• Jungschar vor Ort
  • 70 Jahre JS
  • Über uns
  • Angebote
  • Modelle
  • Gruppe
  • Pfarre
  • Gott & die Welt
  • Wildegg

Als die Bilder laufen lernten

Gruppenstunde | Alter: 8-15 | Aufwand: hoch

Hintergrund

In unserer Zeit werden die Kinder durch das Fernsehen mit "bewegten Bildern" überschwemmt. Filme sind etwas Selbstverständliches geworden. Welche komplizierten technischen Mechanismen dahinterstecken, darüber denkt niemand mehr nach.
Das Kino ist schon über 100 Jahre alt und dies bietet einen guten Anlaß, sich ein bißchen mit den Dingen auseinanderzusetzen, die nach und nach zur Entwicklung des Films beigetragen haben. Die Geburt des Films fällt in eine Zeit, in der das Bild an sich und seine verschiedenen Betrachtungsmöglichkeiten im Mittelpunkt des Interesses standen. Sämtliche "wissenschaftlich-technische" Kuriositäten wurden zur Belustigung des Volkes benutzt. Man kann also vom Beginn der Unterhaltungsindustrie sprechen. Viele dieser Dinge haben schon lange ausgedient, aber trotzdem Ihren Reiz bis heute nicht verloren.

Ziel

Die Kinder sollen sich spielerisch mit den verschiedenen Mechanismen der Bildbetrachtung auseinandersetzen. Im Vordergrund steht das Experimentieren und das Entdecken der zugrunde liegenden Prinzipien. Es ist nicht so wichtig, die Dinge orginalgetreu nachzubauen, wichtig ist der Spaß am Ausprobieren.

Material

  • Da die Stationen beliebig ausgewählt werden können, befindet sich sich die Materialangabe sowie eine kurze Erklärung für dich bei der jeweiligen Station.

Aufbau

Zuerst besuchen die Kinder verschiedene Stationen. In einem zweiten Schritt gibt es eine Präsentation der Forschungsergebnisse.
Bei dieser Aktion ist es besonders wichtig, daß man die Dinge vorher selbst ausprobiert, da man sonst den Kindern nur schwer helfen kann.
Ihr könnt z.B. in der Gruppenleiterrunde gemeinsam die Experimente zur Vorbereitung durchführen.

 

Ein Treffen von Geschichtsforschern


Beim Eingang in den Jungscharraum hängt ein Schild, das ungefähr so ausschauen könnte:

Zum Treffen der Geschichtsforscher
am x.y.20.., von 15-18 Uhr

Jedes Kind erhält ein Kärtchen, auf das es einen Phantasienamen schreibt. (Dr. Siebenschlau, Dr. Naseweis, Dr. Wiff).Wenn alle eingetroffen sind, liest der/die Vorsitzende der zerstreuten Professoren (das sind die Gruppenleiter/inn/en) Frau/Herr Dr. Also (oder Wasichgeradesagenwollte, Wowarichgeradestehengeblieben,...) die Eröffnungsrede vor. Diese könnte ungefähr so lauten:

"Liebe Forscher und Forscherinnen!
Ich möchte Sie ganz herzig, äh, herzlich zu unserem Geschichteforschertreffen begrüßen. Wie wir alle wissen,ist das Kino schon über 10., ach so, nein, über 100 Jahre alt. Wir wollen uns deswegen mit den Dingen beschäftigen, mit denen die Leute vor Erfindung des Kinos Bilder angeschaut haben. Da diese Dinge schon sehr alt sind, weiß man nicht immer genau, wie sie funktioniert haben.
Viele Dinge müssen erst wieder nachgebaut werden. Wir vertrauen dabei ganz auf Sie, liebe Damen und Herren! Meine lieben Kolleginnen und Kollegen werden Ihnen dabei behilflich sein. Wenden Sie sich mit allen Fragen an sie. Verzeihen Sie bitte, daß sie schon ein bißchen zerstreut sind. Wir treffen uns wieder um 18 Uhr zur Präsentation der Forschungsergebnisse.”


Wie die Aktion nun weiterverläuft, hängt vor allem davon ab, wie viele Kinder und Gruppenleiter daran teilnehmen. Die Anzahl der Stationen kann man beliebig wählen. Bei einer Station sollten dabei nicht mehr als 10 Kinder sein. Die einzelnen Forscherteams werden von einem zerstreuten Professor begleitet (Gruppenleiter/in). Dieser kann bei Fragen zu Rate gezogen werden, bzw. sollte am Anfang jeder Station kurz erklären, worum es geht. Wichtig ist, daß er nicht alles vorwegnimmt, damit die Kinder noch nach Herzenslust experimentieren können.

