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Schuld

Gruppenstunde | Alter: 10-13 | Aufwand: mittel

Hintergrund

Kinder werden schon in ihrer Volksschulzeit mit Wertbegriffen wie ”Schuld” konfrontiert. Da in solchen Zusammenhängen für Kinder meist ein großer moralischer Druck spürbar wird - sie wissen schon, daß jetzt irgend etwas besonders Schwieriges von ihnen gefordert wird - ist dieses ”Thema” für sie eher negativ besetzt. Dabei bleibt das Suchen nach einem Verständnis von ”Schuld” oft auf der Strecke. An diesem Punkt setzt diese Gruppenstunde an. Es wird versucht, einen für Kinder verstehbaren und nachvollziehbaren Zugang zu finden. Wenn wir uns nämlich überlegen, was ”Schuld” überhaupt bedeuten kann, dann ist es sehr hilfreich, direkt beim Wort zu bleiben. Schuld hat demnach jemand, der einem anderen etwas schuldig geblieben ist. Schuldig bleiben können Menschen einander die verschiedensten ”Dinge”: Geld, Zeit, Vertrauen, das Einlösen eines Versprechens und vieles mehr. Auch Gott können wir etwas schuldig bleiben. Dieser letzte Aspekt wird jedoch in der Gruppenstunde nur am Rand behandelt, damit sie nicht für die Kinder überladen und damit wiederum eine Überforderung wird.

Ziel

Ziel der Gruppenstunde ist es, daß die Kinder etwas mit dem Begriff ”Schuld” für sich persönlich anfangen können, um befähigt zu werden, damit verbundene Erkenntnisse auch auf ihr eigenes Leben anzuwenden.

Material

  • Schachteln (oder zumindest Säcke), Kassettenrekorder, ruhige Musik, Papier, Schreibzeug, Tixoband (oder Heftmaschine), Packpapier, je ein Bild von ”Herrn Wehmut” und ”Frau Reuer”.

Aufbau

Mit einer gemeinsamen Sammlung, was Menschen einander alles schulden können, steigen wir in die Gruppenstunde ein,
um dann in Kleingruppen zwei konkrete ”Anklagen” über die Schulden zweier Menschen zu formulieren.
In einem weiteren Schritt werden Verteidigungsargumente für die angeklagten Personen debattiert, und zwar übernimmt jeweils eine Kleingruppe die Verteidigung der Person, für die die andere Kleingruppe die Anklage formuliert hat.
Gemeinsam soll in der Folge unser ”Richterspruch” gefällt werden.
Nun überlegt sich jeder und jede für sich, welche der erwähnten Schulden auch in seinem oder ihrem eigenen Leben immer wieder ”passieren”.
Die Gruppenstunde kann eventuell, wenn die Atmosphäre danach ist, mit einem Gebet abgeschlossen werden.

 

Der Schuldenberg



Schon vor Beginn der Gruppenstunde hast Du im Gruppenraum ein Plakat aufgehängt, auf dem in großen Buchstaben steht: ”SCHULDEN, NICHTS ALS SCHULDEN!” Auf dem Boden liegt ein Haufen von Schachteln. Wenn es Dir nicht möglich ist, viele Schachteln (sie müssen ja nicht groß sein) aufzutreiben, dann kannst Du auch Säcke (oder Plastiksackerln), die mit Zeitungspapier ausgestopft sind, verwenden. Auf einigen Schachteln steht schon je ein Begriff, der benennt, was ein Mensch einem anderen schulden kann, zum Beispiel: 100 Schilling, Kaugummi, Straßenbahnfahrschein, Tisch decken, Zeit zum Spielen,....

Viele Schachteln sind noch unbeschriftet. Du sagst den Kindern, daß sich hier ein großer Schuldenberg angesammelt hat, gemeinsam müßtet Ihr aber noch überlegen, welche Schulden hier noch alle herumliegen könnten. So sammelt Ihr, was Menschen einander schulden können. Jeder Begriff, der einem Kind einfällt, wird auf eine Schachtel geschrieben (wenn Du Säcke verwendest, dann schreibt Ihr jeden Begriff auf einen Zettel, der an einen Sack geklebt oder geheftet wird). So wächst der Schuldenberg. Achte dabei darauf, daß eine Mischung aus materiellen und ideellen (Zeit, Vertrauen, Hilfe etc.) Schulden zustandekommt.


