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Bevölkerungskonferenz

Gruppenstunde | Alter: 13-15 | Aufwand: hoch

Hintergrund

China ist das Land mit den meisten Einwohner/innen der Erde. 1,2 Milliarden Menschen leben in China. 300 Millionen Chines/inn/en sind unter 15 Jahre alt. Beinahe jeder vierte Mensch auf der Welt ist Chines/in. Gleichzeitig aber verfügt China nur über sieben Prozent der Ackerflächen, die es auf der Erde gibt. Jedes Jahr werden in China etwa 20 Millionen Babies geboren. Die chinesische Bevölkerung wächst jeden Tag um 36.000 Menschen. Experten fürchten. Daß das Land eines Tages überbevölkert sein wird und seine Menschen nicht mehr ernähren kann.

Kinderkriegen ist in China deshalb keine Familienangelegenheit, sondern Staatssache. Seit 1979 darf jede chinesische Familie nur mehr ein Kind bekommen. Die Regierung nennt dies die "Vier-zwei-eins-Familie". Das steht für "vier Großeltern, zwei Eltern, ein Kind". Zwillingen sind erlaubt. Unter besonderen Umständen dürfen sie auch ein zweites Kind haben; zum Beispiel, wenn das erste Kind behindert ist und die Familie in einer ländlichen Region lebt, wo sie auf jede helfende Hand angewiesen ist.

Die Regierung in China will die Ein-Kind-Politik mit verschiedenen Maßnahmen durchsetzen. Die wichtigste davon ist Aufklärung. Eltern in China sollen wissen, warum die Ein-Kind-Politik gut für Chinas Zukunft ist. Junge Erwachsene sollen spät heiraten und spät Kinder bekommen. Frauen können in China ab dem 20. Lebensjahr heiraten, Männer müssen mindestens 22 Jahre alt sein. Paare, die bereits ein Kind haben, werden aufgefordert, sich sterilisieren zu lassen. Man schätzt, daß zehn Millionen Chines/inn/en jedes Jahr sterilisiert werden.

Frauen, die ohne Erlaubnis schwanger sind, werden vom Staat häufig gezwungen, das Kind abzutreiben. Normalerweise müssen sie ein Papier unterschreiben, daß sie freiwillig abgetrieben haben. Tatsächlich aber werden sie unter Druck gesetzt. Der chinesischen Regierung zufolge werden jedes Jahr zehn Millionen Kinder in China abgetrieben.

Ziel

Von der Bevölkerungspolitik Chinas haben wir alle schon gehört. Ziel dieser Gruppenstunde ist es, sich mit den Problemen einer explodierenden Bevölkerung auf der einen Seite und einem Staat, der sich in die Privatangelegenheiten der einzelnen Staatsbürger einmischt, auf der anderen Seite auseinanderzusetzen. Ist Familienplanung Sache des einzelnen oder des Staates?

Material

  • Tischkärtchen, Rollenkärtchen, evtl. eine Videokamera, Hintergrundmaterial über die Bevöl-kerungspolitk in China, Stifte, evtl. Saft und Gläser

Aufbau

Jedes Gruppenmitglied bekommt eine Rolle und denkt sich einen Namen für seine Rolle und ein Schriftzeichen aus - beide werden auf ein Tischkärtchen gezeichnet. Nach einer Bevölkerungskonferenz (Rollenspiel) diskutieren die Gruppenmitglied ohne Rollen.

 

Vorbereitung



Vor der Gruppenstunde wird der Raum für eine Konferenz hergerichtet. Ein Tisch, um den alle Konferenzteilnehmer/innen Platz haben, wird in die Mitte des Raumes gestellt. Auf jedem Platz ist ein leeres Tischkärtchen aufgestellt. Eventuell stehen in der Mitte ein Krug mit Saft und ein paar Gläser. Wenn mehrere Gruppenleiter/innen zur Verfügung stehen, kann eine/r Kameramann/frau sein und die gesamte Konferenz auf Video aufnehmen. Für den/die andere/n Gruppenleiter/in, der/die den/die Konferenzleiter/in spielt, ist auf dem Konferenztisch ein Platz vorbereitet.