Bei einer kleinen Anzahl von Kindern geht Ihr einfach von einer Station zur anderen. Wenn Ihr mehrere Forscherteams bildet, besucht jedes Team in beliebiger Reihenfolge Stationen, die gerade frei sind. In diesem Fall sollte es aber einige Stationen mehr als Teams geben. Wenn sehr viele Kinder mitmachen, könntet Ihr die Reihenfolge der Stationen für jedes Team schon vorher festlegen. Die Forscherteams müssen dann aber nicht alle Stationen besuchen. Schließlich haben auch Wissenschaftler Ihre Fachgebiete.

Der zerstreute Professor verwaltet auch die "Forschungsergebnisse". Jedes Forschungsteam hat einen Platz im Jungscharraum, an dem die Ergebnisse gesammelt werden. Bei Einzelkunstwerken ist es ratsam, diese mit dem Namen des Forschers zu versehen.

Zur der bei der Eröffnung ausgemachten Zeit versammeln sich alle Wissenschaftler und die Ergebnisse werden präsentiert.
Zu dieser Präsentation könnten auch die Eltern der Kinder eingeladen worden sein.
Die Gruppenleiter sollten die Präsentation der Forschungsergebnisse ein bißchen koordinieren und auch moderieren. Da diese Vorführungen früher als Kuriositäten galten und zur Unterhaltung dienten, kann die Präsentation - Professor Dr. Also: "Damit man sich vorstellen kann, wie und wo die Dinge früher verwendet wurden" - ruhig ein wenig "Jahrmarktsatmosphäre" haben.

Bei einer großen Anzahl von Kindern werden Lebensräder, Guckkastenbilder, Camera obscuras und Daumenkinos in einer kleinen Ausstellung gezeigt. Moritatentafel, Kleinpanoramen und Laterna magica - Shows können von den Kindern selbst präsentiert werden.

Die Stationen


Camera obscura


für Dich:
Leonardo da Vinci beschreibt die Funktionsweise der Camera obscura, die er mit der des Auges vergleicht, so: Wenn die Bilder von belichteten Gegenständen durch ein kleines Loch in einen sehr dunklen Raum fallen und man sie auf einem Blatt weißen Papier auffängt, das in dem Raum in einiger Entfernung senkrecht zur Öffnung gehalten wird, dann werden auf dem Papier alle diese Gegenstände in Ihren natürlichen Formen und Farben abgebildet. Sie sind aber verkleinert und umgekehrt, weil sich die Strahlen in der Öffnung schneiden. War die Camera obscura ursprünglich wirklich das verdunkelte Zimmer eines Hauses, so wurde sie allmählich kleiner und für die Anfertigung von Landschaftsbildern transportabel gemacht.

Material:
Schachteln, Schere, Klebstoff, Butterbrotpapier, (Lupe), schwarzes Naturpapier

Eine Camera obscura stellt man einfach aus einer Schachtel her, bei der man in eine Seitenwand ein Loch bohrt. Die dem Loch gegenüberliegende Wand wird entfernt und als Rahmen für den Schirm zum Auffangen des Bildes in der Mitte der Schachtel ausgeschnitten. Diesen Rahmen überklebt man mit einem Stück Butterbrotpapier. Jetzt muß man den Schirm nur mehr soweit in die Schachtel schieben, daß man, wenn man mit der Camera obscura einen beleuchteten Gegenstand betrachtet, ein scharfes Bild auf dem Schirm auffängt Je kleiner das Loch, desto größer die Schärfe! Die Schärfe kann man vergrößern, indem man ein Vergrößerungsglas vor das Loch hält.

Wichtig ist, daß das Licht von außen direkt auf das Loch fällt. Ihr könnt auch einen ganzen Raum verdunkeln, indem Ihr die Fenster mit Naturpapier zuklebt und nur eine kleine kreisrunde Öffnung freilaßt. Bastelt Euch einen Schirm zum Auffangen des Bildes.

