufrieden. Also beginnt sie einfach, die Möbel in ihrem Zimmer zu verschieben und ihre Sachen anders einzuräumen. Als sie fertig ist, kommt sie drauf, daß ihr die neue Möbelstellung auch nicht besonders gut gefällt und daß ihre Sachen sich nicht mehr alle ordentlich unterbringen lassen.


Seit Monaten ist Kurt in Linda verliebt. Schon oft hat er vorgehabt, Linda zu fragen, ob sie etwas mit ihm unternehmen will. Er hat sich sogar genau überlegt, wie er es sagen will. Leider hat sich noch nie eine Gelegenheit ergeben, bei der der überlegte Satz gepaßt hätte.


Ingrids Familie macht jeden Sommer gemeinsam mit der Familie ihrer Freundin Petra Urlaub. Sie freuen sich schon sehr auf den nächsten Urlaub und schmieden daher eine ganze Reihe von Plänen, was sie im Urlaub alles machen wollen. Heuer lernen sie dann am Urlaubsort Manfred und Karin kennen, die ebenfalls dort Ferien machen. Da sie sich mit ihnen gut verstehen, wollen Ingrid und Petra mit den beiden auch gemeinsam etwas unternehmen. Wenn sie das tun, bleibt ihnen aber nicht mehr genug Zeit für alle die Dinge, die sie vor dem Urlaub bereits geplant haben.


Manfred fährt mit seiner Familie auf Urlaub. Die Abreise ist meistens ziemlich hektisch. Während Manfred seinen Koffer packt, geht es in der Wohnung drunter und drüber. Erst als Manfred am Urlaubsort seinen Koffer auspackt, bemerkt er, daß er vergessen hat, sein Lieblingsspiel einzupacken.


Georg und Maria haben in der Schule ausgemacht, am Abend gemeinsam Gitarre zu spielen. Als Georg bei Maria seine Gitarre auspackt, bemerkt er, daß auf seiner Gitarre zwei Seiten abgerissen sind.


Roland macht seine Aufgaben gerne erst am Abend. Wenn er fertig ist, will er von der Schule nichts mehr wissen und packt sein Schulsachen erst in der Früh zusammen. Da er aber auch gerne möglichst lang schläft, wird es in der Früh häufig ziemlich streßig, neben Frühstücken und Zähneputzen auch noch die Schulsachen zusammenzusuchen.


Christine sucht seit zwei Wochen nach einem geeignetem Geburtstagsgeschenk für ihre Mutter. Obwohl sie von keiner Idee wirklich überzeugt ist, entschließt sie sich nach langem Überlegen für ein Buch. Als sie am Geburtstag ihrer Mutter von der Schule nach hause geht, sieht sie in einer Auslage die Brosche, die der Mutter ganz toll gefallen würde.

Autor/in: Marcus Bruck

Publikation: KiK 84

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Schlagwort: Ich und die anderen