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Verschiedene An-sichten

Gruppenstunde | Alter: 13-15 | Aufwand: mittel

Ziel

Zu verschiedenen Themen oder Gegenständen werden unterschiedliche Blickwinkel eingenommen. Die jeweiligen "An-Sichten", die sich so ergeben, werden auf verschiedenste Arten dargestellt.

Oft sind zu verschiedenen Dingen oder Themen ganz bestimmte Sichtweisen naheliegend, weil man gewohnt ist, genau diese Sichtweise einzunehmen, und weil man einfach nicht auf die Idee kommt, diese Dinge oder Themen aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Diese "Sichtweise" ist aber nicht für alle Menschen die selbe. Die Bilder und Vorstellungen, die man sich von der Welt und ihren Teile macht, sind daher individuell und nicht allgemeingültig.
Das heißt nun nicht, daß es schlecht ist, Bilder und Vorstellungen zu entwickeln. Dies ist ganz im Gegenteil notwendig. Aber im Umgang mit Menschen und dem Bemühen, diese zu verstehen, kann es hilfreich sein, auch andere Perspektiven einnehmen und verstehen zu können. Nicht zuletzt ist dies ein Schritt in die Richtung, das eigene Weltbild in Auseinandersetzung mit anderen zu reflektieren.

Will man Dinge oder Themen von unterschiedlichen Seiten betrachten, so liegt eigentlich nichts näher, als tatsächlich verschiedene An-Sichten zu diesem Thema zu gestalten. Als Darstellungsmethode dient ein Würfel aus Karton: Er hat sechs verschiedene Seiten und ist doch ein Ding.
Die Themenwahl für die Gestaltung der einzelnen Würfel bleibt den Kindern überlassen: Dies ermöglicht einen sehr flexiblen Einsatz der Gruppenstunde. Auch Gruppen, deren Mitglieder unterschiedlich alt sind (aber doch zwischen 13 und 15), können von dieser Stunde profitieren: Jüngere können sich konkreten Objekten zuwenden, Ältere können abstraktere Themen bearbeiten.

Material

  • Drudel
  • Klebestreifen
  • dünner Karton für die Würfel
  • Packpapier
  • ganz, ganz viel Material zum Gestalten der Würfel (Zeitungen und Zeitschriften, buntes Papier, verschiedene Schreib- und Malgeräte, Wolle,...); außerdem Scheren, Klebstoff, ...
  • Streichhölzer
  • Nylonfaden
  • eine Stange (z.B. Stiel eines ausgedienten Besens)
  • eventuell Brötchen und Saft

Aufbau

Am Beginn wird eine Drudelausstellung besichtigt, in der die Gruppenmitglieder mit ungewöhnlichen Blickwinkeln konfrontiert werden.
Anschließend werden auf einem großen Papierwürfel verschiedene An-Sichten zu verschiedenen Themen dargestellt.
Bei der folgenden Erweiterung der Ausstellung um die fertiggestellten Würfel können die Gruppenmitglieder einander ihre Eindrücke erzählen.
Wenn die Gruppenmitglieder das möchten, kann die Ausstellung auch anderen Leuten zugänglich gemacht werden

 

Diese Gruppenstunde soll trotz ihrer thematischen Intention (siehe Hintergrund und Ziel) auch zum lustvollen und kreativen Gestalten animieren. Die Hoffnung der Autoren ist, daß die Auseinandersetzung während der Herstellung der Würfel und der anschließenden Ausstellung dem im Ziel formulierten Anspruch genügt.

Drudelausstellung zum Einstieg



Im Raum sind für die eintreffenden Gruppenmitglieder verschiedenste Drudel aller Art zu besichtigen. (Drudel sind Bilder, deren Bedeutung nicht sofort ersichtlich ist, da sie ein Objekt aus ungewöhnlichen Blickwinkeln darstellen. Ein paar Beispiele findest Du als Kopiervorlage dort und dort). Es ist günstig, sie dort aufzuhängen, wo die abschließende Aufhängung der fertigen Würfel geplant ist, weil dann hat man eine komplette An-Sichten-Ausstellung.
Um das gemeinsame Interpretieren der Drudel spannender zu machen, könntest Du die Erklärung wegschneiden und auf die Rückseite kleben. Außerdem könntest Du die Drudel auf eine Unterlage kleben, sodaß noch Platz bleibt, eigene Deutungen des Dargestellten dazu zu schreiben.

Hohe Kuh
Die Offensichtlichkeit dieses Drudels ist geradezu grotesk.
Großstädter unter den Leser/innen werden übrigens festgestellt haben, daß es sich um eine altmodische Kuh handelt (ohne Spezialhahn für Joghurt).
Kühe sind freundliche Lebewesen, die uns mit Milch versorgen und der nicht selten mobilisiert werden, um die Fabel in einem Wildwestfilm zu motivieren. So asoziale Regungen wie Mord, Brandstiftung, Raub oder Schmuggel sind ihnen vollkommen fremd. Und im Gegensatz zu gewissen Zweibeinern, die wir rücksichtsvoll nicht beim Namen nennen wollen, hat keine Kuh je etwas Dümmeres als "Muh" gesagt. Die Kuh ist auch feinfühlend: Wenn Sie je einer begegnen sollten, versuchen Sie doch, ihr etwas Schmeichelhaftes zu sagen.