Laterna magica - Bilder


Für Dich:
Im Prinzip besteht die Laterna magica aus einer in einem Kasten postierten Lichtquelle (früher meist ein Gaslicht), einem Objektiv mit zwei bikonvexen Linsen und dem dazwischen eingeschobenen, verkehrt stehenden Bild. Die zuerst durch einen Hohlspiegel reflektierten Lichtstrahlen werden im Objektiv umgekehrt und ermöglichen so die vergrößerte Projektion der transparenten Vorlage.
Schausteller wanderten mit Ihrer Ausrüstung umher und stellten Ihr aus handbemalten Glasplatten bestehendes Bildmaterial zur Schau. Die Entdeckung, daß Lichtstrahlen von Rauchpartikeln reflektiert werden, ermunterte trickreiche Unternehmer, Gespenster auf eine Rauchwolke zu projizieren.
Später verwendete man die Projektionen als teils erheiterndes, teils belehrendes Veranschaulichungsmittel für ein breites Publikum. Es konnten mit Hilfe mehrerer Laterna magicas bereits Handlungsabfolgen gezeigt werden. Besonders bekannt sind die Serien von Paul Hoffmann (D), die z. B. den Ausbruch des Vesuvs, eine Nordpolexpedition sowie die Oper "Der Ring des Nibelungen” zeigen.


Material:
Diaprojektor, Overheadfolie, Overheadstifte, Diarahmen

Das Prinzip der Laterna magica entspricht unserem Diaprojektor. Die Overheadfolie wird in der Größe eines Dias zugeschnitten. Nun könnt Ihr nach Lust und Laune Laterna magica - Bilder malen. Ideen für Motive: Eure Lieblingsgeschichte, Vulkanausbruch, Safari, Nordpolexpedition, Gespenster, die dann auf den Rauch einer Zigarette projiziert werden können,...

Guckkastenbilder


für Dich:
Im Gegensatz zur Laterna magica, bei der das Bild nach außen projiziert wird, erfolgt die Rezeption des Guckkastenbildes durch den Blick ins Innere des Gerätes. Der Bilderkasten bestand aus Holz und war mit einer oder mehreren schwach vergrößernden Linsen versehen. Die Ansicht wurde flach auf den Boden des zwecks Beleuchtung hinten offenen Kastens gelegt. Der Blick geht von der Linse über einen im Winkel von 45 Grad montierten Spiegel zum Bild. Besonders beliebt waren die sogenannten Kulissenbilder. Mit einem Hintergrundblatt und vier oder fünf dazwischen postierten Kulissen waren die kolorierten Serien wie ein Minitheater aufgebaut. Wollte der Vorführer dem Publikum eine besondere Attraktion bieten, legte er eine illuminierte Ansicht in seinen Kasten ein: Wo es sich anbot, war das Bild ausgeschnitten, die Löcher mit farbigem Seidenpapier beklebt und von hinten beleuchtet. Dadurch konnten z.B. Fenster beleuchtet dargestellt werden.

Illuminierte Ansichten


Material:
Ansichtskarten (mit Gebäuden), spitze Nägel, Nagelschere, Seidenpapier

Die Umrisse der Gebäude auf den Ansichtskarten werden mit Löchern versehen, die man einfach mit dem Nagel hineinstößt. Mit der Nagelschere schneidet Ihr Fenster- und Türöffnungen aus und hinterlegt sie mit Seidenpapier. Beleuchtet man die Bilder von hinten, sehen sie aus wie Nachtaufnahmen.

Kulissenbild


Material:
Stifte, helles Naturpapier, Schere, Schachteln

Am besten ist es, wenn Ihr Euch zuerst eine Skizze von Eurem Kulissenbild macht. Dann malt Ihr das Hintergrundbild. Die Kulissen müssen in der Mitte so weit frei bleiben, daß man die folgenden Kulissen noch sieht.
Die Kulissen werden auf beiden Seiten leicht eingeritzt und umgeknickt, damit sie hintereinander in eine Schachtel geklebt werden können. Das Hintergrundbild wird auf die hintere Wand geklebt und die gegenüberliegende Wand entfernt. Durch diese Öffnung kann man nun das Kulissenbild betrachten.

Moritatentafel/Bänkelsang


für Dich:
Wichtigstes Requisit der Kunst des Bänkelsängers war die monumentale Tafel, auf der eine Geschichte in mehreren Einzeldarstellungen präsentiert wurde. In der Spätzeit des Bänkelsanges hatte die Malerei bereits eine durchschnittliche Größe von 300 mal 180 cm erreicht und war mit 5-9 Bildern versehen. Der Künstler stand auf einem Stockerl (= Bänkel) und präsentierte die Geschichte, die meist moralisierenden Inhalt hatte. Liedstrophen und Prosatexte wechselten einander ab, dabei wies der Interpret mit einem Zeigestab auf die jeweils aktuelle Szene. Am Schluß der Veranstaltung wurden die achtseitigen Textheftchen dem Publikum zum Kauf angeboten.

