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Krieg

Gruppenstunde | Alter: 13-15 | Aufwand: mittel

Hintergrund

Kinder spielen Krieg - Kinder kämpfen, stellen Fallen, üben zielen und schießen, Kinder spielen oft ganz schön brutale Spiele. Und jedem, der ihnen dabei zusieht, geht es wohl ähnlich - wir sind im ersten Moment ziemlich schockiert. Mancher denkt sich wohl: "Was soll nur aus diesen Kindern werden, wenn sie erwachsen sind?”

Obwohl diese Gedanken verständlich sind, müssen wir Erwachsene uns klar machen, daß Kinder in diesen Spielen unter anderem auch ihre Eindrücke und Erlebnisse in der Welt verarbeiten. Kinder erleben Gewalt zu Hause, oft in ihren Familien, aber sie erfahren auch sehr viele Dinge über Medien. Nachrichten, Zeitungen, überall werden Fakten über Kriege und Katastrophen mitgeteilt.Was wir schon oft nicht verstehen können, Kinder durchschauen Zusammenhänge und Hintergründe noch viel schwerer.Selbst wenn Eltern oder Lehrer versuchen, Ursachen und Auslöser dieser Gewaltakte zu erklären, Gefühle wie Angst, Trauer, Wut, Schmerz werden dabei selten ausreichend besprochen und zugelassen.

Umso natürlicher ist es also, daß Kinder diese Gefühle auf ihre Art verarbeiten - nämlich im Spiel. Es erscheint auch unlogisch, Kindern solche Spiele von vornherein zu verbieten, etwa zu sagen: "So etwas spielt man doch nicht, spielt doch friedlich”.

Wichtig ist es, in einer ruhigen Stunde zu fragen: "Wie ist das, wenn jemand mit Gewalt zu etwas gezwungen wird? Wie geht es dir, wenn du benachteiligt wirst, ist es toll, stärker zu sein und anderen weh zu tun?”

Ziel

Diese Gruppenstunde soll vor allem den Kindern Raum schaffen, ihre Gefühle zum Thema Krieg auszudrücken.

Material

  • Brief von Marta
  • ca. 20 Bögen Packpapier, 3 davon schon beschriftet
  • Stifte und diverse Malfarben (auch gut schreibende, dicke Eddingstifte!)
  • Cassettennrecorder, ruhige Musik
  • Knabbereien und Saft

Aufbau

.) Brief von Marta
Plakatdiskussion zu verschiedenen Themenaspekten
In Gruppenarbeit wird unsere Zeitung zum Thema "Krieg und Frieden” hergestellt
Gemütlicher, positiver Ausklang und Dankgebet

 

Hinweise für den/die Gl/in:

Diese Gruppenstunde soll vor allem den Kindern Raum schaffen, ihre Gefühle auszudrücken. Diese Gefühle sollten ihnen keinesfalls ausgeredet werden, und Du solltest auch darauf achten, daß kein Kind für seine Meinung von einem anderen bloßgestellt wird. Grundsätzlich glaube ich, daß es wichtig ist, den Kindern klar zu vermitteln: Kriege sind etwas ganz Schlimmes. Auch uns große Leute macht es oft mutlos, wenn wir sehen, daß wir wenig zur Verhinderung von Kriegen beitragen können.Trotzdem wäre es ganz schlecht zu sagen "Ich kann eh nichts tun, es ist mir alles egal.” Jeder von uns hat Kraft und Energie in sich, gutes zu tun und friedlich miteinander zu leben”. Wie bei allen Gruppenstunden, wo es um persönliche Gedanken und Gefühle geht, kann es auch hier passieren, daß Deine Kinder gerade an diesem Tag "Null Bock” haben, oder gerade andere Probleme (Schule usw.) wichtiger sind. Dann solltest Du nicht enttäuscht sein und das Thema aufschreiben!


Ein Brief von Martha



Wenn die Kinder den Gruppenraum betreten, finden sie auf einem Tisch ein Kuvert. In diesem ist ein Brief von einem Mädchen namens Marta. Marta lebt in Sarajevo und dort geht es ihr begreiflicherweise nicht sehr gut. Sie hat ihre Gedanken in vielen Briefen aufgeschrieben, und einen davon könnt ihr gemeinsam lesen:

