• Jungschar vor Ort
  • 70 Jahre JS
  • Über uns
  • Angebote
  • Modelle
  • Gruppe
  • Pfarre
  • Gott & die Welt
  • Wildegg

Nikodemus oder "Wer ist dieser Jesus eigentlich?"

Gruppenstunde | Alter: 13-15 | Aufwand: mittel

Hintergrund

Nikodemus ist der Name eines vornehmen Juden, eines Pharisäers, Mitglied des Hohen Rates, der uns an drei Stellen im Johannesevangelium begegnet (Joh 3, 1 - 21; 7, 50 - 51; 19, 39). Die erste dieser drei Stellen - ein längerer nächtlicher " Dialog" des Nikodemus mit Jesus - bildet den Einstieg und die Fragestellung für die heutige Gruppenstunde.
"Dialog" steht nicht ohne Grund unter Anführungszeichen: Joh 3,1 -21 ist eigentlich eine "christologische Offenbarungsrede", das heißt, ein Text, der (aus der Sicht des Evangelienverfassers, der das Johannesevangelium ca. 100 - 110 n. Chr. geschrieben hat) beschreiben und erklären will, wer dieser Jesus Christus aus Nazareth eigentlich ist. Um sein Anliegen zu verdeutlichen, hat der Verfasser an den Anfang einen "Dialog" gestellt, in dem vor allem eines deutlich wird: wie schwer es vielen Menschen ( in diesem Fall einem interessierten, Jesus wohlgesonnenen rechtgläubigen Juden), zu verstehen, wer Jesus eigentlich ist und was er will. Wenn man den Dialog liest, dann hat man nicht zu Unrecht den Eindruck, daß die beiden etwas aneinander vorbeireden: Jesus gibt Antworten auf Fragen, die Nikodemus eigentlich so gar nicht gestellt hat, und seine Rückfragen scheinen irgendwie auch den Kern der Sache zu treffen. Im Laufe dieses Dialoges (der ab Vers 11 unmerklich in eine Rede Jesu übergeht, in deren weiteren Verlauf man gar nichts mehr von Nikodemus hört) wird Jesus als Retter aller Menschen, als der universelle Messias dargestellt: hinter dieser Bibelstelle steht wohl zusätzlich noch die Schwierigkeit, die viele Juden mit so einem Messias, einem Messias, der am Kreuz gestorben war, hatten: Eigentlich hatte man sich einen Befreier, einen der den Staat Israel wiederherstellen und von den Römern befreien würde, vorgestellt. Dieser Messias, dieser Jesus aus Nazareth, erfüllte so gar nicht die Vorstellungen vieler (und nicht nur jüdischer) Zeitgenossen.
Die Frage, wer denn dieser Jesus nun eigentlich ist, was er für die Menschen bedeutet und was er will, ist von bleibender Aktualität. Jede Zeit hat sich dieser Frage neu stellen und neue Antworten finden müssen ( die oft in den Werken der Musik und der Kunst der jeweiligen Zeit Gestalt annahmen bzw. ausgedrückt wurden ).

Ziel

In dieser Gruppenstunde geht es darum, die Frage zu stellen: Wer ist dieser Jesus für mich, für uns? Und welche Bedeutung kann er für uns heute haben ? Wer ist dieser Jesus eigentlich?

In Form von Bildern, Symbolen, aber auch im Miteinander - darüber - reden sollen in dieser Gruppenstunde mögliche Antworten - persönliche und auch gemeinsame - auf diese Frage gefunden werden.

Material

  • Evtl. eine Kassette, auf der der Dialog Jesus - Nikodemus aufgenommen ist; Jesus - Darstellungen; bunte Zettel mit Bibelzitaten; leere bunte Zettel von der selben Größe; eine Sammlung von Photos; Papier und Schreibzeug ( Du kannst Dir vom Jungscharbüro das Material für diese Gruppenstunde zuschicken lassen! )

Aufbau

Der Dialog zwischen Nikodemus und Jesus stellt am Anfang die Frage in den Raum:
Wer ist dieser Jesus für uns?
Aus einer Auswahl von Jesusbildern sucht sich jeder das ihn ansprechendste.
In Gruppen wird dann überlegt, was diesen Jesus für die heutige Zeit auch noch aktuell und ansprechend sein läßt.
Und als Abschluß sucht jeder ein Bild aus, das für ihn persönlich Jesus am besten symbolisiert.

 

Wer ist dieser Jesus eigentlich?



Der äußere Rahmen dieser Gruppenstunde sollte einigermaßen gemütlich und bequem sein.

