• Jungschar vor Ort
  • Corona
  • Über uns
  • Angebote
  • Modelle
  • Gruppe
  • Pfarre
  • Gott & die Welt
  • Wildegg

Kennst Du Rudi?

Gruppenstunde | Alter: 10-13 | Aufwand: mittel

Hintergrund

Im täglichen Leben kommt ein Mensch in viele Situationen, die sich voneinander unterscheiden. So unterscheidet sich dann auch das Verhalten (die Reaktion) des Menschen in einer Situation von dem in einer anderen Situation. Mitmenschen, die eine Person eben nur in einer oder wenigen Situationen erlebt haben, "vor-urteilen" manchmal über diesen. Diese Vorurteile negieren aber die Vielschchichtigkeit, die in einer Person steckt und sind so oft verantwortlich für Streit und Leid in zwischenmenschlichen Beziehungen.

Ziel

Wir wollen erkennen, daß Menschen verschiedene Verhaltensmuster bezogen auf typische Lebenssituationen haben, sie jedoch viele Seiten haben und daher ein Urteil über einen Mitmenschen im besten Fall für eine typische Situation objektiv sein kann.

Material

  • eine in 4 Teile geschnittene Kartonfigur (etwa 1 m groß), Klebstoff, Schere (bzw. Stanlaymesser), Kuli, 4 Kuverts, Sicherheitsnadeln (-5), Faden, eventuell Verkleidungsmaterial, wenn möglich Haken an der Gruppenraumdecke.

Aufbau

Nach einem Einstiegsspiel
überlegt die Gruppe Gründe für verschiedene Verhaltenseigenschaften (nachdenklich hektisch, cool, unfreundlich)
und stellt diese "Vorgeschichten" spielerisch dar. Aus diesen einzelnen Schattierungen erwächst ein Gesamtbild von "Rudi", über den die Gruppe beispielhaft nachdenkt, wobei nun noch weiter Gründe für die wahrgenommenen Eigenschaften ergänzt werden können.
Diese Erfahrungen, daß Personen zumeist nicht grundlos sauer, überdreht, angespannt, gut gelaunt, ... sind, wird dann in einem darstellerischen Abschlußspiel aufgearbeitet.

 

wenn ein Kind in Deiner Gruppe den Namen Rudi hat, solltest du natürlich mit einem anderen Namen arbeiten!

Rudis Rundumgeschichte



Im Gruppenraum liegt ein herrenloser Pullover. Du erklärst, daß dieses Prachtstück Rudi gehört, über den wir heute noch einiges erfahren werden. Leider weißt auch Du nicht, warum Rudis Pullover gerade in unserem Gruppenraum herumliegt. So lädst Du jetzt alle ein, dafür in einer Rundumgeschichte eine gemeinsame Vermutung zu finden: "Rudis Pullover liegt deswegen hier, weil in Rudi da fallen gelassen hat!" - "Rudi hat ihn hier deswegen fallengelassen, weil er plötzlich weglaufen mußte!" - "Rudi lief schnell weg, weil ..." Jeder dichtet einfach einen Gedankenschritt dazu und wirft dann den Pullover einem anderen Kind zu, das nun aufs Neue die Geschichte weiterspinnt.


Was ist Rudi wohl vorher passiert?



Bis jetzt kennen wir von Rudi nur den Pullover und haben einige Übung im Ausdenken von Vorgeschichten. Jetzt werden wir von Rudi viel mehr zu Ohren bekommen und unsere Übung wird uns obendrein hilfreich sein: Du bittest Deine Kinder, sich in vier Kleingruppen zu teilen und servierst jeder Gruppe einen Brief, dessen Umschlag auf einem Kartonblatt (ein Viertel der Kartonfigur) festgeklebt ist.

Liebe Leute!

Als ich gestern durch den Park spazierte, sah ich einen Buben auf der Bank sitzen, der das Kinn in die Faust gestütz hatte und seine Stirn runzelte. Ich sagte zu ihm: Kommst Du mit mir Basketball spielen? Ich hab’ dich ja noch gar nie hier im Park gesehen. Wie heißt du?" Leise erwiderte er: "Ich heiße Rudi, aber ich kann jetzt nicht mit Dir kommen. Ich muß über etwas Wichtiges nachdenken. Bitt stör mich nicht. Danke."
Wißt Ihr vielleicht, warum Rudi so nachdenklich ist?

Clara


Liebe Leute!

Rudi hat sich heute in der Schule wieder schrecklich benommen. Ich bin sein Sitznachbar und habe ihn den ganzen Vormittag miterleben müssen. Als ich ihn gebeten habe: Bitte könnt’ ich mir Deinen Radiergummi ausborgen, Rudi?", fauchte er mich gleich an: "Laß mich endlich in Ruhe, Du Trottel!"
Wißt hr, warum Rudi so unfreundich ist?