Vor Beginn der Konferenz



Zu Beginn der Gruppenstunde begrüßt der/die Konferenzleiter/in seine Gäste und erklärt ihnen, worum es in der Gruppenstunde geht. Es werden kurz das 4-2-1-Programm erklärt und die Probleme für die Familien vor allem im ländlichen Bereich beschrieben (siehe Hintergrund).

Nun kann sich entweder jedes Gruppenmitglied eine Rolle aussuchen oder der/die Gruppenleiter/in teilt die verschiedenen Rollen ein. (Unten findest du die verschiedenen Rollenbeschreibungen)

Sind mehr Gruppenmitglieder als Rollen in der Gruppenstunde, können einige Rollen auch doppelt besetzt werden. Sind weniger Gruppenmitglieder da, ist es wichtig ein Gleichgewicht zwischen Befürworter/innen und Gegner/innen zu halten. Nach Möglichkeit sollte der/die Konfuzianist/in nie fehlen.

Die Gruppenmitglied sollen sich nun einen Namen geben und diesen auf einem Tischkärtchen des Konferenztisches als Schriftzeichen darstellen.

Konferenz



Der/die Konferenzleiter/in eröffnet die Sitzung. Ziel dieser Konferenz ist es, eine Lösung für das chinesische Bevölkerungsproblem zu finden. Es werden auch noch kurz Gesprächsregeln erklärt (z.B. Es spricht immer nur eine/r. Will man etwas sagen, muß man sich beim/bei der Konferenzleiter/in melden und warten bis diese/r einem das Wort erteilt.) Jede/r Teilnehmer/in stellt sich und seinen Standpunkt kurz vor. Die Diskussion kann beginnen. Falls den Gruppenmitgliedern eine wesentliche Information fehlt oder die Diskussion zu unsachlich wird, ist es Aufgabe des/der Konfernzleiters/in einzugreifen.

Es können auch Konferenzpausen eingelegt werden, in denen die Teilnehmer/innen eingeladen werden, sich bei einem gemeinsamen Spiel oder einer Plauderei zu erholen.

Wahrscheinlich finden die Gruppenmitglieder keine Lösung für das Problem. Sobald die Diskussion ermüdet und sich die Argumente nur mehr wiederholen, dankt der/die Konferenzleiter/in den Teilnehmer/innen für ihre Mitarbeit und beendet die Konferenz.

Bevor sich die Runde auflöst, sollte eine Tendenz, wie die Konferenzteilnehmer/innen zum Bevölkerungsproblem stehen, festgehalten werden. Dies kann in Form einer Abstimmung, ob der Staat in die Familienplanung eingreifen darf oder nicht, oder als kurzer schriftlicher Bericht geschehen. Nun sollen die Gruppenmitglieder die Gelegenheit haben, ihre eigenen Meinungen zu diesem Thema zu formulieren und über den Ablauf und das Ergebnis der Konferenz zu diskutieren. Wurde die Konferenz auf Video aufgenommen, kann sie auch noch angesehen werden.

Rollenbeschreibungen



Verbotenes Kind

Du hattest das Pech, als zweites Kind Deiner Eltern auf die Welt zu kommen. Nun darf keiner wissen, daß Du lebst und zu ihnen gehörst, sonst muß Dein Vater Strafe zahlen und Dein Bruder bekommt keine weitere Ausbildung. Du darfst nicht zur Schule gehen. Auch ein Arztbesuch ist nur gegen Bestechungsgeld mög-lich. Doch Du hattest Glück, daß Dich Deine Familie nicht ausgesetzt oder zur Adoption freigegeben hat. Das liegt aber vor allem daran, daß Du ein gesunder Bub bist und Deine Arbeitskraft gebraucht wird.