Zu Beginn erklärst Du den Kindern, daß es heute um eine Frage geht, die die Menschen seit 2000 Jahren immer wieder stellen und die bis heute brandaktuell ist: Wer ist dieser Jesus von Nazareth eigentlich?

Als Einstieg spielst Du den Kindern folgenden Dialog vor, den man in ähnlicher Form im Johannesevangelium finden kann:

Ein Jude namens Nikodemus kam eines Nachts zu Jesus, um mit ihm zu diskutieren:

NIKODEMUS Es ist schön, daß du für mich mitten in der Nacht Zeit hast, Rabbi Jesus. Ich wollte nämlich schon lange einmal mit Dir reden. Was Du da nämlich alles in der Gegend tust - es spricht sich herum. Ich möchte Dich ganz einfach fragen: Wer bist Du eigentlich? Ich meine, daß Du all das, was Du da machst, so tun kannst - und so auf die Menschen wirken kannst: Du bist ein Mann Gottes, ein großer Prophet, vielleicht sogar - ich wage es kaum zu fragen - der Messias?
JESUS Lieber Nikodemus, ich glaube, ihr mißversteht mich alle sehr. Manchmal - warte einmal - ja, so könnte ich es sagen: Manchmal, da fällt mir da nur ein Vergleich ein: Um mich wirklich verstehen zu können, da müßtet ihr ein ganz neues Leben anfangen, ja: wiedergeboren müßtet ihr werden.

NIKODEMUS Wie, Rabbi, was sagst Du da? Versteh mich bitte richtig, aber: was soll dieser Vergleich? Du wirst doch nicht ernstlich annehmen, daß zum Beispiel ich als alter Mann noch einmal in den Leib meiner Mutter hinein und dann wieder daraus hervor geboren werden soll?
JESUS Nein, Nikodemus, hör zu: Ihr müßt aus dem Geist neu geboren werden. Ihr könnt das nicht erzwingen. Mich zu verstehen, das wird euch eigentlich geschenkt. Du kannst Dir ja auch nicht die Liebe Deiner Frau kaufen, oder? Schau, mit dem Geist ist es wie mit dem Wind: Er weht, wo er will. Aber nur deshalb, weil ihr den Wind nicht vorherbestimmen und lenken könnt, würde doch niemand auf die Idee kommen, zu meinen: es gibt keinen Wind. Oder zu denken, daß der Wind schwach und machtlos ist?

NIKODEMUS Und wie bitte, Rabbi, soll das geschehen: aus dem Geist neu geboren werden? Ich versteh dich einfach nicht ...

Mögliche Varianten für diesen Dialog:

  • den Dialog selber auf Kassette aufnehmen und den Kindern vorspielen
  • die Kassette aus dem Materialpaket vorspielen
  • vielleicht seid ihr in der Gruppe zu zweit (oder Du lädst zu diesem Zweck noch jemanden anderen ein) und ihr spielt den Kindern, wenn euch und ihnen so etwas Spaß macht, diesen Dialog vor.



Nach diesem Dialog könntest Du ungefähr so überleiten: " Dieser Dialog hat in genau dieser Form sicher nie stattgefunden, aber eines wird darin doch ganz deutlich: Nikodemus wollte wissen, wer Jesus eigentlich ist. Und diese Frage hat nicht nur ihn beschäftigt: Seit 2000 Jahren stellen sich die Menschen diese Frage. Mit verschiedenen Antworten: Diese Antworten reichen von Zustimmung und Begeisterung bis zu völliger Ablehnung."


Welches Jesusbild ...



Du legst nun der Gruppe die Jesusbilder vor und bittest nun jedes Kind, sich jenes Bild auszusuchen, das es am meisten anspricht. Wenn Du merkst, daß die Suche so ziemlich abgeschlossen ist, legst Du noch die Zettel mit folgenden Bibelzitaten (und einige leere Zettel) in die Mitte. Jeder soll nun versuchen, ob er unter den Aussagen welche findet, die die jeweilige Wahl des Jesusbildes für ihn begründen könnten. Wenn man (vielleicht ganz) andere Gründe für die Auswahl des Bildes hat, dann kann man auf die dafür vorgesehenen leeren Zettel schreiben.