Herrn Wehmuts und Frau Reuers Anklage



Nun bringst Du an einer Wand des Gruppenraumes das Bild von Herrn Wehmut und an der gegenüberliegenden Wand das Bild von Frau Reuer an. Diese beiden haben nämlich viel Schuld auf sich geladen, und jetzt soll für jeden eine Anklagerede verfaßt werden. Dazu teilt Ihr Euch in zwei Gruppen. Eine Gruppe geht zu Herrn Wehmut, die andere Gruppe geht zu Frau Reuer. Jede Gruppe überlegt sich, welche Schulden ”ihre” Person auf sich geladen hat und holt sich die entsprechenden Schachteln (Säcke) vom Schuldenberg. In der Anklagerede soll auch zum Ausdruck kommen, wem Herr Wehmut beziehungsweise Frau Reuer das Genannte schuldet und in welchem Ausmaß das der Fall ist. Die Schuldenart und die entsprechende Zusatzinformation werden mit Filzstift auf einen Packpapierstreifen geschrieben. Sind die Gruppen mit ihren Anklageschriften fertig, werden diese hintereinander laut verlesen.


Herrn Wehmuts und Frau Reuers Verteidigung



Da wir nicht nur gute Ankläger sondern auch exzellente Verteidiger sind, wechseln wir nun unsere Rollen, und wir wechseln die Plätze. Jede Gruppe geht zum Bild der Person, für die die andere eine Anklagerede verfaßt hat. Jetzt gilt es, je eine Verteidigungsrede für Herrn Wehmut und Frau Reuer zu verfassen, indem wir nach ”Entschuldigungsgründen” suchen, um die Last der Schuld eben ein wenig geringer zu machen. Die Verteidigungsreden müssen nicht mehr schriftlich festgehalten werden, wir erzählen sie einfach - jede Gruppe neben ihrem zu verteidigenden Schuldenberg stehend - einander.


Unser Richterspruch



Dann kommen die Kleingruppen wieder zusammen. Gemeinsam wird nun nach Abwägung aller Anklagen und Verteidigungsargumente für jede Person ein Richterspruch gefällt. Dabei überlegen wir, was die betreffende Person tun soll, um ihre Schulden wieder gut zu machen. Ist für einen Anklagepunkt ein Urteil verkündet worden, wird die entsprechende Schachtel vom Schuldenberg genommen und auf den Boden gelegt. Sind alle Urteile gefällt und die Schuldenberge abgebaut worden, liegen die Schachteln (Säcke) im Raum verteilt auf dem Boden.


Und Ich?



Von den vielen Möglichkeiten der Schuld, die wir gemeinsam gesammelt und besprochen haben, betreffen sicher auch einige uns selbst. Wir Menschen bleiben nun einmal oft einander etwas schuldig. Welche dieser Schulden auch wir manchmal bei anderen haben, darüber wollen wir nachdenken. Du spielst ruhige Musik, und alle gehen durch den Raum, jeder und jede für sich, von einer Schachtel zur anderen. Wir überlegen uns, welche Schuldenschachtel eine von uns selbst sein könnte und versuchen, uns damit zusammenhängende Situationen, die wir erlebt haben, in Erinnerung zu rufen. Vielleicht fällt uns dabei ein, wie wir bei Frau Reuer und bei Herrn Wehmut geurteilt haben. Eventuell ist ein Tip für uns selbst dabei, wie wir mit der einen oder anderen Schuld umgehen könnten. Dieser Vorgang soll wirklich ganz individuell ablaufen! Es geht nicht darum, voreinander über eigene Schuld zu reden. Dieser Schritt wird vielleicht nur sehr kurz dauern, weil er viel Konzentration von den Kindern fordert. Auch wenn diese individuelle Besinnung nicht lange dauert, ist sie für das einzelne Kind sicher hilfreicher als ”öffentliche Schuldbekenntnisse”.


Lieber Gott...



Wenn es die Atmosphäre erlaubt, könnt Ihr diese Gruppenstunde mit einem Gebet abschließen. Du könntest etwa folgende Sätze formulieren:

”Lieber Gott, wir haben jetzt viel darüber nachgedacht, was Menschen einander alles schulden können. Bitte hilf uns, wenn wir uns bemühen, anderen nicht allzu viel schuldig zu bleiben. Hilf dabei bitte auch anderen Menschen, die wir mögen.”
(Wenn die Kinder wollen, können sie an dieser Stelle Beispiele aus der eigenen Erfahrung sagen. Du solltest sie aber in keinem Fall dazu drängen.)
”Bitte steh uns auch bei, wenn wir anderen versuchen zu helfen, ihre Schuldenberge abzubauen. Danke schön! Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.”

Autor/in: Regina Petrik-Schweifer

Publikation: Moment mal, KiK 94

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Schlagwörter: Werte, Ich