Bitte ein oder mehrere Kinder, ihn vorzulesen

Sarajevo, Januar 1993

Liebe Tante Vesna,
die Mama sagt, ich soll Dir schreiben. Immer, wenn ich Lust hab und alleine bin. Das nimmt die schreckliche Zeit weg, sagt sie. Jetzt, wo ich nicht in die Schule gehen kann. Sie meint, ich könnte Dir alles sagen - auch was schlimm ist und weh tut. Und sie will es auch nicht lesen. Es soll nur zwischen Dir und mir sein.
Du bist so weit weg, wie auf einer anderen Erde. Bei Euch in Deutschland gibt es keinen Hunger und keine Granaten und keine Trümmer, sagt der Papa. Bei Euch gibt es den ganzen Tag Wasser und die ganze Nacht Licht. Bei Euch ist Frieden. Seit fünfzig Jahren schon, sagt er.
Ich weiß nicht, ob mein Brief bei Dir ankommt. Die Mama sagt, ich soll trotzdem schreiben. Du möchtest wissen, wie es bei uns ist, sagt sie. Aber wenn es nur darum wär, würde ich es nicht tun. Ich schreibe Dir an erster Stelle, weil ich Dich liebhab.
Ich will Dir verraten, was mein größter Wunsch ist: einmal duschen, von oben bis unten und ganz, ganz lange. Und die Haare waschen! Sie sind schrecklich klebrig und sehen aus wie Geras Fell, wenn er im Teich geschwommen ist. Ich hab immer darauf gewartet, daß seine Haare wieder trocken und seidig wurden. Die Mama meint, es wär gut, daß Gara tot ist. Wir hätten jetzt kein Futter mehr für ihn. Er hat unheimlich viel gefressen. Aber wenn er hier wär, wär ich nie alleine. Die Mama und der Papa sind meist weg: der Papa zur Arbeit und die Mama zum Organisieren. Oft gehen die beiden Wasser holen. Wenn es noch lange dauert mit dem Krieg, muß ich die Haare abscheiden lassen, sagt die Mama. Ich will aber nicht! Jeden Tag bete ich, daß wir wieder Wasser kriegen. Alles, was Mama und Papa holen, wird zum Kochen gebraucht und zum Waschen.. Aber für die Haare, ist es nie genug.
So einen langen Brief hab ich noch nie geschrieben. Ich bin richtig müde davon. Mama will ihn einem mitgeben, der weiß, wie man es macht, daß er in Deutschland ankommt. Es geht über Wien, sagt sie. Morgen schreibe ich wieder. Oder übermorgen. Oder bald. Den Umschlag klebe ich zu!

Viele Grüße,
Deine Marta

Anschließend erklärst Du:
Wir wissen natürlich alle, daß Kriege schlimm sind. Aber mir passiert es oft, daß die Menschen, bei denen Krieg ist, für mich ganz weit weg sind.Ich kann mir gar nicht vorstellen, was es für ihr Leben bedeutet, wenn Krieg herrscht. Vielleicht geht es euch auch manchmal so. Ich finde es aber wichtig, daß wir uns das überlegen, denn dann merken wir erst richtig, wie schön es ist, wenn wir in Frieden leben.


3 Plakate



Jedes Kind erhält einen Stift. Auf 3 Tischen liegen je 1 Plakat. Auf jedem steht eine Frage. Du erklärst den Kindern, daß sie nun ca 10 Minuten Zeit haben, herumzugehen, die Fragen zu lesen, und ihre Gedanken dazu aufzuschreiben. Es ist durchaus gut, wenn sie auch zu den Gedanken anderer Kinder etwas dazuschreiben, das können Zustimmungen oder auch Gegenargumente sein. Wenn die Kinder darauf einsteigen, kann sich eine angerete Diskussion "am Papier” entwickeln, denn es soll die ganze Zeit nicht gesprochen werden. Wenn das deinen Kindern schwer fällt, kann leise Hintergrundmusik eingesetzt werden. Es ist wohl klar, daß Schimpfwörter oder Sätze wie "So ein Blödsinn” keinen Platz auf unseren Plakaten finden.

Die 3 Fragen lauten:

  • 1. Was ändert sich in meinem Alltag, wenn bei uns Krieg ist?
  • 2. Warum glaubst du, beginnen Menschen einen Krieg?
  • 3. Krieg - was fällt dir dazu als erstes ein? Was denkst du, welche Gefühle hast du?



Wenn du merkst, daß niemand mehr schreiben möchte, stoppst du. Bedenke aber, daß es oft länger dauert, bis die Kinder "warmgelaufen” sind!

Hinweis:
Diese "Plakatdiskussion” ist eine Mehode, die man bei vielen Themen auch mit Jugendlichen u. Erwachsenen einsetzten kann!


Nachdem Du dich bei den Kindern für die tolle Mitarbeit bedankt hast, können sich die Kinder wahlweise in 3 Gruppen aufteilen. Jede Gruppe beschäftigt sich mit einem der 3 Plakate.


Unsere Zeitung entsteht



Ziel der folgenden Gruppenarbeit wäre eine Zeitung zum Thema "Krieg und Frieden”. Diese Zeitung könnte bei passender Gelegenheit auch der Pfarrgemeinde präsentiert werden!

Jede Gruppe nimmt sich eines der 3 Plakate mit und zieht sich in eine extra Ecke (oder eigenen Raum!) zurück. Jede Gruppe soll nun die Meinungen und Gedanken auf dem Plakat noch einmal durchlesen und eventuell kurz darüber sprechen.