Seid gewiß: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt. (Mt 28,20)

Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben! (Joh 13,34)

Der Sabbat ist für den Menschen da, nicht der Mensch für den Sabbat. (Mk 2,27)

Hab Vertrauen mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben. (Mt 5,2)

Selig die Trauernden, denn sie werden getröstet werden. (Mt 5,4)

Das ist mein geliebter Sohn; an dem ich Gefallen gefunden habe. (Mt 3,17)

Jesus erwiderte ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt. (Joh 11,25)

Ich will kommen und in gesund machen. (Mt 8,7)

Jesus sagte: Laßt die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran. (Mt 19,13)

Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du versuchen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen. (Mt 7,5)

Weh euch, ..., ihr Heuchler! Ihr seid wie die Gräber, die außen weiß gestrichen sind und schön aussehen; innen aber sind sie voll Knochen, Schmutz und Verwesung. (Mt 23,27)

Ihr habt gehört, daß gesagt worden ist: Auge für Auge und Zahn für Zahn. Ich aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas Böses antut keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halte ihm auch die andere hin. (Mt 5,38f)


Anschließend daran stellt ihr euch gegenseitig die Bilder eurer Wahl vor und erzählt einander, was eure Wahl verursacht, mitbeeinflußt ... hat. Bei dieser Runde ist es wichtig, daß alle Meinungen - sowohl zustimmen als auch ablehnende - gesagt werden können. Wichtig ist bei diesem gesamten Schritt auch , daß Du selbst auch mittust, Dir ein Bild aussuchst und persönlich Stellung nimmst. Es wäre weiters wichtig, darauf zu achten, daß die vorgebrachten Meinungen als persönliche Meinungen stehenbleiben können und auch als solche ernstgenommen werden.


... hat heute Sinn ?



Im vorangegangenen Schritt sind vielleicht ganz gegensätzliche und verschiedene Meinungen zur Sprache gekommen. In der nächsten Runde geht es darum, sich auf gemeinsame Aussagen zu einigen und die Wichtigkeit und Stichhaltigkeit von verschiedenen Argumenten Bedürfnissen abzuwägen.

Du bittest nun Deine Gruppe, sich in Kleingruppen mit ca. 3-4 Mitgliedern aufzuteilen. Als Material gibst Du jeder Kleingruppe einen Satz der (ebenfalls im Materialpaket enthaltenen) Bilder und stellst nun folgende Frage:

"Jesus hat vor fast 2000 Jahren gelebt. Unsere Probleme, unsere Lebenssituationen heute sind in vielen Bereichen ganz anders als damals. Versucht in den Kleingruppen je drei Bilder zu finden, die eurer Meinung nach ausdrücken, warum Jesus auch heute für die Menschen noch von Bedeutung sein könnte; wer er sozusagen für die Menschen heute sein könnte."

Auch nach dieser Runde lädst Du alle ein, einander ihre Ergebnisse vorzustellen und auch zu erzählen, warum gerade diese Bilder ausgesucht wurden.

Wichtig: Auch bei dieser Fragestellung können durchaus verschiedene Akzente und Schwerpunkte gesetzt werden. Anliegen dieser Stunde soll aber sicher nicht eine "dogmatisch - christologische" Auseinandersetzung mit dem Thema sein, sondern sie soll Raum geben für eine persönliche Auseinandersetzung.


Für mich ist Jesus wie ...



Wenn noch Zeit ist und die Gruppe dazu Lust hat, könnte noch folgender - abschließende - Schritt am Ende der Stunde erfolgen: Es geht dabei - sozusagen als vorläufiger Schlußstrich der Diskussion und der Überlegungen - darum, eine persönliche Metapher, eine Art "Sinnbild" für Jesus zu finden.

"Ich möchte Euch jetzt am Schluß zu Folgendem einladen: Man sagt oft "Das oder jenes ist für mich wie der siebende Himmel" oder "Du bist wia die Wintersonn" und ähnliche Aussagen. Welches Bild drückt für euch - für jeden persönlich - am Besten aus, wer Jesus für euch ist." (Dabei wird nun aus den Photos aus der Materialsammlung ausgewählt.)


Dieser Schritt läßt verschiedene Abschlüsse möglich erscheinen:

  • Vielleicht ist die Stimmung danach, einen meditativen Abschluß in der Kirche zu machen
  • Vielleicht wollen alle noch einmal über ihre ausgesuchten Bilder reden
  • Oder die Stunde geht zu Ende, ohne daß über das Thema nochmals ausdrücklich geredet wird, und man plaudert noch gemütlich über dieses - vielleicht bei einer Tasse Tee ... ?

    Autor/in: Thomas Narosy

Publikation: KiK 87

Share |

 

Schlagwörter: Religiöses, Bibel