Zwei Blutkörperchen auf der Hochzeitsreise
Notorische Besserwisser werden natürlich sagen, dieser Drudel sei blöd. Uns hat er jedenfalls inspiriert zur Liebesgeschichte der zwei frischvermählten Blutkörperchen Ruthli Roth und Willi Weiß´. Die beiden verbrachten unvergeßliche Flitterwochen. Zuerst besuchten sie Ruthlis Verwandte im Süden in den Zehen unten; dann reisten sie in den Westen zu Willis Familie in den Fingern draußen. Auf dem Rückweg schalteten sie einen Halt beim Magen ein und waren Zeugen eines Wasserglas-Wasserfalls, der rauschend die Speiseröhre hinuntertoste (dieselbe Nacht verbrachten sie in den Lungen, um etwas Luft zu schnappen!).-Je länger wir es uns überlegen, desto mehr neigen wir zur Auffassung, daß dieser Drudel doch eher blöd ist.

Reiche Sardine mit Privatbüchse
Dieser Drudel wirft eine ganze Reihe tiefer Probleme auf. Jeder einigermaßen empfindsame Mensch wird sich darüber während zwanzig Minuten Gedanken machen. Warum hat gerade dies Sardine eine Privatbüchse? Hat sie etwa beim Sport-Toto den ersten Preis gewonnen? Und wenn sie schon so reich ist, warum hat sie keine Freunde/innen? Könnte sie sich nicht einen Diener anstellen, der von Zeit zu Zeit eine Zitrone über ihr ausdrückt?- Sie muß sehr deprimiert und einsam sein. Glauben Sie nicht auch, daß unsere Sardine durch den "Anabelle"-Briefkasten eine Freundin - möglichst eine gute Schwimmerin, die sich für Innenarchitektur interessiert - suchen sollte?

Würfelbau: Verschiedene An-Sichten



Du hast verschiedene "Würfel-Rohlinge" aus dünnem Karton mitgebracht. Anschließend findest Du eine Vorlage für das Netz eines Würfels.

Nachdem Ihr nun relativ alltägliche Dinge aus ungewohntem Blickwinkel betrachtet habt, geht Ihr daran, dies selber zu tun. Du forderst die Gruppenmitglieder auf, sich (alleine oder in Zweiergruppen) zu überlegen, was sie in unterschiedlichen An-Sichten darstellen wollen. Der Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt: Es können verschiedene An-Sichten von ganz konkreten Objekten (wie zum Beispiel Tisch, Jungscharraum...) oder von eher abstrakten Themen (wie zum Beispiel Ferien, Freundschaft,...) gemacht werden. Als Anregung könntest Du auf ein Plakat eine Fülle von Vorschlägen geschrieben haben. Es kann auch hilfreich sein, ein paar Minuten herumzuspazieren und einfach nach interessanten Dingen Ausschau zu halten.
Für die anschließende Gestaltung der Würfel hast Du ganz viel unterschiedlichstes Material mitgebracht: Stifte aller Art, alte Zeitungen und Zeitschriften, Buntpapier, Alufolie, Wolle,.... Nimm einfach mit, was Du finden kannst, alles ist hier verwertbar! Auch eine Sofortbildkamera kann hier gute Dienste leisten, sie hat allerdings auch Nachteile: Filme für Sofortbildkameras sind sehr, sehr teuer; außerdem verlieren die anderen Materialien deutlich an Attraktivität. Einzelne Würfelseiten können natürlich auch beschriftet werden.
Vermutlich ist es praktisch, das Netz erst nach Gestaltung der einzelnen Seiten zusammen zu kleben. Um die Lage der einzelnen Seiten zu einander festzustellen, kann man das Netz ja trotzdem schon einmal falten.

Erweiterung der Ausstellung um die fertiggestellten Würfel



Bevor die Würfel zusammengeklebt werden, wird an einer Ecke ein Streichholz in den Würfel getan, an dem ein Nylonfaden befestigt wird. Dieser Nylonfaden ragt, wenn der Würfel einmal zusammengeklebt ist, aus dem Würfel heraus und kann so als Aufhängevorrichtung dienen.

Die Würfel werden nun auf einer Stange aufgehängt, die sich an der Stelle im Raum befindet, wo auch die Drudel hängen. So habt Ihr nun eine komplette Ausstellung zum Thema "Verschiedene An-Sichten" gestaltet, die nun natürlich besichtigt werden will. Der Austausch über die Würfel läßt sich vielleicht durch "Vernissage-Stimmung" anregen, indem es Gläser mit Saft oder vielleicht auch Brötchen gibt.
Vielleicht könnt Ihr Eure Ausstellung ja auch einem breiteren "Publikum" zugänglich machen und zum Beispiel im Pfarrcafé präsentieren.

Autor/in: Alrun Fichtenbauer,Marcus Bruck

Publikation: KiK 96

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Schlagwörter: Ich und die anderen, Kreativität