Material:
Mehrere Bögen Packpapier, Malfarben, Bleistifte, Papier

Zuerst einigt Ihr Euch auf eine Geschichte. Ihr könnt selbst Geschichten erfinden oder einfach eine nehmen, die Ihr gut kennt. Du kannst den Kindern auch die Geschichte zum ersten Bild vorgeben, die sie dann weitererzählen.
Ein Bild hat die Größe eines halben Packpapierbogens. Wenn Ihr die Bilder fertiggestellt habt, klebt Ihr die drei Bögen Packpapier in der richtigen Reihenfolge aneinander. Jetzt sucht Ihr Euch ein Lied aus, das Ihr gut kennt und textet den Refrain zu Eurer Geschichte passend um. Dieser wird dann zwischen den einzelnen Bildern gesungen.

Kleinpanoramen:


für Dich:
Es waren dies Bilder, die hinter einer Wand mit eingelassenen Linsen gezeigt wurden. Meistens wurden Aktualitäten gezeigt, die Schausteller erfüllten somit eine Art Nachrichtendienst. Es kam dabei nicht auf die Schönheit, sondern auf die Aussagekraft der gezeigten Bilder an (Ausbruch des Vesuv am 3. März 1872, Ansicht der Überschwemmung in Böhmen).

Material:
Zeitungen, Packpapier, Malfarben

Aus den Schlagzeilen der Zeitungen sucht Ihr Ereignisse aus, die Ihr malen wollt. Die Größe eines Bildes ist ein halber Packpapierbogen.

Lebensrad


für Dich:
Wenn man bei Sonnenschein ein Speichenrad schnell bewegt und durch dieses hindurch die entstehenden Schatten auf einer weißen Wand betrachtet, entsteht ab einer bestimmten Geschwindigkeit der Eindruck, daß das Rad still steht. Nach diesem Prinzip funktioniert auch das Lebensrad, das von Joseph Plateau (Belgien) und Simon Stampfer (Österreich) entwickelt wurde. In eine Scheibe wurden am Rand in radialer Richtung Schlitze eingeschnitten. Gezeichnete Phasenbilder wiederkehrender Bewegungen werden konzentrisch zum Scheibenmittelpunkt angeordnet. Auf dieser Grundidee basiert auch der erste "Filmprojektor", bei dem ein durchsichtiges Lebensrad die fixen Laterna magica - Bilder ersetzt.

Material:
Karton oder stärkeres Papier, Zirkel, Stifte, Schere, Bleistifte, Spiegel

Aus dem Karton werden die Lebensräder (siehe Skizze) ausgeschnitten. Sie sollten einen Durchmesser von mindestens 30 cm haben. Die Schlitze und Zeichnungen müssen alle den gleichen Abstand zum Mittelpunkt der Scheibe haben. Dies läßt sich am besten dadurch erreichen, daß man mit einem Zirkel Kreise zieht, an denen die Schlitze und Zeichnungen beginnen.

Wichtig beim Zeichnen der Bewegungsabläufe ist Folgendes: Macht man gleich viele Zeichnungen wie Schlitze im Lebensrad sind, bewegt sich die Zeichnung am Platz. Gibt es mehr Zeichnungen als Schlitze, kommt eine Vorwärtsbewegung zustande. Damit die Bewegung gut sichtbar ist, sollte man sie in möglichst kleine Phasen zerlegen und den gesamten Ablauf nur einmal zeichnen. Das letzte Bild muß wieder ins erste übergehen. Am einfachsten sind Zeichnungen, die sich am Platz bewegen.

In der Mitte der Scheibe macht Ihr ein Loch und steckt einen Bleistift durch. Damit stellt ihr Euch vor einen Spiegel und schaut von hinten durch einen Schlitz. Im Spiegel seht Ihr jetzt die Vorderseite des Lebensrades. Wenn ihr das Rad jetzt dreht, beginnt die Bewegung abzulaufen.

Mutoskop/Daumenkino


für Dich:
Das Mutoskop besteht aus tausenden Bildern von Bewegungsabläufen, die zylinderförmig um eine Walze angeordnet sind. Diese kann mit einer Handkurbel gedreht werden. Eine Metallzunge hält jedes Bild einen Augenblick an. Somit entsteht der Eindruck der Bewegung, der dem des Films schon sehr nahe kommt.

Material:
Karton. Stifte, Heftmaschine

Beim Daumenkino werden die Phasen der Bewegungsabläufe auf Kärtchen gezeichnet und dann zusammengeheftet. Wenn man die Kärtchen schnell abblättert, kann man die Bewegung sehen. Auch hier ist es wichtig, daß alle Zeichnungen gleich groß sind und sich auf den verschiedenen Zetteln an der gleichen Position befinden.

Autor/in: Andrea Rohrer

Publikation: KiK 85

Share |