Franz


Liebe Leute!

Jeden Freitag in der Jungscharstunde, wenn ich Rudi sehe, regt er sich auf, daß es immer so lange dauert, bis wir alle versammelt sind und endlich anfangen können. Rudi will immer alles sehr schnell machen, und es ist ihm vollkommen egal, ob überhaupt alle da sind.
Wißt ihr, warum Rudi so hektisch und nervös ist?

Barbara


Liebe Leute!

Gestern traf ich nach längerer Zeit meine Volksschulfreund Rudi. Ich muß euch sagen, der hat sich total verändert. Er ging mit einem Mädchen (ich kenn sie nicht, aber vielleicht ist sie seine neue Freundin) die Straße entlang in Richtung Kino. Als wir drei - Rudi, das Mädchen und ich - so auf der Straße standen, erzählte er mir ganz locker, ohne ein freudiges Gesicht zu machen, daß er seit neuersten in einer Musikband Gitarre spielt. Er redete so cool darüber, als ob das das normalste der Welt wäre, aber vorigen Sommer freute sich Rudi so sehr, als ihm seine Oma eine Gitarre zum Geburtstag schenkte.
Wißt Ihr, warum Rudi in der letzten Zeit so schrecklich cool geworden ist?

Paul


Du verrätst nun, daß diese kleinen Briefe uns einiges von Rudi berichten und bittest die Kleingruppen, die Fragen in den briefen durch ein kurzes Rollenspiel zu beantworten, welches eine Vorgeschichte, die erklären könnte, warum Rudi in den jeweiligen Situationen so reagiert beinhalten soll. Die vier Gruppen ziehen sich zurück, damit sie einander in ihrenVorbereitungen nicht gegenseitig stören. (Um die Rollenspiele zu beleben, wäre es ideal, wenn Du den Kindern Verkleidungsmaterial anbieten könntest - der jeweilige Darsteller von Rudi zieht sich natürlich den Pullover an!)


Wir decken Rudis Verhalten auf?



Wenn alle vier Gruppen ihre Vorbereitungen getroffen haben (10 - 20 Minuten), kann es losgehen:

Eine Gruppe nach der anderen spielt die Vorgeschichte zu ihrer Briefsituation vor. Die restlichen 3 Gruppen sollen dabei Rudis Eigenschaften erraten, da sich durch die Vorgeschichte ergeben; wenn diese zu schwer ersichtlich aus der Vorgeschichte sind, kann zusätzlich noch die Briefsituation gespielt werden. Wie lange gespielt wird, und wievele Hinweise auf Rudis Eigenschaften gegeben werden müssen, damit von den Zuschauern Rudis Verhalten aufgedeckt werden kann, ist natürlich von Gruppe zu Gruppe verschieden. Nach den schauspielerischen Auftritten können wir gemeinsam - da wir ja jetzt alle erkannt haben, daß es sich in jeder Situation um ein und denselben Rudi gehandelt hat - unsere Kartonfragmente mit Sicherheitsnadeln zusammenheften und so unseren fertigen Rudi entstehen lassen. Weiters überlegen wir was noch für Vorgeschichten zu solchen Reaktionen unseres Rudi geführt haben könnten. Die Ergebnisse können dann auf der Rückseite unseres Rudi schriftlich festgehalten werden.

Schließlich hängen wir den Karton-Rudi seinen Pullover um und befestigen ihn mit einem Faden in der Mitte des Gruppenraumes für folgendes Spiel:


Rudi reagiert



Wir alle stehen im Kreis um Rudi. Eine/r steht jedoch in der Mitte hinter der Rudi-Figur. Nun geht eine/r von uns von seinem Platz aus in die Mitte auf unseren "Rudi" zu und konfrontiert Rudi mit einer ganz bestimmten Verhaltensweise: Schenkt ihm eine Blume, gibt ihm seine Schularbeit zurück, lädt ihn zuum Ballspiel ein, ... Das Kind hinter der Rudi-Figur schlüpft nun in Rudis Rolle und "reagiert" darauf: z.B. wandelt verliebt durch den Raum, zerreißt das Heft, ... Während es diese Reaktion darstellt, geht es auf ein anderes Kind im Raum zu. Diese konfrontiert Rudi nun mit einer neuen Situation und geht dabei wiederum in die Mitte; der/die in der Mitte hinter unserer Figur verliebene/r Mitspieler/in übernimmt jetzt natürlich den Reaktionspart - und so weiter.

Du solltest als Gruppenleiter/in beim Vorzeigen darauf achten, daß die Reaktionen auch die Gefühle, die Rudi in den vorgespielten Situationen hochkommen, zu zeigen versuchen.

Autor/in: Sascha Tscherni

Publikation: KiK 86

Share |

 

Schlagwörter: Ich und die anderen, Werte