Spezialist/in für Weltbevölkerungs-Fragen

Du bist sehr genau über das Bevölkerungswachstum informiert. In Deiner Arbeit entwickelst Du Theorien und Modelle, wie die Bevölkerungsexplosion zu stop-pen ist. Du findest das chinesische Modell der Ein-Kind-Familie zwar nicht optimal, siehst aber den Er-folg, den es hat. Deshalb begrüßt Du es, daß der chi-nesische Staat die Familienplanung gesetzlich regelt.

Regierungsvertreter/in

Du siehst in dem 4-2-1-Programm die einzige Chance für Deine Regierung, sich um die Bevölkerung zu küm-mern. Nur so kann Dein Staat auch eine einigermaßen sichere Wirtschaftslage und Bevölkerungsversor-gung garantieren. Daß die Gesetze bezüglich der Fa-milienplanung sehr streng kontrolliert werden müssen, damit sich alle daran halten, steht für Dich fest. Es muß bei einem Vergehen strenge Strafen geben.

Konfuzianist/in

Gesetze können nicht wirklich etwas verändern. Will man gegen das Bevölkerungswachstum etwas unter-nehmen, muß man in den Köpfen der Menschen eine Veränderung herbeiführen. Das geht aber nur dann, wenn die sozialen Ungleichheiten beseitigt werden, sodaß arme Etlern nicht mehr darauf angewiesen sind, daß ihre Kinder sie einmal ernähren.

Europäer/in

Du bist davon überzeugt, daß sich die Menschen vor allem in "Dritte Welt Ländern" nicht unkontrolliert vermehren dürfen. Die Erde kann so viele Menschen nicht versorgen. Du siehst auch gar nicht ein, warum Du immer spenden sollst, wenn andere einfach mehr Kinder in die Welt setzen, als sie sich leisten können.

Chinesisches Einzelkind

Du bist das einzige Kind Deiner Eltern. Alle, Deine Eltern und Deine Großeltern kümmern sich ständig um Dich. Du mußt zu Hause kaum etwas helfen. Deine Aufgabe ist es, in der Schule Deine Leistung zu erbringen, damit Du einmal einen guten Job und viel Geld haben wirst. Schließlich erwartet sich Deine Fa-milie, daß Du sie einmal erhalten wirst. Du bist froh, daß Du keine Geschwister hast, denn Du kannst mit Freunden spielen und mußt zu Hause nichts teilen.

Arzt oder Ärztin

Obwohl es seit 1995 verboten ist, Untersuchungen, die das Geschlecht des Fötus bestimmen, durchzuführen, kommen immer wieder schwangere Frauen zu Dir. Sie wollen alle wissen, ob sie einen gesunden Jungen bekommen werden, denn sonst wollen sie eine Abtreibung durchführen. Oft sind diese Frauen schon im 5. oder 6. Monat ihrer Schwangerschaft und eine Abtreibung wäre für die Mutter sehr gefährlich.

Menschenrechtsvertreter/in

Familienplanung ist Privatsache. Jedes Paar soll für sich bestimmen können, wann und wie viele Kinder es haben möchte. Kein Staat hat das Recht, hier Gesetze zu erlassen. Die Bevölkerungspolitik Chinas widerspricht den Menschenrechten und sollte deshalb geändert werden.

Betroffene Familie

Ihr seid eine Familie aus der ländliche Region Chinas. Ihr seid auf eure Reisernte angewiesen und braucht jede Arbeitskraft, um zu überleben. Nur mit einem Kind ist es unmöglich, all die anfallende Arbeit zu erledigen. Wenn ihr nicht mehr Kinder bekommen könnt, werdet ihr, wenn ihr einmal nicht mehr arbeiten könnt, wahrscheinlich wie die Bettler leben müssen.

Publikation: Kinder in China

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Schlagwörter: Welt, Politik, Gesellschaft