Anschließend gibt es folgende Aufgaben:

Gruppe 1:
Gemeinsam sollen die Kinder auf Packpapier einen oder mehrere Briefe schreiben, die im Stil des Briefes von Marta beschreiben, was sich in ihrem Leben verändert hat, seit Krieg ist. Dieser Brief kann durchaus an die "Pfarrgemeinder XY .....” adressiert sein! (Namen Deiner Pfarre einsetzen)

Gruppe 2:
Stellt euch vor, ihr seid eine neue politische Partei in Österreich (Name: z.B. Pro Friede o. ä.) . In einem "Parteiprogramm” stellt ihr nun in unserer Zeitung eure Gedanken vor: "Warum entstehen Kriege, was wollt ihr in Österreich ändern oder verbessern, daß wir in Frieden leben können?”

Gruppe 3:
Diese Gruppe soll versuchen, ihre Gedanken und Gefühle mit Farben zeichnerisch auszudrücken. Es sollte genügend Papier und zumindest Filzstifte, Wasserfarben und Fingerfarben verhanden sein!

Jedes Kind muß frei wählen können, in welche Gruppe es gehen will!
Zeitdauer: 20 - 30 Minuten


Abschluß:



Wenn die Kinder möchten, könntest Du ihnen noch den letzten Brief von Martha vorlesen:

Liebe Tante Vesna,

jetzt hab ich die Mama gefragt, auf Ehre und Gewissen. Sie hat meine Briefe gar nicht abgeschickt. Sie hat sie alle gesammelt, genau in der Reihenfolge, und auf jedes Couvert die richtige Nummer geschrieben. Wenn Frieden ist, will sie alle auf einmal abschicken, in einem Paket, oder Dir geben, wenn Du kommst. Erst hab ich mich furchtbar geärgert und gesagt, daß ich jetzt keinen Brief mehr schreibe. Weil ich immer so auf Antwort gewartet hab. Aber die Mama meint, wenn sie die Briefe abgeschickt hätte, wären sie bestimmt nicht angekommen. Und du hättest sie nie gekriegt. So kriegstest Du sie wenigstens nach dem Krieg. Ich hab der Mama gesagt, sie hätte es mir aber sagen müssen. Aber sie meint, dann hätte ich keinen einzige Brief geschrieben.Und das ist wahr. Niemand schreibt Briefe nur so, wenn sie nicht abgeschickt werden.
Da mußt du jetzt auf meine Briefe bis zum Frieden warten. Und wenn Du sie liest, dann weißt Du, wie es wahr im Krieg. Wenn er vorbei ist.
Dann schießen sie nicht mehr aus den Bergen. Und wir haben immer Wasser und Strom. Und können wieder alles kaufen. Es gibt Apfelsinen und Medikamente. Und Mirjana kriegt eine neue Katze. Dann sind die Scharfschützen alle eingesperrt. Und Milan muß nicht mehr kämpfen. Alle Kinder spielen draußen und haben keine Angst. Und Senada hat ihre Puppe wieder. In Zivkos Käfig sitzt ein neuer Wellensittich. Und ich stell Blumen auf Onkel Igros Grab. Dann ist es ganz egal, daß meine Mama Serbin ist und Senadas Mama Moslem und Katarinas Familie kroatisch. Alle gehen wieder zusammen an der Miljacka spazieren. Tante Mascha und Onkel Ivo bauen ihr Haus wieder auf. Und Tante Milica und Onkel Branko kommen zurück. Dann ist der Verlobte von Tante Vesna wieder hier und kann sein Baby sehen. Und sie heiraten, hat sie gesagt.
Wenn Frieden ist.
Aber dann kannst Du mir nicht mehr antworten. Weil nichts mehr stimmt, was ich geschrieben hab. Es sind Briefe ohne Antwort.

Viele Grüße
Deine Marta

Die Mama soll diesen Brief zu den anderen tun. Es ist der letzte.


Es ist wichtig, daß noch genug Zeit bleibt, die Stunde ruhig ausklingen zu lassen.
Das kann im gemütlichen Safttrinken passieren, wo du den Kindern auch sagen solltest, wie schön du es findest, daß sie soviele Gedanken haben.

Schön wäre es auch, zum Schluß Gott zu danken, daß wir in einer schönen, friedlichen Welt leben und einander immer wieder verzeihen können.
Dieses Gebet, wenn ihr es selbst formuliert, könntet ihr auch auf Packpapier aufschreiben.

Alle Papierbögen werden zu Schluß zu einer Zeitung gebunden! (Titelblatt nicht vergessen! Impressum!)


Hinweis:
Martas Briefe stammen aus dem Buch: "Liebe Tante Vesna - Marta schreibt aus Sarajevo” von Margaret Klare
(Beltz & Gelberg Verlag)

Autor/in: Angelika Herret-Rosenkranz

Publikation: KiK 85

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Schlagwörter: Gefühle, Konflikte, Ungerechtigkeit